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66 Mittel gegen Vorratsschädlinge im Test

Jahrbuch für 2016
vom 09.10.2015

Mittel gegen Vorratsschädlinge

Es krabbelt

Viele Produkte gegen Schädlinge in Haus und Garten sind richtig gefährlich wie unsere vier Tests zeigen. Die alternativen Mittel schnitten besser ab.

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09.10.2015 | Wem ist das nicht schon passiert? Beim Öffnen der Schublade und des Schranks, in denen Mehl, Gewürze und andere Vorräte verstaut sind, flattern ein paar Dörrobst- oder Mehlmotten auf, und im Gewinde eines Gewürzglases steckt ein leerer Kokon. Befallen wird so ziemlich alles - von Getreideprodukten über Nüsse, Schokolade, Kekse, Früchtetees, Gewürze bis hin zu Trockenobst. Die gefräßigen, vermehrungsfreudigen Mitbewohner verschonen lediglich schwarzen Tee und Kaffee, sehr Zuckriges und sehr Salziges und stark geräucherte Lebensmittel.

Nun ist erst einmal eine Putzaktion gefragt, bei der die Schränke gründlich ausgewischt werden. Findet man Löcher in Lebensmittelpackungen, weist das darauf hin, dass Käfer oder Mottenlarven ausgewandert sind. Die Mottenlarven wandern in Ritzen und Fugen von Verpackungen und Schränken sowie in Zimmerecken. Entfernt man verpuppte Larven und ihre Gespinste nicht völlig, wird man den Mottenbefall schwer los.

Wir haben 66 Mittel gegen Vorratsschädlinge, Fliegen, Silberfischchen und Co. im Haus unter die Lupe genommen und ihre Inhaltsstoffe beurteilt.

Das Testergebnis

Knapp die Hälfte der Mittel schneidet mit der Note "sehr gut" ab. Alle diese Produkte kommen entweder ohne Insektizide aus oder basieren auf Lockstoffen wie Pheromonen und Fruchtsäuren, Kieselgur oder ätherischen Ölen. Eingeschränkt zu empfehlen sind acht "befriedigende" Produkte mit Natur-Pyrethrum und Giften, die in Köderdosen stecken. Die rote Karte erhalten 25 "mangelhafte" chemische Gifte in Form von Sprays, Köderfolien, Stäubemitteln oder Verdampfern.

Reine Klebefallen ohne biozide Wirkstoffe eignen sich gut, um lästige Stubenfliegen zu dezimieren. Frucht- und Obstfliegen lassen sich giftfrei mit Lockfallen auf der Basis von Fruchtauszügen, organischen Säuren, Fruchtessig oder cis-Tricos-9-en abfangen und kriechende Krabbeltiere wie Silberfischchen mithilfe von Köderdosen, die Naturköder enthalten. Klebefallen mit Pheromonen für Lebensmittelmotten sind völlig ungiftig. Sie können einen Befall anzeigen und zudem einen Teil der männlichen Motten aus dem Verkehr ziehen, sodass sich die Motten nicht mehr paaren können.

Mittel mit ätherischen Ölen wie Geraniol und Lavandinöl sind ebenfalls empfehlenswert. Den Hautkontakt damit sollte man aber vermeiden und ebenso ein Einatmen, da empfindliche Personen auf die enthaltenen Duftstoffe allergisch reagieren können. Bei Mitteln mit Kieselgur darauf achten, dass Stäube nicht versehentlich in die Atemwege gelangen.

Zwei Produkte mit Chrysanthemenextrakt (Pyrethrum) und dessen Wirkstoffen, den Pyrethrinen, haben wir mit "befriedigend" bewertet. Pyrethrum ist nervengiftig, baut sich aber bei Sonnenlicht rasch ab. Vier Noten ziehen wir jedoch ab, wenn Pyrethrine oder Pyrethrum mit dem Wirkungsverstärker Piperonylbutoxid kombiniert sind, da dieser den raschen Abbau verhindert.

Von Mitteln mit Insektiziden wie Chlorfenapyr und Vertretern der Neonicotinoide (Imidacloprid), Phenylpyrazole (Fipronil)

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So haben wir getestet

Der Einkauf
In unserer Einkaufstüte landeten Mittel gegen Schädlinge in Haus und Garten. Darunter waren Produkte gegen Lebensmittel- und Kleidermotten genauso wie gegen Stuben- und Fruchtfliegen, gegen Ameisen, Blattläuse und Schnecken. Solche Mittel fanden wir in Drogerie- und (Bio-)Supermärkten, in Bau- und Gartenmärkten sowie in Onlineshops.

Die Inhaltsstoffe
Die überwiegende Anzahl von Mitteln gegen Krabbel- und Kriechtiere im Haus und Garten enthalten problematische, sehr wirksame synthetische Wirkstoffe, die aber nicht nur für Insekten und Co. Giftig, sondern auch für die menschliche Gesundheit problematisch sind, weil sie - wie Phosphorsäureester - nervengiftig sind. Überdies können die Wirkstoffe für nützliche Tiere wie Bienen schädlich sein. Wir haben uns die Inhaltsstoffe der Mittel genau angesehen und von einem Labor eine Literaturrecherche zu ihren Nebenwirkungen auf Menschen durchführen lassen.

Wirksamkeitsprüfung
Pestizide, die etwa gegen Blattläuse und Schnecken zum Einsatz kommen, werden auf ihre Wirksamkeit geprüft, bevor sie zugelassen und in den Handel kommen. Ebenso gibt es für Biozidprodukte gegen Vorratsschädlinge, Kleidermotten und Ameisen ein Zulassungsverfahren. Im Rahmen dieses Zulassungsverfahrens wurden bislang die bioziden Wirkstoffe cis-Tricos-9-en (Lockstoff für Fliegen), d-Phenothrin, Deltamethrin, Etofenprox, Friponil, Imidacloprid, Lambda-Cyhalothrin, Margosaextrakt (Neem), Permethrin, Spinosad, Transfluthrin sowie das Pheromon Z,E-Tetradeca-9,12-dienylacetat als wirksam gegen unerwünschte Plagegeister eingestuft. Weil diese Daten vorliegen, haben wir darauf verzichtet, die Mittel auf ihre Wirksamkeit zu testen.

Die Bewertung
Synthetische Insektizide in Sprays, Spritzmitteln, Verdampfern und anderen offenen Anwendungsformen können Verbraucher kaum sachgemäß einsetzen. Und selbst bei sachgemäßem Gebrauch ist das Risiko für die Gesundheit hoch. Solche Produkte monieren wir grundsätzlich durch einen höheren Notenabzug als Insektizide in Köderdosen oder Stäbchen.

So haben wir getestet

Viele Mittel gegen Schädlinge, die für Haus und Garten im Handel sind, sind umweltgefährlich und können die Gesundheit gefährden!

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