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Silikonbackformen im Test: Können sie bedenkenlos verwendet werden?

Jahrbuch für 2015 | Kategorie: Essen und Trinken | 10.10.2014

Silikonbackformen im Test: Enthalten sie problematische Inhaltsstoffe?
Foto: Chema Grenda/Shutterstock

Silikonbackformen sind furchtbar praktisch. Dennoch ist vielen das Backen in der Kunststoffhülle nicht ganz geheuer. Unser Test zeigt aber: Die meisten Backformen sind sauber. Nur bei einigen lösen sich flüchtige Verbindungen, wenn es heiß wird. Wer sichergehen will, lässt sie vorm ersten Mal ausgasen.

Aktualisiert am 10.10.2014 | Eine Backform, in der garantiert nichts kleben bleibt - ohne Einfetten. Die auch als Eisform dient. Und die sich zur Not in die letzte Ecke des Küchenschranks quetschen lässt, ohne aus der Form zu geraten. Gäbe es noch keine Silikonformen, man müsste sie erfinden. Dennoch bleibt bei vielen eine Restunsicherheit. Ist das Material so sauber, dass man es auf Lebensmittel loslassen kann?

Silikone kommen nicht in der Natur vor. Ausgangsmaterial ist das chemische Element Silizium, von dem es enorm viel gibt, etwa in Sand, Ton oder anderen keramischen Materialien. Aber es liegt nicht pur und verarbeitungsbereit vor, sondern in Form von Siliciumdioxid und Silikaten.

Silikonbackformen im Test: Aus was besteht Silikon?

Zunächst muss also im Hochofen das Silizium abgetrennt werden. Im nächsten Schritt wird es mit Methylchlorid zu Silanen umgesetzt. Erst aus diesen können Silikone hergestellt werden - in nahezu unzähligen Varianten, von ölartig über elastisch bis fest. Entsprechend breit ist das Einsatzgebiet. Silikone können Haare leichter kämmbar machen, Maschinen wie geschmiert laufen lassen und sie machen die Fugen im Badezimmer dicht.

Silikonbackformen für Muffins sind beliebig wieder verwendbar.
Silikonbackformen für Muffins sind beliebig wieder verwendbar. (Foto: kostrez/Shutterstock)

Während Silikone, die an der Luft trocknen - beispielsweise Silikonfugenmassen -, häufig zinnorganische Verbindungen als Katalysatoren enthalten, um das Aushärten in Gang zu setzen, können die Hersteller von Backformen mit anderen Techniken arbeiten. Auch winzige Mengen an Platin können als Katalysator wirken. Oder es wird mit einer zweiten Komponente, wie Peroxiden, gearbeitet, die dafür sorgen, dass die Silikone die gewünschten Materialeigenschaften erlangen. In der Regel werden Festsilikone im Formpressverfahren in Form gebracht, Flüssigsilikone im Spritzgussverfahren.

Entscheidend ist der nächste Schritt: das "Tempern", ein Ausgasen, das dafür sorgt, dass das Endprodukt möglichst frei von flüchtigen organischen Bestandteilen ist, die ins Kochgut übergehen können. Empfohlen wird, die Formen vier Stunden bei 200 Grad nachzubehandeln. Eine aufwendige Prozedur, die sich offenbar manche Hersteller auch sparen.

Silikonbackformen im Test: Großteil der Produkte überzeugt

Vielen ÖKO-TEST-Lesern sind die Kunststoffformen suspekt. Deshalb haben wir nun zwölf Produkte getestet. Was steckt drin? Was kommt raus? Vorsichtige Entwarnung: Fast alle Silikonbackförmchen sind frei von problematischen Inhaltsstoffen. Und nur bei drei Formen muss man befürchten, dass ihre Bestandteile beim Backen in den Kuchenteig übergehen.

Alle Backformen halten die gesetzlichen Grenzwerte ein. Bei genauem Hinsehen zeigen sich aber doch Unterschiede. Manche Produkte können mehr Spuren im Kuchenteig hinterlassen als andere. Bei drei Marken führt das zur Abwertung: Zwei von ihnen erreichen die Hälfte des Richtwerts für flüchtige organische Bestandteile, bei einer weiteren Backform liegt der Wert deutlich über der Hälfte.

Das können die anderen Modelle besser! Bei der Prüfung der Gesamtmigration (messbarer Übergang) zeigte sich, dass sich aus fünf Formen ein bisschen was löst. Allerdings so wenig, dass man von Spuren sprechen kann.

Backformen aus Silikon gibt es für verschiedene Backwaren.
Backformen aus Silikon gibt es für verschiedene Backwaren. (Foto: PhotoSGH/Shutterstock)

Schadstoffe in einer Silikonbackform im Test

Bei der Prüfung der Inhaltsstoffe im Silikon fiel nur ein Produkt negativ auf. Es enthält Phenanthren in einer Größenordnung, die wir um zwei Noten abwerten. Die Verbindung gehört zur riesig großen Gruppe der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, sie kommt in fossilen Brennstoffen vor und ist ein Produkt unvollständiger Verbrennung. Phenanthren gehört zu den 16 Verbindungen, die in die Liste der prioritären Schadstoffe der US-Umweltbehörde EPA aufgenommen wurde.

Diesen Test haben wir bereits im ÖKO-TEST Magazin 12/2013 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2015 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Der Einkauf: Wir haben zwölf Silikonbackformen eingekauft, die zum Backen von Muffins, Cupcakes, Cakepops oder anderen Kleinigkeiten gedacht sind. Dafür waren wir in Kaufhäusern, Supermärkten, bei Ikea und in spezialisierten Onlineshops unterwegs.

Die Inhaltsstoffe: Uns interessierte, ob in den Silikonen womöglich giftige zinnorganische Verbindungen als Katalysatoren zum Einsatz gekommen sind - bei anderen Silikonprodukten wie Sexspielzeug ist das leider immer wieder Thema. Ebenso weit verbreitet bei Kunststoffen: polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, von denen viele als krebserregend gelten. Darüber hinaus ließen wir Formen und Verpackungen auf PVC und andere chlorierte Verbindungen sowie auf Schwermetalle untersuchen. Was aber geht beim Backen in den Kuchenteig über? Um das zu simulieren, wanderte das Silikonmaterial, bedeckt mit speziellen Kunststoffkügelchen, für zwei Stunden in einen 175 Grad heißen Trockenschrank. Danach wurde geprüft, wie viel vom Silikon in die Kügelchen übergeht. Im Fachjargon nennt man das "Gesamtmigration".

Bei einer zweiten Prüfung wurde gemessen, inwiefern sich flüchtige organische Bestandteile aus dem Material lösen. Dazu wurde das Silikon in kleine Stücke zerteilt und für vier Stunden in einen 200 Grad heißen Trockenschrank gestellt. Die Stückchen wurden vorher und nachher gewogen - eine amtliche Methode, um zu ermitteln, ob etwas verdampft ist.

Die Bewertung: Bei der Bewertung der Gesamtmigration haben wir uns an der EU-Gesetzgebung, bei der Bewertung der ausgasenden flüchtigen organischen Bestandteile an den Vorgaben des Bundesinstituts für Risikobewertung orientiert. Allerdings werten wir bei den flüchtigen Bestandteilen ab der Hälfte des erlaubten Werts ab. Sicher ist sicher. Das gilt auch für die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, die zwar gesundheitlich bedenklich sind, für die es aber für Silikonbackformen keinen Grenzwert gibt. Wir werten Produkte mit erhöhter Belastung ab.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) mehr als 100 bis 1.000 µg/kg einer oder mehrerer PAK-Einzelverbindungen; b) ein erhöhter Gehalt von 0,25 % bis 0,5 % flüchtige organische Bestandteile.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: PVC/ PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.

Testmethoden

Testmethoden: Untersuchung des Silikonmaterials bzw. der kompletten Silikonbackform inklusive des Zubehörs, falls nicht anders aufgeführt. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen (Produkt, Verpackung), Schwermetalle (Produkt): Röntgenfluoreszenzanalyse. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK): GC/MSD (25 PAK nach EU/EPA/JECFA). Zinnorganische Verbindungen: NaDDTC, EtOH, Hexan, NaBEt4, GC-AED. Flüchtige organische Bestandteile: B II XV "Kunststoffe im Lebensmittelverkehr" BfR, Stand Mai 2013 "Untersuchung von Bedarfsgegenständen aus Silicon-Elastomeren". Gesamtmigration: ASU B 80.30-27, Nov. 2009 (entspricht DIN EN 1186-13, Dez. 2002), "Untersuchung von Bedarfsgegenständen - Prüfverfahren für die Gesamtmigration aus Kunststoffen bei hoher Temperaturen".

Einkauf der Testprodukte: August 2013 

Diesen Test haben wir bereits im ÖKO-TEST Magazin 12/2013 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2015 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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