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12 Regenjacken für Kinder im Test

ÖKO-TEST September 2014
vom 29.08.2014

Regenjacken, Kinder

Wieder nasskalt erwischt

Es ist ein kleiner Trost, dass die Kinderregenjacken geringfügig besser abschneiden als bei unserem letzten Test. In Zukunft soll Regenkleidung sogar "intelligent" werden. Bis dahin kann niemand mit den vielen schadstoffbelasteten Produkten zufrieden sein.

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29.08.2014 | Der junge Vater geht etwas verwirrt in der Kinderabteilung zwischen Kleiderständern mit Kinderregenjacken hin und her. Die Kinder, vier und sechs Jahre alt, lärmen. Für die nächsten Tage droht Dauerregen, eine schnelle Entscheidung muss her.

Wer das auch schon so oder ähnlich erlebt hat, weiß, was dem hilflosen Elternteil in diesem Augenblick alles durch den Kopf geht: So viele Jacken! Auf Nummer sicher gehen und die teure kaufen? Oder das Kind selbst nach Farbe oder Muster entscheiden lassen? Müssen Kinder bei Regen wirklich auf den Spielplatz? Eins nach dem anderen.

Regenjacken haben bei ÖKO-TEST eine unrühmliche Geschichte. Als wir sie 2001 zum ersten Mal testeten, fielen von 16 Kinderregenjacken mehr als die Hälfte durch, acht davon mit "ungenügend". Sie waren mit vielen Schadstoffen belastet - von Anilin bis zu diversen zinnorganischen Verbindungen, von denen einige in Textilien und anderen Verbraucherprodukten inzwischen verboten sind.

Nächster Versuch: 2005. Wir hofften seinerzeit, die Hersteller hätten aus den katastrophalen Testergebnissen gelernt. Aber leider: Fehlanzeige. Unabhängig von Preis oder Marke fielen elf von 14 Jacken mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch. Blei, Chrom, Phthalate und PVC waren auch wieder mit dabei.

Schließlich untersuchten wir 2010 nochmals Kinderregenjacken. Es wurde noch schlimmer: Diesmal betrug die Durchfallquote 100 Prozent. Alle dreizehn Jacken wurden aufgrund der enthaltenen Schadstoffe mit "ungenügend" benotet.

Warum ist es so schwer, eine Regenjacke herzustellen, die frei von Schadstoffen ist? Das liegt an den Produktionsmethoden und an den Materialien, die eingesetzt werden, um die erwarteten Eigenschaften zu liefern: Wasserdicht und atmungsaktiv soll die Kinderregenjacke sein, thermoregulierend, hellleuchtend, schmutzabweisend, flammhemmend und möglichst auch noch strapazierfähig und leicht.

Im Bestreben das zu ermöglichen, werden von den Herstellern die Materialien chemisch so behandelt, dass sich letztlich viele Rückstände in den Jacken wiederfinden. Denn alle diese Funktionen gleichzeitig konnte die frühere traditionelle Regenkleidung nicht bieten, weder der seit Jahrhunderten als Regenschutz genutzte gewalkte Lodenstoff, das von Seeleuten erfundene Ölzeug oder die später weitverbreitete vulkanisierte Kautschukkleidung. Erst mit dem PVC ging es richtig los, weg von den Naturfasern hin zur heutigen chemischen Funktionstextilie. Und es kamen immer mehr Substanzen im Produktionsprozess dazu, die die Umwelt und den Menschen gleichermaßen belasten.

Die letzte große Innovation liegt inzwischen auch schon ein paar Jahre zurück. Sie kam vor fast 40 Jahren mit der Markteinführung der ersten wasser- und winddichten Bekleidungstextilien, die gleichzeitig auch dampfdurchlässig sind und so den Abtransport des verdunsteten Schweißes ermöglichen. Heute gehören die atmungsaktiven Membranen in den Textilien zur Standardausrüstung vieler Regenjacken. Doch auch die Atmungsaktivität hat Grenzen: Bei i

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Kinder sollen nicht als Stubenhocker aufwachsen: Damit sie auch bei Wind und Wetter raus können, gehören Regenjacken zur Standardausrüstung. Deswegen haben wir Kinderregenjacken in den Größen 104 bis 128 eingekauft, passend für Kinder zwischen vier und acht Jahren. Unsere Einkäufer waren in Outdoor- und Sportfachgeschäften und bei Modeketten unterwegs und haben sich auch im Internet auf den Seiten der Versandhändler umgeschaut. Bei der Produktauswahl haben wir darauf geachtet, dass sowohl für Jungen als auch für Mädchen etwas dabei ist, was Farbe und Design betrifft. Die Preisspanne reicht dabei von 10 bis bis 90 Euro.

Die Inhaltsstoffe
Es zeigt sich immer wieder, dass die chemische Keule eine Hauptrolle in der Herstellung von Funktionstextilien spielt. Deshalb haben wir besonders auf Verbindungen geachtet, die in wasserdichten Kunststoffen vorkommen, also auf nervengiftige und möglicherweise krebserregende Flammschutzmittel, hormonwirksame Weichmacher, zinnorganische Verbindungen und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Aber auch auf hochgiftige Schwermetalle wurden die Kleidungstücke für Kinder untersucht.

Die Praxisprüfung
Regenjacken müssen wasserdicht sein. Aber sie sollten heute, das erwarten viele Verbraucher, auch verstärkt atmungsaktiv sein, damit die Kinder nicht nach zehn Minuten Spielen schweißgebadet sind. Erfüllen Kinderregenjacken diese Erwartungen? Wir ließen im Prüflabor alle Jacken inklusive Nahtstellen auf Wasserdichtigkeit und erstmalig auch auf Atmungsaktivität testen. Bei der Wasserdichtheit wird im Labor in einem Wasserdruckversuch getestet, ab wann das gespannte Material in direktem Kontakt mit Wasser anfängt, durchlässig zu werden. Bei der Atmungsaktivität misst das Labor die Wasserdampfdurchlässigkeit des Materials im Laufe von 24 Stunden.

Die Bewertung
Bei einer Kinderjacke, die schwer mit Schadstoffen belastet ist, tröstet es nicht, dass sie hochgradig wasserdicht ist oder "sehr gut" atmet. Da aber eine Regenjacke nicht einmal ihrem Namen gerecht wird, wenn sie keinen Regen abhält, kann das Gesamturteil nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis.

So haben wir getestet

Im Labor wird die Wasserdichtigkeit von Hauptmaterial und Nähten getestet.