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ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2010
vom

Kinderspielzeug

Schöne Bescherung

Nach den miesen Ergebnissen vergangener Spielzeugtests wollten wir es nun noch einmal wissen: Ist Besserung in Sicht? Nicht wirklich. Trotzdem können wir einige getestete Spielzeuge empfehlen.

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08.01.2010 | Gespart wird an vielen Ecken - aber Einsparungen an Geschenken für die Liebsten verkneifen sich die meisten dann doch. Dafür macht Schenken zu viel Freude. Das bestätigen uns sogar wissenschaftliche Studien: Geld macht zwar glücklich. Aber es macht umso glücklicher, je mehr man davon wieder hergibt.

Wenn es um Kinder geht, ist das Beste gerade gut genug. Wir stellen regelmäßig schöne Geschenke und solche, die man besser keinem Kind zumuten sollte, vor. Diesmal waren die ÖKO-TEST-Einkäufer unterwegs und haben Eisenbahnen, Spielhandys und anderes Klangspielzeug, Puppenbuggys, Handpuppen, Fantasy-Figuren und Schaukeltiere eingekauft. Für kleine Fußballfans haben wir die Trikots der Bundesligavereine in die Labore geschickt und für Fans von Prinzessin Lillifee, Sponge Bob, Barbie & Co Bettwäsche mit ihren Lieblingsfiguren. Wir wollten wissen, wie es um den Schadstoffgehalt der 72 Produkte steht und ob die Spielsachen ausreichend sicher sind.

Das Testergebnis

Zwischen all den schadstoffbelasteten Spielsachen das Richtige zu finden, ist es eine echte Herausforderung. Viele Spielsachen sind extrem hoch belastet und nicht verkehrsfähig. Ein echter Lichtblick sind die Eisenbahnen. Bei den meisten anderen Spielzeuggruppen gibt es aber zumindest einzelne empfehlenswerte Vertreter. Einem kleinen Fußballfan, der für Bayern München, die Eintracht Frankfurt oder einen anderen der insgesamt elf Bundesligavereine schwärmt, deren knallbunt bedruckte, bestickte und beflockte Trikots wir mit "ungenügend" bewerten mussten, ist damit freilich nicht geholfen.

Wahre Schadstoffcocktails fanden sich in den Fantasy-Figuren. Sie bestehen fast alle aus PVC/PVDC/chlorierten Kunststoffen, hinzu kommt eine breite Palette chemischer Helfer, die für Elastizität, Flammschutz oder Lichtbeständigkeit sorgen - und dafür, dass alle Figuren schlichtweg in die Tonne und nicht in Kinderhände gehören. Die Ergebnisse zeigen, dass die Hersteller häufig auf alternative Weichmacher ausweichen, von denen man meint, dass sie unbedenklich sind. Leider sind sie noch nicht hinreichend erforscht. Wir werten deshalb auch die alternativen Substanzen um eine Note ab. Strenger sind wir bei hormonell wirksamen zinnorganischen Verbindungen und krebserzeugenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), die in den meisten Figuren stecken. Die Mystische Action Figur von Kik enthält darüber hinaus noch ein Flammschutzmittel, das seit 2008 in Elektrogeräten verboten ist. In drei Kunststofffiguren stecken Phthalate, die in Babyartikeln und Kinderspielzeug untersagt sind, beim "Frankenstein" wird sogar der Grenzwert überschritten.

Bei den Fußballtrikots sind es die Sponsorenaufdrucke aus Kunststoff oder weitere Kunststoffapplikationen, die im Wesentlichen für die Schadstoffbelastung und die ungenügende Bewertung von elf der 18 Vereinstrikots verantwortlich sind. Die PVC-Aufdrucke von Eintracht Frankfurt, 1. FSV Mainz 05 und VfL Bochum enthielten Phthalatweichmacher, die in Babyartikeln und Kinderspielzeug reglementiert sind. Außerdem wurden in den Aufdrucken häufig zinnorganische und phosphororganische Verbindungen nachgewiesen, im Falle von Hannover 96 auch Triclosan. Diese antimikrobiell wirksame Substanz kann Allergien auslösen und fördert die Antibiotikaresistenz. Die Polyestermaterialien der Trikots sind - ohne Aufdrucke betrachtet - "gut" bis "befriedigend". Sie enthielten häufig giftiges Antimon, das Haut und Schleimhäute reizen kann und die Umwelt belastet. Letzteres gilt auch für die optischen Aufheller, die in allen Produkten enthalten waren.

Nicht ganz so eiskalt erwischt es Fans, die gerne in knallbunter Bettwäsche mit lächelnden Barbies, Hello-Kittys oder Lillifee-Rehen abtauchen. Bis auf einen Ausreißer, die Playmobil Piraten Bettwäsche, bei der Formaldehyd nachgewiesen wurde, sind hier vor allem optische Aufheller und halogenorganische Verbindungen ein Problem.

In drei Handpuppen wurde der krebsverdächtige Farbstoffbaustein Anilin nachgewiesen. Im Gegensatz zu anderen aromatischen Aminen dürfen Farbstoffe, die Anilin enthalten oder abspalten können, allerdings noch zum Färben von Textilien eingesetzt werden. Besonders hoch war die Konzentration in der Toys Pure Handpuppe Kasper.

Beim Klangspielzeug für Kleinkinder ist das Material in Ordnung. Aber aus den Lautsprechern der drei Babyhandys klingelt, piept und scheppert es viel zu laut. Am Hörer selbst werden die Grenzwerte der Spielzeugnorm eingehalten. Dreht das Baby sein Spielhandy aber einmal herum und sein Öhrchen landet am Lautsprecher an der Rückseite, werden die erlaubten 90 Dezibel weit überschritten. Die Handys fallen deshalb mit "ungenügend" durch den Praxistest. Die drei anderen Klangspielzeuge im Test, die für ältere Kinder ab neun, zwölf und 18 Monaten empfohlen werden, sind so konstruiert, dass man nicht in Kopfnähe damit spielt, sondern eher im Sitzen oder Liegen. Hier sind die kleinen Ohren wenigstens weit genug von den Lautsprechern entfernt.

In Anlehnung an die Spielzeugnorm wurde geprüft, inwieweit die Spielsachen Sicherheits- und Deklarationsmängel aufweisen. Bei einigen Produkten waren verschluckbare Kleinteile enthalten, bei anderen - etwa dem Rock me Baby Schaukeltier Duck für Kleinkinder - lösten sich Haare und textile Teile, die ebenfalls verschluckt werden können, auch wenn die Spielzeugnorm diese ausnimmt. Bei Spielsachen, mit denen Kinder unter drei Jahren unserer Einschätzung nach spielen, wird hier streng abgewertet. Kinderbuggys etwa werden in der Praxis häufig Kleinkindern in die Hand gegeben, teilweise sogar als Laufhilfe bei den ersten Schritten. ÖKO-TEST hält in solchen Fällen ebenso wie bei den einfach gestalteten Kunststofffiguren und Eisenbahnen einen Warnhinweis "nicht geeignet für Kinder unter drei Jahren" für unangemessen. Wir kritisieren deshalb die verschluckbaren Kleinteile am Baby Born Boy Puppenwagen, die Strangulierungsgefahr durch ein zu langes Anschnallband am Buggy von Knorr ebenso wie abreißbare Teile der weichen Kunststofffiguren.

Die Handspielpuppen setzen hingegen unserer Meinung nach Fähigkeiten von mindestens dreijährigen Kindern voraus, sodass wir die nachgewiesenen Sicherheitsmängel hier nicht abwerten. Hier gibt es allerdings Minuspunkte, wenn der erforderliche Warnhinweis fehlte, was leider mehrfach der Fall war.

So reagierten die Hersteller

Durch die Trikothersteller erfuhren wir, dass die Trikots nur teilweise mit Sponsorenaufdrucken an die Vereine geliefert werden. In einigen Fällen werden diese erst im Auftrag der Vereine durch externe Dienstleister beflockt. Der 1. FSV Mainz will künftig zusammen mit dem Dienstleister durch Tests bei unabhängigen Instituten die Unbedenklichkeit des Trikotaufdrucks garantieren. Jako hat nicht nur die Auslieferung des getesteten Kindertrikots der Eintracht Frankfurt gestoppt, sondern auch den Verkauf der Ausweich- und Auswärtstrikots in den Kindergrößen XS, XXS und 98. In den Kindergrößen will der Hersteller kurzfristig für ein Ersatzprodukt sorgen, welches für Kleinkinder unbedenklich ist. Er ergänzte, dass er in diesem Zuge auch die übrigen Trikots umstellen wolle. Ein guter Vorsatz.

Die Firma Do You Football erläuterte, dass der Einsatz von optischen Aufhellern nicht vermieden werden konnte, um den "Kundenwunsch nach einem brillanten Weiß umzusetzen". Sie würde aber totzdem künftig versuchen, auf diese zu verzichten.

Mehrere Spielzeuganbieter wiesen darauf hin, dass ihr Spielzeug den Warnhinweis "nicht geeignet unter drei Jahren" trage und dass deshalb die festgestellten Sicherheitsmängel nicht relevant seien. ÖKO-TEST ist jedoch bei den Puppenbuggys, den Eisenbahnen und den einfachen Kunststofffiguren im Test der Meinung, dass dies nicht der Praxis entspricht und der Warnhinweis daher lediglich zur "Absicherung" der Hersteller dient.

Die Ladenkette Pappnase & Co., bei der wir die Fingerpuppen "Drache orange" und "Frankenstein" kauften, hat die Untersuchungsergebnisse "mit großem Bedauern" zur Kenntnis genommen und will die Produkte ab sofort nicht mehr verkaufen. Der beauftragte TÜV habe im "Drachen orange" die Testergebnisse von ÖKO-TEST bestätigt.

Die Bullyland AG, Anbieter der "ungenügenden" Phoenix-Fantasy-Figur, "ist der Auffassung, dass sich die hohen Aufwendungen in das Qualitätsmanagement und der Qualitätssicherung lohnen und die Produkte deshalb vorbildlich und einwandfrei sind. Auch erfüllen alle Artikel die Spielzeugnorm DIN EN 71 und sind von einer unabhängigen Institution (TÜV) geprüft und freigegeben."