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22 Kräutertees im Test

Mir kraut vor dir

Jahrbuch für 2016 | Kategorie: Essen und Trinken | 09.10.2015

22 Kräutertees im Test

Kräutertees sind aromatische Durstlöscher. Leider waren alle konventionellen Produkte in unserem Test belastet; viele enthielten lebergiftige und krebserregende Substanzen.

Zum aromatischen Duft und Geschmack eines Kräutertees tragen vor allem die ätherischen Öle bei. Sie gehören zur großen Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe. Diese sind für die Pflanze zwar nicht lebensnotwendig, erfüllen aber dennoch viele Funktionen: Sie wehren Schädlinge ab, dienen als Abwehrgifte gegen Pilze, locken Insekten an, schützen vor UV-Licht, bilden Farb-, Duft- und Aromastoffe.

Im Juli 2013 geriet eine Gruppe von sekundären Pflanzenstoffen ins Gerede, als das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Alarm schlug: "Gehalte an Pyrrolizidinalkaloiden in Kräutertees und Tees sind zu hoch", war eine Pressemitteilung überschrieben. Viele Pflanzen bilden diese Substanzen zum Schutz vor Fraßfeinden. Das BfR veröffentlichte erste nicht repräsentative Ergebnisse eines Forschungsprojekts, in welchem von 0 bis 3,4 Milligramm Pyrrolizidinalkaloide (PA) pro Kilogramm handelsüblicher Kräutertee- und Teeproben ermittelt wurden.

"Da sich einige der Pyrrolizidinalkaloide im Tierversuch als genotoxische Kanzerogene erwiesen haben, sind diese Gehalte zu hoch und sollten möglichst gesenkt werden", empfahl BfR-Präsident Professor Andreas Hensel schon damals. Genotoxische Kanzerogene heißt: Die Stoffe verändern das Erbgut und können Krebs verursachen. Zudem ist bekannt, dass sie lebergiftig wirken, die langfristige Aufnahme kann in einer Leberzirrhose enden.

Analysiert wurden unter anderem Kräuter-, Pfefferminz-, Fenchel- und Babyfenchel-, Brennnessel- und Melissentee. Die höchsten Werte wurden in Kamillentees gefunden. Zwar sei trotz der in Einzelfällen unerwartet hohen Gehalte in den Proben eine akute Gesundheitsschädigung bei kurzfristiger Aufnahme für Erwachsene und Kinder unwahrscheinlich, erklärt das BfR. Anders sehe das aber bei längerfristigem Verzehr hoher Mengen von Produkten mit den derzeit gemessenen mittleren und hohen Gehalten an PA aus. Dann könnten insbesondere Kinder, Schwangere und Stillende gefährdet sein. Es gebe "für Teetrinker keinen Grund zur Beunruhigung", wiegelten daraufhin die Wirtschaftsvereinigung Kräuter- und Früchtetee und der Deutsche Teeverband in einer gemeinsamen Pressemitteilung ab. "Es sind keine Fälle bekannt, bei denen Verbraucher durch den Konsum von handelsüblichen Tees gesundheitlich beeinträchtigt wurden."

Quelle der giftigen PA sind nicht die eigentlichen Zutaten der Kräutertees, sondern mitgeerntete Pflanzen, vor allem solche aus den Familien der Korbblütler, Borretschgewächse und Hülsenfrüchte, zum Beispiel das gelb blühende Jakobskreuzkraut oder der violett bis blau blühende Gewöhnliche Natternkopf. "Bereits etwa fünf PA-bildende Beikräuter pro 50.000 bis 60.000 Nutzpflanzen auf einem Hektar Anbaufläche reichen aus, um nachweisbare Gehalte im Erntegut zu erzeugen.

Im ÖKO-TEST: 22 Kräutertees, davon acht Bio-Produkte. Bei acht Produkten handelt es sich um Kräutermischungen, sechs Kamillen- und acht Pfefferminztees komplettieren das Testfeld. Alle Tees wurden unter anderem auf PA und Pestizide untersuc


Tee, Kräuter: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Das Gesunde Plus Naturreiner Tee Kräuterauslese, Beutel
  • Dm

Ja! Pfefferminze, Teebeutel
  • Rewe

Basic Kamillen-Tee, Beutel
  • Basic

Herbaria Pfefferminzblätter, lose
  • Herbaria

Goldmännchen-Tee Pfefferminze, Beutel
  • Goldmännchen

Sonnentor Gute Laune Tee, lose, Kräuterteemischung
  • Sonnentor

Alnatura Kamillen Tee, lose
  • Alnatura

K-Classic Pfefferminze, Teebeutel
  • Kaufland

Teekanne Kräuter-Genuss, Teebeutel
  • Teekanne

Real Quality Kamille, Teebeutel
  • Real

Gut & Günstig Kamille, Teebeutel
  • Edeka

Lebensbaum Kräutertraum, Teebeutel
  • Lebensbaum

Westcliff Kamille, Teebeutel
  • Aldi Süd

Teehaus 9 Kräuter, Teebeutel
  • Teehaus

Bünting Tee Pfefferminze Classic, Beutel
  • Bünting

Lord Nelson Pfefferminze, Teebeutel
  • Lidl

Meßmer Kräuter Pur, Teebeutel
  • Meßmer

Westminster Kamille, Teebeutel
  • Aldi Nord

King's Crown Kräutertee Feine Kräuter, Beutel
  • Rossmann

Gepa Bio & Fair Pfefferminz Tee, Beutel
  • Gepa

Milford Kräutertraum, Teebeutel
  • Milford Tea

Dennree Pfefferminztee, lose
  • Dennree (Naturwarenladen)

22 Kräutertees im Test
Jahrbuch für 2016 Seite 38
Jahrbuch für 2016 Seite 39
Jahrbuch für 2016 Seite 40
Jahrbuch für 2016 Seite 41
Jahrbuch für 2016 Seite 42

5 Seiten
Seite 38 - 42 im Jahrbuch für 2016
vom 09.10.2015
Abrufpreis: 1,50 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

In Biomärkten, Drogerien, Super- und Discountmärkten haben wir Kräutertees eingekauft, die sich hierzulande besonderer Beliebtheit erfreuen und außerdem in einem Forschungsprojekt des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) durch hohe Gehalte an Pyrrolizidinalkaloiden aufgefallen waren. So landeten 22 Tees - sowohl in Beuteln als auch lose - in den Einkaufskörben: Kräutermischungen, Pfefferminz- und Kamillentees.

Die Inhaltsstoffe

Zuvorderst wollten wir wissen, wie belastet aktuelle Ware mit den lebergiftigen und potenziell krebserregenden Pyrrolizidinalkaloiden ist. Nicht aus den Augen gelassen haben wir natürlich die Pestizide, die eingesetzt werden können, um Insekten, Schimmelpilze oder Unkräuter zu vernichten. Weitere Parameter waren Chlorat, Perchlorat und Nitrat. Die Anwendung des früher zur Unkrautbekämpfung eingesetzten Chlorats ist heute in der EU nicht mehr zulässig. Es kann aber bei der Verwendung von chlorhaltigen Substanzen zur Reinigung oder Desinfektion als Nebenprodukt entstehen. Über Dünger könnte Perchlorat in die Teekräuter gelangen, welches in hohen Dosen die Jodaufnahme der Schilddrüse beeinträchtigt. Blatttees können viel Nitrat enthalten. Im Körper kann daraus Nitrit werden, welches zu krebserregenden Nitrosaminen reagieren kann.

Die Bewertung

Mangels gesetzlicher Grenzwerte für Pyrrolizidinalkaloide haben wir uns an der vom BfR vorgenommenen vorläufigen Bewertung des gesundheitlichen Risikos orientiert. Obgleich die dort angenommene Dosis (0,007 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht) als wenig bedenklich angesehen wird und nicht jede höhere Dosis sofort eine akute Gesundheitsgefahr bedeutet, wertet ÖKO-TEST aus vorbeugendem Verbraucherschutz jede Überschreitung dieses Tagestoleranzwertes streng um vier Noten ab. Aus dem gleichen Grund werden Pestizidgehalte gegebenenfalls bereits dann abgewertet, wenn die gesetzliche Höchstmenge zwar unterschritten, aber doch zu mehr als zehn Prozent ausgeschöpft wird.

Aktuelle Ausgabe
Spezial Energie
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Jahrbuch für 2016
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Erschienen am 09.10.2015

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