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15 Laminatböden im Test

ÖKO-TEST Februar 2012
vom 27.01.2012

Laminat

Mehr Schein als sein

Das ist Laminat. Doch ein Glanz wie auf unserem Bild ist nicht unbedingt von Dauer - die Kunststoffoberflächen vieler Produkte sind nicht so robust, wie viele Verbraucher erwarten.

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27.01.2012 | Was tun, wenn ein neuer Boden für die Wohnung fällig ist, man den finanziellen und zeitlichen Aufwand aber möglichst gering halten möchte? Wenn man eh nicht vorhat, ewig in einer Wohnung zu bleiben? Viele Optionen hat man da nicht. PVC-Böden sind die reinsten Schadstoffschleudern, wie unser Test in der vergangenen ÖKO-TEST-Ausgabe gezeigt hat. Teppich eignet sich nicht für alle Bereiche - vor allem wenn öfter mal verdreckte Schuhe oder Hundepfoten zu erwarten sind, ist es praktischer, wenn man den Boden wischen kann. Parkett ist natürlich schön und erfreut auch die nachfolgenden Generationen noch, weil man es abschleifen und neu versiegeln kann - bei gutem Parkett mit großzügiger Nutzschichtdicke auch mehrmals. Dafür ist es aber auch eine echte Investition. Und ein geöltes, gewachstes Parkett verlangt zudem verstärkt pflegende Zuwendung.

Kein Wunder, dass die Wahl häufig auf Laminat fällt. Mit ein bisschen handwerklichem Geschick kann man es selbst verlegen, der Quadratmeter ist ab drei Euro zu haben, die Holzoptik passt zu praktisch allen Möbeln und Wohnstilen.

Die Melamin- oder Acrylharzoberfläche eines Laminats ist zuerst einmal robuster als die Oberfläche eines Fertigparketts. Je nach Holzart gibt Echtholz eben eher nach, wenn man mit Stilettos darüberstöckelt. Das macht Laminat für viele Heimwerker und Bauherren attraktiv. Doch wenn wirklich mal ein Steinchen in der Schuhsohle für einen Kratzer in der Oberfläche sorgt, wird der Unterschied deutlich: Unter der Laminatharzschicht verbirgt sich nur ein Dekorpapier, dann kommt schon gleich die Trägerplatte, die in der Regel aus Holzwerkstoffplatten wie MDF oder HDF besteht. Drüberschleifen ist deshalb nicht.

Die Hersteller arbeiten daran, Echtholzböden so gut es geht zu imitieren. In die Kunststoffoberfläche werden Fasern und Poren eingeprägt, es gleicht nicht mehr ein Paneel dem anderen, manchmal könnte man glatt vergessen, dass man nur auf dem Bild eines Holzbodens herumläuft. Doch die natürliche Ausstrahlung gibt's eben nur bei echter Natur. Und wer sich schon einmal über das fußkalte Laminatgefühl gewundert hat: Laminat leitet Wärme einfach schneller ab als Holz.

Europameister in Sachen Laminat: Deutschland

Die Deutschen sind europaweit die größten Laminatfans, über 80 Millionen Quadratmeter wurden hier 2010 verlegt. Für den Verband Europäischer Fußbodenhersteller war das Jahr 2010 das zweitbeste seit seiner Gründung 1994, denn auch im europäischen Ausland boomt Laminat. Zu Recht? Wir haben 15 Produkte eingekauft und sowohl das Material als auch die praktischen Eigenschaften untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Oben saubere Luft, unten ein robuster Bodenbelag: Im Großen und Ganzen schnitten die Laminate akzeptabel ab. Eine unschöne Eigenschaft haben nahezu alle: Sie können sich recht schnell elektrostatisch aufladen, was Auswirkungen auf das Raumklima hat. Und einige Modelle halten nicht so viel aus, wie ihre Hersteller versprechen.

Nicht am falschen Ende sparen! W

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Der Großteil der 15 Laminate wurde in Baumärkten eingekauft. Die Paneele von Hamberger Flooring, Holzland, Schulte und Tarkett stammen aus dem Fachhandel. Die meisten Laminate sind mit der Beanspruchungsklasse 31 deklariert, das heißt sie sind in Privathaushalten für alle Bereiche einsetzbar. Zwei Produkte im Test sollen auch für stärkere gewerbliche Nutzung geeignet sein.

Das Material
Bei Laminat zählt vor allem, was es ausgast, wenn es in der Wohnung liegt. Großes Thema ist hier natürlich krebserregendes Formaldehyd, das im Leim der Trägerplatte wie auch der Melaminharzbeschichtung zum Einsatz kommt. Aber auch andere Lösemittel können für schlechte Luft sorgen. Wir ließen messen, welche flüchtigen organischen Verbindungen aus der Laminatoberfläche in die Luft entfleuchen.

Die elektrostatische Oberflächenspannung
Altes Problem bei Laminat: Es lädt sich leicht elektrostatisch auf. Ursache hierfür ist die Kunststoffdeckschicht mit ihrem hohen Oberflächenwiderstand. Dieser sorgt dafür, dass Ladungsverschiebungen, die etwa beim Drüberlaufen mit Socken oder Turnschuhen entstehen, kaum oder nur langsam ausgeglichen und abgebaut werden. Im Labor wurde dies mit einer ganzen Reihe hochkomplexer Geräte, aber unter "normalen" Raumbedingungen gemessen.

Der Praxistest
Ist das Laminat so strapazierfähig, wie der Hersteller behauptet? Aus Erfahrung wissen wir: Es ist besser nachzuprüfen. Ein Fachlabor testete für uns nach Normvorgaben. Dabei wird eine gut 300 Gramm schwere Metallkugel aus verschiedenen Höhen auf die Oberfläche fallen gelassen sowie eine kleinere Kugel mit zunehmendem Druck auf die Oberfläche geschleudert. Hört sich theoretisch an, simuliert aber ganz gut Alltagssituationen - lässt man sich mit Schwung in den schweren Lesesessel plumpsen oder übt die Freundin, auf ihren neuen Stilettos zu laufen, kommen ganz ähnliche Stöße zustande.
Wie beständig Laminat gegen Feuchtigkeit ist, wird getestet, indem Proben 20 Stunden lang in ein Wasserbad gelegt werden: Material, das hier nicht allzu stark aufquellt, hält auch aus, wenn mal aus Versehen etwas zu feucht aufgewischt wird. Darüber hinaus wurde im Praxislabor bis auf Hundertstel Millimeter genau gemessen, wie groß die Höhenunterschiede zwischen den zusammengesteckten Paneelen sind und ob die Fugen auch schön dicht sind.
Neu in unserem Prüfprogramm ist das Thema "Mikrokratzer". Die entsprechende Norm wird demnächst in Kraft treten und womöglich wird man auch bald auf ersten Laminaten die Info finden, in welche Kratzempfindlichkeitsklasse ein Boden eingestuft ist. Bei den Scheuerprüfungen wird die Oberfläche mit verschiedenen Reibmitteln bearbeitet, die man sich wie raue Putzschwämme vorstellen kann. Die etwas feinere Variante dient dazu, zu prüfen, wie stark die Oberfläche an Glanz verliert, was mit einem sogenannten Reflektormeter vor und nach den Prüfungen ermittelt wird. Etwas groberes Schleifmaterial kommt zum Einsatz, um zu prüfen, wie schnell Kratzer auf der Oberfläche erkennbar sind.

Weitere Mängel: Die Deklaration
Das A und O bei der Auswahl eines Laminats ist die Beanspruchungsklasse, denn sie bestimmt, ob ein Laminat auch für Küche und Flur geeignet ist oder maximal im Schlafzimmer unbeschadet mehrere Jahre aushält. Wir haben uns angesehen, ob ein Boden hält, was der Hersteller verspricht.

Die Bewertung
Böden, deren Stoßfestigkeit unter den Mindestanforderungen der Norm bleibt, werten wir im Testergebnis Praxisprüfung ab. Abzüge, wenn auch nicht so stark, gibt es hier auch, wenn die Vorgaben nur ganz knapp erfüllt werden. Lobt ein Hersteller für sein Laminat eine zu hohe Beanspruchungsklasse aus oder entspricht ein Laminat gar keiner Beanspruchungsklasse, werten wir unter "Weitere Mängel" um zwei beziehungsweise vier Noten ab, was sich wiederum auf das Testergebnis Praxisprüfung auswirkt. Generell gilt: Ein empfehlenswertes Laminat besteht in allen drei Disziplinen: Inhaltsstoffe, elektrostatische Oberflächenspannung, Praxisprüfung.

So haben wir getestet

Wie schnell entstehen Dellen? Um das zu prüfen, wird eine Metallkugel aus ansteigender Höhe aufs Laminat fallen gelassen

So haben wir getestet

Die Scheuerprüfung mit dem Mini-Martindale-Gerät zeigen, wie kratzempfindlich eine Laminatoberfläche ist.