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13 Puzzlematten im Test

Jahrbuch für 2015
vom 10.10.2014

Puzzlematten

Dicke Luft

Über die Hälfte der von uns untersuchten Puzzlematten ist schadstoffbelastet.Ein Produkt fiel mit einem Sicherheitsmangel durch den Praxistest und ist aus unserer Sicht nicht einmal verkehrsfähig.

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10.10.2014 | Immer wieder rufen verärgerte Leser bei uns an und beschweren sich über übel riechende Puzzlematten. In Untersuchungen sind die beliebten Bodenauflagen in der Vergangenheit aber vor allem wegen des geruchlosen Schadstoffs Formamid aufgefallen. Das ist ein Lösungsmittel, welches im Gegensatz zu vielen anderen nicht stechend riecht. Es kommt als Reduktionsmittel und Industriechemikalie zum Einsatz. In Schaumstoffen wie Ethylen-Vinylacetat-Copolymer (EVA oder Moosgummi), aus dem die meisten Puzzlematten bestehen, könnte es auch aus Treibmitteln gebildet werden. Es besteht die Gefahr, dass nach und nach Formamid freigesetzt wird. Formamid ist als Gefahrstoff eingestuft, der das Erbgut und die Entwicklung des ungeborenen Kindes im Mutterleib schädigen kann. Bei unserem Puzzlemattentest im Jahr 2011 enthielten 13 von 15 Produkten Formamid. Unfassbar: Das Gift steckte in Produkten, auf denen Kleinkinder stundenlang spielen.

Einen strengen EU-Grenzwert für Formamid gibt es nicht. Einige EU-Mitgliedsstaaten wie Belgien, Frankreich und Luxemburg haben im Alleingang gehandelt und erließen 2009 ein Verkaufsverbot für mit Formamid belastete Puzzlematten. Inzwischen wurden diese Verbote teilweise gelockert. In Frankreich zum Beispiel dürfen Puzzlematten verkauft werden, wenn ihr Formamidgehalt höchstens 200 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) beträgt. Im Jahr 2011 lag der Formamidgrenzwert Frankreichs noch bei 2 mg/kg. In Deutschland gibt es kein explizites Verbot. Mit der Spielzeugrichtlinie 2009/48 ist im Juli 2013 ein allgemeines Verbot von CMR-Stoffen eingeführt worden - CMR-Stoffe sind solche, die als krebserregend, erbgutverändernd und reproduktionstoxisch eingestuft sind. Viele CMR-Stoffe von besonderer Relevanz für Spielzeug sind durch eigene Normen abgedeckt. In der Richtlinie 2009/48/EG über die Sicherheit von Spielzeug heißt es zu Formamid: "Es gibt auch CMR-Stoffe, die nicht durch diese Normen abgedeckt sind. Ein Beispiel für diese Stoffe ist Formamid, ein fortpflanzungsgefährdender CMR-Stoff der Kategorie 1 B, der bekanntermaßen in bestimmten Spielzeugmaterialien nachgewiesen wurde (teilweise in Konzentrationen, die ein Gesundheitsrisiko darstellen können)." Für solche Stoffe gilt gemäß der Spielzeugsicherheitsrichtlinie ein allgemeiner Grenzwert von 5.000 mg/kg.

Immerhin: Vereinzelte Hersteller haben Puzzlematten aus EVA wegen der Formamidproblematik aus dem Programm genommen und lassen ihre Produkte zum Beispiel aus Polyethylen fertigen. Ob diese besser sind und wie viel Formamid in Puzzlematten steckt, die derzeit zu kaufen sind, hat ÖKO-TEST untersuchen lassen: Wir schickten 13 Matten in die Labore.

Das Testergebnis

Es gibt Alternativen: Sechs Produkte können wir empfehlen. Zwei Matten sind aber glatt durchgefallen, weil sie jede Menge Schadstoffe enthalten. Eine andere ist aus unserer Sicht ein Sicherheitsrisiko und nicht mal verkehrsfähig.

Durch den Test Inhaltsstoffe kam das Produkt Maxi 6 Tierfiguren Puzzlematte 6 Teile aus Poly

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben 13 Puzzlematten eingekauft. Da Puzzlematten aus Ethylen-Vinylacetat-Copolymer (EVA) in der Vergangenheit durch hohe Formamidbelastungen aufgefallen sind, haben wir in den Geschäften auch nach Produkten gesucht, die aus anderen Materialien, etwa Polyethylen hergestellt wurden. Auch achteten wir bei der Auswahl auf Produkthinweise wie "formamidfrei" oder "geprüftes EVA".

Die Inhaltsstoffe
Natürlich prüften die Labore alle Puzzlematten auf Formamid, den Stoff, der das Erbgut schädigen kann. Formamid kann sich als Nebenprodukt aus Treibmitteln bilden, die bei der Schaumstoffherstellung eingesetzt werden, Gase bilden und so den Kunststoff aufblähen. Weiterhin beauftragten wir die Untersuchungen, die Produkte aus weichem Kunststoff fordern. So überprüften die Labore unter anderem, ob hormonwirksame Weichmacher in den Matten stecken oder krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe als Verunreinigungen enthalten sind.

Die Praxisprüfung
Sicherheitsanforderungen: Puzzlematten müssen den gesetzlichen Sicherheitsanforderungen entsprechen, die der Gesetzgeber an Spielzeug für Kinder jünger als drei Jahre stellt. Denn wenn sich etwa verschluckbare Kleinteile schon mit wenig Kraft abreißen lassen, besteht akute Erstickungsgefahr, wenn ein Kind diese Teile verschluckt. Deshalb prüfte eine Labor die Reißfestigkeit aller Mattenteile nach der Spielzeugrichtlinie EN 71-1.
Oberflächenspannung: Kunststoffoberflächen wie Puzzlematten können sich elektrostatisch aufladen. Dazu genügt es, wenn das Kind beim Krabbeln mit Textilien und Handflächen über die Matte reibt. Zu hohe elektrostatische Oberflächenspannung wirkt sich negativ auf das Raumklima aus, da die Spannung Staub und Schadstoffe aufwirbelt. Baubiologen haben diese Oberflächenspannungen unter realistischen Alltagsbedingungen erzeugt und gemessen.

Die Bewertung
ÖKO-TEST macht es wie Eltern es tun: Geht es um die Sicherheit der Kinder, gibt es keine Kompromisse. Deshalb werten wir streng ab - Schadstoffe genauso wie Sicherheitsmängel. So kann das Gesamturteil nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis der Tests Inhaltsstoffe und Praxisprüfung.

So haben wir getestet

Lebensgefahr: Lassen sich Teile von den Matte abreißen, die ein Kleinkind verschlucken kann, droht der Erstickungstod. Deshalb schickten wir die Matten zum Praxistest.

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