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15 Kaffeekapseln im Test

ÖKO-TEST Oktober 2013
vom 27.09.2013

Kaffeekapseln

Die Müllmacher

Kaffeekapseln stehen für bequemen Genuss. Beim Kunden sind sie in. Out scheint dagegen bei Anbietern dieser Einwegverpackungen die Umwelt zu sein. Was unser Kaffeekapseltest noch verrät: Funktionieren die Kapseln in der Maschine? Stecken Schadstoffe im Kaffee? Und: Wurde er fair produziert?

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27.09.2013 | Es ist eines der Wunder der Warenwelt: Dem Unternehmen Nestlé ist es gelungen, einen Luxusartikel aus jenem Produkt zu kreieren, das der Maurer morgens in seine Thermoskanne gießt, die Studentin am Automaten zieht und Eltern beim Schulfest aus Drei-Liter-Kannen in ihre mitgebrachten Becher pumpen: Kaffee. Wer es immer noch nicht fassen kann, besuche eine der zehn Nespresso-Boutiquen, die in Westdeutschlands Großstädten und Berlin auf Kunden warten.

Die Kapselpackungen - nach Farbverlauf geordnet - ruhen in massiven Holzregalen wie die Seidenkrawatten im Hermès-Shop. Anders als im Supermarkt stellt man sich zum Kaffeekauf an, um der freundlichen Nespresso-Mitarbeiterin die Bestellung zu verraten und die schlanken Packungen entgegenzunehmen. Unter Niedervoltlampen - dezent angestrahlt wie Autos im Showroom - warten Nespresso-Maschinen auf Kunden. Und dann gibt es da noch den ganzen Tand, in der schönen neuen Warenwelt "Accessoire" genannt. Etwa die schwarze Reisetasche mit Metallboden, passend für alle Pixie-Maschinenmodelle, für schlappe 75 Euro. Oder die Duftkerze Café Absolu für 35 Euro. Natürlich kann all das auch im Internet gekauft werden. Voraussetzung: Man wird Mitglied im Nespresso-Club. So bleibt man unter sich.

Wer das alles ernst nehmen muss, sind die Mitbewerber. Denn Portionskaffee - Pad und Kapsel - boomt. Weltweit erreichte der Umsatz allein bei Kaffeekapseln nach Berechnungen des Marktforschungsinstituts Euromonitor International im Jahr 2012 rund sechs Milliarden Dollar. Und laut Einschätzung des Weltkonzerns Mondelez International (ehemals Kraft Foods) wird das Geschäft mit Portionskaffee bis 2016 allein in Westeuropa auf mehr als ein Drittel des gesamten Kaffeemarkts anwachsen. Grund genug für Mondelez, nicht nur auf das eigene Kapselsystem Tassimo (Jakobs) zu setzen, sondern auch eine Kapsel auf den Markt zu bringen, die kompatibel mit den Nespressomaschinen ist, dem marktführenden System. Auch Kaffeegigant Douwe Egberts, bekannt für sein Pad-System Senseo, hat deshalb eine nespressokompatible Kapsel herausgebracht.

Dass immer mehr Anbieter Kaffeekapseln auf den Markt werfen, die für den Gebrauch in Nespressomaschinen geeignet sind, hat damit zu tun, dass ein wichtiges Patent auf die Nespressokapseln ausgelaufen ist. Außerdem hat der Konzern in der jüngsten Vergangenheit im Kampf gegen die Nachahmer empfindliche Niederlagen einstecken müssen. So hatte etwa das Landgericht Düsseldorf 2012 entschieden, dass nicht die Kapsel, sondern die Maschine das Herzstück des Angebots sei. Die Forderung von Nestlé nach einem Vertriebsstopp für Nachahmerkapseln wurde daher abgewiesen. Und auch in diesem Jahr verlor der Weltkonzern eine Schlacht: Das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied, dass die Anbieter billigerer Konkurrenzprodukte weiterhin damit werben dürfen, dass diese für Nespressomaschinen geeignet sind. Diese Entscheidungen freuen die Mitbewerber. Die Verlierer sind Nestlé - und die Welt. Denn nun füllen noch mehr Anbieter ihren

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben 13 Einwegkaffeekapseln eingekauft. Mit dabei sind sechs Systemkapseln - darunter auch ein Nespressoprodukt -, zu denen es spezielle Kapselmaschinen gibt. Und: Sieben Kapseln - darunter zwei Bio-Produkte -, deren Anbieter damit werben, dass ihre Kaffeekapseln in Nespressomaschinen funktionieren. Dazu kauften wir noch zwei wiederbefüllbare Kapseln, ebenfalls laut Hersteller kompatibel mit dem Maschinensystem des Marktführers Nespresso.

Die Inhaltsstoffe
Die Labore untersuchten das Kaffeepulver, das Kapselmaterial und den Kaffeeaufguss auf Schadstoffe. Mögliche Problemstoffe im Kaffeepulver: Acrylamid und Furan. Beide entstehen als unerwünschte Nebenprodukte während des Röstens. Das Schimmelpilzgift Ochratoxin A kann sich bilden, wenn die Kaffeebohnen falsch gelagert werden. Den Kaffeeaufguss analysierten Labormitarbeiter, um festzustellen, ob sich Weichmacher, Schwermetalle oder Aluminium während des Brühens aus dem Kapselmaterial gelöst hatten.

Kaffeekapselproduktion und Transparenz
Wir wollten von den Anbietern wissen, ob sie sich bemühen, einen fairen Kaffee zu verkaufen. Indikatoren dafür sind die Zahlung eines Mindestpreises für den Kaffee, von Mindestlöhnen für Plantagenarbeiter und die Einhaltung grundlegender internationaler Arbeitsnormen auf den Plantagen. Zu allen Antworten der Anbieter verlangten wir Nachweise, die die Richtigkeit der Angaben belegen.

Die Handhabung der Kapseln
Hersteller von Kaffeekapseln versprechen den bequemen Kaffeegenuss. Unbequem wird es, wenn die Kapsel nur unter Schwierigkeiten in die Maschine gelegt werden kann oder nach dem Brühvorgang stecken bleibt. Deshalb ließen wir die Handhabung der Kapseln überprüfen.

Die Bewertung
Die Handhabung der Kapseln ist wichtig. Aber Schadstofffreiheit ist noch wichtiger. Deshalb fließt das Testergebnis Inhaltsstoffe zu 60, das Testergebnis Handhabung zu 40 Prozent in das Gesamturteil ein. Doch um ein "gutes" oder gar "sehr gutes" Produkt anzubieten, muss die Kaffeekapsel auch beim Test Produktion und Transparenz überzeugen.

So haben wir getestet

Was steckt drin, welche bleibt stecken? Die Labore untersuchten 13 Einwegkapseln und deren Kaffee.