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9 Kinderfahrräder im Test

Rad ab?

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2010 | Kategorie: Kinder und Familie | 05.10.2009

9 Kinderfahrräder im Test

Kinderspielräder können ein prima Einstieg ins Fahrradfahren sein. Doch im Test haben fast alle Modelle versagt. Immerhin gibt es eine "gute" Alternative.

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In der Praxis müssen Spielräder einiges aushalten: Kinder lassen das Rad einfach fallen, fahren über Bordsteine und gegen Wände. ÖKO-TEST wollte wissen, ob die Räder diesen Herausforderungen gewachsen sind und hat neun Modelle namhafter Anbieter einer umfangreichen Belastungsprüfung unterzogen. Im Schadstofftest ließen wir Lenkergriffe, Sitz und Aufprallschutz durchchecken.

Das Testergebnis

Einhelliges Urteil der Praxistester: "Überwiegend sind die Räder lieblos und billig produzierte Massenware, viele Details sind nicht kindgerecht." Schärfere Sicherheitsnormen seien unbedingt notwendig. Nur ein "gutes" Modell können wir empfehlen. In der Schadstoffprüfung kommt es noch schlimmer: Alle Räder fallen mit "ungenügend" durch.

Bereits nach acht Testkilometern brach im Praxistest ein Rahmen. Auf dem Rollenprüfstand beluden wir die Räder mit 100 Kilo. Einige Hersteller kritisierten dies, weil solche Belastungen im normalen Gebrauch nicht entstehen würden. Aus unserer Sicht reicht es aber nicht, wenn ein Kinderrad nur minimalsten Anforderungen genügt.

Auch in puncto Bremsen gab es Defizite: Teilweise sind nicht kindgerechte Felgenbremsen (V-Breaks) verbaut, die äußerst aggressiv zupacken. In drei Fällen kann beim Bremsen das Vorderrad blockieren und das Kind zu Fall bringen.

Die Mängelliste in den Teilprüfungen Stabilität und Montagequalität ist lang: Bei zwei Dritteln der Räder war der Prallschutz am Lenkergriff nach dem Falltest durchgestoßen. Da Kinder bei einem Sturz häufig mit dem Körper auf den Lenker fallen, vergrößert dies die Gefahr, dass sie sich verletzen. Beim Janosch Tigerenten-Rad fehlt die Ausfallsicherung des Vorderrades am Gabelende, was zu schweren Unfällen führen kann, falls die "Achsschrauben" nicht richtig verschlossen sind. Ohne Fehl und Tadel dagegen das im Testergebnis Praxis "sehr gute" Puky ZL 18.

Unterschiede gibt es auch bei der Benutzerinfo. Giant, Specialized und Hercules erwähnen das Kinderrad kaum oder gar nicht, stattdessen bieten sie Erläuterungen für Kettenschaltungen, Schnellspanner oder Federgabel an, die gar nicht montiert sind.

Alle Hersteller verwenden Weichmacher, unter anderem um die Lenkergriffe geschmeidiger zu machen. Mit Ausnahme des Puky ZL 18, das hier geringe Werte, stecken in den anderen Marken sogar mehr als 0,1 Prozent der in Spielzeug und Babyartikeln reglementierten Phthalatweichmacher DEHP oder DINP. Obwohl sich Phthalate negativ auf das Hormonsystem auswirken, Leber und Nieren schädigen können, dürfen die belasteten Spielräder verkauft werden - im Gegensatz zu Laufrädern fallen sie nicht mehr unter die Kategorie Spielzeug.

Auch problematische Mengen von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) fanden sich in allen, erhöhte beziehungsweise stark erhöhte Werte der zinnorganischen Verbindungen DBT oder TBT in vier Produkten.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Puky ZL 18, Alu
Puky ZL 18, Alu
Puky
gut
Hercules Manga Girl, 16 Zoll
Hercules Manga Girl, 16 Zoll
Hercules
ausreichend
Pegasus Leo, 16 Zoll
Pegasus Leo, 16 Zoll
ZEG
ausreichend
Specialized Hotrock 16 Zoll Girl/Boy
Specialized Hotrock 16 Zoll Girl/Boy
Specialized
ausreichend
Ferbedo Janosch Tigerenten-Rad, 16 Zoll
Ferbedo Janosch Tigerenten-Rad, 16 Zoll
Ferbedo
mangelhaft
Giant Animator, 16 Zoll
Giant Animator, 16 Zoll
Giant Deutschland
mangelhaft
Mini Viper, 18 Zoll, rot-blau-gelb
Mini Viper, 18 Zoll, rot-blau-gelb
Otto (Versand)
mangelhaft
Böttcher Fahrrad, 16 Zoll
Böttcher Fahrrad, 16 Zoll
Böttcher
ungenügend
Falter Kinderrad, 16 Zoll
Falter Kinderrad, 16 Zoll
Bico
ungenügend

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Aufgrund der langwierigen Praxisprüfung wurden die Kinderspielräder bereits im Dezember 2008 eingekauft.

Die Praxisprüfung

Wir ließen die Räder von den Spezialisten für "muskelbetriebene Fahrzeuge" von velotech.de aus Schweinfurt - das ist ein unabhängiges Dienstleistungszentrum für Produktsicherheit - nach dem neuesten Stand der Technik untersuchen. Anforderungen und Prüfungen gingen über die sicherheitstechnischen Vorgaben in geltenden europäischen Normen hinaus. Der Grund: In der DIN-EN-Sicherheitsnorm für Kinderräder sind nur Mindestanforderungen für einfachste Produkte vorgesehen. Abgedeckt ist damit nur der bestimmungsgemäße Gebrauch. "Tatsächlich werden Spielräder aber nicht durch Gewicht und Körperkraft zerstört, sondern durch Fehlgebrauch, Umfallen, gegen Hindernisse fahren oder Überladen", erläutert Tester Ernst Brust. All diese Eventualitäten simuliert velotech.de mithilfe verschiedener Belastungstests: "Wir orientieren uns daran, was die Kinder draußen wirklich machen und ermitteln mit Messgeräten die Betriebslasten."

Problematische Inhaltsstoffe

Bereits beim Test Laufräder vor zwei Jahren fanden wir in vielen Produkten bedenkliche Weichmacher, die als fortpflanzungsgefährdend eingestuft sind. Sie können sich zum Beispiel beim Kontakt mit Flüssigkeiten wie etwa Schweiß lösen. Ähnliches gilt für die Gruppe der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK). Viele dieser Stoffe sind nachweislich krebserzeugend. Sie können über Haut und Atemwege aufgenommen werden. In Lenkergriffen, Aufprallschutz und Sattel haben solche Stoffe also nichts verloren. Wir wollten sehen, ob die Hersteller inzwischen dazugelernt haben.

Die Bewertung

Kinderräder sollten in erster Linie gut verarbeitet sein, nur dann lassen sie sich auch gut und sicher fahren. Aus diesem Grund geht das Ergebnis der Praxisprüfung mit 70 Prozent in das Gesamturteil ein. Ein Fahrrad, dessen Rahmen schon auf den ersten Kilometern der Teststrecke brach, können wir nicht empfehlen. Zu aggressive Vorderbremsen sind für Kinder ebenfalls ein hohes Risiko, solche Räder können in der Praxisbewertung nicht besser als "mangelhaft" sein.

Einmal mehr bewerteten wir bei den Inhaltsstoffen strenger als der Gesetzgeber: Wenn in den Rädern mehr als 0,1 Prozent gesetzlich reglementierte Phthalate gefunden wurden, gab es fünf Punkte Abzug und das schlechteste Testergebnis "ungenügend". Es ist für uns nicht nachvollziehbar, warum in Kinderfahrrädern erlaubt sein soll, was in Kinderspielzeug verboten ist - denn so ist die gesetzliche Regelung.

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2010
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