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Haarspülungen

Silikon Valley

Die Haarspülungen einiger Markenhersteller enthalten Stoffe, die im Haar nichts verloren haben. Häufig kommen zudem umstrittene Silikone zum Einsatz. Rundumsorglos-Pflege gibt es aber auch: günstig vom Discounter und etwas teurer als zertifizierte Naturkosmetik.

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10.10.2014 | Wer nachspült, hat die Haare schön: Hochwertige pflanzliche Öle pflegen und glätten das beim Waschen entfettete Haar. Aber diese Pflanzenöle haben ihren Preis. Daher verwenden Hersteller konventioneller Haarspülungen häufig Silikone als Zusätze. Doch diese stoßen bei Verbraucherinnen immer mehr auf Skepsis. In Internetforen wird über ihren Einsatz kontrovers diskutiert. Während sich die eine beispielsweise auf brigitte.de lobend äußert, dass "die Haare ohne Silikon viel schneller trocken sind. Außerdem bekomme ich ohne die Silikone viel voluminösere Haare!", beklagt die andere, dass ihr Haar ohne Silikone im Shampoo "irgendwann matt und strohig" wirkt. Die Kosmetikindustrie macht sich die Diskussion zunutze und bewirbt ihre Produkte inzwischen entsprechend: "Ohne Silikone" steht zum Beispiel auf den Produkten von Phytosolba und Udo Walz in unserem Test. Doch was hat es nun tatsächlich auf sich mit diesen Stoffen?

Auf der Schuppenschicht der Haare bilden Silikone eine filmähnliche Schicht und gleichen brüchige Stellen aus. So fühlt sich das Haar kräftiger an, wird aber auch etwas schwerer. Weil sich die Silikone auf der Kopfhaut ablagern, können sie die Schuppenbildung verstärken. Umstritten ist nach wie vor, ob die regelmäßige Anwendung von silikonhaltigen Pflegeprodukten die Wirksamkeit zum Beispiel von Färbungen behindert: Denn Silikone lassen sich zum Großteil schlecht auswaschen und bleiben daher recht lange im Haar.

Für noch mehr Verwirrung sorgt unter anderem die Bezeichnung "wasserlösliche" Silikone. Wer glaubt, diese seien besonders oder besser, der irrt. Zum einen sagt Wasserlöslichkeit nichts über Auswaschbarkeit aus. Pflanzenöle beispielsweise sind nicht wasserlöslich und trotzdem auswaschbar. Zum anderen sind alle in Haarspülungen eingesetzten Silikone vermeintlich wasserlöslich, schließlich handelt es sich nicht um festes, sondern um flüssiges Silikon. Aber diese Silikonöle lösen sich nicht im Wasser auf. Das betont Marcus Gast, Experte für Wasch- und Reinigungsmittel am Umweltbundesamt (UBA): "Die Begrifflichkeit ,wasserlöslich' ist eine reine Marketingmaßnahme und soll diese Silikone als etwas Besonderes erscheinen lassen."

Gesundheitsschädlich sind Silikone laut Bundesinstitut für Risikobewertung nicht. Bezüglich Auswirkungen auf die Umwelt ist die Datenlage laut Umweltbundesamt spärlich. Risiken seien nicht auszuschließen. Immerhin sind Silikone biologisch schwer abbaubar und können sich somit in Gewässern anreichern. Silikonhaltige Kosmetik wird tagtäglich beim Waschen, Baden oder Duschen abgespült. Die flüssigen Silikone machen sich im Abwasser bemerkbar: "Sie bleiben an den Bakterienflocken - dem sogenannten Belebtschlamm - in der biologischen Abwasserreinigung haften und werden somit aus dem Abwasser herausgefiltert", erklärt Harald Hanßen, Abteilungsleiter im Klärwerk von Hamburg Wasser. Im Belebtschlamm werden nährstoffreiche Abwasserinhaltsstoffe durch Bakterien zu Klärschlamm und Kohlendioxid verarbeitet. "Bei Silikon klappt das aber nicht", erläutert Hanßen weiter. Die Silikone bleiben im Klärschlamm zurück und finden über den Dünger ihren Weg in die Natur.

Mit Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmitteln gelangen inzwischen so viele Substanzen ins Abwasser, dass Klärschlamm auf Feldern nichts mehr zu suchen hat. Dabei geht es nicht nur um Silikone. Dazu Marcus Gast vom UBA: "Duftstoffe zum Beispiel sind eine problematische Gruppe in Klärschlämmen. Darunter vor allem polyzyklische Moschus-Verbindungen, die sich in Fischen anreichern." Die Bundesregierung will Klärschlämme daher künftig nicht mehr zur landwirtschaftlichen Nutzung zulassen.

In Haarspülungen oder Shampoos spielen Silikone eine eher untergeordnete Rolle. Hauptbestandteil der Haarpflegemittel ist Wasser. Während ÖKO-TEST den Einsatz von Paraffinen, Erdölprodukten und Silikonen in Cremes oder Lotionen seit jeher abwertet - da pflanzliche Öle die Haut besser pflegen -, werten wir in diesem Test nicht ab. Denn man muss sich im Klaren darüber sein: Mit jeglicher Verwendung von Kosmetika belastet man über kurz oder lang das Abwasser. So wird beispielsweise Parfüm bei der Berechnung der Gefährlichkeit für Wasserorganismen beim Europäischen Umweltzeichen für Waschmittel sehr kritisch gesehen. Auch bestimmte Tenside, also waschaktive Substanzen, zählen zu den abwasserbelastenden Stoffen.

Was außer Silikonen noch alles in den Spülungen steckt, wollten wir genauer wissen. Wir haben 24 Repair- und Aufbau-Haarspülungen eingekauft und untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Das Ergebnis fällt durchwachsen aus. Positiv: Mehr als die Hälfte der Produkte schneidet "sehr gut" oder "gut" ab, alle zertifizierten Naturkosmetikspülungen "sehr gut". Negativ: Fünf Spülungen bewerten wir mit "ungenügend", zwei mit "mangelhaft".

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Kräftigen, aufbauen, pflegen: Das versprechen sich Kunden mit trockenem und strapaziertem Haar von diversen Haarspülungen. Wir haben 24 Repair- und Aufbauprodukte eingekauft, die belastetem Haar helfen wollen. Die meisten Emulsionen sollen kurz nach dem Einmassieren ins frisch gewaschene Haar wieder ausgespült werden. Einige müssen etwas länger einwirken - bis zu maximal fünf Minuten.

Die Inhaltsstoffe
In unserem Test stehen zahlreiche problematische Inhaltsstoffe im Blickpunkt. Umstrittene Konservierungsmittel gehören weder ins Haar noch auf die Kopfhaut: Formaldeyhd/-abspalter und halogenorganische Verbindungen haben wir daher genauso überprüfen lassen wie Methylisothiazolinon und Propylparaben. Zudem haben wir das eingesetzte Parfüm genau unter die Lupe genommen: Welche Duftstoffe lösen Allergien aus? Künstlichen Moschus-Duft und die verwandte Substanz Cashmeran sehen wir ebenfalls kritisch: Diese Substanzen können sich im Fettgewebe des Körpers anreichern, Tierversuche geben Hinweise auf Leberschäden.

Die Weiteren Mängel
Ein Karton als Bruchschutz für Glasflaschen ist in Ordnung. Aber bei Plastikflaschen ist eine solche Verpackung wirklich überflüssig. Ebenso die Verwendung von PVC/PVDC/chlorierten Verbindungen: Sie schaden Umwelt und Natur. Wir haben die Verpackungen der Haarspülungen auf diese Verbindungen untersuchen lassen.

Die Bewertung
Konservierungsmittel, die Formaldehyd abspalten, bewerten wir am strengsten. Schließlich gilt Formaldehyd als krebsverdächtiger Stoff. Halogenorganische Verbindungen führen ebenso zur Abwertung wie künstlicher Moschus-Duft und Cashmeran. Weil Haarkuren wieder abgespült werden, sehen wir PEG/PEG-Derivate in diesen Produkten weniger kritisch als etwa bei einer Hautcreme.

So haben wir getestet

Papierverschwendung: Gleich zwei Umkartons für eine Plastiktube verwendet der Hersteller Phyto Paris für seine Haarspülung Phyto Pflege-Spülung Repair.

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