Startseite
10 Laminatböden im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014
vom 11.10.2013

Laminat

Ein Bild von einem Boden

Laminat ist eigentlich nicht viel mehr als das Abbild eines Holzbodens. Doch sein glamouröser Auftritt ist nicht unbedingt von Dauer - die Kunststoffoberflächen vieler Produkte sind nicht so robust, wie viele Verbraucher erwarten.

404 | 25

11.10.2013 | Die Deutschen sind europaweit die größten Laminatfans, auch im europäischen Ausland boomt Laminat. Zu Recht? Die Melamin- oder Acrylharzoberfläche eines Laminats ist zuerst einmal robuster als die Oberfläche eines Fertigparketts. Je nach Holzart gibt Echtholz eben eher nach, wenn man mit Stilettos darüberstöckelt. Das macht Laminat für viele Heimwerker und Bauherren attraktiv. Doch wenn wirklich mal ein Steinchen in der Schuhsohle für einen Kratzer in der Oberfläche sorgt, wird der Unterschied deutlich: Unter der Laminatharzschicht verbirgt sich nur ein Dekorpapier, dann kommt schon gleich die Trägerplatte, die in der Regel aus Holzwerkstoffplatten wie MDF oder HDF besteht. Drüberschleifen ist deshalb nicht.

Wir haben zehn Produkte eingekauft und sowohl das Material als auch die praktischen Eigenschaften untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Die Laminate sind ganz akzeptabel. Eine unschöne Eigenschaft haben alle: Sie können sich recht schnell elektrostatisch aufladen, was Auswirkungen auf das Raumklima hat.

Weniger als vier Euro zahlt man bei den günstigsten Produkten pro Quadratmeter. Dafür bekommt man allerdings auch nicht ganz so robuste Paneele.

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014

Online lesen?

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014 für 7.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Der Großteil der zehn Laminate wurde in Baumärkten eingekauft. Die Paneele von Hamberger Flooring, Holzland, Schulte und Tarkett stammen aus dem Fachhandel. Die meisten Laminate sind mit der Beanspruchungsklasse 31 deklariert, das heißt sie sind in Privathaushalten für alle Bereiche einsetzbar. Zwei Produkte im Test sollen auch für stärkere gewerbliche Nutzung geeignet sein.

Das Material
Bei Laminat zählt vor allem, was es ausgast, wenn es in der Wohnung liegt. Großes Thema ist hier natürlich krebserregendes Formaldehyd, das im Leim der Trägerplatte wie auch der Melaminharzbeschichtung zum Einsatz kommt. Aber auch andere Lösemittel können für schlechte Luft sorgen. Wir ließen messen, welche flüchtigen organischen Verbindungen aus der Laminatoberfläche in die Luft entfleuchen.

Die elektrostatische Oberflächenspannung
Altes Problem bei Laminat: Es lädt sich leicht elektrostatisch auf. Ursache hierfür ist die Kunststoffdeckschicht mit ihrem hohen Oberflächenwiderstand. Dieser sorgt dafür, dass Ladungsverschiebungen, die etwa beim Drüberlaufen mit Socken oder Turnschuhen entstehen, kaum oder nur langsam ausgeglichen und abgebaut werden. Im Labor wurde dies mit einer ganzen Reihe hochkomplexer Geräte, aber unter "normalen" Raumbedingungen gemessen.

Der Praxistest
Ist das Laminat so strapazierfähig, wie der Hersteller behauptet? Aus Erfahrung wissen wir: Es ist besser nachzuprüfen. Ein Fachlabor testete für uns nach Normvorgaben. Dabei wird eine gut 300 Gramm schwere Metallkugel aus verschiedenen Höhen auf die Oberfläche fallen gelassen sowie eine kleinere Kugel mit zunehmendem Druck auf die Oberfläche geschleudert. Hört sich theoretisch an, simuliert aber ganz gut Alltagssituationen - lässt man sich mit Schwung in den schweren Lesesessel plumpsen oder übt die Freundin, auf ihren neuen Stilettos zu laufen, kommen ganz ähnliche Stöße zustande.
Wie beständig Laminat gegen Feuchtigkeit ist, wird getestet, indem Proben 20 Stunden lang in ein Wasserbad gelegt werden: Material, das hier nicht allzu stark aufquellt, hält auch aus, wenn mal aus Versehen etwas zu feucht aufgewischt wird. Darüber hinaus wurde im Praxislabor bis auf Hundertstel Millimeter genau gemessen, wie groß die Höhenunterschiede zwischen den zusammengesteckten Paneelen sind und ob die Fugen auch schön dicht sind.
Neu in unserem Prüfprogramm ist das Thema "Mikrokratzer". Die entsprechende Norm wird demnächst in Kraft treten und womöglich wird man auch bald auf ersten Laminaten die Info finden, in welche Kratzempfindlichkeitsklasse ein Boden eingestuft ist. Bei den Scheuerprüfungen wird die Oberfläche mit verschiedenen Reibmitteln bearbeitet, die man sich wie raue Putzschwämme vorstellen kann. Die etwas feinere Variante dient dazu, zu prüfen, wie stark die Oberfläche an Glanz verliert, was mit einem sogenannten Reflektormeter vor und nach den Prüfungen ermittelt wird. Etwas groberes Schleifmaterial kommt zum Einsatz, um zu prüfen, wie schnell Kratzer auf der Oberfläche erkennbar sind.

Weitere Mängel: Die Deklaration
Das A und O bei der Auswahl eines Laminats ist die Beanspruchungsklasse, denn sie bestimmt, ob ein Laminat auch für Küche und Flur geeignet ist oder maximal im Schlafzimmer unbeschadet mehrere Jahre aushält. Wir haben uns angesehen, ob ein Boden hält, was der Hersteller verspricht.

Die Bewertung
Böden, deren Stoßfestigkeit unter den Mindestanforderungen der Norm bleibt, werten wir im Testergebnis Praxisprüfung ab. Abzüge, wenn auch nicht so stark, gibt es hier auch, wenn die Vorgaben nur ganz knapp erfüllt werden. Lobt ein Hersteller für sein Laminat eine zu hohe Beanspruchungsklasse aus oder entspricht ein Laminat gar keiner Beanspruchungsklasse, werten wir unter "Weitere Mängel" um zwei beziehungsweise vier Noten ab, was sich wiederum auf das Testergebnis Praxisprüfung auswirkt. Generell gilt: Ein empfehlenswertes Laminat besteht in allen drei Disziplinen: Inhaltsstoffe, elektrostatische Oberflächenspannung, Praxisprüfung.

So haben wir getestet

Wie schnell entstehen Dellen? Um das zu prüfen, wird eine Metallkugel aus ansteigender Höhe aufs Laminat fallen gelassen

So haben wir getestet

Die Scheuerprüfung mit dem Mini-Martindale-Gerät zeigen, wie kratzempfindlich eine Laminatoberfläche ist.

Online abrufbar

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014

Bestellnummer: J1310
Gesamten Inhalt anzeigen