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Nüsse und Ölsaaten im Test: Welche sind empfehlenswert?

Jahrbuch für 2015 | Autor: Karin Schumacher | Kategorie: Essen und Trinken | 10.10.2014

Viele Nüsse und Ölsaaten im Test sind empfehlenswert.
Foto: WenPhoto/Shutterstock

Ob als Zutat zur Gemüsepfanne, als Topping im Salat oder als Snack zwischendurch: Wer regelmäßig Nüsse isst, tut etwas für seine Gesundheit. In unserem Test waren viele Produkte in Ordnung. Aber leider eben nicht alle.

Aktualisiert am 10.10.2014 | Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung findet Nüsse so wichtig, dass sie im Rahmen der "5-am-Tag"-Kampagne empfiehlt, eine Portion Obst durch eine Portion Nüsse zu ersetzen, täglich sollen es aber nicht mehr als 25 Gramm sein. Vor allem die darin enthaltenen mehrfach ungesättigten Fettsäuren wirken sich positiv aus – sie senken das Risiko für koronare Herzerkrankungen, wie Studien belegen.

Wir haben verschiedene Nussproben – Pinien-, Sonnenblumen- und Cashewkerne, Mandeln, Hasel- und Walnüsse  – in konventionellen und Bio-Geschäften gekauft und von verschiedenen Laboren untersuchen lassen.

Welche Nüsse und Ölsaaten im Test überzeugen?

In fast allen Produktsparten gibt es "sehr gute" Urteile von uns. Allein unter den Sonnenblumenkernen und den Pinienkernen schafft es kein Produkt auf das Siegertreppchen, sie sind bestenfalls "befriedigend". Zwei Packungen – eine mit Mandeln, eine andere mit Pinienkernen – schließen mit "mangelhaft" ab.

Nüsse können mit Cadmium belastet sein

Nüsse, zum Beispiel Mandeln, Hasel- und Walnüsse, zählen lebensmittelrechtlich zum Schalenobst. In solchem Schalenobst darf per Gesetz nur eine bestimmte Menge Cadmium enthalten sein, denn Cadmium kann Nierenschäden verursachen.

Vor acht Jahren, 2006, führte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Untersuchungen an Pinienkernen durch, die bestätigten, dass Pinienkerne besonders viel Cadmium enthalten. Alle untersuchten Proben lagen damals sogar über dem Höchstwert von 0,05 Milligramm pro Kilogramm.

Grenzwert für Cadmium in Pinienkernen gestrichen

Im gleichen Jahr wurden dann die Pinienkerne ausdrücklich aus der Verordnung der Höchstgehalte herausgenommen. Ein gesetzlicher Grenzwert für Cadmium in Pinienkernen existiert also nicht mehr. Begründet wurde dieser Schritt mit der Berechnung des Risikos, das Verbraucher eingehen, wenn sie mit Cadmium belastete Pinienkerne verzehren. Die Menge sei einfach zu gering, rechnete das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor.

In diese Berechnung floss unter anderem ein Wert ein, der als "duldbare wöchentliche Aufnahmemenge" bezeichnet wird, "die ein Leben lang ohne gesundheitliches Risiko aufgenommen werden kann". Sie lag 2006 für einen 60 Kilogramm schweren Erwachsenen bei 0,42 Milligramm.

Kein Höchstwert für Sonnenblumenkerne

Nur drei Jahre später, 2009, befand die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), dass der 60 Kilogramm schwere Erwachsene ein Leben lang nur noch 0,15 mg Cadmium pro Woche aufnehmen sollten, um kein gesundheitliches Risiko einzugehen.

Die Gefahr, die von Cadmium in Lebensmitteln ausgeht, wurde also größer als früher eingestuft. Trotzdem gibt es für Pinienkerne weiterhin keine Höchstmengenregelung.

Sie fehlt auch für Sonnenblumenkerne. Auch sie enthalten vergleichsweise viel Cadmium, darauf machte das Bayerische Landesamt bereits im oben erwähnten Untersuchungsbericht aufmerksam. Doch die Sonnenblumenkerne zählen zu den Ölsaaten – und für die gibt es grundsätzlich keine Höchstmengenregelung zu Cadmium.

Auch Bio-Nüsse im Test mit Cadmium belastet

Nach derzeitigem Wissensstand stellt aber auch der Verzehr von belasteten Sonnenblumenkernen allein kein gesundheitliches Risiko für den Verbraucher dar – selbst wenn er überdurchschnittlich viel davon zu sich nimmt. Dafür bleiben die Mengen zu gering.

Doch die fehlende Höchstmengenregulierung hat einen ganz entscheidenden Nachteil: Es fehlt an Motivation, sich um die Ursache der Cadmiumbelastung zu kümmern. Hierzu zählen unter anderem mineralische, das heißt phosphathaltige Düngemittel.

Dass in unserem Test auch Bio-Produkte Cadmium enthalten, zeigt, wie weitverbreitet das Schwermetall vorkommt. Denn selbst im Kompost kann Cadmium sein – wenn belastetes Pflanzenmaterial in den Kreislauf gelangt.

Da Cadmium nicht nur in Nüssen und Ölsaaten vorkommt, sondern auch in Getreide oder Gemüse, werten wir Produkte ab, die die Menge von 0,05 Milligramm Cadmium pro Kilogramm übersteigen – das betrifft alle Sonnenblumenkerne im Test sowie eine Packung Pinienkerne.

Nüsse und Ölsaaten im Test: Weitere Schadstoffe

In einer Packung Cashewkerne wies das von uns beauftragte Labor so viel vom Weichmacher DEHP nach, dass wir abwerten. In sechs anderen Produkten führte der Gehalt an Kohlenwasserstoffen zur Abwertung. Diese Stoffe können zum Beispiel aus Mineralöl stammen, das in Druckfarben eingesetzt wird.

Gesättigte Kohlenwasserstoffe (MOSH) können im Körper gespeichert werden und zu Schädigungen der Leber und der Lymphknoten führen. Unter den aromatischen Kohlenwasserstoffen (MOAH) können sich Substanzen befinden, die schon in geringsten Mengen Krebs hervorrufen können.

Woher die Weichmacher und die Kohlenwasserstoffe stammen, ist nicht unbedingt nachzuvollziehen. Der Nachweis von Kohlenwasserstoffen in plastikverpackten Lebensmitteln kann neben Mineralöl auch Kunststoff als Quelle haben. Über diese Art von gesättigten Kohlenwasserstoffen – die sogenannte POSH-Fraktion – ist noch wenig bekannt. Aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes behandeln wir die Stoffgruppe daher wie MOSH.

In zwei Produkten wurde das Begasungsmittel Phosphin nachgewiesen. Einer der beiden Hersteller schreibt uns: "Der Phosphingehalt liegt deutlich unter dem gesetzlich zulässigen Höchstwert von 0,1 mg/kg." Das stimmt, doch wir werten schon Gehalte ab, die mehr als zehn Prozent des Höchstwerts überschreiten.

Diesen Test haben wir bereits im ÖKO-TEST Magazin September 2014 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch fü 2015 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Der Einkauf: Je vier Produkte Wal- und Haselnüsse, Cashew-, Pinien- sowie Sonnenblumenkerne und Mandeln standen auf dem Einkaufszettel. Dabei steuerten wir Bio-Läden genauso an wie Supermarkt- und Discounterketten.

Die Inhaltsstoffe: Nüsse sind häufig mit Schimmelpilzgiften, sogenannten Aflatoxinen, belastet. Selbstverständlich stand dies genauso auf unserem Prüfplan wie die Belastung mit krank machenden Keimen wie zum Beispiel Salmonellen. In fettreichen Lebensmitteln lagern sich gerne Schadstoffe wie Phthalatweichmacher an, außerdem sind Ölsaaten dafür bekannt, dass sie das giftige Schwermetall Cadmium anreichern. Um Schädlinge in Liefercontainern abzutöten, wird unter Umständen das Begasungsmittel Phosphin verwendet. Wir haben daher alle Proben auf diese Problemstoffe untersuchen lassen. War die Sensorik, die wir in einem Labor professionell durchführen ließen, auffällig, rundeten chemische Untersuchungen auf Frischeparameter wie zum Beispiel die Säurezahl, die Peroxidzahl oder Hexanal das Untersuchungsspektrum ab.

Die Bewertung: Bei der Bewertung orientieren wir uns an bestehenden Richtlinien oder Grenzwerten. Fehlen diese aber oder gehen sie uns unter dem Aspekt der Vorsorge nicht weit genug, sind wir häufig auch viel strenger als es der Gesetzgeber vorsieht. Nur Ware, die in der Qualität durch ihre Frische überzeugt sowie allenfalls Spuren von problematischen Inhaltsstoffen enthält, kann bei uns ein "sehr gut" erhalten. Kommen mehrere Mängel zusammen, addieren sie sich zu einer immer schlechter werdenden Note auf.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter den Inhaltsstoffen führt zur Abwertung um vier Noten: ein Gehalt an gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH/POSH) der Kettenlängen C17 bis C24 von mehr als 4 mg/kg ("Mineralöl sehr stark erhöht"). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) der Nachweis aromatischer Kohlenwasserstoffe (MOAH), wenn nicht bereits wegen MOSH/POSH um vier Noten abgewertet wurde; b) ein Gehalt an gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH/POSH) der Kettenlängen C25 bis C35 über 10 mg/kg ("Mineralöl stark erhöht"); c) mehr als 0,05 mg/kg Cadmium; d) Phthalatgehalt (Weichmacher) über dem spezifischen Migrationslimit (1,5 mg Diethylhexylphthalat [DEHP]/kg Lebensmittel bzw. Lebensmittelsimulanz). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Gehalt an gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH/POSH) der Kettenlängen C17 bis C24 von 1 mg/kg bis 2 mg/ kg ("Mineralöl erhöht"), falls nicht schon für MOSH/POSH C25 bis C35 um zwei Noten abgewertet wurde; b) ein Phosphingehalt, der über 10 bis 50 Prozent der Rückstandshöchstmenge von 0,1 mg/kg erreicht; c) chemische und sensorische Hinweise auf fehlende Frische.

Das Gesamturteil beruht auf der Bewertung des Inhalts.

Testmethoden

Testmethoden: Gesamtkeimzahl, aerob: ISO 4833 : 2003 mod. (Oberflächenverfahren statt Plattenguss). Enterobacteriaceen: ASU L 06.00-25 mod. (Anwendung auf andere Probenmatrix). Escherichia coli: ASU L 06.00-36 mod. (Anwendung auf andere Probenmatrix). Schimmelpilze: ISO 7954 : 1987 mod. (Oberflächenverfahren statt Plattenguss). Salmonellen: ASU L 00.00-20. Aflatoxine: DIN EN ISO 16050. Phosphin: GC/FPD. Cadmium: ICP-MS. Weichmacher: GC-MSD. Mineralöl: LC-GC/FID. Sensorik: einfach beschreibende Prüfung gemäß ASU L 00.90-06. Wenn Sensorik auffällig war: Säurezahl: ASU L 13.00-5 mod. (Anwendung auf andere Probenmatrix). Freie Fettsäuren: ASU L 13.00-5 mod. (Anwendung auf andere Probenmatrix). Peroxidzahl: ASU L 13.00-15 mod. (Anwendung auf andere Probenmatrix). Hexanal: HSGC-MS. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Mai 2014.

Diesen Test haben wir bereits im ÖKO-TEST Magazin September 2014 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch fü 2015 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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