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19 Schuhcremes im Test

Ruß am Fuß

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 | Kategorie: Kosmetik und Mode | 14.10.2011

19 Schuhcremes im Test

Wer denkt beim Schuhewienern schon an allergieauslösende Stoffe und mit krebsverdächtigen Verbindungen belastete Rußfarben? Nach unserem ersten Test von schwarzen Schuhcremes können wir leider nicht viel Gutes vermelden. Die meisten Testprodukte glänzten nur in der Praxisprüfung.

Dem Verbraucher bleibt oft verborgen, dass er beim Schuhewienern tief in die chemische Trickkiste greift. Viele Produkte enthalten synthetische Farben, Imprägnierstoffe und Testbenzin als Lösemittel.

ÖKO-TEST hat 19 schwarze Schuhcremes, darunter vier Hartwachspasten und 15 wasserhaltige Produkte, ins Labor geschickt und auf problematische Inhaltsstoffe untersuchen lassen. Darüber hinaus wollten wir wissen, wie leicht sich die Cremes anwenden lassen, wie gut sie decken und ob sie vor Nässe schützen.

Das Testergebnis

Bei diesem Testergebnis hält sich die Motivation zum Schuheputzen in Grenzen. Nur ein Produkt hat uns überzeugt, vier - darunter drei wasserhaltige Cremes und eine Hartwachspaste - sind lediglich mit Einschränkungen zu empfehlen, der Rest fällt mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch die Schadstoffprüfung. Da ist auch das überwiegend "gute" Abschneiden im Praxistest nur ein schwacher Trost.

17 von 19 schwarzen Schuhcremes enthalten erhöhte oder stark erhöhte Gehalte an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Viele PAK sind krebserregend. Sie können über die Haut aufgenommen werden. Nachgewiesen wurde unter anderem die stark krebserregende PAK-Leitsubstanz Benzo[a]pyren in der Rubin Schuhcreme sowie von Rossmann.

In den meisten wasserbasierten Cremes stecken bedenkliche und zum Teil umstrittene Haltbarmacher. Elf Produkte sind mit Formaldehyd/-abspaltern konserviert, fünf davon enthalten zudem halogenorganische Verbindungen. Formaldehyd ist ein krebsverdächtiger Stoff, der Allergien auslösen kann. In Hartwachsschuhcremes sind diese Stoffe kein Problem.

Die meisten Schuhcremes stecken voller Lösemittel und oft sind problematische Verbindungen darunter - Aromaten können das Nervensystem und innere Organe schädigen. Wir haben sie gleich mehrfach gefunden, in zwei von vier Hartwachspasten in stark erhöhten Gehalten. Auch einige wasserhaltige Cremes kommen nicht ganz ohne synthetische Löser aus und enthalten problematische Glykole. Sie können vor allem Haut und Augen reizen.

Was die Anwendung betrifft, waren dagegen alle Produkte zu gebrauchen und sind im Praxistest mindestens "befriedigend". Durchweg verbesserten sie die wasserabstoßenden Eigenschaften des Leders. Hinzu kommt bei den meisten eine gute Deckkraft. In einigen Fällen war diese allerdings etwas weniger ausgeprägt, außerdem bildeten sich unschöne Streifen. Dafür gab es Punktabzüge.

Deutliche Unterschiede zeigten sich vor allem beim Verteilen und Polieren, was auch daran liegt, dass stark wachshaltige Erzeugnisse aufgrund ihrer festen Konsistenz gegenüber den wasserhaltigen etwas im Nachteil sind. Sie lassen sich nicht so leicht verteilen, und auch beim Polieren ist im Vergleich zu wasserhaltigen Cremes oft mehr Handfertigkeit gefragt. Gänzlich unerwünscht ist laut Experten, wenn nach dem Polieren deutliche Pflegemittelreste zurückbleiben. Im Test war dies nur bei der Tapir Leder Pflege Cr...


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19 Schuhcremes im Test
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 Seite 226
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 Seite 227
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 Seite 228
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 Seite 229

4 Seiten
Seite 226 - 229 im ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012
vom 14.10.2011

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Echte Lederschuhe sind oft eine kostspielige Anschaffung und wollen gut gepflegt sein. Häufig landet schon beim Schuhkauf gleich noch eine Schuhcreme in der Einkaufstüte. Bei unserem ersten ÖKO-TEST Schuhcreme hatten wir deshalb Fachhändler wie Deichmann, Ecco oder Görtz genauso auf dem Zettel wie Drogerien, Warenhäuser und den Lebensmitteleinzelhandel. Eingekauft wurden vor allem wasserbasierte Cremes, meist in der Tube - sie haben heute den größten Marktanteil. Doch auch die traditionellen Hartwachspasten dürfen in unserem Test nicht fehlen. Sie werden meist in Blechdosen angeboten, so wie schon vor 100 Jahren. Im Vergleich werden sie zwar deutlich weniger gekauft, haben aber eine regelrechte Fangemeinde. Vor allem Liebhaber von teuren Lederschuhen schwören auf die Produkte von ausländischen Marken wie Kiwi (Australien) oder Burgol (Schweiz). Was die Farbauswahl betrifft, mussten wir nicht lange überlegen: Die meisten verkauften Schuhcremes sind schwarz.

Problematische Inhaltsstoffe

Wer regelmäßig seine Schuhe pflegt, der weiß, dass oft ein Teil der Creme an den Fingern kleben bleibt und die "Putzspuren" nicht immer leicht von der Haut zu kriegen sind. Fragt sich also, was in den Schuhcremes steckt - zumal die Verpackungen diesbezüglich wenig hergeben und die Anbieter auch nicht verpflichtet sind, die Zutaten aufzulisten. Laut Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) bestehen stark wachshaltige Cremes bis zu 80 Prozent aus Lösemitteln. Deshalb wollten wir wissen, ob flüchtige organische Verbindungen darunter sind, die ausgasen und zudem bei Hautkontakt problematisch sein können. Einige Hersteller verwenden Balsamterpentinöl - ein natürliches Lösemittel. Allerdings ist es auch umstritten, da es allergieauslösendes Delta-3-Caren enthalten kann. Außerdem kommen künstliche "Löser" zum Einsatz, zum Beispiel Testbenzine aus der Erdölchemie, in denen neben unbedenklichen Substanzen auch krebserregende Stoffe stecken können.

Aber auch Produkte, die als "lösemittelfrei" ausgelobt waren, mussten ins Labor, da auch sie bis zu einem gewissen Anteil problematische Lösemittel enthalten können. Bei schwarzen Schuhcremes stellte sich uns die Frage, ob die Hersteller Rußfarben oder schwermetallhaltige Farbstoffe einsetzen. Speziell bei wasserhaltigen Cremes lag zudem die Vermutung nahe, dass sie mit Formaldehyd oder halogenorganischen Verbindungen konserviert wurden, um mikrobielle Verunreinigungen zu verhindern.

Die Gebrauchseignung

Eine Schuhcreme sollte in der Anwendung vor allem praktisch sein - sonst geht der Spaß an der Pflege schnell verloren: Deckt die Creme? Lässt sie sich leicht verteilen und polieren? Wie sieht es mit der Glanzwirkung aus? Und passend zur Jahreszeit: Hilft sie, Nässe abzuhalten? Wir wollten es wissen und haben uns beim Praxistest an den "Empfehlungen zur Qualitätsbewertung für Lederpflegemittel" des Branchenverbandes orientiert.

Die Bewertung

Wenn eine Schuhcreme die Schuhe wieder zum Strahlen bringt, ist das eine gute Sache. Noch wichtiger ist aber, dass man sich beim Putzen nicht mit üblen Stoffen die Hände schmutzig macht oder problematische Substanzen einatmet. Eine Schuhcreme kann deshalb unterm Strich nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe. Aber auch ein Produkt, das schlecht deckt und nicht vor Nässe schützt, hätte bei kompletter Schadstofffreiheit nicht gut abgeschnitten - das Testergebnis Gebrauchseignung geht zu 30 Prozent ins Gesamturteil ein.

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012
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