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10 Nikotinersatz-Präparate im Test

Jahrbuch für 2016
vom 09.10.2015

Nikotinersatz-Präparate

Das ist bestimmt ...

. . . meine letzte Zigarette. Ein guter Vorsatz! Schluss mit der Qualmerei. Doch Rauchern können Entzugssymptome zu schaffen machen. Nikotin aus Arzneimitteln kann den Ausstieg unterstützen - immerhin schnitten fünf Präparate in unserem Test mit "sehr gut" ab.

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09.10.2015 | Zehn Nikotinersatzpräparate im ÖKO-TEST, darunter vier Pflaster, zwei Kaugummis, zwei Lutschtabletten sowie ein Spray und ein Inhaler. Wir haben die Produkte im Hinblick auf ihre Wirksamkeit begutachten und auf mögliche Schadstoffe hin untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Die Wirksamkeit der verschiedenen Nikotinersatzpräparate gilt als belegt. Es sind die Hilfsstoffe, die einige Mittel in unserer Bewertung herunterziehen.

Eingebettet in eine professionelle Beratung gilt die unterstützende Wirkung einer Nikotinersatztherapie zur Raucherentwöhnung als belegt. In den Gebrauchsinformationen der getesteten Produkte wird darauf hingewiesen, dass ärztliche Beratung oder die Teilnahme an einem unterstützenden Programm die Chancen erhöhen, mit dem Rauchen aufzuhören. Die langfristigen Erfolgsquoten erreichen bis zu 22 Prozent, unter Placebo sind es immerhin noch zehn Prozent. Eindeutige Vorteile für eine bestimmte Anwendungsform lässt sich aus den Studien nicht ableiten. Während Nikotinpflaster den Wirkstoff kontinuierlich über den Tag abgeben, kommen Kaugummis, Lutschtabletten, Sprays und Inhaler eher dem akuten Nikotinverlangen entgegen. Allerdings ist kein getestetes Präparat in der Lage, die "Befriedigung" einer Zigarette zu erzeugen, da die Anflutung des Nikotins langsamer verläuft. Die Kombination von zwei Nikotinpräparaten, zum Beispiel Pflaster plus Kaugummi oder Spray, kann die Erfolgsaussichten verbessern und bei schwerer Nikotinabhängigkeit erwogen werden.

Eine Nikotinersatztherapie wird üblicherweise über acht bis zwölf Wochen durchgeführt und in dieser Zeit wird das Präparat allmählich reduziert. Es ist möglich, das Rauchen zu Therapiebeginn abrupt zu stoppen oder es nach und nach zu verringern. Die Nebenwirkungen der Therapie gleichen im Wesentlichen den Giftwirkungen des Nikotins: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Schlafstörungen. Bei all diesen Reaktionen kann es sich aber auch um Entzugserscheinungen handeln. Nikotinkaugummis und -lutschtabletten können die Mundhöhle reizen, zu Schluckauf, Sodbrennen und vermehrtem Speichelfluss führen.

Nikotinpflaster ziehen sehr häufig Hautreaktionen an der Anwendungstelle nach sich, die bei mehr als einem von zehn Behandelten auftreten können. In den Gebrauchsinformationen werden "brennendes Gefühl, Schwellungen, Hautrötung, Juckreiz, Hautausschlag, Nesselsucht, Blasenbildung, Zwicken" (Nicotinell 52,5 mg/24-Stunden-Pflaster, stark 1) beschrieben. Diese können auf den Kleber - laut Deklaration vor allem Acrylate-, das Nikotin selbst oder die wiederholte Anwendung zurückzuführen sein. Wichtig ist daher, die Nikotinpflaster täglich woanders aufzukleben.

Das NiQuitin Clear 21 mg/24 Stunden, transdermales Pflaster von GlaxoSmithKline enthielt erhöhte Mengen Dibutylzinn. Die giftige Verbindung kann bereits in sehr kleinen Mengen das Immun- und Hormonsystem von Tieren und vermutlich auch des Menschen beeinträchtigen.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wer mit dem Rauchen aufhören will, nutzt häufig Hilfsmittel aus der Apotheke: Pflaster, Kaugummis, Lutschtabletten, Sprays oder Inhalatoren sollen die Entzugssymptome mildern. Von den verschiedenen Nikotin­ersatzpräparaten eines Herstellers haben wir nach Möglichkeit immer die mit der höchsten Dosierung gewählt.

Die Wirksamkeitsbelege
Unser wissenschaftlicher Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Universität Frankfurt hat die Produkte für uns begutachtet: Inwieweit wurde die Nikotinersatztherapie in Studien untersucht? Können die Präparate unerwünschte Wirkungen nach sich ziehen?

Die Hilfsstoffe
Anhand der Deklaration haben wir bei Kaugummis, Lutschtabletten, dem Spray und dem Inhaler nach künstlichen Süßstoffen und synthetischen Farbstoffen geschaut. Die Pflaster, die lange auf der Haut kleben, wurden zudem auf zinnorganische Verbindungen, auf Schwermetalle sowie Weichmacher wie Phthalate hin analysiert.

Die Bewertung
Natürlich muss bei Arzneimitteln in erster Linie die Wirksamkeit in Studien belegt sein. Darüber hinaus ist für uns aber auch wichtig, dass die Medikamente den Verbraucher nicht unnötig mit problematischen Hilfsstoffen belasten. Daher erhalten die prinzipiell zur Raucherentwöhnung geeigneten Nikotinersatzpräparate am Ende doch nicht alle ein Gesamturteil "sehr gut".

So haben wir getestet

Im Labor wurde mittels Gaschromatografie analysiert, ob die Pflaster bedenkliche Weichmacher enthalten.

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