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Lippenstifte

Dicke Lippe

Der Lippenstift ist neben der Wimperntusche beliebtes Produkt in der dekorativen Kosmetik. Wen wundert's, zaubert er doch schnell Farbe ins Gesicht. Doch das Rot kann es ganz schön in sich haben.

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10.10.2014 | Von Koralle über Fuchsia bis Violett, von Hochglanz über metallic bis matt - Lippenstifte gibt es in allen nur denkbaren Schattierungen und damit für alle Vorlieben. Wie schön, denn der Lippenstift ist und bleibt eines der beliebtesten Schminkutensilien.

Lippenstifte bestehen vor allem aus Wachsen und Fetten. Diese sorgen dafür, dass die Farbe auf den Lippen haften bleibt. Die Kunst ist, eine Mischung zu erzielen, die schmilzt, wenn es gewünscht ist: nur beim Auftragen auf die Lippen und nicht schon vorher. Ist der Lippenstift aufgetragen, soll er einigermaßen fest auf den Lippen sitzen und nicht verlaufen. Hinzu kommen Parfüm, um den Rohstoffgeruch zu überdecken, und Zusatzstoffe, die die Pigmente gleichmäßig im Wachs verteilt halten oder die verhindern sollen, dass sich Öltröpfchen auf der Oberfläche bilden und der Stift unschön aussieht.

Das A und O bei einem Lippenstift ist natürlich die Farbe. Für den richtigen Ton und Glanzeffekt sorgen vor allem Pigmente, kleine, unlösliche Farbpartikel, die möglichst gleichmäßig im Stift verteilt sein müssen. Konventionelle Hersteller arbeiten dabei mit anderen Farbstoffen als die Naturkosmetikbranche. In der zertifizierten Naturkosmetik sind nur Pflanzenauszüge sowie mineralische oder Erdpigmente erlaubt. Für knallrote Lippenstifte wird häufig die Karminsäure toter Cochenilleläuse eingesetzt - nichts für Veganer, aber der einzige Weg, mit Natur leuchtende Rottöne zu erzielen. Konventionelle Hersteller setzen hingegen auf synthetisch hergestellte Farbe, die ein größeres Farbspektrum möglich macht. Viele wurzeln noch immer auf Azo-Verbindungen. Bis heute leiten sich viele Lebensmittel- und Kosmetikfarbstoffe daraus ab, so das gelbe Tartrazin oder CI 17200, das krebsverdächtiges Anilin abspalten kann.

Wir wollten wissen, welche Inhaltsstoffe in roten Lippenstiften im Einsatz sind und haben 15 Produkte eingekauft. Günstige aus dem Drogeriemarkt für knapp drei Euro, aber auch richtig teure, edle 30-Euro-Modelle.

Das Testergebnis

Während die Lippenstifte aus der zertifizierten Bio-Kosmetik allesamt mit "sehr gut" abschneiden, konnten wir bei den konventionellen Herstellern bestenfalls "befriedigend" als Note vergeben. Ihre Lippenstifte schnitten zum Großteil mit "mangelhaft" und schlechter ab, weil hier problematische Farbpigmente, Paraffine, überflüssige UV-Filter und allergisierende Duftstoffe enthalten sind.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Die ÖKO-TEST-Einkäufer haben 15 klassisch rote Lippenstifte eingekauft. Der günstigste kostete knapp drei Euro, der teuerste 32 Euro. Sechs Modelle sind zertifizierte Naturkosmetik.

Die Inhaltsstoffe
Lippenstifte bestehen vor allem aus Hartwachsen, Fetten und Ölen. Farbstoffe - meist unlösliche Pigmente - machen rund zehn Prozent aus. Hinzu kommen UV-Filter, Konservierungsmittel und andere Zusatzstoffe. Vieles über die Zusammensetzung eines Stifts kann man der Deklaration entnehmen. Das Kleingedruckte gibt auch über die enthaltenen Farbstoffe Auskunft: das Pigment CI 17200 beispielsweise kann Anilin abspalten - wir ließen das im Labor nachmessen. Auch wenn es um die zugesetzten Duftstoffe geht, genügt uns nicht nur der Blick auf die Deklaration. Relevante Allergene und künstliche Moschus-Düfte lassen wir analysieren. Und in noch einem Fall ist eine Analyse notwendig: Wenn die Hersteller sich über die eingesetzten Pigmente ausschweigen. Dann ließen wir Fachleute prüfen, ob sich halogenorganische Farbpigmente oder allergieträchtiges Tartrazin in dem Rot verbergen.

Weitere Mängel
Lippenstifte einer Serie unterscheiden sich nur durch die zugesetzten Farbstoffe. Die Basis ist immer gleich. Deshalb dürfen Hersteller ihre Stifte mit einer einheitlichen Deklaration versehen, einer sogenannten "+/-"-Deklaration. Diese enthält alle möglichen Farbstoffe, die in einer Serie eingesetzt werden. Wer's genau wissen möchte, muss nachfragen. Wir haben es getan. Darüber hinaus haben wir prüfen lassen, ob chlorierte Verbindungen in der Verpackung stecken.

Die Bewertung
Hersteller müssen ihrer Kundschaft eigentlich mitteilen, welche Farbstoffe und Pigmente ein Lippenstift genau enthält. Der Gesetzgeber lässt nur eine Ausrede zu: Geschäftsgeheimnis. Wir lassen das nicht gelten und ziehen Punkte ab - man sollte schon erfahren dürfen, was genau man sich auf die Lippen packt.

So haben wir getestet

Pigmente können natürlicher Herkunft sein, oft handelt es sich aber um synthetische Farbstoffe.

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