Muffinformen aus Silikon: Immer wieder landet Plastik im Gebäck

Magazin Dezember 2022: Butter | Autor: Johanna Michl/Meike Rix/Hannah Pompalla | Kategorie: Freizeit und Technik | 22.11.2022

Silikon-Muffinformen im Test: Welche Silikonbackformen für Muffins überzeugen?
Foto: ÖKO-TEST

Krass: Sieben Silikonbackformen gasen mehr Stoffe aus als das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt. Ein Anbieter ruft deshalb sein Produkt zurück. Zudem fällt im Test von 20 Backformen auf, dass teils Silikonbestandteile in den Muffins landen. Für die Weihnachtsbäckerei können wir jedoch auch Produkte empfehlen.

  • Wir haben 20 Silikonbackformen für Muffins getestet. Bei zwölf Produkten handelt es sich um zusammenhängende Formen für sechs bis zwölf Muffins. Die restlichen Packungen enthalten ein oder mehrere Einzelförmchen.
  • Elf Silikon-Muffinformen sind mit "sehr gut" empfehlenswert. Sieben Produkte fallen durch.
  • Punktabzüge gibt es für flüchtige organische Verbindungen, die beim Backen über dem empfohlenen Richtwert ausdünsten. Zudem geben einige Muffinformen aus unserer Sicht zu viele Silikonbestandteile ab.

Zusammenhängende Muffinformen aus Silikon sind praktisch, einzelne bunte Silikonformen machen sich gut auf der Festtafel. Und: Im Gegensatz zu Papierförmchen sind sie wiederverwendbar. Aber setzen Backformen aus dem Kunststoff wirklich keine Stoffe frei, die nicht ins Essen gehören?

Silikon-Muffinformen im Test: Welche sind am besten?

Um das zu überprüfen, haben wir 20 Muffinbackformen aus Silikon eingekauft und im Labor auf Schadstoffe untersuchen lassen. Das Ergebnis: Sieben Muffins fallen mit "ungenügend" durch unseren Test. Sie haben mehr flüchtige organische Verbindungen ausgedünstet, als das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt.

Ob darunter gesundheitlich bedenkliche Stoffe sind, können wir nicht ausschließen. Außerdem gaben diese Silikonbackformen – bis auf eine Ausnahme – im Labor aus unserer Sicht zu viel Bestandteile ans simulierte Backgut ab.

Immerhin: Elf Silikonbackformen können wir auch mit "sehr gut" empfehlen. Bei ihnen waren die Übergänge an Luft und Backgut gering und auch die Funktionsprüfung meisterten sie. 

Muffins in bunten Silikonbackformen sehen schön aus. Aber sind sie auch frei von Schadstoffen? Wir haben 20 Silikon-Muffinformen geprüft.
Muffins in bunten Silikonbackformen sehen schön aus. Aber sind sie auch frei von Schadstoffen? Wir haben 20 Silikon-Muffinformen geprüft. (Foto: Degtiarova Viktoriia/Shutterstock)

Sieben Silikonbackformen überschreiten Richtwert

Aus Silikonbackformen sollen nicht mehr als 0,5 Prozent flüchtige organische Bestandteile ausdünsten – diesen Richtwert hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) festgelegt. Behörden dient er als Indikator für die gesetzlich vorgeschriebene "gute Herstellungspraxis". Die sieben Testschlusslichter reißen diesen Richtwert.

Warum das gegen eine "gute Herstellungspraxis" spricht? Hersteller könnten das vermeiden, indem sie die Formen am Ende einfach über einige Stunden ausheizen. So verflüchtigen sich überschüssige Chemikalien. Dass die Hersteller offenbar selbst an einer so einfachen Maßnahme sparen, ist mehr als ärgerlich.

Mit den Ergebnissen konfrontiert kündigte ein Hersteller an, die betroffene Charge vom Markt zu nehmen.

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Geht das Silikon in die Muffins über?

Jetzt stellt sich noch die Frage, ob das Silikon in den Förmchen in die Muffins übergeht? Für Kunststoffe, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, gibt es grundsätzlich einen Grenzwert, wie viel davon übergehen darf. Bei acht Produkten hat das Labor im Granulat, welches das Backgut simulierte, Stoffübergänge oberhalb dieses Grenzwerts gemessen.

Das Problem: Der Grenzwert für Kunststoffe gilt ausgerechnet für das beliebte Backartikelmaterial Silikon nicht. Wir haben uns dennoch daran orientiert, weil wir meinen, dass Formen, die kein oder nur sehr wenig Silikonmaterial abgeben, allemal die bessere Wahl sind.

Silikon-Muffinformen sind beliebt. Sie können jedoch Silikon ans Gebäck abgeben.
Silikon-Muffinformen sind beliebt. Sie können jedoch Silikon ans Gebäck abgeben. (Foto: VH-studio/Shutterstock)

Silikon ist zwar auch nach unseren Testergebnissen verschiedener Produkte "sauberer" als viele andere Weichkunststoffe. Weil es dennoch auch gesundheitlich problematische Verbindungen enthalten kann, beschäftigt sich derzeit das BfR mit den Übergängen von Silikonverbindungen aus Silikonbackformen. Laut dem zuletzt veröffentlichten Protokoll fehlen aber noch Daten, um einen Richtwert für bestimmte Stoffe entwickeln zu können.

Keine krebserregenden Stoffe nachgewiesen

In puncto Inhaltsstoffe gibt es allerdings auch gute Nachrichten: In vergangenen Tests haben wir in einzelnen Silikonprodukten polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gefunden, von denen einige als krebserregend eingestuft sind.

In diesem Test ist das nicht der Fall: Das Labor hat erfreulicher Weise in keiner der geprüftem Muffinformen PAK nachgewiesen.

Wie schlagen sich die Silikon-Muffinformen in der Praxis?

Zu guter Letzt ist keine der Silikon-Muffinformen in unserer Funktionsprüfung durchgefallen. Auch die beiden von den Experten in der Praxis am schlechtesten beurteilten Formen schneiden noch mit "befriedigend" ab.

Im Schnitt sind zusammenhängende Silikonbackformen aber etwas leichter zu handhaben als die Einzelförmchen. Die wichtige Anti-Haftwirkung des Materials war bei allen Muffinformen im Test tadellos. 

Silikonbackformen richtig verwenden

Das rät ÖKO-TEST: 

  1. Silikonbackformen vorm ersten Gebrauch waschen und eine Stunde lang bei 200 Grad Celsius ausheizen. Dabei gut lüften.
  2. Auch wenn auf der Verpackung höhere mögliche Temperaturen stehen, Silikonformen besser nicht auf mehr als circa 200 Grad Celsius erhitzen.
  3. Das Silikon kann Fett aus dem Teig aufnehmen und dadurch klebrig werden. Am besten gleich nach Gebrauch mit Spülmittel reinigen, aber nicht schrubben.

Silikon, Papier & Co.: Welches Material solls sein? 

Ob Silikon, Papier oder Metall – Backförmchen gibt es aus verschiedensten Materialien. Eine kurze Übersicht:  

  • Backformen aus Silikon: Einzelförmchen aus Silikon sind schön zum Präsentieren der Muffins und lassen sich frei auf dem Backblech anordnen. Dafür sind die zusammenhängenden Formen etwas stabiler beim Befüllen und aufs Backblech stellen.
  • Papier: Sind Einwegförmchen aus Papier in Sachen Inhaltsstoffe eine bessere Alternative? Nicht unbedingt. So gab es wiederholt Produktrückrufe wegen Belastungen mit dem Schadstoff 3-MCPD, den ÖKO-TEST unter anderem auch in Küchenpapier gefunden hat.
  • Metallformen: Muffinbleche aus Edelstahl sind nahezu unzerstörbar. Wegen des hohen Energieverbrauchs in der Produktion muss man sie aber auch fleißig benutzen, bevor sie im Vergleich wirklich nachhaltig sind.
  • Backpapier: Für spontane Backaktionen ohne großen Formenfuhrpark im Küchenschrank finden sich im Internet auch Anleitungen, wie man schnell aus Backpapier Muffinformen faltet.

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Im Einzelhandel und in Online-Shops haben wir 20 Silikonbackformen für Muffins eingekauft. Zwölf davon sind zusammenhängende Formen für sechs bis zwölf Muffins. Achtmal haben wir Packungen mit einem oder mehreren Einzelförmchen berücksichtigt. Wir ließen analysieren, ob die Weichkunststoffe mit krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) verunreinigt sind. Um zu ermitteln, inwiefern flüchtige organische Bestandteile aus dem Material ausgasen, zerteilten die Laborexpertinnen und -experten das Silikon in kleine Stücke, stellten es für vier Stunden in einen 200 Grad heißen Trockenschrank und wogen die Stückchen jeweils vorher und nachher. Was aber könnte beim Backen in den Muffinteig übergehen? Um das zu simulieren, wanderte das Silikonmaterial, bedeckt mit speziellen Kunststoffkügelchen, für zwei Stunden in einen 175 Grad heißen Trockenschrank. Danach wurde geprüft, wie viel vom Material der Backform in die Kügelchen übergegangen war. Im Fachjargon nennt man das Gesamtmigration. In der Funktionsprüfung begutachteten die Prüfer zudem die Anti-Haftwirkung des Materials und ob sich die Formen gut befüllen, in den Ofen stellen und reinigen lassen.

Bewertungslegende

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: ein gemessener Gehalt von mehr als 0,5 % flüchtigen organischen Verbindungen (in der Tabelle: stark erhöht). Dies entspricht einer Überschreitung des BfR-Richtwerts von 0,5 % bei Silikonelastomeren. Zur Abwertung um zwei Noten führt: eine gemessene Gesamtmigration von mehr als 10 mg/dm² im 3. Migrat in das Simulanzmaterial MPPO (Poly[2,6-diphenyl-p-phenylenoxid]) (in der Tabelle: erhöht). Analyse und Bewertung erfolgt in Anlehnung an die Regelung in der Kunststoffverordnung (Verordnung [EU] Nr. 10/2011). Für Silikone gelten diese Regelung von gesetzlicher Seite her nicht.

Bewertung Testergebnis Funktionsprüfung: Das Testergebnis Funktionsprüfung setzt sich zu 50 % aus der Handhabung und zu 50 % aus Antihaftprüfung und Standsicherheit (leer) zusammen. Sind beide in Ordnung, wird dies als "sehr gut" gewertet. Es wird kaufmännisch gerundet.

Unter dem Punkt Handhabung führt zur Abwertung um drei Noten: eine Bewertung "befriedigend/ausreichend". Zur Abwertung um zwei Noten unter dem Punkt Handhabung führt: eine "befriedigende" Bewertung. Zur Abwertung um eine Note unter dem Punkt Handhabung führt eine "relativ formstabile" Bewertung. Eine "sehr stabile" oder "formstabile" Bewertung führt zu keinem Abzug. Die Bewertungen der Handhabung beruhen auf Expertenbeurteilungen im Gesamteindruck nach Beobachtungen über den gesamten Backprozesses. Bei einzelnen Produkten wurden besonders prägnante Auffälligkeiten als Zusatz hinter der Bewertung notiert. Steht bei konkret benannten Analysenergebnissen "nein", bedeutet das unterhalb der Bestimmungsgrenze der jeweiligen Testmethode.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Funktionsprüfung, dass "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Funktionsprüfung, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden

PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse. Funktionsprüfung (Abmessungen, Stabilität, Antihafteigenschaften, Handhabung): DIN EN 13834:2020-11; Laborklima: 23° C / 50% relative Luftfeuchte. Bewertung durch Expertenbeurteilung anhand eines kompletten Backzyklus. Flüchtige organische Verbindungen: BfR-Empfehlung, A XV 5; 4 h 200° C, Trockenschrank/Gravimetrie. Globalmigration/Gesamtmigration: DIN EN 1186:2002-07 / 2002-12 (mod.); MPPO (2h/175° C), einseitig (Innenseite) Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe: AfPS GS 2019:01 PAK (2019-05)

Einkauf der Testprodukte: Juli – August 2022.

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