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ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012
vom

Schuhcremes

Ruß am Fuß

Wer denkt beim Schuhewienern schon an allergieauslösende Stoffe und mit krebsverdächtigen Verbindungen belastete Rußfarben? Nach unserem ersten Test von schwarzen Schuhcremes können wir leider nicht viel Gutes vermelden. Die meisten Testprodukte glänzten nur in der Praxisprüfung.

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14.10.2011 | Dem Verbraucher bleibt oft verborgen, dass er beim Schuhewienern tief in die chemische Trickkiste greift. Viele Produkte enthalten synthetische Farben, Imprägnierstoffe und Testbenzin als Lösemittel.

ÖKO-TEST hat 19 schwarze Schuhcremes, darunter vier Hartwachspasten und 15 wasserhaltige Produkte, ins Labor geschickt und auf problematische Inhaltsstoffe untersuchen lassen. Darüber hinaus wollten wir wissen, wie leicht sich die Cremes anwenden lassen, wie gut sie decken und ob sie vor Nässe schützen.

Das Testergebnis

Bei diesem Testergebnis hält sich die Motivation zum Schuheputzen in Grenzen. Nur ein Produkt hat uns überzeugt, vier - darunter drei wasserhaltige Cremes und eine Hartwachspaste - sind lediglich mit Einschränkungen zu empfehlen, der Rest fällt mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch die Schadstoffprüfung. Da ist auch das überwiegend "gute" Abschneiden im Praxistest nur ein schwacher Trost.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Echte Lederschuhe sind oft eine kostspielige Anschaffung und wollen gut gepflegt sein. Häufig landet schon beim Schuhkauf gleich noch eine Schuhcreme in der Einkaufstüte. Bei unserem ersten ÖKO-TEST Schuhcreme hatten wir deshalb Fachhändler wie Deichmann, Ecco oder Görtz genauso auf dem Zettel wie Drogerien, Warenhäuser und den Lebensmitteleinzelhandel. Eingekauft wurden vor allem wasserbasierte Cremes, meist in der Tube - sie haben heute den größten Marktanteil. Doch auch die traditionellen Hartwachspasten dürfen in unserem Test nicht fehlen. Sie werden meist in Blechdosen angeboten, so wie schon vor 100 Jahren. Im Vergleich werden sie zwar deutlich weniger gekauft, haben aber eine regelrechte Fangemeinde. Vor allem Liebhaber von teuren Lederschuhen schwören auf die Produkte von ausländischen Marken wie Kiwi (Australien) oder Burgol (Schweiz). Was die Farbauswahl betrifft, mussten wir nicht lange überlegen: Die meisten verkauften Schuhcremes sind schwarz.

Problematische Inhaltsstoffe
Wer regelmäßig seine Schuhe pflegt, der weiß, dass oft ein Teil der Creme an den Fingern kleben bleibt und die "Putzspuren" nicht immer leicht von der Haut zu kriegen sind. Fragt sich also, was in den Schuhcremes steckt - zumal die Verpackungen diesbezüglich wenig hergeben und die Anbieter auch nicht verpflichtet sind, die Zutaten aufzulisten. Laut Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) bestehen stark wachshaltige Cremes bis zu 80 Prozent aus Lösemitteln. Deshalb wollten wir wissen, ob flüchtige organische Verbindungen darunter sind, die ausgasen und zudem bei Hautkontakt problematisch sein können. Einige Hersteller verwenden Balsamterpentinöl - ein natürliches Lösemittel. Allerdings ist es auch umstritten, da es allergieauslösendes Delta-3-Caren enthalten kann. Außerdem kommen künstliche "Löser" zum Einsatz, zum Beispiel Testbenzine aus der Erdölchemie, in denen neben unbedenklichen Substanzen auch krebserregende Stoffe stecken können.
Aber auch Produkte, die als "lösemittelfrei" ausgelobt waren, mussten ins Labor, da auch sie bis zu einem gewissen Anteil problematische Lösemittel enthalten können. Bei schwarzen Schuhcremes stellte sich uns die Frage, ob die Hersteller Rußfarben oder schwermetallhaltige Farbstoffe einsetzen. Speziell bei wasserhaltigen Cremes lag zudem die Vermutung nahe, dass sie mit Formaldehyd oder halogenorganischen Verbindungen konserviert wurden, um mikrobielle Verunreinigungen zu verhindern.

Die Gebrauchseignung
Eine Schuhcreme sollte in der Anwendung vor allem praktisch sein - sonst geht der Spaß an der Pflege schnell verloren: Deckt die Creme? Lässt sie sich leicht verteilen und polieren? Wie sieht es mit der Glanzwirkung aus? Und passend zur Jahreszeit: Hilft sie, Nässe abzuhalten? Wir wollten es wissen und haben uns beim Praxistest an den "Empfehlungen zur Qualitätsbewertung für Lederpflegemittel" des Branchenverbandes orientiert.

Die Bewertung
Wenn eine Schuhcreme die Schuhe wieder zum Strahlen bringt, ist das eine gute Sache. Noch wichtiger ist aber, dass man sich beim Putzen nicht mit üblen Stoffen die Hände schmutzig macht oder problematische Substanzen einatmet. Eine Schuhcreme kann deshalb unterm Strich nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe. Aber auch ein Produkt, das schlecht deckt und nicht vor Nässe schützt, hätte bei kompletter Schadstofffreiheit nicht gut abgeschnitten - das Testergebnis Gebrauchseignung geht zu 30 Prozent ins Gesamturteil ein.

So haben wir getestet

Wie gut lässt sich die Schuhcreme auftragen? Im Prüflabor wurde von jedem Produkt die gleiche Menge (0,2 bis 0,3 Gramm pro 100 Quadratzentimeter) mehrmals auf ein Stück Leder aufgetragen. Dann beurteilten die Tester das Aussehen: War die Struktur gleichmäßig? Sorgte die Creme für einen klebrigen Film und wurden die Flächen streifig?

So haben wir getestet

Welches Produkt deckt am besten? Als Material für die Prüfung wurde ein helles Leder ausgewählt, weil darauf der Farbeffekt und die Deckkraft besser beurteilt und verglichen werden kann als auf dunklem Leder.

So haben wir getestet

Beim Polieren sollte sich die Schuhcreme ohne Kraftaufwand und mit einem glatten Gefühl entfernen lassen. Nach dem Auftragen bekam zunächst jede Creme 30 Minuten Zeit zum Antrocknen. Dann legten unsere Tester Hand an; kreuzweise mit einem Baumwolltuch - bis kein überschüssiges Pflegemittel mehr vorhanden war.

So haben wir getestet

Schützen die Pflegemittel vor Nässe? Um zu sehen, ob sie die wasserabweisende Eigenschaft von Leder verbessern können, wurden die polierten Lederstücke tropfenweise mit Testflüssigkeiten benetzt. Wenn eine Flüssigkeit nach 15 Sekunden nicht eingezogen war, wurde die nächste aufgetragen. Bis zu elf Mal wurde die Prozedur wiederholt.

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Bestellnummer: J1110
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