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19 Doppelkekse im Test

Backe, backe, Kuchen

ÖKO-TEST April 2009 | Kategorie: Essen und Trinken | 27.03.2009

19 Doppelkekse im Test

Die bei Groß und Klein so beliebten Doppelkekse haben in unserem Test nicht gut abgeschnitten. Dafür ist vor allem ein neuer Fettschadstoff verantwortlich. Immerhin gibt's drei "befriedigende" Bio-Sorten.

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Zwei runde Kekse und dazwischen eine Füllung aus Schokoladencreme - Doppelkekse mag eigentlich jeder. Seit Jahrzehnten spielen sie auf dem Gebäckmarkt eine führende Rolle. Fast jeder fünfte verkaufte Keks ist ein Doppelkeks. Laut Nielsen Süßwarenmonitor gingen im zurückliegenden Jahr mehr als 50.000 Tonnen Doppelkekse über Deutschlands Verkaufstheken. Entstanden ist das erfolgreiche Produkt in Belgien.

Bäckermeister Edouard de Beukelaer hat es Ende des 19. Jahrhunderts erfunden. Weil der Konditor königstreu war, widmete er seine Kreation dem belgischen Prinzen und nannte sie "le petit prince fourré" ("der kleine, gefüllte Prinz"). Mit jährlich 35 Millionen verkauften Packungen ist die Prinzen Rolle das prominenteste Produkt im Sortiment des Herstellers Griesson - de Beukelaer, der sich mit Bahlsen ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Marktführerschaft in Deutschland liefert. Preiswerter als die Markenware sind die ans Original angelehnten Doppelkeksrollen, von denen fast jeder Lebensmitteldiscounter seine eigene im Sortiment hat.

Mit dem Angebot ist auch das Anforderungsprofil der Verbraucher gestiegen. "Doppelkekse müssen längst nicht mehr nur durch ihren Geschmack überzeugen", weiß Dr. Walter Freund, Bevollmächtigter der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) für feine Backwaren. "Auch Kaueindruck und Schmelzverhalten der Schokolade sind mitentscheidend für einen Wiederkauf." So sollte beispielsweise die Creme "keinesfalls ein sandiges Gefühl" im Mund hinterlassen, während es beim Biss - "dem Crunch" - ruhig ein bisschen krümeln dürfe. Und sogar das Ohr isst mit, so glauben zumindest einige Hersteller und beschäftigen eigens Akustikdesigner, die beim Abbeißen und Kauen eines Kekses genauer hinhören - mehr Zucker oder Mehl im Teig lassen beispielsweise den Geräuschpegel steigen, Butter bringt Geschmack in den Keks, doch dann knackt es leiser. Seit Ende der 90er-Jahre komponiert etwa Bahlsen am Klang: Die Geschmäcker sind verschieden, heißt es seitens des Unternehmens, während ältere Kunden "eher zu zarten, mürben und weniger geräuschintensiven Gebäcken greifen", bevorzugen jüngere "stark knusprige, laute Produkte".

Vor allem Haushalte mit Kindern zählen zu den Kunden. Mit bis zu 25 Prozent Fett und 40 Prozent Zucker sind Doppelkekse natürlich kein gesundes Lebensmittel. Aber das dürfte ja bekannt sein.

Wir wollten herausbekommen, wie viele Doppelkekse kleine Krümelmonster bedenkenlos naschen können und welche Schadstoffe darin stecken. ÖKO-TEST hat 19 Sorten, darunter drei Bio-Produkte, eingekauft und in verschiedenen Laboren untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Bis auf eine Ausnahme sind alle Doppelkekse randvoll mit 3-MCPD-Fettsäureestern belastet. Um abzuschätzen, wie hoch die tatsächliche Belastung ist, haben wir die Messwerte auf eine 50-Gramm-(g)-Portion (etwa zwei Kekse) umgerechnet und mit der täglich tolerierbaren Aufnahme (TDI) eines sieben bis neunjährigen Kindes mit 30 Kilogramm Körpergewicht verglichen.

Bei der Sondey Doppelkeks Rolle und den Tip Doppel Keksen reicht schon eine Portion aus, um den TDI zu überschreiten.

Auch das Krebsgift Acrylamid steckt in fast allen Sorten - in den meisten zum Glück nur in ungefährlichen Spuren. Beim Blick auf frühere Tests, etwa die Schokokekse im Mai 2003 oder die Baby- und Kinderkekse im September 2006, wird deutlich: Die Acrylamidwerte sind in dieser Warengruppe tendenziell zurückgegangen. Weil er mehr als zehn Mikrogramm (µg) Acrylamid pro 50-g-Portion enthält, mussten wir aber im aktuellen Test die Bahlsen Hit Choco Flavour um zwei Noten abwerten. Warum ausgerechnet einer der Großen in der Branche das Acrylamidproblem nicht gebacken kriegt, ist uns schleierhaft.

Etwas überrascht waren wir auch angesichts der abgebildeten Doppelkekse auf einigen Verpackungen. Sie sehen aus, als wären sie bis an den Rand mit Schokocreme gefüllt. In Wirklichkeit ist die Füllung aber oft nur zu erahnen. "Wenn wir die Creme bis zum Rand ziehen würden, wären die Produkte verschmiert", erklärt Peter Gries von Griesson. Mit den Bildern auf den Packungen wolle man den Konsumenten lediglich vermitteln, dass die Produkte Schokolade enthalten. Das verstehen wir. Aber warum macht man es dann nicht so, wie andere Kekshersteller? Sie drucken einfach einen halbierten Keks vorne auf die Schachtel.

In allen konventionellen Produkten helfen Aromen dem Geschmack auf die Sprünge. Ein Hauch von Vanille ist traditionell in der Rezeptur vieler Doppelkekse enthalten. Echte Vanille ist aber teuer, deshalb wird der Vanillegeschmack meistens synthetisch erzeugt. ÖKO-Test kritisiert den Zusatz von Aromen, weil dadurch auch wechselnde Rohstoffqualitäten ausgeglichen und der Geschmack standardisiert werden können. Dass dies keine Qualitätsmerkmale sind, haben offensichtlich mittlerweile auch einige Hersteller eingesehen, wie ihre Reaktionen zeigen.

So reagierten die Hersteller:

Die Firma Coverna (Choco Bistro Doppel Keks), die Flämische Keksfabrik (Sondey Doppelkeks Rolle), Griesson - de Beukelaer und die HG Süßwaren (Goldora Doppel Kekse) wollen nach einer Rezepturumstellung kein Aroma mehr verwenden.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Allos Duetto mit Amaranth
Allos Duetto mit Amaranth
Allos (Naturwarenladen)
befriedigend
Alnatura Dinkel Doppel Keks
Alnatura Dinkel Doppel Keks
Alnatura
befriedigend
Pural Bio Bis Choc Vollkorn Dinkel-Doppelkekse
Pural Bio Bis Choc Vollkorn Dinkel-Doppelkekse
Pural (Naturwarenladen)
befriedigend
Akela Doppel Keks
Akela Doppel Keks
Penny
ausreichend
A&P Doppel Keks
A&P Doppel Keks
Kaiser's Tengelmann
ausreichend
Bahlsen Hit Choco Flavour
Bahlsen Hit Choco Flavour
Bahlsen
ausreichend
Biscoteria Magic Choco Rolle
Biscoteria Magic Choco Rolle
Plus
ausreichend
Choco Bistro Doppel Keks
Choco Bistro Doppel Keks
Aldi Süd
ausreichend
De Beukelaer Prinzen Rolle
De Beukelaer Prinzen Rolle
Griesson - de Beukelaer
ausreichend
Doppel Keks
Doppel Keks
Netto Marken-Discount
ausreichend
Goldora Doppel Kekse
Goldora Doppel Kekse
Norma
ausreichend
Gut & Günstig Doppel Keks
Gut & Günstig Doppel Keks
Edeka
ausreichend
Hig Hagemann Doppelkeks
Hig Hagemann Doppelkeks
Continental Bakeries
ausreichend
Ja! Doppelkeks
Ja! Doppelkeks
Rewe
ausreichend
K-Classic Doppel Kekse
K-Classic Doppel Kekse
Kaufland
ausreichend
Kurpfalz Rolle Doppel Keks
Kurpfalz Rolle Doppel Keks
Aldi Nord
ausreichend
M'Cooky Fourré Royal Doppelkeks
M'Cooky Fourré Royal Doppelkeks
Candyland
ausreichend
Sondey Doppelkeks Rolle
Sondey Doppelkeks Rolle
Lidl
ungenügend
Tip Doppel Keks
Tip Doppel Keks
Real/Extra
ungenügend

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Die Doppelkekse wurden im November 2008 eingekauft.

Problematische Inhaltsstoffe

In der Schokoschicht von Doppelkeksen stecken pflanzliche Fette, die erst in jüngerer Zeit wegen der problematischen Substanz 3-MCPD-Ester aufgefallen sind. Für diesen Test wollten wir wissen, wie viel 3-MCPD-Fettsäureester ein Kind zu sich nimmt, wenn es etwa zwei Kekse isst. Dagegen ist das krebserregende Acrylamid schon länger bekannt, und aufgrund verschiedener Maßnahmen geht die Belastung in verschiedenen Warengruppen tendenziell zurück. Dies hatte auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zuletzt beim Weihnachtsgebäck festgestellt. Damit stellte sich für uns die Frage, ob dies auch für Doppelkekse gilt. Außerdem haben wir alle Doppelkekse auf Deoxynivalenol (DON) untersucht. Das Schimmelpilzgift stammt aus Getreide und war zuletzt im August 2008 bei unserem Toastbrot-Test auffällig. Die Deklarationen wurden noch daraufhin überprüft, ob Aromen zugesetzt sind. Auch Transfettsäuren haben wir vom beauftragten Labor bestimmen lassen. Sie können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und waren in früheren Tests noch häufig anzutreffen. Heute sind sie kein Problem mehr. Die Hersteller haben die Werte weiter gesenkt. Deshalb tauchen Transfette auch in unserer Test-Tabelle nicht auf.

Die Bewertung

Unser Gesamturteil wird maßgeblich bestimmt durch die Belastung der Kekse mit dem Fettschadstoff 3-MCPD-Ester. Weil er erst kürzlich entdeckt wurde, gibt es noch keine gesetzlichen Grenzwerte. Wir orientieren uns daher an den Expertengremien der EU sowie der Weltgesundheits- und Welternährungsorganisation (WHO/FAO). Diese empfehlen eine tägliche Aufnahme (TDI) von nicht mehr als zwei Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht für freies 3-MCPD. Anders als in unserem Test Klassiker und Konkurrenten im September 2008 haben wir die Schadstoffgehalte in diesem Test auf Kinder bezogen. Das beeinflusst selbstverständlich das Gesamturteil: Bei einem 30 Kilogramm schweren Kind ist der TDI schon mit 60 Mikrogramm überschritten, bei einem 75 Kilogramm schweren Erwachsenen erst mit 150. Weil beispielsweise die Tip Doppel Kekse jetzt auch noch höher mit 3-MCPD-Ester belastet waren als im Klassikertest, wurde aus dem "guten" Testurteil ein "ungenügend".