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12 Sitzsäcke für Kinder im Test

Es steht schlecht

ÖKO-TEST September 2013 | Kategorie: Kinder und Familie | 30.08.2013

12 Sitzsäcke für Kinder im Test

Produkte für Kinder sind schon lange unsere Sorgenkinder, weil sie häufig bedenkliche Schadstoffe enthalten. Jetzt müssen wir diesem Thema ein weiteres Kapitel hinzufügen: Die untersuchten Sitzsäcke für Kinder haben fast alle schlecht abgeschnitten. Ein Modell ist nicht mal verkehrsfähig.

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Nicht steif auf dem Stuhl sitzen, sondern sich bequem auf dem frei verformbaren Sack zurücklehnen oder gar flach liegen: Das ist Entspannung pur für die Großen und eher eine Art Herumtoben für die Kleinen. Trendy ist er, der Sitzsack. Entsprungen dem Zeitgeist der Goldenen 60er-Jahre, als die Jugend gegen den kleinbürgerlichen Lebensstil rebellierte, als man den Beatles zujubelte und die Hippies feierten. Drei italienische Architekten und Designer- Piero Gatti, Cesare Paolini und Franco Teodoro - wollten den Zeitgeist einfangen und ein Sitzmöbel schaffen, das sich dem menschlichen Körper anpasst, das unkonventionelle Positionen erlaubt - für einen ­neuen bunten und schrillen Lebensstil.

Die Hülle des "Sacco" war aus PVC. Die Designer experimentierten für die Füllung mit Wasser, Körnern, Sand, Kastanienblättern, Tischtennisbällen, bis sie die kleinen Styroporkügelchen entdeckten, die den Sitzsack zu dem werden ließen, was sie sich vorgestellt hatten: verformbar, leicht und mobil. Vertrieben vom italienischen Designmöbel-Hersteller Zanotta wurde der unförmige "Sacco", den es auch heute - wenn auch mit anderem Bezug - noch gibt, schnell erfolgreich, erhielt Designpreise und gelangte sogar ins New Yorker Museum of Modern Art und in andere Ausstellungen.

Mit den kleinen Polystyrolkügelchen ließ sich eine anschmiegsame Füllung realisieren: ein Kunststoff, der mit zusammengebackenen Kügelchen als Dämmstoff zum Einsatz kommt. Alles in allem ein leichtes, kostengünstiges Material, hygienisch und antiallergisch.

Polystyrol: eine Füllung mit Risiken

Doch Polystyrol wird durch Polymerisation von Styrol hergestellt. Chemiekonzerne wie BASF produzieren ein Granulat, das die weiterverarbeitende Industrie mit dem Treibmittel Pentan und mittels Wasserdampf bei hohen Temperaturen zu Polystyrolperlen aufschäumt. Je nachdem, wie stark sie aufgeschäumt werden, sind sie kleiner oder größer, schwerer oder leichter. Im fertigen Polystyrol sollte möglichst kein reines Styrol mehr vorhanden sein. Das hängt von der Produktion und einer Nachbehandlung durch Entgasen ab.

Denn Styrol ist gesundheitlich bedenklich, wenn man es einatmet. Die Styrolmonomere sind relativ fest eingeschlossen, gasen aber mit der Zeit aus. Im Rahmen der europäischen Chemikalienverordnung Reach wurde der Stoff neu bewertet. Danach kann er vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen, außerdem können Schäden an Hörorganen auftreten. Ausgasendes Styrol reizt zudem Augen und Haut. Die vorliegenden Daten waren jedoch nicht ausreichend, um einen Krebsverdacht zu bestätigen. Wenn Styrol entweicht, können Geruchssensible das schon bei relativ geringen Mengen riechen.

Da Polystyrol brennbar ist, muss der Schaumstoff bei Dämmstoffen mit Flammschutzmitteln ausgerüstet werden, um die gesetzlichen Mindestanforderungen zu erfüllen. In einigen Ländern wird das auch für Polstermöbel gefordert. Zum Einsatz kommt bisher das äußerst problematische bromierte Flammschut...


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8 Seiten
Seite 138 - 145 im ÖKO-TEST September 2013
vom 30.08.2013

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir haben zwölf Sitzsäcke eingekauft, die aufgrund ihrer Größe und ihres Designs vor allem für Kinder gedacht sind: darunter ein Produkt von Ikea und der bekannten Sitzsack-Marke Fatboy, aber auch Säcke von Spielzeug- und Kindersachenanbietern wie Knorrtoys, Haba und Jako-o. Die äußeren Stoffhüllen bestehen aus Polyester-, Baumwolle- oder Mischgeweben, ein Modell ist aus Bio-Baumwolle genäht. Die Säcke sind unterschiedlich groß, von 60 bis 275 Liter Inhalt, da ist für jede Altersgruppe etwas dabei.

Die Inhaltsstoffe

Alle Sitzsäcke sind mit unterschiedlich großen Polystyrolkügelchen gefüllt. Aus dem Material, das vor allem als Dämmstoff ­bekannt ist, kann die bedenkliche Ausgangssubstanz Styrol ausgasen. Als Baumaterial ist es zudem mit Flammschutzmitteln ausgerüstet, die in Sitzsäcken nichts zu suchen haben. Nach beiden Stoffgruppen ließen wir in Laboren prüfen. Außerdem nahmen wir die textilen Hüllen auseinander, um zu erfahren, ob problematische Stoffe für das Färben oder für besondere Eigenschaften verwendet wurden, welche die Textilien zum Beispiel wasserdicht, schmutzabweisend oder antibakteriell machen. So können sie möglicherweise auch mit PVC beschichtet und mit Weichmachern ausgerüstet sein.

Weitere Mängel

Chlorierte Verbindungen in der Verpackung und Rückstände von Tensiden aus der Stoffherstellung belasten die Umwelt - auch das hatten wir im Blick.

Die Bewertung

Verbotene Stoffe sind absolut tabu, so ist ein Produkt mit einem krebserregenden Bestandteil eines Farbstoffs nicht verkehrsfähig. Schlecht schneiden auch Sitzsäcke mit PVC-Beschichtung ab. Denn PVC belastet nicht nur die Umwelt, sondern geht auch mit einer ganzen Reihe von gesundheitlich bedenklichen Inhaltsstoffen einher, zum Beispiel hormonell wirkenden Weichmachern, die in Babyartikeln und Kinderspielzeug verboten sind, zinnorganischen Verbindungen und PAK. Für fast genauso bedenklich halten wir Styrol, das lange Zeit ausgasen kann. Auch für das Flammschutzmittel HBCD gibt es Minuspunkte.

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