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19 Edle Bettwäschen im Test

Jahrbuch für 2016
vom 09.10.2015

Bettwäsche, Edle

Verknittert

Lohnt es sich, für Bettwäsche ein paar Euro mehr auszugeben? Unser Test zeigt: Das kann gutgehen. Oft genug lassen sich aber Chemikalien nachweisen, mit denen die Hersteller ihre Produkte ausgerüstet haben.

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09.10.2015 | Wenn Bettwäsche verschenkt wird, soll es natürlich eine edle sein. Leider ist aber längst nicht alles, was "veredelt" ist, auch edel. Unter dem Begriff werden Verfahren zusammengefasst, die Stoffe in irgendeiner Form behandeln, "besser" machen sollen - sie zum Beispiel bleichen, färben, "knitterfrei" machen, leichter zu bügeln, regenfest oder angenehmer zu tragen. Eins haben die meisten dieser Verfahren gemeinsam: Es wird jede Menge Chemie benutzt. Wasserstoffperoxid, Natronlauge, Ammoniak, sogar formaldehydhaltige Harze kommen dabei zum Einsatz - um nur einige der gefährlichen Stoffe zu nennen.

Formaldehyd stuft die EU in ihrer Verordnung zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Chemikalien (CLP) in die Kategorie 1b "karzinogen" ein. Der Stoff gilt also als "wahrscheinlich krebserregend"; diese Wirkung wird nach mehreren Tierversuchen als erwiesen angesehen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht die krebserregende Wirkung von Formaldehyd schon seit 2006 als erwiesen an.

In erster Linie wird der Schadstoff eingeatmet, etwa mit Autoabgasen oder Zigarettenqualm. So kann er zu Krebs im Nasen-Rachen-Raum und zu Leukämie führen. Formaldehyd kann aber auch oral aufgenommen werden - oder durch Hautkontakt, mit Bettwäsche etwa. Die krebserregende Wirkung von Formaldehyd gilt allerdings nur über die Atemwege als erwiesen; zur Wirkung über die Haut gibt es bisher nicht genügend wissenschaftliche Studien. "Bei Hautkontakt wirkt Formaldehyd vor allem als starkes Kontaktallergen", sagt Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdiensts des Deutschen Krebsforschungszentrums. Die Schwierigkeit bei der Bewertung des Gefahrenstoffs ist, dass Formaldehyd in ganz geringen Mengen auch in der Natur vorkommt, zum Beispiel in Holz. Eine "Nullgrenze" anzusetzen sei "unrealistisch, zumal die Nachweisgrenze bei drei Milligramm pro Kilogramm liegt", sagt Heike Scheuer vom Internationalen Verband der Naturtextilien (IVN), der für die von ihm zertifizierten Stoffe recht strenge Richtlinien anlegt.

Scheuer fordert: "Formaldehyd sollte im Input verboten werden." Bisher ist der Gesetzgeber davon allerdings weit entfernt: Es gibt nicht einmal einen gesetzlichen Grenzwert für Formaldehyd in Textilien - einzig ab dem aus Sicht von ÖKO-TEST astronomisch hohen Wert von 1.500 Milligramm pro Kilogramm (mg / kg) müssen Hersteller die Waren mit dem Hinweis kennzeichnen: "Enthält Formaldehyd. Es wird empfohlen, das Kleidungsstück zur besseren Hautverträglichkeit vor dem ersten Tragen zu waschen."

Die Frage, die ÖKO-TEST bei Ausrüstungsverfahren mit Chemikalien stellt, ist wie so oft eine ganz einfache: Geht es auch ohne diesen Schadstoff? Wir wollten das genauer wissen und haben 19 Stoffe ins Labor geschickt. Und die Antwort ist im Fall Formaldehyd, wie immerhin zwölf der getesteten Produkte zeigen, ebenso einfach: Ja, es geht.

Das Testergebnis

Zehn der getesteten Produkte können wir empfehlen, zwei davon schnitten sogar mit "sehr gut" ab. Einzi

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben uns in Bettengeschäften, Kaufhäusern und Onlineshops umgesehen und 19 Bettwäschen ab 96 Euro aufwärts gekauft. Die teuerste kostet 309 Euro. Bei den Stoffen handelt es sich hauptsächlich um Satin und Baumwolle, weil die am meisten verkauft werden. Ein Produkt ist aus Seide, um das Spektrum der edlen Stoffe abzudecken. Zwei Bettwäschen sind mit Naturtextilien-Labeln gekennzeichnet.

Die Inhaltsstoffe
Bedeutet edel auch rein? Lohnt sich der tiefe Griff in das Portemonnaie? Die von uns beauftragten Labore haben die Bettwäsche auf Formaldehyd, halogenorganische Verbindungen, Nonylphenolethoxylate, optische Aufheller und verbotene Farbmittel untersucht. Meist sind das Chemikalien, die von den Herstellern bewusst eingesetzt werden, um den Stoff "edler" zu gestalten. Azo-Farbstoffe etwa sind günstig und erzeugen knallige Farben - können aber krebserregende Amine freisetzen. Formaldehydhaltige Harze setzen Hersteller ein, um Stoffe "bügelleicht" zu machen. Halogenorganische Verbindungen können über Bleiche ins Textil kommen; Nonylphenolethoxylate kommen als Waschmittel zum Einsatz und belasten so das Abwasser. Rückstände davon befinden sich häufig noch in der fertigen Ware.

Die Weiteren Mängel
Stecken in den Verpackungen der Bettwäsche PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen? Das belastet die Umwelt unnötig und führt deswegen zu Punktabzug. Genauso bewerten wir optische Aufheller ohne Hautkontakt - auch sie belasten die Umwelt. Auch wenn ein Hersteller mit einem Natursiegel wirbt, aber nicht alle Grenzwerte des Siegels einhält, bemängeln wir das.

Die Bewertung
Die ganze Nacht liegen, schlafen und schwitzen wir in der Bettwäsche. Deswegen bewerten wir die Stoffe genauso streng wie andere Textilien mit viel Hautkontakt - etwa Unterwäsche oder T-Shirts. Bei Formaldehyd orientiert ÖKO-TEST sich an dem Grenzwert des Natursiegels IVN-Best, der bei 16 mg/kg liegt. Alles, was unter unseren Abwertungsgrenzen liegt, kennzeichnen wir mit dem Begriff "Spuren".

So haben wir getestet

Das IVN-Siegel hat Cotonea nach unserem Test entfernt.

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