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15 Acryl-Fugenmassen im Test

Jahrbuch für 2015
vom 10.10.2014

Acryl-Fugenmassen

Mach dicht!

Tut sich eine Lücke auf, ist die Fugenmasse nicht weit. Doch Achtung: Etliche von uns getestete Acryldichtmassen sind von minderer Qualität. Manche sind außerdem noch mit giftigen Weichmachern belastet. Doch es gibt auch empfehlenswerte Produkte.

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10.10.2014 | Risse im Mauerwerk, Fugen zwischen Bauteilen, unsauber gearbeitete Anschlüsse: Um hier den Lückenschluss hinzubekommen, greifen Hand- und Heimwerker gern zur Kartusche mit Fugenmasse. Doch Achtung: Acryl- und Silikonfugenmassen sehen zwar ähnlich aus, sind jedoch für unterschiedliche Zwecke geeignet.

Silikone etwa sind sehr elastisch und dehnbar. Deshalb können sie Bewegungen im Bauwerk gut mitmachen und die Fugen dicht halten. Diese Dichtmassen sind wasserabweisend und relativ chemikalienbeständig und daher für Anschlüsse von Dusche und Badewanne sowie Anschlussfugen von Böden geeignet. Auch im Freien kommen Silikonfugenmassen zum Einsatz, weil sie witterungsbeständig sind. Ihre Schwäche: Silikone brauchen einen Katalysator, damit sie an der Luft fest werden. Dazu setzen Hersteller meist giftige zinnorganische Verbindungen ein.

Für Fugen und Fehlstellen in trockenen Bereichen ist Acrylfugenmasse die bessere Wahl. Im Gegensatz zu Silikonfugenmasse lässt sie sich überstreichen - und ist nebenbei auch günstiger. Acrylfugenmassen sind allerdings nicht ganz so elastisch und werden meist als plasto-elastisch oder elasto-plastisch ausgelobt. Das heißt, sie können sich nicht komplett in den ursprünglichen Zustand zurückbewegen. Dadurch können sie Spannungen nur zum Teil ausgleichen, wodurch neue Risse in der Fugenmasse oder an den Rändern entstehen können.

Acrylfugenmassen mit Lösemitteln härten schnell aus, können dabei jedoch auch gesundheitlich bedenkliche Stoffe abgeben. Heute werden überwiegend Dispersionsacryle angeboten, die mit Wasser gebunden und geruchsneutral sind. Sie haften gut auf porösen, saugenden Untergründen.

Wir wollten wissen, welche Qualität die heute in den Bau- und Fachmärkten angebotenen Acrylfugenmassen haben und inwieweit sie problematische Inhaltsstoffe enthalten. Für den Test haben wir 15 verschiedene Kartuschen eingekauft.

Das Testergebnis

Von "sehr gut" bis "ungenügend" alles dabei. Sowohl in der praktischen Prüfung als auch beim Test der Inhaltsstoffe fallen etliche Produkte durch. Voll überzeugen konnte nur das Acryl Lugato Riss- und Fugen-Zu, fünf weitere Dichtmassen sind noch "gut".

Die Hersteller haben gelernt: Im Gegensatz zu früher haben die Labore keine flüchtigen organischen Verbindungen mehr nachgewiesen. Viele im Heimwerkerbereich angebotene Acrylfugenmassen sind lösemittelfrei und wasserbasierend, auch die Produkte im Test. Deshalb benötigen sie Konservierungsmittel, häufig Isothiazolinone, die wir in moderaten Konzentrationen jedoch nicht abwerten.

In Acrylfugenmassen stecken Weichmacher, um die Masse geschmeidig zu machen. In fünf Produkten hat das Labor bedenkliche Phthalate nachgewiesen, die in vielen Kinderprodukten verboten sind, weil sie im begründeten Verdacht stehen, wie ein Hormon zu wirken. Die Produkte von Bauhaus, Quick-Mix und Soudal enthalten sie sogar in stark erhöhten Gehalten. In den meisten anderen Fugenmassen fanden sich Ersatzweichmacher. Weil deren Wirkungen noch nicht

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So haben wir getestet

Der Einkauf
15 weiße Acrylfugenmassen wurden in Baumärkten und im Baustoffhandel eingekauft, darunter Marken wie Knauf, Lugato, Otto, PCI, Soudal sowie Eigenmarken der Baumärkte.

Die Inhaltsstoffe
Acrylfugenmassen gibt es wasser- und lösemittelbasiert. Wenn sie Lösemittel enthalten, können problematische organische Verbindungen ausgasen, wie es in unserem Test 2007 häufig der Fall war. Wasserbasierte Rezepturen brauchen dagegen Konservierungsmittel wie Formaldehyd/-abspalter oder Isothiazolinone, um sie für eine gewisse Zeit haltbar zu machen. Weichmacher sorgen dafür, dass die Massen geschmeidig bleiben. Wir ließen prüfen, inwieweit dafür bedenkliche oder umstrittene Verbindungen eingesetzt werden.

Die Praxisprüfung
Acrylfugenmassen schrumpfen, wenn sie trocknen, da Wasser oder andere Lösemittel entweichen. Damit sie dennoch die Fuge gut ausfüllen, sollte der Volumenverlust nicht zu groß sein: Die Norm für Dichtstoffe sieht mit einer Ausnahme für eine spezielle elastische Masse maximal 25 Prozent vor. Im Gegensatz zu Silikonfugenmassen gilt Acryl nicht als besonders dehnfähig. Da Bauteile in der Praxis aber nicht starr sind, sollte auch eine Acrylfugenmasse zumindest leichte Dehnungen aufnehmen können. Diese Eigenschaften wurden in einer Materialprüfanstalt anhand von zahlreichen Prüfkörpern gemessen.

Die Weiteren Mängel
Unter Weitere Mängel fassen wir verschiedene Deklarationsmängel zusammen. Wir prüften, ob Produkte mit dem Blauen Engel die Deklarationsanforderungen des Umweltzeichens erfüllen. Eine Allergiker-Hotline halten wir für alle Produkte mit Allergie auslösenden Stoffen wie Isothiazolinone für wichtig. Versprochene Qualitätsstandards sollten zumindest annähernd erfüllt werden. Und auch ein Mindesthaltbarkeitsdatum darf nicht fehlen, da die Fugenmassen nicht ewig halten.

Die Bewertung
Besonders kritisch sehen wir hormonell wirksame Phthalate als Weichmacher, besonders jene, die in Kinderspielzeug bereits verboten sind. Auch für noch nicht ausreichend erforschte Ersatzweichmacher und für Formaldehyd/-abspalter gibt es Minuspunkte. Genauso wichtig wie die Inhaltsstoffe ist jedoch die Praxistauglichkeit. Im Test fällt ein Produkt, das sich schon bei der Trocknung als gänzlich unbrauchbar zeigte, durch. Kaum besser schneiden weitere Acrylfugenmassen ab, die extrem an Volumen verloren. Mehrere Weitere Mängel verschlechtern das Testergebnis Praxisprüfung.

So haben wir getestet

Eine Probe im Dehnversuch, bei zehn Prozent Dehnung (oben) ist noch alles bestens, bei 60 Prozent Dehnung (unten) reißt die Fugenmasse.

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