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34 Milchprodukte im Test

Die Legende vom Glück ohne Ende

ÖKO-TEST April 2013 | Kategorie: Essen und Trinken | 28.03.2013

34 Milchprodukte im Test

Glaubt man den Verpackungen von Milch, Butter, Joghurt und Käse, tummeln sich in Deutschland nur glückliche Kühe, die von morgens bis abends sattes Grün von der Weide fressen. Unser Test enthüllt: Rund zwei Drittel der Produkte, die mit "Weidemilch" oder grünen Wiesen locken, sind von Kühen, die wohl selten Gras gesehen haben. Und die wenigsten Molkereien verbieten Gen-Tech-Soja im Futtertrog.

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Saftig grüne Wiesen, hübsche Fachwerkhäuschen, glückliche Kühe auf der Alm - die Verpackungen von Milch, Käse und Co. im Supermarkt zeigen eine Bauernhofidylle

wie aus dem Bilderbuch. Aber wie realistisch sind solche Weidebilder wirklich?

Insgesamt werden in ganz Deutschland jedes Jahr rund 29 Milliarden Liter Milch erzeugt - so viel wie in keinem anderen EU-Land. Doch die Zahl der Molkereien ist stark rückläufig. Inzwischen sind es weniger als 100, die ihre Produkte zum Teil weltweit vermarkten. Die Milch wird aus immer größer werdenden Gebieten eingesammelt. Woher sie kommt, weiß der Verbraucher in der Regel nicht.

Wie viele Kühe überhaupt noch auf die Weide kommen, wollte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vor einiger Zeit in einer Anfrage an die Bundesregierung wissen. Laut der jüngsten Landwirtschaftszählung im Jahr 2010 sind es 42 Prozent. Experten sehen diese Zahl jedoch mit großer Skepsis: "Es gibt einen klaren Trend zu Null-Weidegang", sagt der Agrarexperte Dr. Daniel Weiß. Er schätzt, dass weniger als ein Zehntel der deutschen Milchkühe regelmäßig auf einer Weide grasen, "die große Mehrheit kommt aus dem Stall nicht mehr heraus".

Die klassische Kuh auf der Weide findet man vor allem noch in den sattgrünen Gebieten der Nordseeküste, in Mittelgebirgsregionen, in denen die Hänge steil und unbefahrbar sind, etwa im Schwarzwald und Bergischen Land sowie in den Alpen oder im Alpenvorland. Zu den Ländern mit dem geringsten Anteil weidehaltender Betriebe zählt das traditionelle Milcherzeugerland Bayern - trotz seiner großen Landwirtschaftsfläche.

"Schon in der Schule wird den jungen Milchbauern eingeimpft, Weide sei rückständig und ineffizient im Vergleich zur Stallfütterung", sagt Weiß, der mehrere Jahre an der Fachhochschule Weihenstephan in Freising gelehrt hat. Einen großen Teil der Weidefläche haben die Landwirte umgepflügt, um darauf Getreide und Mais anzubauen. Der Mais wird nach der Ernte im Herbst als Silage haltbar gemacht und das ganze Jahr über an das Milchvieh im Stall verfüttert. Dazu landet tonnenweise Kraftnahrung, darunter neben Getreide, Rapsschrot und industriell getrockneten Rübenschnitzeln auch genmanipuliertes Soja aus Übersee, in den Futtertrögen - Konservenfutter für Hochleistungskühe.

Die Tiere werden draufhin gezüchtet, mehr Milch zu geben, als es ihre Körper vertragen: 8.000 bis 10.000 Liter pro Jahr. Auch die hohe Kraftfutterdosis bekommt den Wiederkäuern nicht, da ihr Verdauungssystem auf Grasrohkost ausgelegt ist. Doch davon steht nichts auf den Verpackungen der Milchprodukte.

Low Cost macht Kühe glücklich

Aber es braucht weder Hochleistungskühe noch Unmengen an Kraftfutter, um effizient Milch zu produzieren. Weidehaltung ist in Irland und Neuseeland längst Standard. Studien zeigen, dass sich der Weidegang im sogenannten Low-Cost-System (Niedrigkostensystem) auch in Deutschland wirtschaftlich rechnen kann.

"Ziel ist, möglichst viel Milch direkt aus Gras zu gewinnen", sagt Johannes Brenner. Der 31-


Milchprodukte: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Gut & Günstig Emmentaler 45% Fett i. Tr.
  • Edeka

Edeka Joghurt mild 3,8% Fett
  • Edeka

Söbbeke Demeter Joghurt mild 3,7% Fett
  • Molkerei Söbbeke

Milfina Speisequark 40% Fett i. Tr.
  • Aldi Süd

Schwarzwaldmilch Freiburg Bioland Frische Bio Vollmilch 3,8%
  • Schwarzwaldmilch

Almette Alpenfrischkäse Natur
  • Almette

Südmilch Saure Sahne 10% Fett
  • Friesland Campina

Gutes Land Schmand
  • Netto Marken-Discount

Frau Antje Weidebutter mild gesalzen
  • Friesland Campina

Andechser Natur Bio Joghurt mild 3,7% Fett
  • Andechser Molkerei Scheitz

Landfein Deutsche Markenbutter mild gesäuert
  • Norma

Biotrend Bio Vollmilch 3,8% Fett
  • Lidl

Meggle Alpenbutter
  • Meggle

Kiri mit Sahne, Schmelzkäse aus Frischkäse
  • Bel Deutschland

Milsani Schlagsahne
  • Aldi Nord

Edeka Bio Frische Fettarme Milch 1,5% Fett
  • Edeka

Alpengipfel Vorarlberger Bergkäse
  • Müller Moers

Frico Original Maasdam, 45% Fett i. Tr.
  • Friesland Campina

Berghütte Frischkäse Natur
  • Gebr. Woerle

Real Quality Haltbare Milch 1,5% Fett
  • Real

Kerrygold Original Irischer Cheddar, 48% Fett i. Tr.
  • IDB Deutschland

Bergader Bergbauern Käse mild-nussig
  • Bergader Privatkäserei

Bio Frische Bio-Vollmilch 3,8% Fett
  • Aldi Süd

Käsehof Würzig-Kräftiger Original Bergkäse
  • Käsehof

Weihenstephan Frische Alpenmilch 3,5% Fett
  • Molkerei Weihenstephan

Müller Reine Butter Milch
  • Molkerei Alois Müller

Ehrmann Allgäuer Speisequarkzubereitung 40% Fett
  • Ehrmann

Arla Esrom 45% Fett i. Tr.
  • Arla Foods

Landliebe haltbare Landmilch 3,8% Fett
  • Landliebe

Weideglück Allgäuer Landjoghurt mild 3,5% Fett
  • Milchwerke Schwaben

Holland Gouda mittelalt 48% Fett i. Tr.
  • Aldi Nord

Berchtesgadener Land Frische Bergbauern Milch 3,5% Fett
  • Milchwerke Berchtesgadener Land

Bayernland Rollen Butter
  • Bayernland

OM Obersteirische Molkerei Bergkäse im Stück
  • Landmann Marketing und Vertrieb

34 Milchprodukte im Test
ÖKO-TEST April 2013 Seite 34
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ÖKO-TEST April 2013 Seite 39
ÖKO-TEST April 2013 Seite 40
ÖKO-TEST April 2013 Seite 41
ÖKO-TEST April 2013 Seite 42
ÖKO-TEST April 2013 Seite 43

10 Seiten
Seite 34 - 43 im ÖKO-TEST April 2013
vom 28.03.2013
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Die Kühlregale der Supermärkte sind voll davon: Milchprodukte, auf deren Verpackungen Kühe auf sattgrünen Weiden grasen, im Hintergrund oft noch ein Bergidyll. Das Rindviehleben, ein wahres Schlemmerleben! Wie passt das zusammen mit den Berichten über Massentierhaltung und landwirtschaftliche Hochleistungsbetriebe, die aus den Kühen möglichst viel Milch pressen wollen? Wir haben insgesamt 34 Milchprodukte - darunter Milch, Butter, Käse, Sahne, Quark und Joghurt - mit entsprechender Aufmachung eingekauft, um am Produkt selbst prüfen zu lassen, ob die Kühe überhaupt je Grünfutter bekamen. Im Einkaufskorb landete sowohl Markenware wie auch Eigenmarken der Discounter und Supermarktketten sowie Produkte aus dem Bio-Laden.

Die Fütterung

Mit der Messung von Milchfettsäuren, insbesondere der Omega-3-Fettsäuren im Produkt, kann nachgewiesen werden, ob die Kuh, die die Milch lieferte, Grün- oder Kraftfutter zu fressen bekam. Analytisch nicht mehr nachweisbar ist, ob die Kuh gentechnisch verändertes Futter bekam, etwa Soja. Wir forderten daher die Hersteller auf, uns zu beweisen, dass dies nicht der Fall war. Zum Beispiel, indem sie uns einen entsprechenden Vertrag vorlegen, in dem der Ausschluss von Gen-Technik zur Bedingung gemacht wird.

Die Bewertung

Da wir uns auf den Aspekt der Fütterung beschränkt haben, vergeben wir kein Gesamturteil. Wir zeigen aber auf, ob die Fütterung der Kühe, die die Milch für das betreffende Produkt lieferten, in Ordnung war oder nicht. Hier können die Hersteller ganz konkret nachbessern.

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Spezial Energie
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ÖKO-TEST April 2013
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Erschienen am 28.03.2013

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