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17 Thermische Solaranlagen zur Trinkwassererwärmung im Test

So lar lar

ÖKO-TEST September 2010 | Kategorie: Bauen und Wohnen | 27.08.2010

17 Thermische Solaranlagen zur Trinkwassererwärmung im Test

Die untersuchten Solarwärmeanlagen sind ausgereift, viele schneiden mit gut ab. Allerdings rentieren sie sich erst nach vielen Jahren. Abstriche muss man an drei Komplettanlagen machen.

Die deutsche Regierung hat das Ziel, bis 2020 14 Prozent der Energie für die Wärmeversorgung aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. 2009 waren es nach Angaben des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE) bereits 9,6 Prozent,vor allem durch Bio-Masse. Bislang steuert die Solarthermie, wie die Wärme aus Sonne im Fachjargon genannt wird, nur 0,3 Prozent zur Wärmebereitstellung bei. Doch der Anteil soll kräftig steigen, weshalb die Anlagen gefördert werden. Allerdings ist das mit einem ständigen Hin und Her verbunden. Nach einem Haushaltsstopp im Frühjahr fließen die Mittel jetzt wieder, für Ein- und Zweifamilienhäuser allerdings nur für Solaranlagen, die auch die Raumheizung unterstützen.

Die Nutzung der in Wärme umgewandelten Sonnenenergie wächst seit 20 Jahren stetig, im Durchschnitt um 18 Prozent jährlich; lediglich in den Jahren 2007 und 2009 gab es Rückgänge. Insgesamt sind in Deutschland über 1,2 Millionen Anlagen mit einer Fläche von 12,9 Millionen Quadratmetern installiert.

Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz aus dem Jahr 2009 will regenerative Energien ankurbeln. Bauherren sind verpflichtet, in Neubauten einen Teil des Wärmebedarfs durch erneuerbare Energien zu decken. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten, zum Beispiel mit mindestens 15 Prozent solarer Strahlungsenergie, oder aber auch mit Geothermie oder Bio-Masse. Darüberhinaus gibt es teilweise Fördermittel. Wer sich für Solarwärmeanlagen entscheidet, muss Kollektoren einsetzen, die das europäische Gütezeichen Solar Keymark tragen.

Zu 88 Prozent sind auf deutschen Dächern Flachkollektoren zu finden, die restlichen sind Vakuumröhrenkollektoren, bei denen die einzelnen Röhren durch ein Vakuum gedämmt sind und die dadurch einen höheren Wirkungsgrad haben, aber auch teurer und empfindlicher sind. Ein Flachkollektor besteht aus einem meist blauen Absorber, der die Strahlung einfängt. Durchströmt wird er von einer Wärmeträgerflüssigkeit, üblicherweise einem Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel, das zwischen Kollektor und Warmwasserspeicher zirkuliert. Zum Schutz und zur Vermeidung von Wärmeverlusten ist der Absorber in einen wärmegedämmten Kasten mit transparenter Abdeckung eingebettet.

In unserem Test haben wir uns auf Solaranlagen zur Trinkwassererwärmung konzentriert. Etwa die Hälfte der neuinstallierten Anlagen sind von diesem Typ, die andere Hälfte sind größere Kombianlagen, die zusätzlich noch die Raumheizung unterstützen können (einen Test dazu veröffentlichen wir im ÖKO-TEST-Magazin 10/2010).

Für diesen Test ließen wir Solarsysteme, die von den Herstellern für einen typischen Haushalt angeboten werden, von Solarexperten begutachten, bewerten und die möglichen Erträge und die Wirtschaftlichkeit berechnen. Auf dem Prüfstand waren insgesamt 17 Anlagen mit Flachkollektoren von verschiedenen Herstellern.

Das Testergebnis

Die solarthermischen Anlagen zur Trinkwassererwärmung werden von den Experten als recht ausgereift bezeichnet. Spitzenreiter in unserem Test ist die Anlage von Wagner & Co. Solartechnik. Doch auch 13 weitere Anlagen können mit "gut" überzeugen. Die Solarpakete von drei Herstellern sind nur "befriedigend", was teilweise am vergleichsweise geringen Ertrag der Anlagen liegt. Verglichen mit den heutigen Gas- und Ölpreisen sind diese Solarwärmeanlagen üblicherweise unwirtschaftlich. Rechnet man aber die Einsparung über 20 Jahre und berücksichtigt dabei die zu erwartende Energiepreissteigerung, sind die Anlagen rentabel.

Die Unterschiede in der Anlagengröße machen verschiedene Ansätze in der Anlagenauslegung deutlich. So hat die kleinste Anlage im Test, von August Brötje, eine aktive Kollektorfläche von nur 4,31 Quadratmetern und die größte Anlage der Marke Solarfocus eine Fläche von 7,44 Quadratmetern. Wenn der Kollektor einen geringeren Wirkungsgrad hat, kann dies teilweise mit einer größeren Fläche kompensiert werden. Entscheidend ist deshalb nicht der Wirkungsgrad- den wir deshalb auch nicht aufführen-, sondern wieviel der Solarenergie genutzt werden kann und was diese Energie kostet. Die Wirtschaftlichkeit ist bei beiden Anlagen ähnlich.

Wir hatten die Hersteller gebeten, Anlagen vorzuschlagen, die nicht nur am sonnenreichen Standort Passau, sondern auch im sonnenarmen Essen über das Jahr gerechnet etwa 60 Prozent der Energie durch Sonnenwärme bereitstellen. Die eindeutig höchste solare Deckung für den Standort Essen hat mit 69 Prozent das Solarpaket zur Trinkwassererwärmung von Wagner & Co. Solartechnik. Acht der 17 Anlagen bleiben unterhalb der Erwartung von 60 Prozent. Am niedrigsten liegen die Pakete von Elco und Schüco, die das Ziel selbst im sonnenreichen Passau noch knapp verfehlen. Dies kann sehr unterschiedliche Gründe haben. So weist der Kollektor von Schüco einen sehr guten Ertrag bei einer geringen Temperaturdifferenz zwischen Kollektor und Außenluft auf, der aber schnell bei höheren Temperaturdifferenzen abnimmt. Auch die Wärmedämmung des Speichers ist relativ gering. Für diese Anlagen sollte eine größere Kollektorfläche gewählt werden, um einen ausreichenden Ertrag zu erzielen.

Was den Verbraucher am Ende besonders interessiert, ist die Wirtschaftlichkeit, also ein günstiges Verhältnis zwischen Kosten und Ertrag. Wenn man dazu die Investitionskosten zu den über 20 Jahre an einem mittleren Standort eingesparten Heizkosten ins Verhältnis setzt - in unserem Beispiel auf Basis von Gas -, dann ist die Anlage von Westfa am wirtschaftlichsten; auch die von Elco, Phönix und Solarfocus können noch überzeugen. Alle Anlagen haben sich nach 20 Jahren längst amortisiert, wenn die Gaspreise - wie angenommen - weiter deutlich steigen, was zu erwarten ist. Das leistungsfähige Solarpaket von Wagner ist teurer und landet in puncto Wirtschaftlichkeit nur im Mittelfeld. Die sonst gute Anlage von Weishaupt ist am wenigsten wirtschaftlich. Die angesetzten mittleren Preise beruhen auf Herstellerangaben, mit einem Pauschalbetrag für die Montage. Sie können in der Praxis durchaus abweichen, was die Bewertung der Wirtschaftlichkeit entsprechend verändert.

Da eine Solaranlage nur viel leisten kann, wenn sie korrekt installiert ist, räumen wir der Dokumentation große Bedeutung ein; gute und ausführliche Informationen sind für Handwerker wie auch für Endkunden sehr wichtig. In fünf Fällen hat uns das Begleitmaterial überzeugt, besonders bei Consolar, Sonnenkraft und Wagner. Für die sonst nur befriedigende Anlage von Schüco konnten wir aufgrund der sehr guten Dokumentation die Gesamtnote auf "gut" anheben. Nau und Wikora bestätigen auch in der Dokumentation ihr überwiegend "befriedigendes" Ergebnis.

So reagierten die Hersteller

Mehrere Hersteller argumentierten, dass durch die Solarwärmeanlagen ein konventioneller Trinkwasserspeicher eingespart wird und die Solaranlage dadurch günstiger und wirtschaftlicher sei. Es ist richtig, dass im Falle eines Neubaus oder einer Heizkesselerneuerung im Bestand diese Ersparnis da ist, die von den Herstellern mit etwa 1.200 Euro beziffert wurde. Im Gegenzug haben wir aber auch entgangene Zinsen sowie Wartung und Reparaturen nicht eingerechnet, so dass das ausgeglichen wird. Das gilt auch für mögliche Stromersparnisse, falls das solarerwärmte Wasser Waschmaschine und Geschirrspüler direkt versorgt. Auf diese Möglichkeit hatten zum Beispiel Wagner & Co. Solartechnik und De Dietrich Remeha hingewiesen.

Ein weiteres Argument der Anbieter war, dass viele Haushalte weniger Wasser verbrauchen würden, als wir angenommen hatten, oder dass an vielen Standorten mehr Sonneneinstrahlung vorhanden sei. Es trifft zu, dass eine Anlage, die unter unseren Bedingungen nur einen befriedigenden Ertrag aufweist, unter anderen Bedingungen auch eine bessere Ausbeute erbringen kann. Der relative Vergleich der Anlagen ändert sich dadurch allerdings nicht.

Förderung

Seit dem 12. Juli 2010 stellt der Bund Eigentümern von Mehrfamilienhäusern wieder Fördergelder in Höhe von 180 Euro pro Quadratmeter Bruttokollektorfläche zur Verfügung. Die Anlagen zur Trinkwassererwärmung müssen aber 20 bis 40 Quadratmeter groß sein. Noch größere Anlagen erhalten zinsgünstige Kredite mit Tilgungszuschüssen. Solaranlagen zur Trinkwassererwärmung für Ein- und Zweifamlienanlagen erhalten jedoch keinen Zuschuss mehr. Die Förderanträge müssen an das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gestellt werden. Informationen unter www.solarwaerme-info.de und unter www.bafa.de?Energie.

Vakuumröhrenkollektoren

In Vakuumröhrenkollektoren, die in verschiedenen Formen angeboten werden, befinden sich die Absorber in Glasröhren; ein Vakuum ersetzt die Dämmung. Sie sind leistungsfähiger als Flachkollektoren, aber auch erheblich teurer, sodass sich die Investition in der Regel nicht rechnet. Allerdings gibt es Situationen, in denen Röhrenkollektoren interessant sind.

Solar-Keymark

Das europaweit gültige Siegel bescheinigt die Übereinstimmung des Sonnenkollektors mit der europäischen Norm DIN EN 12975. Die erforderliche umfangreiche Typprüfung hinsichtlich Leistungsfähigkeit, Zuverlässigkeit, Sicherheit und Gebrauchstauglichkeit erfolgt durch qualifizierte zugelassene Prüfinstitute. Die Prüfmuster werden aus der laufenden Produktion oder dem Lager des Herstellers genommen. Eine weitere Voraussetzung ist, dass der Hersteller über ein Qualitätsmanagementsystem in seinem Betrieb verfügt, um eine gleichbleibende Qualität garantieren zu können. Das Solar-Keymark ist ein guter Mindest-Qualitätsstandard, der vom Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz für Neubauten gefordert wird, ebenso im Förderprogramm des Bundesumweltministeriums.

So funktioniert eine Solarwärmeanlage

Die Kollektoren auf dem Dach wandeln die Sonnenstrahlung in Wärme um. Kernstück ist dabei der Absorber, der meist aus einem beschichteten Metallblech aus Kupfer oder Aluminium besteht. Auf der Rückseite ist das Gehäuse wärmegedämmt und auf der Vorderseite mit einem Solarglas abgedeckt, das manchmal eine Antireflexbeschichtung aufweist. Unter dem Absorber fließt in Röhrchen die Wärmeträgerflüssigkeit, die sich erwärmt und die Wärme in den Speicher abführt. Dieser besteht meist aus emailliertem Stahl und ist gedämmt, um die Wärmeverluste gering zu halten. Gesteuert wird die Anlage über einen Solarregler. Sobald die Temperatur am Kollektor die Temperatur im Speicher um einige Grad übersteigt, schaltet die Regelung die Umwälzpumpe ein und die Wärmeträgerflüssigkeit wird in den Speicher gepumpt. Im unteren Bereich des Solarspeichers befindet sich ein Wärmetauscher, der die Solarwärme auf das Wasser im Speicher überträgt. Über den Rücklauf fließt die Wärmeträgerflüssigkeit zurück in den Kollektor. Wenn nicht ausreichend warmes Wasser zur Verfügung steht, springt die konventionelle Heizung ein. Dafür befindet sich üblicherweise im oberen Bereich des Speichers der Nachheizwärmetauscher.

Glossar

Aperturfläche ist die Fläche des Kollektors, durch die Licht in den Kollektor eindringen kann.

Das Bereitschaftsvolumen ist der Teil des Trinkwassers im oberen Bereich des Speichers, der ständig auf der gewünschten Wassertemperatur gehalten wird. Dies ist typischerweise etwa ein Drittel des Gesamtinhalts.

Solare Deckung oder Deckungsgrad beschreibt den Anteil an der Warmwassererwärmung, den die Solaranlage leistet. Bei 60-prozentiger solarer Deckung des Trinkwasserbedarfs wird in den Sommermonaten das Trinkwasser weitgehend solar erwärmt.

Primärenergie ist die in der Natur vorkommende Energie in Form von Erdöl, Erdgas, Kohle, Wind und Strahlung der Sonne. Durch die Aufbereitung der Primärenergie entsteht die Endenergie in einer Form, wie sie beim Verbraucher ankommt, also zum Beispiel Heizöl, Gas und Strom. Aufgrund von Transport- und Umwandlungsverlusten kann es keine komplette Ausnutzung geben.

Das Fazit

Wagner Solarpaket zur Trinkwassererwärmung

Beste Anlage im Test mit hohem Ertrag aufgrund guter Komponenten und großer Fläche bei noch guter Wirtschaftlichkeit und sehr guter Dokumentation.

Brötje Solarpaket W-WGB-S 2W DBS + Brennwertkesselpaket WGB-S

Anlage, die trotz kleinster Kollektorfläche im Test einen noch guten Ertrag erzielt; wird nur im Paket mit Brennwertkessel angeboten.

Consolar Warmwasser-Kompaktsolaranlage

Gute und wirtschaftliche Anlage, die sehr gut dokumentiert ist; Speicher mit der besten Wärmedämmung im Test.

De Dietrich Dietrisol NEO 300-4 + Zusatzkollektor

Anlage mit befriedigendem Ertrag, aber guter Wirtschaftlichkeit.

Elco Solarpaket zur Trinkwassererwärmung

Eine der beiden Anlagen mit dem geringsten Ertrag, die aufgrund des sehr günstigen Preises eine sehr gute Wirtschaftlichkeit aufweist, gute Dokumentation.

Phönix Comfort

Gute Anlage mit dem zweithöchsten Ertrag, die überdurchschnittlich wirtschaftlich ist.

Prosolar Solarpaket zur Trinkwassererwärmung

Gute Anlage mit gutem Ertrag aufgrund großer Kollektorfläche und guter Wirtschaftlichkeit.

Schüco Trinkwasser-Kompaktsystem

Relativ kleine Anlage, eine von den beiden mit dem geringsten Ertrag, aber mit sehr guter Dokumentation.

Solarfocus Solarpaket zur Trinkwassererwärmung

Große Anlage mit gutem Ertrag und sehr guter Wirtschaftlichkeit.

Sonnenkraft S970-Aktion-19

Gute und wirtschaftliche Anlage aufgrund großer Kollektorfläche, sehr gute Dokumentation.

Sunset Kompaktanlage 3/6S-P

Gut ausgewogene Anlage mit guten Ergebnissen in Ertrag, Wirtschaftlichkeit und Dokumentation.

Weishaupt Solarpaket zur Trinkwassererwärmung

Anlage mit gutem Ertrag, aber aufgrund des hohen Preises weniger wirtschaftlich als andere.

Westfa Solarpaket zur Trinkwassererwärmung

Gut ausgewogene Anlage mit gutem Ertrag, die wirtschaftlichste Anlage im Test.

Wolf Solarpaket zur Trinkwassererwärmung

Anlage mit gutem Ertrag und Kollektor mit den geringsten Wärmeverlusten; nur befriedigende Wirtschaftlichkeit.

Citrin Komfort Solarkomplettpaket

Anlage mit relativ geringem Ertrag aufgrund hoher Wärmeverluste des Kollektors, wenig wirtschaftlich.

Nau Solarpaket zur Trinkwassererwärmung

Anlage mit befriedigenden Ergebnissen im Ertrag, in der Wirtschaftlichkeit und Dokumentation.

Wikora S 30-A + WBO 403 Duo

Nur befriedigende Anlage in Ertrag und Dokumentation - die Informationen für Endkunden sind dürftig; Wirtschaftlichkeit gerade noch gut.

So haben wir getestet

Die Auswahl

Das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg im Breisgau wandte sich in unserem Auftrag direkt an die Hersteller: Sie sollten eine solarthermische Anlage aus ihrem Programm benennen, die am sonnenungünstigen Standort Essen etwa 60 Prozent des Wärmebedarfs zur Trinkwassererwärmung eines Drei- bis Vier-Personen-Haushalts - rechnerisch 3,5 - decken kann. Dies ist eine hohe Anforderung, denn oft sind die Haushalte kleiner und die Standorte weisen etwas mehr Sonnenschein auf. Gleichzeitig sollten die Anlagen natürlich wirtschaftlich - also in der Anschaffung möglichst kostengünstig - sein. So kamen 17 Komplettanlagen beziehungsweise von den Herstellern zusammengestellte Anlagen in den Test. Die Anbieter Viessmann, Vaillant und Bosch Solarthermie entzogen sich unserem Vergleichstest, sie wollten aus für uns nicht nachvollziehbaren Gründen keine Daten liefern. Gleiches gilt für Paradigma, hier ist die Erklärung jedoch plausibel: Das von der Firma angebotene System ist mit den angewandten Methoden schwer mit Standardsystemen vergleichbar.

Das Testkonzept

Wie leistungsfähig und wirtschaftlich ist eigentlich eine solarthermische Anlage? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. Für die Kollektoren liegen den Herstellern auf der Basis der Norm DIN EN 12975 und mit dem Gütezeichen Solar Keymark zertifizierte Kenndaten vor, die sie ÖKO-TEST zur Verfügung gestellt haben. Doch diese Daten sagen nur, wie hoch die Effizienz des Kollektors unter konkreten Bedingungen ist. Wieviel Sonnenenergie die Solaranlage in Form von Wärme nutzbar machen kann, hängt noch von anderen Komponenten der Anlage sowie den individuellen Gegebenheiten ab, etwa der Sonneneinstrahlung vor Ort, der Ausrichtung der Kollektoren und dem Wasserverbrauch. Um die Anlagen untereinander vergleichbar zu machen, haben wir zusammen mit den Fachleuten vom Fraunhofer Institut ISE einen Modellfall konstruiert und diesen für die sonnenarme Stadt Essen und das sonnenreiche Passau durchgespielt: Die Kollektoren sind in einem Winkel von 45 Grad auf der Südseite eines Hauses installiert, in dem ein Warmwasserbedarf von 175 Litern am Tag mit einer Temperatur von 45 Grad Celsius besteht. Für die Simulation wurden individuell die Kollektorkenndaten, die Größe des Speichers, dessen Bereitschaftsvolumen, das immer auf der Minimaltemperatur gehalten wird, und seine Wärmedämmung berücksichtigt. Alle anderen Daten, zum Beispiel die Wärmetauscher der Wärmespeicher oder die Regelungstechnik, wurden für alle Anlagen in gleicher Art zugrunde gelegt, da die meisten Hersteller dafür keine belastbaren Kennwerte zur Verfügung stellen.

Um herauszufinden, ob sich die Investition in eine Solarwärmeanlage im Durchschnitt rechnet, müssen die Investitionskosten zu den eingesparten Brennstoffkosten ins Verhältnis gesetzt werden. Allerdings ist zu bedenken, dass die Solaranlage etwa 20 Jahre Energie spart, die Energiepreise sich in dieser Zeit aber stark ändern können. Wir haben uns für einen Vergleich mit einer Gasheizung entschieden, der Vergleich mit einer Ölheizung würde aber tendenziell gleich ausfallen. Im Test wurde ein aktueller Gaspreis von 7,35 Cent pro Kilowattstunde und eine reale Gaspreissteigerung von acht Prozent jährlich angenommen. Die mittleren Preise für die Komplettanlagen beruhen auf Herstellerangaben und Einschätzungen des Fraunhofer Instituts auf Basis von Nachfragen am Markt. Für sonstiges Material und Montage wurden bei zwei Kollektoren 1.300 Euro beziehungsweise 1.500 Euro bei drei Kollektoren eingerechnet.

Die von uns ermittelte Wirtschaftlichkeit ist das Verhältnis der über 20 Jahre eingesparten Energiekosten zu den Investitionskosten, wobei wir bei der Energieeinsparung mit dem Mittelwert aus Passau und Essen den Durchschnitt von Deutschland abbilden. Üblicherweise werden hier noch die Finanzierungs- und Wartungskosten mitgerechnet, welche die Anlage teurer machen. Diese wurden nicht berücksichtigt, da auch die Einsparungen für den konventionellen Trinkwasserspeicher und die Stromkosten für Spül- und Waschmaschine - sofern diese ans Warmwasser angeschlossen sind -, nicht abgezogen wurden. Unsicher sind die künftigen Energiepreise. Wir gehen von einer jährlichen Steigerung von acht Prozent aus; Gas und Heizöl haben sich in den letzten zehn Jahren im Mittel in diesem Umfang verteuert. Da all diese Kosten von den einzelnen Gegebenheiten abhängen, bietet die vereinfachte Berechnungsmethode bei aller Unsicherheit eine gute Orientierung.

Bei den Handwerkern gibt es im Detail immer noch Unkenntnisse über Planung, Montage und Funktionsweise einer konkreten Anlage; für die meisten Endkunden ist das Thema Neuland. Deshalb sind detaillierte, leicht verständliche Dokumentationen für den Handwerker und den Nutzer Voraussetzung für eine gute Installation und einen sicheren Betrieb der Anlagen. Wir ließen die Datenblätter und Dokumentationen auf Vollständigkeit, Lesbarkeit und Verständlichkeit überprüfen.

Die Bewertung

Wenn die solare Deckung die Zielvorgabe erreicht, dass 60 Prozent des Warmwasserbedarfs mit Sonnenenergie erwärmt werden kann, bewerten wir das mit "gut" mit einer Spanne von plus/minus fünf Prozent. Mehr als 65 Prozent sind dann "sehr gute" und ab 55 Prozent "befriedigende" Werte. Die solare Deckung sagt aus, wieviel Energie zur Trinkwassererwärmung von der Solaranlage geliefert wird. Genauso wichtig ist jedoch die Wirtschaftlichkeit, denn mit einer größeren Anlage steigt nicht nur der Ertrag, sondern auch die Kosten. Je nach Einsparpotenzial nach 20 Jahren bewerten wir die Anlagen mit "sehr gut" bis "befriedigend", denn sie unterscheiden sich um mehr als 50 Prozentpunkte. Der Verbraucher muss allerdings berücksichtigen, dass die Preise stark variieren können, unter anderem auch wegen der Installationskosten, die vom Gebäude abhängen. Auch die nicht eingerechneten Kosten auf der Soll- und Habenseite können das Bild im Einzelfall etwas verschieben. Die Wirtschaftlichkeit kann dann entsprechend anders ausfallen. Da die korrekte Installation und Wartung in der Praxis ganz entscheidend für einen effizienten Betrieb ist, wird die Dokumentation der Anlage mit den Informationen für den Handwerker und den Kunden gleich gewichtet wie Ertrag und Wirtschaftlichkeit.

Test kostenlos abrufen (PDF)

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Thermische Solaranlagen, Trinkwassererwärmung: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Wikora S 30-A + WBO 403 Duo
  • Wikora

    befriedigend

Phönix Comfort
  • Phönix Sonnenwärme

    gut

Citrin Komfort Solarkomplettpaket
  • Citrin Solar

    befriedigend

Elco Solarpaket zur Trinkwassererwärmung
  • Elco

    gut

Sonnenkraft Solarpaket zur Trinkwassererwärmung
  • Sonnenkraft

    gut

Consolar Warmwasser-Kompaktsolaranlage
  • Consolar

    gut

Brötje Solarpaket W-WGB-S 2W DBS +Brennwertkesselpaket WGB-S
  • August Brötje

    gut

Nau Solarpaket zur Trinkwassererwärmung
  • Nau

    befriedigend

Solarfocus S970-Aktion-19
  • Solarfocus

    gut

Westfa Solarpaket zur Trinkwassererwärmung
  • Westfa

    gut

Sunset Kompaktanlage 3/6S-P
  • Sunset Energietechnik

    gut

Wagner Solarpaket zur Trinkwassererwärmung
  • Wagner & Co. Solartechnik

    sehr gut

Weishaupt Solarpaket zur Trinkwassererwärmung
  • Weishaupt

    gut

Schüco Trinkwasser-Kompaktsystem
  • Schüco

    gut

Wolf Solarpaket zur Trinkwassererwärmung
  • Wolf Heiztechnik

    gut

De Dietrich Dietrisol NEO 300-4 + Zusatzkollektor
  • De Dietrich Remeha

    gut

Prosolar Solarpaket zur Trinkwassererwärmung
  • Prosolar

    gut

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Spezial Energie
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ÖKO-TEST September 2010
ÖKO-TEST September 2010

Erschienen am 27.08.2010