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16 Planschbecken im Test

Jahrbuch Kleinkinder 2015
vom 09.01.2015

Planschbecken

Planschschrecken

Anbieter von Planschbecken aus weichem Kunststoff sind offensichtlich unfähig, schadstofffreie Kinderprodukte zu verkaufen. Es gibt nur einen Lichtblick - und einen Achtungserfolg.

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09.01.2015 | Für die Erfrischung zwischendurch sind Planschbecken genau das Richtige: Denn sie lassen sich fix aufstellen und die kleineren Modelle sorgen bereits auf einem größeren Balkon für riesigen Spaß. Leider aber ist die Testhistorie von Planschbecken bei ÖKO-TEST ein fortgeschriebenes Armutszeugnis für die Anbieter. Phthalate, also Weichmacher, die PVC geschmeidig machen sollen, waren lange Zeit das Hauptproblem. Viele Phthalate wirken wie ein Hormon. Im ÖKO-TEST von 2009 waren es dann polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe - einige Vertreter dieser Stoffgruppe sind krebserregend - und weitere Schadstoffe, die für neunmal "ungenügend" sorgten.

Seit 2005 sind die fortpflanzungsgefährdenden Phthalate DEHP, DBP und BBP in der EU in Babyartikeln und Spielzeug gesetzlich reglementiert. DINP, DIDP und DNOP sind in Spielzeug und Babyartikeln, die von Kindern in den Mund genommen werden können, nicht zulässig, sofern diese mehr als ein Gramm pro Kilogramm jener Phthalate enthalten.

Dafür setzen die Hersteller nun Weichmacher wie DEHT und DINCH ein. DEHT ist vermutlich nicht hormonwirksam. Und laut Umweltbundesamt verändert DINCH nicht das Erbgut, ist weder krebserregend noch schädigt es die Entwicklung des ungeborenen Kindes im Mutterleib oder beeinflusst die Fortpflanzungsfähigkeit. Eine erst jüngst veröffentlichte Studie der US-amerikanischen Umweltschutzbehörde kommt zu dem Ergebnis, dass DINCH - anders als Phthalate - keinen Einfluss auf die Testosteronproduktion im Rattenfötus hat.

Das Umweltbundesamt bestätigt, dass seit der Markteinführung von DINCH im Jahr 2002 die Belastung von Hausstaub mit diesem Weichmacher kontinuierlich steigt. Untersuchungen von jeweils 300 Urinproben aus den Jahren 2003, 2006, 2009 und 2012 auf DINCH-Abbauprodukte (Metaboliten) zeigen sogar einen gewaltigen Anstieg: Waren in den 2003er-Proben keine Metaboliten nachweisbar, steckten sie in den 2006er-Proben in sieben Prozent der Urinproben und 2009 in 49 Prozent; 2012 waren sie in 98 Prozent der Proben nachweisbar. Ob DINCH, wenn es in den menschlichen Körper gelangt, keinerlei Risiko für die Gesundheit darstellt, ist ohne Langzeitstudien wohl kaum seriös einzuschätzen. Die Autoren der Studie Entering markets and bodies: Increasing levels of the novel plasticizer Hexamoll DINCH in 24 hr urine samples from the German Environmental Specimen Bank geben zu bedenken, dass die Belastung der Bevölkerung durch DINCH wahrscheinlich in dem Maße steigen wird, wie sich DINCH am Markt etabliert. Und: Basierend auf ihren Erfahrungen zur Phthalatbelastung gehen die Autoren davon aus, dass Kinder aufgrund der erhöhten Nahrungsaufnahme im Verhältnis zum Körpergewicht, zusätzlicher Aufnahme durch Hausstaub und weil Kinder vieles in den Mund nehmen, stärker mit DINCH belastet sein werden als Erwachsene.

Wie viele Anbieter von Planschbecken auf DINCH oder andere problematische Inhaltsstoffe setzen, haben wir untersucht, indem die beauftragten Labore 16 Planschbecken prüften.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Der Handel bietet vor allem Planschbecken aus Weich-PVC zum Aufblasen an. Da diese Becken sich aber in vergangenen Tests sehr oft als stark belastet erwiesen haben, achteten wir beim Einkauf besonders auf Produkte, deren Anbieter zum Beispiel den Verzicht auf Phthalate versprechen. Auf der Suche nach Alternativen kauften wir auch ein Hartkunststoffbecken ein sowie solche, die aus Rahmenelementen wie Metall- oder Kunststoffrohren und Folien bestehen. Das günstigste Produkt im Test kostet 6,99 Euro, das teuerste 109,99 Euro.

Die Inhaltsstoffe
Planschbecken aus PVC benötigen Weichmacher, um den Kunststoff geschmeidig zu machen. Deshalb haben wir die Produkte auf diese Substanzen untersuchen lassen. Auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), von denen einige krebserregend sind, und giftige zinnorganische Verbindungen sind Schadstoffe, die die von uns beauftragten Labors immer wieder in Kunststoffprodukten nachweisen. Während PAK häufig durch verunreinigte Weichmacheröle ins Produkt gelangen, setzen manche Hersteller zinnorganische Verbindungen ein, um das Material zu stabilisieren. Analysiert wurde ebenfalls, ob das Lösemittel Isophoron, das über ein krebserregendes Potenzial verfügt, in den Kinderprodukten steckt.

Die Bewertung
In Planschbecken sitzen Kleinkinder, die wenig oder auch mal nichts anhaben und gelegentlich am weichen Kunststoff rumnuckeln. Deshalb sollten Anbieter Produkte verkaufen, die frei von problematischen Inhaltsstoffen sind. Wo das nicht der Fall ist, werten wir streng ab.

So haben wir getestet

Lösen lassen sich Weichmacher aus Kunststoff. Deshalb sollten Kinder nicht am Pool nuckeln. Denn über die Schleimhaut gelangen Weichmacher in den Körper.

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