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20 Reiswaffeln im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2010
vom 08.01.2010

Reiswaffeln

Snack mit Knackpunkt

Sie sind allgegenwärtig: Reiswaffeln in Kinderhänden. Viele Waffeln können die kleinen Krümelmonster sorglos knabbern, in einigen stecken aber problematische Stoffe wie Acrylamid und Arsen.

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08.01.2010 | Reiswaffeln gehören zum ersten Snack für kleine Kinder. Sie wollen knabbern - manchmal schon, bevor der erste Zahn da ist. Egal, auch mit dem Gaumen kriegt man die Reiswaffeln weich gelutscht. ÖKO-TEST hat 20 Reiswaffeln auf Schadstoffe wie gesundheitsschädliche Schwermetalle, krebserregendes Acrylamid und gentechnisch veränderte Bestandteile untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Das Krebsgift Acrylamid wurde in allen Produkten gefunden, allerdings in unterschiedlichen Mengen. Das war nicht anders zu erwarten, weil es prozessbedingt beim Erhitzen von kohlenhydratreichen Lebensmitteln entsteht, zu denen die Reiswaffeln zählen.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ermittelt sogenannte Signalwerte für unterschiedliche Lebensmittel, die eingehalten werden sollten. Diese Werte orientieren sich aber eher am oberen Bereich dessen, was technologisch machbar ist. Für Zwieback und Kekse für Säuglinge und Kleinkinder liegt der Signalwert beispielsweise bei 197 Mikrogramm pro Kilogramm (µg/kg), für feine Backwaren aus Mürbeteig bei 260 µg/kg. Für Reiswaffeln gibt es keinen Wert. Wir orientieren uns deshalb am Mittelwert der Testprodukte.

Auch Arsen haben die von uns beauftragten Labore in allen Reiswaffeln gefunden. Etwas mehr als die Hälfte der Produkte weisen erhöhte Werte auf. Arsen kommt in Reis in sehr unterschiedlichen Mengen vor und ist wegen seiner Giftigkeit immer wieder in der Diskussion. Die Gehalte, die wir in den Reiswaffeln gefunden haben, sind im Mittel sogar noch höher als die in purem Reis.

Dennoch: Rechnet man mit Tagesportionen von 10 bis 30 g Reiswaffeln - je nach Alter und Konsum des Kindes - wird die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorläufig vorgeschlagene täglich tolerierbare Menge weit unterschritten. Aber: Arsen wird noch mit anderen Lebensmitteln wie Cerealien und Fisch aufgenommen. Dazu die Lebensmitteltoxikologin Professor Tanja Schwerdtle von der Universität Münster: "Experten kommen weltweit mit langsam zunehmendem Wissensstand zu der Erkenntnis, dass Arsen wesentlich kritischer betrachtet werden muss, als bisher gedacht."

Bis auf vier Ausnahmen enthalten alle Reiswaffeln Spuren des giftigen Schwermetalls Cadmium. Für Reis gibt es eine gesetzlich festgelegte Höchstmenge, die von allen Messwerten weit unterschritten wird. Diese Höchstmenge müsste mittlerweile allerdings überprüft werden, weil die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die tägliche tolerierbare Aufnahmemenge für Cadmium gesenkt hat. Errechnet man die neu empfohlene tolerable Aufnahmemenge für ein zwei Jahre altes Kind, das täglich zwei bis drei Reiswaffeln isst, dann steuern Reiswaffeln trotz der gefundenen Minimenge durchaus einen Anteil zur Gesamtaufnahme bei; dennoch mussten wir nicht abwerten.