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12 Gütesiegel für Spielzeug und Kinderprodukte im Test

Kompass Gütesiegel
vom 18.03.2010

12 Gütesiegel für Spielzeug und Kinderprodukte im Test

Kein Kinderkram

Theoretisch muss jedes Spielzeug, das in Europa zum Kauf angeboten wird, bestimmte Sicherheitsvorschriften erfüllen. Doch das Sicherheitsnetz hat Schlupflöcher, die unseriöse Hersteller ausnutzen können. Und sogar Spielzeug, das allen Normen genügt, ist nicht immer unbedenklich.

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18.03.2010 | Für Kinder ist und bleibt die Spielzeugwelt eine Gefahrenzone. Im europäischen Schnellwarnsystem für unsichere Produkte Rapex ist Spielzeug Jahr für Jahr mit Abstand die Produktgruppe mit den meisten Meldungen. In den ÖKO-TESTs fällt häufig mindestens die Hälfte der untersuchten Spielwaren mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch.

Auch die Kontrolleure auf der Spielwarenmesse in Nürnberg finden jedes Mal haufenweise Spielzeugschrott an den Ständen. Im Jahr 2009 wies jedes vierte der 1.600 untersuchten Produkte Mängel auf. Laut Gerhard Schönheiter vom zuständigen Gewerbeaufsichtsamt Mittelfranken waren diese teilweise so schwerwiegend, dass das Spielen damit für ein Kind tödlich enden kann. Als Beispiele nennt er Kunststofftiere mit abreißbaren Kleinteilen und Spielzeug mit kleinen Magneten, die sich leicht lösen und verschluckt werden können. Meist handele es sich um in China gefertigte Produkte, so Schönheiter - kein Wunder, denn aus dem Reich der Mitte kommen annähernd 80 Prozent der weltweit verkauften Waren.

Doch auch Kinderprodukte, die die gesetzlichen Anforderungen erfüllen, sind oft voller Mängel. Denn viele Grenzwerte sind zu lasch. Beispiel polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK): Sie stecken häufig in Weichmacherölen, die wiederum in Gummi und Kunststoffen von Spielzeug eingesetzt werden. Viele dieser Verbindungen sind krebserregend und werden deshalb den CMR-Stoffen zugeordnet. CMR bedeutet, der Stoff ist krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend. Nach der neuen EU-Spielzeugrichtlinie sind CMR-Stoffe in Spielzeug zulässig, wenn deren Gehalt die im Chemikalienrecht festgelegten Grenzwerte nicht überschreitet. Die besonders gefährliche PAK-Leitsubstanz Benzo[a]pyren dürfte demnach bis zu einer Konzentration von 100 Milligramm pro Kilo im Spielzeug vorhanden sein. Zum Vergleich: Das ist 100mal mehr als beispielsweise im Weichmacheröl für die Herstellung von Autoreifen erlaubt ist oder in Spielwaren, die ein GS-Zeichen für "Geprüfte Sicherheit" tragen.

"Ein Irrsinn", schimpft Dr. Eva Frei vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg, "PAK reichern sich im Körper an und lassen Tumore wachsen. Bei längerem Hautkontakt könnten Kinder ein Vielfaches dessen aufnehmen, was schwere Raucher über Zigaretten inhalieren", so die Toxikologin. En Skandal, wenn man zudem bedenkt, dass die Zahl der bösartigen Krebserkrankungen bei Kindern in den vergangenen 20 Jahren um rund 17 Prozent gewachsen ist - auch wenn die Gründe hierfür noch unklar sind.

Gültige Bestimmungen oft unzureichend

Für das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) steht längst fest: Die Grenzwerte des Chemikalienrechts bieten Kindern keinen ausreichenden Schutz. Spielzeug, das in den Mund genommen werden kann, müsse genauso streng beurteilt werden wie Materialien in Kontakt mit Lebensmitteln, fordern die Experten. Demnach dürfte die Freisetzung von CMR-Stoffen wie den PAK analytisch nicht nachweisbar sein.

Viele gültige Bestimmungen entsprechen nicht mehr dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand. Die Grenzwerte für nervengiftiges Phenol beispielsweise orientieren sich an der täglich tolerierbaren Aufnahmemenge (TDI), die vor rund 40 Jahren festgelegt wurde. Inzwischen hat sich aber die Datenlage geändert. Laut BfR gehört der TDI-Wert für Phenol deshalb auf den Prüfstand. Derzeit bewege er sich in einem Bereich, "wo in tierexperimentellen Studien noch schädliche Wirkungen beobachtet wurden".

Beispiel Diisobutylphthalat (DIBP): Erste Studien zeigen, dass der Weichmacher vergleichbar ist mit dem bereits verbotenen Dibutylphthalat, das im Verdacht steht, wie ein Hormon zu wirken und die Fortpflanzung und Entwicklung zu beeinflussen. Im Januar 2010 wurde DIBP in die Kandidatenliste für besonders besorgniserrende Stoffe der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) aufgenommen. Auf dieser Liste stehen bisher (Stand Februar 2010) nur gut 30 Verbindungen, darunter viele, die schon lange als sehr gefährlich bekannt sind. Trotzdem ist der höchst bedenkliche Stoff derzeit rechtlich noch nicht geregelt.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die fehlenden Kontrollen. Bisher bescheinigt sich die Industrie mit dem CE-Zeichen selbst, dass sie die gesetzlichen Vorgaben einhält. Verbraucherschützer fordern deshalb eine Qualitätsprüfung durch eine neutrale Stelle. Wie notwendig dies wäre, wird deutlich am Beispiel Phthalate: Seit Jahren sind drei der gesundheitsschädlichen Weichmacher generell in Spielzeug verboten, drei weitere dürfen speziell in Babyartikeln und Spielzeug, das in den Mund genommen werden kann, nicht mehr enthalten sein. Und trotzdem findet ÖKO-TEST diese Stoffe immer wieder.

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