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Wandfarben-Test: Welche Kalk- und Dispersionsfarben sind die besten?

Ratgeber Bauen & Wohnen 2022 | Autor: Dimitrij Rudenko/Frank Schuster/Lena Wenzel | Kategorie: Bauen und Wohnen | 05.05.2022

Weiße Wandfarben im Test: Obi, Alpina & Co. im Vergleich.
Foto: ÖKO-TEST

Weiße Wände werden mit der Zeit grau und benötigen einen neuen Anstrich. Wir haben 25 Wandfarben eingekauft und in die Labore geschickt: Wie gut schlagen sich die weißen Kalk- und Dispersionsfarben?

  • Wir haben 25 weiße Wandfarben für Innenräume überprüft. 19 davon sind Dispersions- bzw. Dispersionssilikatfarben, sechs sind Natur- bzw. Kalkfarben.  
  • In früheren Tests von Farben waren Konservierungsstoffe ein großes Problem. Inzwischen haben sich die Produkte verbessert. 
  • Ein paar Wandfarben im Test enthalten halogenorganische Verbindungen. Das Problem: Viele dieser Verbindungen gelten als allergieauslösend und reichern sich in der Umwelt an. 

Aktualisiert am 05.05.2022 | Der Mensch suchte und fand seine Farben früher in der Natur. Jahrtausendelang nutzt er Anstrichmittel auf Basis von Kalk, Lehm und anderen Mineralen. Erst in der jüngeren Geschichte kamen industriell hergestellte Dispersionsfarben. Seit einigen Jahren liegen Kalkfarben jedoch wieder im Trend. 

Kalkfarben sind Naturfarben. Anders als bei Bio-Lebensmitteln oder Naturkosmetik mit ihren bekannten Zertifikaten ist bei Anstrichmitteln aber unklarer definiert, wann es sich um Naturfarben handelt. Beim Einkauf kommt erschwerend hinzu, dass Volldeklarationen nicht verpflichtend sind.

Was machen Kalkfarben aus? 

Ist die Definition auch nicht ganz eindeutig, eines ist klar: Nichts zu suchen haben in einer Naturfarbe synthetische, petrochemisch gewonnene Stoffe wie Acryl- oder Kunststoffharze. Grundlage für eine Naturfarbe sollten nachwachsende oder mineralische Rohstoffe sein. Das fordern auch die relativ kurz gehaltenen Richtlinien des Internationalen Verbands der Naturbaustoffhersteller (InVeNa), dessen Siegel einige Produkte tragen.

Kalk gehört zu den historisch ältesten Wandbeschichtungen. Die gute Feuchteregulierung hat der Naturfarbe zu einer Renaissance verholfen. Kalk ist stark alkalisch (pH-Wert größer als 12), was Schimmel und Bakterien kaum eine Chance lässt. Auch ihre Ästhetik mit einem matten, leicht durchscheinenden, etwas wolkigen Weiß findet wieder zunehmend Gefallen.

Weiße Wandfarbe im Test: Wir haben Kalkfarben und Dispersionsfarben überprüft.
Weiße Wandfarbe im Test: Wir haben Kalkfarben und Dispersionsfarben überprüft. (Foto: Grigor Ivanov/Shutterstock)

Obi, Alpina & Co.: Kalk- und Dispersionsfarben im Test 

Im Gegensatz zu Naturfarben enthalten Dispersionsfarben neben Mineralen (Pigmenten) beispielsweise Kunststoffe oder Kunstharze. Um die Farben schon im Behälter vor einem Befall mit Keimen, Bakterien oder Pilzen zu schützen, kamen in der Vergangenheit häufig umstrittene Konservierungsmittel zum Einsatz. Das zeigten unsere Tests. Inzwischen sind die Konservierer aber ein kleineres Problem.

Damit sind wir bei den Testergebnissen unserer aktuellen Überprüfung. Wir haben 25 weiße Wandfarben eingekauft und in die Labore geschickt: 19 Dispersionsfarben und sechs Kalkfarben.


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Sind Konservierer ein Problem im Wandfarben-Test? 

Isothiazolinone kritisierten wir in früheren Tests häufig. Hersteller setzen die Verbindungen als Konservierungsstoffe ein, um die Farben schon im Behälter vor einem Befall mit Keimen, Bakterien oder Pilzen zu schützen. Das Problem: Immer mehr Menschen reagieren darauf allergisch. In Kosmetik, die auf der Haut verbleibt, sind sie längst verboten. In Farben und Lacken jedoch noch nicht.

14 der 19 Dispersionsfarben in diesem Test tragen das Gütesiegel Blauer Engel. Das Bundesumweltministerium verschärfte 2019 die Kriterien für das von ihm getragene Siegel: In "emissionsfreien Innenwandfarben", die das Umweltzeichen tragen wollen, dürfen Hersteller seitdem keine Konservierungsmittel mehr einsetzen. Ausnahme sind geringe Spuren von Isothiazolinonen.

Die Richtlinien des Blauen Engels sind zwar nicht allgemein verpflichtend, geben aber Hinweise, was technisch machbar ist. Daher orientieren wir uns an ihnen. In zwei Wandfarben im Test wies das von uns beauftragte Labor Benzisothiazolinon (BIT) nach. Die gemessenen Gehalte lagen jeweils über den für den Blauen Engel zulässigen 10 mg/kg.  

Wichtig: Nach dem Streichen immer gut Lüften.
Wichtig: Nach dem Streichen immer gut Lüften. (Foto: Africa Studio/Shutterstock )

Haut- und Augenreizungen sind möglich 

Um die Farben konservierungsmittelfrei zu halten, verfügen die Hersteller über eine Stellschraube: Sie können sie mit einem hohen alkalischen pH-Wert haltbar machen. Wir ließen die pH-Werte bestimmen. Er lag zwischen rund 11 und 13.

Zum Vergleich: Seife hat einen pH-Wert von 9 bis 10. Da Haut- und Augenreizungen bei solchen Werten möglich sind, ist es ratsam, bei der Verarbeitung Schutzbrille und Schutzhandschuhe zu tragen.

Entsprechende Warnhinweise finden sich auf den Produkten. Auch sollte man beim Streichen die Böden gut auslegen: Die reizenden Farbtröpfchen können hässliche Flecken auf Parkett und anderen empfindlichen Böden hinterlassen.

Verunreinigungen in Wandfarben im Test 

Während Warnhinweise auf die Produkte gehören, sollten Verunreinigungen besser vermieden werden. In drei weißen Wandfarben wies ein beauftragtes Labor halogenorganische Verbindungen nach.

Das Problem: Zu dieser umstrittenen Stoffgruppe gehören allergieauslösende oder sich in der Umwelt anreichernde Verbindungen. Manche haben eine konservierende Wirkung. Aussagen darüber, welche ganz konkreten Verbindungen enthalten sind, lässt das Analysenverfahren leider nicht zu.

Die Farbenhersteller setzen halogenorganische Verbindungen nicht gezielt in ihren Rezepturen ein. Sie können jedoch beispielsweise über Verunreinigungen in einem Vorrohstoff hineingeraten, etwa wenn dieser mit einer chlorierten Isothiazolinonverbindung konserviert ist.  

Mit der richtigen Ausrüstung klappt das Anstreichen besser: Mit einer Farbrolle lässt sich die Wandfarbe bequem und gleichmäßig aufbringen.
Mit der richtigen Ausrüstung klappt das Anstreichen besser: Mit einer Farbrolle lässt sich die Wandfarbe bequem und gleichmäßig aufbringen. (Foto: itman__47/Shutterstock)

Titandioxid in weißer Wandfarbe: Ist das gefährlich?  

Alle Dispersionsfarben und die Hälfte der Kalkfarben im Test enthalten Titandioxid. Es ist ein Weißpigment mit sehr hoher Deckkraft. Nicht immer ist es auf den Gebinden deklariert, es wird etwa als "mineralisches Weißpigment" umschrieben. Das Technische Informationsblatt nennt die konkrete Bezeichnung.

Obwohl Kalkfarben auf einem weißen Mineral basieren, enthalten auch sie häufig Titandioxid. Grund: Bei ihnen dauert die Aushärtung länger. Für eine höhere Deckkraft schon im Nasszustand setzen Hersteller deshalb auch in ihnen Titandioxid ein. Eine Alternative ist Marmormehl, das jedoch schwächer deckt.

Die Europäische Chemikalienagentur ECHA stuft Titandioxid als krebsverdächtig ein. Solange es in den flüssigen oder getrockneten Farben gebunden ist, stellt es keine Gefahr dar.

Ein Risiko besteht allerdings beim Einatmen. Deshalb müssen die Farbeimer den Warnhinweis tragen: "Achtung! Beim Sprühen können gefährliche lungengängige Tröpfchen entstehen. Aerosol oder Nebel nicht einatmen."

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Inhaltsstoffe auf Wandfarben deklarieren 

Apropos Deklaration. Die Anbieter sind gesetzlich nicht zu einer Volldeklaration auf den Verpackungen verpflichtet. Verbraucherinnen und Verbraucher können sie dem Technischen Informationsblatt entnehmen, das sie auf Anfrage beim Anbieter erhalten oder im Internet herunterladen können.

Wir halten das für wenig verbraucherfreundlich und werten das Fehlen der Angabe von Inhaltsstoffen auf den Behältern der weißen Wandfarben ab.

Angaben zu Nassabriebfestigkeit und Deckkraft nach Klassen finden sich auf den Verpackungen aller Dispersionsfarben im Test. Auf Kalkfarben lässt sich die Klassifizierung nicht anwenden, da die Aushärtung von mineralischen Farben über einen längeren Zeitraum von bis zu mehreren Wochen erfolgt.  

Behälter bestehen selten aus recycelten Kunststoffen

Enttäuschend: Nur für sechs der 26 weißen Wandfarben im Test legten uns die Anbieter einen Nachweis vor, dass die Kunststoffbehälter Anteile an Post-Consumer-Rezyklaten (PCR) aus der Wertstoffsammlung enthalten. Gemeint sind: Recycelte Kunststoffe. 

Das ist eine magere Ausbeute – vor allem im Vergleich zu anderen unserer Tests, etwa von Reinigungsmitteln oder Kosmetika. Immerhin kündigten viele Anbieter an, künftig PCR in ihren Verpackungen einsetzen zu wollen.

Tipps zum Streichen mit weißer Wandfarbe

Worauf Sie beim Streichen achten sollten: 

  • Beim Streichen Handschuhe und Schutzbrille tragen. Die Farben können Haut und Augen reizen. Beim Sprühen wegen der Aerosole Schutzmaske anziehen.
  • Auch bei emissionsarmen Farben gilt: Nach dem Streichen gut lüften.
  • Bei reinen Kalkfarben gilt: Die Verarbeitung ist nicht ganz einfach. Geeignete Untergründe müssen saugfähig und frei von trennenden Substanzen sein, es eignen sich zum Beispiel Kalk- und Lehmputze, Kalksandstein, Porenbeton und Ziegel.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 5/2022 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für den Ratgeber Bauen & Wohnen 2022 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 25 weiße Wandfarben für Innenräume eingekauft. 19 davon sind Dispersions- bzw. Dispersionssilikatfarben, die als Bindemittel Kunststoffe oder Kunstharze enthalten. Sechs sind Natur- bzw. Kalkfarben.

Im Labor ließen wir prüfen, ob die Farben frei von problematischen Konservierungsmitteln und Fungiziden sind wie Isothiazolinone, Zinkpyrithion und Formaldehyd/- abspalter. Darüber hinaus untersuchten die Labore die Anstrichmittel auf Stoffe, die ausgasen können. Zu diesen flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) gehören auch krebserregende Stoffe. Außerdem standen bedenkliche Schwermetalle und umstrittene halogenorganische Verbindungen auf dem Prüfprogramm. Schließlich ließen wir den pH-Wert der Farben bestimmen. Mit einem hohen alkalischen pH-Wert machen die Hersteller ihre Farben haltbar und können so auf Konservierungsmittel verzichten. Die Deklarationen nahmen wir mit Blick auf wichtige Anwendungs- und Gefahrenhinweise unter die Lupe. Enthält die Farbe Talkum, verlangten wir von den Anbietern einen Nachweis über Asbest-Freiheit.

Die Kunststoffbehälter ließen wir auf umweltschädliche chlorierte Verbindungen wie PVC testen, zudem mussten uns die Anbieter belegen, ob sie Anteile von Post-Consumer-Rezyklaten aus der Wertstoffsammlung enthalten. Das Gesamturteil beruht maßgeblich auf der Bewertung der Inhaltsstoffe, Deklarationsmängel und andere weitere Mängel können es jedoch verschlechtern.

Bewertungslegende 

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um eine Note: a) halogenorganische Verbindungen; b) ein gemessener Gehalt von mehr als 10 mg/kg BIT.

Bewertung Testergebnis Deklaration: Unter dem Testergebnis Deklaration führen zur Abwertung um eine Note: Angabe der Inhaltsstoffe nur im Internet, wenn der Hersteller auf dem Etikett auf die auf der Homepage verfügbare Technische Information zum Produkt hinweist.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung oder keine Angabe hierzu oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage; b) Anforderungen des Eco-Institut-Labels in Bezug auf Konservierungsmittel und/oder ihre Deklaration nicht erfüllt, obwohl das Produkt das Eco-Institut-Label trägt; c) Anforderungen des Blauen Engels in Bezug auf Konservierungsmittel und/oder ihre Deklaration nicht erfüllt, obwohl das Produkt den Blauen Engel trägt.

In das Gesamturteil gehen bei Dispersionsfarben das Testergebnis Inhaltsstoffe zu 70 Prozent und das Testergebnis Deklaration zu 30 Prozent ein.

Bei Kalkfarben beruht das Gesamturteil auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Die Preisberechnung beruht auf Gebindegrößen von zehn Litern und der von den Herstellern angegebenen Reichweite (zur Erzielung der angegebenen Deckkraft). Bei Angabe der Deckkraftklasse gilt die dafür angegebene Ergiebigkeit beziehungsweise der Mittelwert, falls zwei Klassen angegeben; fehlt diese, gilt die vom Hersteller angegebene durchschnittliche Reichweite. Die Produktfotos zeigen in den meisten Fällen kleinere Gebinde.  

Testmethoden 

Flüchtige organische Verbindungen (VOC): GC-MS nach Extraktion.

Isothiazolinone: LC-MS.

Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.

Formaldehyd/-abspalter: Bestimmung mittels Fotometrie nach saurer Wasserdampfdestillation und Derivatisierung.

Zinkpyrithion: HPLC-DD nach Extraktion.

pH-Wert: DIN ISO 976:2016-12.

PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Januar/Februar 2022 

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 5/2022 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für den Ratgeber Bauen & Wohnen 2022 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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