1. Home
  2. Tests

Kinderknete im Test: Mehr als die Hälfte mit Mineralöl belastet

Magazin März 2020: Gesund mit Vollkorn | Autor: Jörg Döbereiner | Kategorie: Kinder und Familie | 04.03.2020

Kinderknete im Test: Wir haben 20 Knetmassen in Labore geschickt. Im Fokus: Die Inhaltsstoffe.
Foto: ÖKO-TEST

Spielen mit Knete fördert Eigenschaften wie Kreativität, Konzentration und Geduld. Das perfekte Spielzeug für Kinder also? Nicht immer: In zwölf Kinderkneten steckt Mineralöl – sechs davon kritisieren wir außerdem für einen Stoff, der die Fruchtbarkeit schädigen kann.

  • Fünf Kinderkneten im Test schneiden mit "sehr gut" ab, sieben fallen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch.
  • 60 Prozent der überprüften Knetmassen für Kinder enthalten Mineralöl.
  • In einem Viertel der Kneten bemängeln wir freies oder abspaltbares Formaldehyd, das Allergien auslösen kann.   

Knete war bei Kindern schon immer beliebt. Es gibt sie in der klassischen festen Variante, als weichere Softknete und auf Basis von Weizen, Wachsen oder Kartoffelstärke. Besonders großen Spielspaß verspricht eine neue Generation von Hüpfkneten auf Silikonbasis. Doch was unterscheidet diese von normaler Kinderknete? 

Hüpfknete "springt wie ein Ball, sie dehnt sich wie ein Kaugummi, sie zerfließt wie Brei, sie lässt sich wie Papier reißen", wirbt ein Hersteller auf der Verpackung. Andere versprechen, dass die Knetmasse bei großer Krafteinwirkung zersplittert, im Dunkeln leuchtet, die Farbe ändert oder sich magnetisch verhält.

Jetzt lesen: Test mit allen Ergebnissen als ePaper kaufen

Kinderknete im Test: Nur fünf empfehlenswert 

Knete ist ein pädagogisch wertvolles Spielzeug – aber können Eltern ihre Kinder auch bedenkenlos damit spielen lassen? Für die Antwort haben wir insgesamt 20 Knetmassen in Labore geschickt: "klassische" Knete, Softknete und Hüpfknete. Darunter Kneten bekannter Marken wie Staedtler, Eberhard Faber, Herlitz und Play-Doh. 

Das Ergebnis: Fünf Kinderkneten im Test sind mit "sehr gut" empfehlenswert. Von sieben Knetmassen raten wir ab. Der Rest ist Mittelmaß. Weshalb schneiden viele Kneten in unserem Test nur mittelmäßig oder gar schlecht ab? Meistens liegt das an MOAH, Bor oder Formaldehyd/-abspaltern.

Weiter zu den getesteten Produkten 

Der Kinderkneten-Test zeigt: Einige Knetmassen haben Probleme mit Mineralöl, Bor und Formaldehyd.
Der Kinderkneten-Test zeigt: Einige Knetmassen haben Probleme mit Mineralöl, Bor und Formaldehyd. (Foto: GSPhotography/Shutterstock )

Kritik an Inhaltsstoffen von Kneten für Kinder

MOAH stecken in 12 von 20 getesteten Knetmassen. Dabei handelt es sich um aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe, unter denen sich krebserregende Substanzen befinden können. Sie können über die Haut aufgenommen werden. Und wie gelangen MOAH in Knete? Unterschiedliche Wege sind denkbar: durch Rohstoffe wie Wachse, aber auch durch Verunreinigungen bei der Produktion.

Bor ist der zweite Grund, weshalb einige Kneten schlecht abschneiden. Insbesondere Hersteller von Hüpfknete verwenden Borverbindungen, um die zähe Konsistenz der Massen zu erreichen. Für Menschen ist das Element Bor in Spuren zwar lebensnotwendig, in zu großen Mengen können Borverbindungen aber die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Wir ließen in einem Labor simulieren, wie viel Bor sich löst, wenn Kinder die Knetmassen verschlucken. Auch wenn Eltern und Erzieher gut achtgeben, kann schließlich mal ein Stück im Mund verschwinden. Auffällige Bor-Werte zeigten sechs Kinderkneten im Test. 

Im Überblick: ePaper mit allen Testergebnissen

Experten über Borsäure in Kinderspielzeug 

Die Mengen liegen überall im Bereich des Erlaubten: Manche Kneten schöpfen den gesetzlichen Rahmen zu einem Drittel aus, manche zu etwas mehr als der Hälfte. Für solche Größenordnungen sei auch beim Verschlucken einer größeren Menge an Knete nicht mit akuten gesundheitlichen Schäden zu rechnen, schrieb uns das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) auf Anfrage. Das BfR erarbeitet unter anderem Gutachten zur Sicherheit von Chemikalien und Produkten, es gehört zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

Dennoch: Die Gehalte an Borsäure in Spielzeugmaterial sollten "grundsätzlich so niedrig wie mit vernünftigem technischen Aufwand erreichbar sein", fordert das BfR. Das sehen wir genauso und bewerten deshalb auffällige Kneten nicht besser als "befriedigend".

Weiter zu den getesteten Produkten

Kinderknete im Test: Wir können nur ein Viertel der Knetmassen mit "sehr gut" empfehlen.
Kinderknete im Test: Wir können nur ein Viertel der Knetmassen mit "sehr gut" empfehlen. (Foto: NadyaEugene/Shutterstock)

Formaldehyd/-abspalter in fünf Knetmassen 

Zu viel freies oder abspaltbares Formaldehyd hat das Labor in fünf Kinderkneten im Test nachgewiesen. Formaldehyd reizt schon in geringen Mengen die Schleimhäute, kann Allergien auslösen und gilt als krebserregend, wenn es über die Atemluft aufgenommen wird. Die im Labor gemessenen Werte bleiben zwar innerhalb der gesetzlichen Vorgaben, wir bewerten aus vorbeugendem Verbraucherschutz dennoch streng.

Ob Anbieter Formaldehyd/-abspalter gezielt zusetzen, um die Kneten haltbarer zu machen, ist nicht eindeutig zu sagen. Aufschluss geben könnte eine Angabe der Inhaltsstoffe auf den Verpackungen. Anbieter sind dazu aber nicht gesetzlich verpflichtet. Entsprechend wenige zeigen sich transparent: Im Test informieren nur Ökonorm und Weible auf ihren Produkten über Konservierungsstoffe. ÖKO-TEST fordert seit Jahren eine Kennzeichnungspflicht für Kneten – bislang vergeblich.  

Das könnte Sie auch interessieren: Knete kann auch ganz einfach selbst hergestellt werden – und zwar mit Zutaten, die so gut wie jede Familie zu Hause hat. So sparen Sie Geld und wissen sicher, dass keine Schadstoffe enthalten sind. Wir haben eine Anleitung für Sie: Knete selber machen – ein einfaches Rezept

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 20 Knetmassen für Kinder eingekauft: "klassische” Knete, Softknete und auch fünf Hüpfkneten mit besonderen Eigenschaften. Letztere sind in Einzelpackungen erhältlich, von den anderen haben wir jeweils Sets mit vier oder mehr Farben gekauft. Für 100 Gramm des günstigsten Produkts haben wir knapp 70 Cent bezahlt. Dieselbe Menge des teuersten Produkts kostet 16,24 Euro.

Die Kneten durchliefen einen strengen Schadstofftest, unter anderem auf krebserregende Farbbestandteile, allergisierende Konservierungsstoffe und aromatische Kohlenwasserstoffe, unter denen sich krebserregende Substanzen befinden können. Auf dem Prüfplan standen auch krebsverdächtige Formaldehyd/-abspalter, Elemente wie Bor, einem Bestandteil von Borsäure, die die Fruchtbarkeit schädigen kann, sowie halogenorganische Verbindungen, von denen viele als allergieauslösend gelten. Die beworbenen Eigenschaften der Knete haben wir nicht getestet.

Liegen problematische Substanzen über dem ÖKO-TEST-Grenzwert, ziehen wir unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe Noten ab. Umweltschädliche Substanzen wie chlorierte Verbindungen in den Verpackungen bewerten wir unter den Weiteren Mängeln. Sie beeinflussen das Gesamturteil nur, wenn sie sich mindestens zu "befriedigend" addieren.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: mehr als 10 mg/kg Formaldehyd/-abspalter; untersucht wurde bei konventionellen Kneten jeweils die blaue Farbe, Hüpfkneten bestanden jeweils nur aus einer einheitlichen Masse. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) mehr als 5 mg/kg Bor im Migrat; b) der Nachweis von MOAH; untersucht wurde bei konventionellen Kneten jeweils die blaue Farbe, Hüpfkneten bestanden jeweils nur aus einer einheitlichen Masse.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das "unterhalb der Bestimmungsgrenze" der jeweiligen Testmethode.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden 

PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.
Elemente: Migrationsanalyse, EN 71-3: 2019-08.
Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration. Binden der organischen Halogene an Aktivkohle. Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom. Microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Untersucht wurde jeweils eine Mischprobe aus allen Farben.
Titandioxid, Partikelverteilung: Vorprüfung per Röntgenfluoreszenzanalyse. Bei positivem Ergebnis Herstellung einer wässrigen Dispersion durch Behandlung mit einer Ultraschallsonde, Single Particle ICP/MS. Untersucht wurde die weiße Farbe, falls vorhanden.
MOAH (aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe): LC-GC-FID.
Freies und abspaltbares Formaldehyd: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol, Fotometrie.
Weitere Konservierungsstoffe: LC-UV.
Isothiazolinone: DIN EN 71, Teile 9-11, LC-MS/MS.
MAK-Amine: Prüfung auf Amine nach reduktiver Spaltung; Analytik entsprechend DIN EN 14362-1:2017-05. Bei Hinweisen auf 4-Aminoazobenzol zusätzliche Prüfung entsprechend DIN EN 14362-3:2017-05; Bestimmungsgrenze: 1 mg/kg. GC/MS und ggf. HPLC/DAD oder TLC; zusätzliche Prüfung auf Anilin und Xylidine. Untersucht wurde eine Mischprobe aus allen Farben.

Einkauf der Testprodukte: November und Dezember 2019 

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

Informationen zum Abruf bei United Kiosk
So funktioniert der Artikel-Abruf
Wenn Sie zum ersten Mal Artikel bei unserem Service-Partner United Kiosk abrufen, lesen Sie bitte vorab unsere Anleitung zum Abruf von Tests, Ratgebern, Einzelseiten und ePapern durch. Gekaufte Artikel, ePaper oder eBundles können Sie im Fall eines Verlustes nur dann wiederherstellen, wenn Sie sich zuvor registriert haben.