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16 Lackfarben im Test

Jahrbuch für 2015
vom 10.10.2014

Lackfarben

Glanz mit Nebenwirkungen

Im Zweifel besser wasser- als lösemittelbasiert - diese Regel gilt für alle, die zu Hause einigermaßen schadstoffarm Lackierarbeiten vornehmen wollen. Unser Test ergab aber: Leider ist nicht überall, wo "wasserbasiert" draufsteht, auch "schadstoffarm" drin.

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10.10.2014 | Der Anstrich für ein Möbelstück ist in der Regel ein ganz schön zeitraubendes Projekt. Erst muss der alte Lack ab, dann brauchts nach der ersten Lackrunde meist noch einen Zwischenschliff, erst dann kann der Endanstrich aufgebracht werden. Wer nicht in die Garage ausweichen kann, hat dazu noch ein Problem: Die ganze Bude riecht auch noch zwei Wochen später nach Lackierwerkstatt.

Weil die meisten Heimwerker diese Geruchsbelästigung so gut es geht vermeiden wollen, kaufen sie vor allem wasserbasierte Lacke ein, sogenannte Dispersionslacke. Diese gelten als schadstoffärmer, umweltfreundlicher und beim Verdünnen und Reinigen kann man Wasser statt etwa stinkendes Terpentin hernehmen.

Kann man großmundigen Versprechungen wie "lösemittelfrei" trauen? Wir haben 16 weiße, seidenmatte oder -glänzende Lacke eingekauft und geprüft, was drinsteckt, was beim Lackieren ausdampfen kann und wie gut die Hersteller auf den Etiketten über ihre Produkte informieren.

Das Testergebnis

"Wasserbasiert" heißt nicht, dass ein Produkt schadstofffrei ist. Gerade Mal für sieben Lacke trifft das tatsächlich zu.

Beim Lackieren entfleuchen häufig problematische Verbindungen. In der Summe dünsten die Lacke zwar nur sehr wenig aus. Manche flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) bereiten allerdings schon in sehr kleinen Gehalten Probleme, etwa weil sie als krebserregend eingestuft sind, wie der aromatische Kohlenwasserstoff Benzol. Aus einigen Lacken gasen Ethylenglykole aus, die zu Bindehautreizungen oder Nierenschäden führen können, auch Acrylate, die sensibilisierend wirken können, sind häufig unter den VOC zu finden. Aromaten, eine Stoffgruppe, zu der auch Benzol und Styrol zählen, können das zentrale Nervensystem schädigen, manche gelten als fruchtschädigend. Sie gasen aus dem Biofa Aqualux Decklack Innen aus, auf dessen Etikett der Hersteller groß damit wirbt, dass das Produkt "lösemittelfrei" sei. Auch der Auro Weißlack Seidenmatt Nr. 260-90 wird als "lösemittelfrei" bezeichnet. Aber auch das stimmt leider nicht so ganz.

Beim Einsatz von Isothiazolinonen halten sich die meisten Hersteller an die Grenzen, die der Blaue Engel vorgibt und an denen auch wir uns orientieren. Ausnahme: der Primaster Acryl Weisslack Seidenmatt von Globus.

Für Allergiker ist es wichtig, dass über die enthaltenen Isothiazolinone informiert wird. Doch diese Info sowie die Telefonnummer einer entsprechenden Allergikerhotline sucht man auf vielen Produkten vergebens.

In den Lacken von Bio Pin und Biofa werden Kobaltsalze eingesetzt. Im Lack selbst ist Kobalt ein Kontaktallergen. Ab bestimmten Gehalten fordert der Gesetzgeber einen Hinweis. Kobaltstaub, der beim Schleifen des getrockneten Lacks entsteht, ist krebserregend - Hersteller sollten also deutlich darauf hinweisen, dass beim Zwischenschliff eine Atemschutzmaske unabdingbar ist. Schade, dass hier nur Biofa umfassend über die enthaltenden Kobaltsalze informiert.

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