Startseite
23 Kinderzahncremes im Test

Jahrbuch für 2015
vom 10.10.2014

Kinderzahncremes

Fluorid ja - aber wie?

Nur wenige Kinderzahncremes schneiden in unserem Test schlecht ab. Mitdenken müssen Eltern, was die Versorgung der Beißerchen mit Fluorid betrifft. Hier lassen die Hinweise auf den Verpackungen zu wünschen übrig.

654 | 8

10.10.2014 | Einig sind sich die Fachleute nur in einer Frage: Fluorid ist wichtig, um Karies zu verhindern oder einzudämmen. Denn der Rückgang von Karies bei Kindern und Jugendlichen in den vergangenen Jahrzehnten wird auf den breiten Einsatz von Fluorid zurückgeführt. Aber an der Frage, ob das Fluorid per Tablette oder per Zahnpasta an die Kinderzähne kommen soll, scheiden sich die Geister.

Nach Auffassung der Kinderärzte ist Fluorid in einer Kinderzahncreme nicht akzeptabel. Denn Kleinkinder können die Zahnpasta noch nicht ausspucken. Und ein Verschlucken wollen die Kinderärzte bei einem Kosmetikprodukt, das nicht zum Verzehr geeignet ist, nicht tolerieren.

Die Zahnärzte wiederum halten eine Zahncreme mit Fluorid für unerlässlich, außerdem noch fluoridiertes Speisesalz zum Würzen der Speisen. Es sei wissenschaftlich belegt, dass vornehmlich die auf die Zahnoberfläche einwirkenden Fluoride für den kariesprophylaktischen Effekt verantwortlich sind.

Wir haben 23 Kinderzahncremes eingekauft - mit und ohne Fluorid - und sie hinsichtlich ihrer Inhaltsstoffe und Deklaration unter die Lupe genommen. Darunter waren auch vier zertifizierte Naturkosmetika.

Das Testergebnis

An den Inhaltsstoffen haben wir vielfach nichts auszusetzen, die Deklarationen lassen aber meist zu wünschen übrig. Lediglich die Marken Colgate und Signal fallen wegen mehrerer problematischer Inhaltsstoffe durch.

Keine fluoridhaltige Zahnpasta im Test bleibt unter einem Gehalt von 500 ppm Fluorid, die Colgate Kariesschutz-Zahncreme enthält aber doppelt so viel - wie die Kinderzahncremes in fast allen anderen Ländern der Welt. Denn Deutschland steht nahezu allein mit der geringen Fluoridmenge in Kinderpasten. 1.000 ppm seien nicht vertretbar, meinen die deutschen Kinderärzte. Das Wissenschaftliche Komitee für Verbraucherprodukte der Europäischen Kommission (SCCP) sieht dagegen aufgrund der verfügbaren wissenschaftlichen Belege kein Sicherheitsproblem bei Kindern unter sechs Jahren. Bei den empfohlenen Konzentrationen von 1.000 bis 1.500 ppm gebe es nur minimale Bedenken, dass Fluorose bei Kleinkindern entstehen könnte. Karies würde mit diesen Gehalten am besten reduziert, weitere Forschungen werden jedoch empfohlen.

Einige Hersteller setzen noch auf das aggressive Tensid und Schäumungsmittel Natriumlaurylsulfat, das empfindliche Schleimhäute reizen kann. Möglicherweise auch als Tensid dienen die PEG/PEG-Derivate in zwei Pasten.

In Lebensmitteln müssen einige Azo-Farbstoffe mittlerweile mit einem Warnhinweis gekennzeichnet werden: "Kann sich nachteilig auf die Aktivität und Konzentration von Kindern auswirken." Da Kleinkinder noch einen großen Teil der Zahnpasta verschlucken, sind sie auch in Kinderzahncremes keine gute Wahl.

In einer Sache sind sich die Mediziner einig: Fluorid ist nötig, um Karies vorzubeugen. Deshalb sollten die Anbieter fluoridfreier Zahncremes auf den Umstand hinweisen, dass der Stoff auf anderem Wege eingenommen werden muss. Alle Öko-Hersteller verzichte

Jahrbuch für 2015

Online lesen?

Jahrbuch für 2015 für 7.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Eingekauft wurden 23 Kinderzahncremes, die für Milchzähne beziehungsweise Kleinkinder unter sechs Jahren ausgelobt sind. Dabei sind bekannte Zahnpastamarken wie Blend-a-med, Elmex, Oral-B, Signal, aber auch die Eigenmarken der Super- und Drogeriemärkte. Die meisten Kinderzahncremes enthalten Fluorid zur Kariesprophylaxe, fünf Produkte sind fluoridfrei, darunter vier als Naturkosmetik zertifizierte Pasten.

Die Inhaltsstoffe
Fluorid beugt der Kariesbildung vor. Strittig ist unter Zahn- und Kinderärzten nur die Frage, in welcher Form das Fluorid an Kleinkinder verabreicht werden sollte. Wenn sie mit Zahncreme erfolgt, dann sollten zumindest 500 ppm enthalten sein, wie es die Leitlinie "Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe" vorsieht. Daneben prüften wir, inwieweit bedenkliche oder umstrittene Inhaltsstoffe enthalten sind, etwa das aggressive Tensid Natriumlaurylsulfat, PEG/PEG-Derivate, umstrittene halogenorganische Verbindungen oder Farbstoffe.

Die Weiteren Mängel
Unstrittig ist, dass Kleinkinder zur Kariesprophylaxe Fluorid zu sich nehmen sollen. Deshalb ist es nötig, dass die Hersteller von fluoridfreien Zahncremes darauf hinweisen, dass die Pasten nur geeignet sind, wenn die Kinder bereits ausreichend Fluorid auf andere Weise erhalten. Umgekehrt sollten neben einer fluoridhaltigen Zahncreme und der Verwendung von fluoridiertem Speisesalz keine weiteren Fluoridgaben, zum Beispiel durch Tabletten, erfolgen. Hier ist zumindest ein Hinweis nötig, dass ein Arzt oder Zahnarzt befragt werden muss. Damit die Kleinkinder nicht zu viel Fluorid aufnehmen, sollten auch exakte Dosierempfehlungen entsprechend der Leitlinie der Zahnärzte auf die Verpackung.

Die Bewertung
Inhaltsstoffe, die wir kritisieren, führen zu Minuspunkten, mehrere Mängel addieren sich zu schlechten Noten im Testergebnis Inhaltsstoffe. Abwertungen unter dem Testergebnis Weitere Mängel können das Gesamturteil weiter beeinflussen.

So haben wir getestet

Eine erbsengroße Menge und nicht mehr sollte bei Kindern ab zwei Jahren verwendet werden; bei den ganz Kleinen nur ein dünner Film ab dem ersten Zahn.

Online abrufbar

Jahrbuch für 2015

Bestellnr.: J1410
Gesamten Inhalt anzeigen