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9 Portionskaffeemaschinen im Test

Es steht Pad

ÖKO-TEST Dezember 2010 | Kategorie: Bauen und Wohnen | 26.11.2010

9 Portionskaffeemaschinen im Test

Kaffeemaschinen gehören zu den Geschenkklassikern unter dem Weihnachtsbaum. Wir haben pünktlich zum Fest Pad- und Kapselmaschinen kritisch geprüft. Schade nur, dass nicht alle Geräte für reine Freude sorgen.

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Klar, Deutschland ist das Land der traditionellen Filterkaffeemaschinen. Und das wird auch noch eine Weile so bleiben. Mehr als jedes zweite verkaufte Gerät funktioniert nach dem bekannten Prinzip: Wasser rein, Filter rein, Kaffee rein, anschalten. Doch die Alleinherrschaft des Filterkaffees ist schon lange am Bröckeln. Wo Wert auf erstklassigen Espresso und kunstvoll eingegossene Latte macchiato gelegt wird, hat längst der praktische Vollautomat oder die teure Siebträgermaschine die alte Filterkaffeemaschine verdrängt.

Die eigentlichen Gewinner heißen aber Nespresso, Senseo, Dolce Gusto oder Tassimo. Fast jedes dritte Gerät, das im vergangenen Jahr neu gekauft wurde, war eine Portionskaffeemaschine, wie das Marktforschungsunternehmen GfK Retail and Technology herausgefunden hat. Rund 1,8 Millionen Pad- und Kapselgeräte kommen in Deutschland jedes Jahr neu in die Haushalte. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Gerade der Trend zu Klein- und Singlehaushalten dürfte die Verkäufe von Portionskaffeemaschinen sogar noch beflügeln - denn in diesen Geräten wird der Muntermacher für jede Tasse frisch gebrüht.

Jede Art von Kaffeemaschine hat ihre Vor- und Nachteile. Bei der traditionellen Filterkaffeemaschine sind Gerät und Kaffee günstig. Ein klarer Nachteil: Schon beim Zubereiten des Kaffees muss man abschätzen, wie viel Kaffee getrunken wird - damit nicht die halbe Kanne im Ausguss landet. Kaffeevollautomaten sind zwar vergleichsweise teuer in der Anschaffung, liefern aber unkompliziert einen Kaffee nach dem anderen - und oft auch frischen Milchschaum. Siebträgermaschinen, mit denen man wie in der Kaffeebar Espresso zubereitet, gelten Kennern zwar als Nonplusultra, sie sind aber vergleichsweise kompliziert zu bedienen.

Die Portionskaffeemaschine mit Pad oder Kapsel schließlich liefert auf Knopfdruck Kaffee und oft auch andere Getränke. Sie ist in der Anschaffung noch recht günstig. Dafür können Pads und Kapseln auf die Dauer teuer werden.

Vor der Entscheidung für eine Portionskaffeemaschine sollte man auch bedenken, dass dies gleichzeitig die Entscheidung für eine begrenzte Zahl von Kaffeemarken sein kann. In die Geräte der sogenannten geschlossenen Systeme Nespresso, Dolce Gusto, Tassimo, Cafissimo und - jetzt neu - K-Fee passen nur die jeweils dazugehörigen Kapseln, also etwa von Nestlé, Kraft, Tchibo usw. Die Auswahl ist hier zwar groß und umfasst teils auch Kakao und Tee. Einfach mal den Kaffee eines ganz anderen Herstellers auszuprobieren, geht aber nicht. Beim offenen Padsystem dagegen kann man auch mal auf Produkte aus dem Bio-Laden oder dem Discounter ausweichen.

Wenige grobe Patzer, aber viele kleine Fehler. Und die können im Alltag richtig nerven

Da Kapsel- und Padmaschinen auch in diesem Jahr zigtausendfach unter dem Weihnachtsbaum liegen dürften, wollten wir wissen: Sollte es wirklich nur vom Geschmack und vom Geldbeutel abhängen, für welches Gerät man sich entscheidet? Oder gibt es Geräte, von denen man abraten muss? Wir haben im Elektro- und Versandhandel neun Modelle von großen Herstellern eingekauft. Die Firmen Tchibo und Severin hatten im Vergleich zu unserem jüngsten Test von Dezember 2008 keine neuen Geräte und sind deshalb nicht im Test.

Das Testergebnis

Die Begeisterung hält sich in Grenzen. Ein bisschen mehr hätten wir von den neuen Kaffeemaschinen ja schon erwartet. Bei der Hälfte der Geräte reicht es nur zu einem "befriedigend”. "Gut" war allein die Nespresso-Maschine von De Longhi. Mit "mangelhaft" sind die beiden Senseo-Geräte sowie die HK 11 M von Inventum durchgefallen.

Bei den meisten Geräten gab es keine groben Patzer. Vielmehr haben viele kleine Mängel zu den eher mittelmäßigen Ergebnissen geführt. Etwa ein zu langsames oder zu lautes Kaffeebrühen, hakelnde Wasserbehälter oder Kapselschubladen. Zu starkes Nachtropfen oder ein starkes Verspritzen der Geräte mit Kaffee oder Milch nerven auf die Dauer ebenfalls.

Schmeckt der Kaffee? Bei der wichtigsten Frage gab es leider große Unterschiede. Die Nespresso-Maschine von De Longhi lieferte als einziges Gerät durchweg "gute" Ergebnisse bei Kaffee und Latte macchiato. Bei dem Gerät von Inventum und der WMF 10 reichte es in Sachen Geschmack nur für ein "ausreichend". Nicht jedes Gerät hat einen Milchaufschäumer. Bei den Modellen von Bosch, Krups, Inventum sowie bei der Senseo Quadrante haben wir daher auf entsprechende Systemkapseln bzw. Latte-macchiato-Produkte, bestehend aus Kaffeepad und Instantmilchzubereitung in Pulverform zurückgegriffen.

Wie schmeckt der Kaffee? Bei der Sensorik gab es große Unterschiede

Vorsicht! Die getesteten Geräte von Philips haben keine separate Temperatursicherung an der Pumpe. Dieses Bauteil sorgt dafür, dass die Pumpe bei unsachgemäßem Gebrauch oder bei einem Fehler abschaltet und nicht überhitzt. Das Gerät kann dann erst wieder angeschaltet werden, wenn die Pumpe abgekühlt ist. Nach Einschätzung des von uns beauftragten Instituts kann dies ein Sicherheitsproblem sein. Zwar gibt es auch andere Möglichkeiten, ein Überhitzen der Pumpe zu verhindern. Wie das beauftragte Institut sind aber auch wir der Ansicht, dass eine Temperatursicherung das beste Mittel ist, Gefahren zu vermeiden. Die Geräte anderer Hersteller haben diese Sicherung. Deshalb kann ein Gerät ohne Temperatursicherung im Gesamturteil nicht besser sein als "mangelhaft".

Am falschen Ende gespart: Drei Geräte haben keine separate Temperatursicherung

Gefährlich kann es auch beim Modell von Inventum werden. Hier wurde das Schutzleiterkabel, das dafür sorgt, dass bei einem Kurzschluss die Sicherung herausfliegt, nicht markiert und nicht genügend gesichert, sodass es sich zu leicht lösen kann. Dass dann Teile des Geräts unter Strom stehen, ist zwar sehr unwahrscheinlich. Normgerecht ist das aber nicht. Wir finden: Hier wurde geschlampt. Außerdem hat auch dieses Gerät keine separate Temperatursicherung an der Pumpe.

So reagierten die Hersteller

Die Firma Petra-Electric stellt nicht nur das Petra-Gerät her, sondern in Zusammenarbeit mit WMF auch das Gerät WMF 10. WMF konnte die sensorischen Unterschiede zwischen den beiden Geräten nicht nachvollziehen. In beiden Modellen würden dieselben zum Brühen relevanten Baugruppen verwendet. Bei einem Test der WMF 10 mit 46 Verbrauchern sei die "Gesamtnote 2 für die Getränkequalität" ermittelt worden. Die Fachleute aus dem von uns beauftragten Institut erklärten, dass es bei Geräten mit gleicher Brühgruppe aber durchaus zu unterschiedlichem Geschmack kommen könne.

Philips erklärte, in den beiden Senseo-Geräten sei an der Pumpe keine thermische Abschaltung verbaut. Diese sei aufgrund der an der Pumpe gemessenen Temperaturen auch nicht erforderlich. Die Geräte seien gemäß der Normen geprüft und zugelassen worden. Das von uns beauftragte Institut ist hier aber anderer Ansicht und findet: Diese Sicherung muss sein! Zudem war in einem Test an einem anderen Senseo-Gerät vor zwei Jahren festgestellt worden, dass die gleiche Pumpe, die auch heute noch eingesetzt wird, sehr wohl sehr heiß werden kann.

Die Kapsel und die Umwelt

Kapsel oder Pad - was hat die bessere CO2-Bilanz? Allein anhand des Pads oder der Kapsel kann man nicht feststellen, wie viel Treibhausgas bei der Produktion genau entstanden ist. Allerdings kann man mit der Annahme rechnen, dass alle Hersteller unter den gleichen Rahmenbedingungen produzieren. Und dann schneidet das Pad deutlich besser ab als die Kapsel. Allerdings können die Werte schon wieder ganz anders sein, wenn ein Unternehmen besonders umweltfreundlich produziert, ein anderes aber nicht. Wir haben uns für unsere Bewertung deshalb für eine völlig andere Herangehensweise entschieden - und haben im Labor nachwiegen lassen: Was bleibt zurück, wenn ich Papier und Kartonumverpackung ins Altpapier werfe und in den Kompostmüll gebe, was kompostierbar ist? Gerade auf 0,27 Gramm pro Tasse kommt man beim klassischen Filterkaffee. Denn hier fällt nur die Vakuumverpackung der Pfundpackung ins Gewicht. Mit knapp dem Doppelten schlägt das von uns im Test verwendete Kaffeepad zu Buche, wenn man die Umverpackung mit einrechnet. Durch die Kapseln und Umverpackungen von Nespresso, Nescafé Dolce Gusto und Tassimo kommen umgerechnet auf die Tasse je nach System zwischen einem und etwas mehr als fünf Gramm Alu, Plastik oder Verbundmaterial zusammen - also deutlich mehr. Und selbst diese Gewichts-Berechnungen sind großzügig: Denn kaum einer dürfte sich die Mühe machen und den Kaffeesatz aus der Kapsel lösen. Wandert die Kapsel nach dem Brühen samt Inhalt in den Restmüll, wird die Tonne noch schwerer.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Schon im August haben wir die Geräte für den Weihnachtstest eingekauft. So viel Zeit war nötig, um die Maschinen auf Herz und Nieren zu prüfen. Portionskaffeemaschinen, die Anfang September auf der Internationalen Funkausstellung (Ifa) vorgestellt wurden und jetzt im Handel sind, konnten wir deshalb nicht berücksichtigen. Allerdings haben wir darauf geachtet, dass die getesteten Maschinen noch eine ganze Weile im Handel sein werden. Eingekauft haben wir in Elektromärkten sowie im Versandhandel.

Der Praxistest

Ein Wasserbehälter, der hakelt oder nicht abgestellt werden kann, ein klemmendes Kapselfach oder schlecht zu verstehende Gebrauchsanleitungen - nichts, was in der Küche nerven könnte, ist dem von uns beauftragten Institut entgangen. Mit einem Spezialgerät wurde zudem die Lautstärke beim Kaffeebrühen und Milchaufschäumen gemessen. Doch damit nicht genug: In einem sogenannten Spot-Check wurde geprüft, ob das Gerät den üblichen Sicherheitsanforderungen genügt. Fehlende Sicherungen etwa haben die Prüfer sofort erkannt. Natürlich wurde auch der Kaffee von einer Expertenrunde verkostet, die auch die Konsistenz und Farbe der Crema begutachtet hat.

Das Material

Wie umweltverträglich ist das Gerät? PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in Steckern und Kabeln sind weiter ein Problem. Denn in der Müllverbrennung können sich daraus gesundheitsschädliche Dioxine bilden. Auch der Einsatz bromierter Flammschutzmittel, die an Kondensatoren und auf Platinen eingesetzt werden, ist ein Umweltproblem. Ermittelt wurde auch der Energieverbrauch und es wurde geprüft, ob man die Maschine wirklich richtig abschalten kann.

Die Bewertung

Ein Gerät soll gut zu bedienen sein, vor allem aber guten Kaffee machen. Deshalb hat der Punkt "Kaffee und Latte macchiato" in der Praxisprüfung auch etwas mehr Gewicht als die anderen Punkte. Trotzdem: Sicherheit geht vor! Und da ÖKO-TEST bei Haushaltsgeräten immer wieder Sicherheitsmängel feststellt, sind wir in diesem Punkt auch besonders konsequent. Ein Gerät, das wegen einer fehlenden Temperatursicherung an der Pumpe oder einem nicht richtig gesicherten Schutzleiter im Punkt Sicherheit durchfällt, kann unserer Ansicht nach unterm Strich nicht besser sein als "mangelhaft". Unter dem Testergebnis Weitere Mängel haben wir auch bewertet, wie viel Abfall bzw. Wertstoff durch Pads und Kapseln anfällt. Denn wenn der Trend zur Portionskaffeemaschine mehr Müll bedeutet, müssen wir das kritisch sehen.

Test kostenlos abrufen (PDF)

Bitte beachten Sie: das Speichern und Betrachten von PDF-Dateien auf mobilen Geräten erfordert möglicherweise zuvor die Installation einer App oder die Änderung von Einstellungen.

Portionskaffeemaschinen: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Inventum HK 11 M
  • Inventum

    mangelhaft

Bosch Tassimo T65 TAS6515, Twilight Titanium
  • Bosch

    befriedigend

Krups Nescafé Dolce Gusto Circolo KP5000 99, schwarz/grau
  • Krups

    befriedigend

Krups Nescafé Dolce Gusto KP2100 44, schwarz
  • Krups

    befriedigend

De Longhi Nespresso Citiz & Milk
  • De Longhi

    gut

Philips Senseo Quadrante HD 7860, schwarz
  • Philips

    mangelhaft

Petra KM 45.00, weiss/schwarz
  • Petra-Electric

    befriedigend

WMF 10, schwarz/weiss
  • WMF

    befriedigend

Philips Senseo Latte Select HD7852/50, silbermetallic
  • Philips

    mangelhaft