Startseite

ÖKO-TEST November 2014
vom

Medizinische Hautpflegeserien

Dr. Lotion

Stoffe, die die Haut reizen oder gar Allergien auslösen, haben nichts in Kosmetika zu suchen - besonders nicht in medizinischer Hautpflege. ÖKO-TEST zeigt, welche Lotionen und Cremes besser im Regal bleiben.

7302 | 162
Zu diesem Thema ist ein neuer Artikel vorhanden.

24.10.2014 | Vor allem kennt man sie aus der Apotheke. Doch inzwischen ist sie auch in jedem Drogeriemarkt zu Hause: die medizinische Hautpflege. Kunden greifen bei den Produkten zu, da sie davon überzeugt sind, dass sie weniger problematische Inhaltsstoffe enthalten als normale Kosmetika und besonders guttun.

Menschen, die täglich bei der Arbeit mit viel Feuchtigkeit in Kontakt kommen oder die eine Veranlagung haben, Neurodermitis auszubilden, sollten sich tatsächlich besonders pflegen. Ist medizinische Hautpflege die Lösung? Was steckt dahinter? Einige Hersteller geben auf der Verpackung einen pH-Wert von 5 oder 5,5 an. Das gilt als hautneutral und soll den natürlichen Säuremantel kaum stören. Aber das allein kann die beworbene "Spezialpflege" für "empfindliche und problematische" Haut nicht ausmachen.

Wir fragen bei bekannten Anbietern nach. Beiersdorf zum Beispiel verweist auf Pflegewirkstoffe und darauf, dass die medizinischen Hautpflegeprodukte auch an Probanden mit erkrankter Haut, wie Neurodermitiker, getestet würden. Zudem seien die Formeln auf die verschiedenen Hautbedürfnisse ausgerichtet - etwa "durch den Verzicht auf Parfüm und bestimmte Konservierungsstoffe bei sensibler und gereizter Haut", teilt der Kosmetikriese mit. Ein Blick auf die von uns gekauften Eucerin-Produkte zeigt allerdings: Beiersdorf verzichtet nicht in allen Cremes, Lotionen und Co. Seiner medizinischen Hautpflegeserie auf Parfüm. Die von uns getesteten Produkte, ausgelobt für "empfindliche" und für "allergie-gestresste" Haut, enthalten alle Parfüm. Ob Duftnoten problematisch sind, hängt von der Zusammensetzung ab und zeigt sich manchmal erst in einer umfangreichen Laboranalyse.

Und was sagen Dermatologen zu medizinischen Hautpflegeprodukten? "Sie sind im Prinzip sinnvoll. Aber es müssen höhere Maßstäbe an die Inhaltsstoffe angelegt werden. Stoffe, die Kontaktallergien auslösen können, also bestimmte Konservierungsmittel oder bestimmte Duftstoffe, sollten nicht enthalten sein." Denn für Allergien gilt: "Bei vorgeschädigter beziehungsweise nur entzündeter Haut steigt das Sensibilisierungsrisiko an", warnt Professor Axel Schnuch, Leiter des Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK), ein Netzwerk zu Kontaktallergien.

Wir wollten wissen, wie "sanft" die verwendeten Inhaltsstoffe sind und haben aus zehn Hautpflegeserien jeweils drei Produkte gekauft.

Das Testergebnis

Kann sich sehen lassen, aber die Produkte der großen Hersteller schwächeln. Die große Mehrheit der medizinischen Produkte schneidet mit "sehr gut" und "gut" ab. Im Vergleich zu normalen Kosmetika wie konventionellen Körperlotionen (Test in 01/2014) und Gesichtscremes (06/2013) sind die medizinischen Hautpflegeprodukte tatsächlich etwas besser, es duften beispielsweise weniger allergieauslösende Stoffe. Unterm Strich müssen aber vor allem die bekannten Markenunternehmen Nachhilfe nehmen.

ÖKO-TEST November 2014

Online lesen?

ÖKO-TEST November 2014 für 3.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben Serien von medizinischen Hautpflegeprodukten getestet, unsere Einkäufer haben deshalb jeweils drei bestimmte Produkte einer Marke gekauft: Körperlotionen, Waschlotionen beziehungsweise Duschgele sowie Pflegecremes, darunter auch Hand- und Gesichtscremes. Insgesamt zehn Serien sind im Test: Apotheken- und Eigenmarken, aus dem Drogeriemarkt sowie eine Naturkosmetikserie.

Die Inhaltsstoffe
Duften in der Hautpflege Stoffe, die Allergien auslösen können? Ein von uns beauftragtes Labor hat die parfümierten Hautpflegeprodukte einer umfangreichen Duftanalyse unterzogen. Außerdem wollten wir wissen, ob die Hersteller kritische Konservierungsstoffe einsetzen. Ist auf der Verpackung ein bestimmter pH-Wert angegeben, haben wir untersuchen lassen, ob die Produkte diesen auch erreichen.

Die Bewertung
Von einer medizinischen Hautpflege erwarten die Käufer, dass sie ohne reizende Inhaltsstoffe auskommt - auch dass keine Allergene drinstecken. Deshalb bewertet ÖKO-TEST medizinische Hautpflegeprodukte teilweise strenger als konventionelle Kosmetika.

So haben wir getestet

Den allergenen Duftstoffen auf der Spur: Analyse mittels Gaschromatografie.