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27 Vegane Kosmetika im Test

Jahrbuch für 2017
vom 20.10.2016

Vegane Kosmetik

Mit Fragezeichen

Nicht immer kann man sich auf die Auslobung "vegan" verlassen. Außerdem können vegane Produkte genauso wie andere Schadstoffe enthalten. Zwei Kosmetikprodukte fallen durch, doch eine beachtliche Zahl ist empfehlenswert.

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20.10.2016 | Eine 100-prozentige Garantie für Verbraucher, dass vegane Kosmetik wirklich vegan ist, gibt es zurzeit nicht. Orientierung beim Kauf liefert die Veganblume und -bezogen auf den Verzicht auf tote Wirbeltiere - eine Naturkosmetikzertifizierung wie die von BDIH und Natrue.

Und wie gut sind die Inhaltsstoffe von veganer Kosmetik? Kommen sie ohne Schadstoffe aus? Wir haben 27 Produkte ins Labor geschickt.

Das Testergebnis

Die meisten getesteten veganen Kosmetika sind empfehlenswert. Durch die Bank "sehr gut" war die zertifizierte Naturkosmetik. Die zwei "ungenügenden" Schlusslichter sind ein Shampoo sowie ein Nagellack.

"Nicht verkehrsfähig" heißt es für den Nagellack Spa Ritual, Crystal Waters Shimmer. Darin hat das von uns beauftragte Labor freies Phenol nachgewiesen, das im Anhang der Kosmetikrichtlinie der EU als verbotene Substanz gelistet ist. Schon 2014 gab es in zwei Nagellacken Befunde von freiem Phenol. Verschiedene Kontrollbehörden haben uns daraufhin bestätigt, dass dies ihrer Ansicht nach technisch vermeidbar sei - auch in den von uns gefundenen Mengen. Der von uns getestete Nagellack hätte aus unserer Sicht somit gar nicht verkauft werden dürfen. Zudem steckt in dem Lack ein bedenklicher UV-Filter sowie Triphenylphosphat.

Im Daddy-O Shampoo von Lush zeigte die Analyse deutlich Anilin auf. Der Stoff ist krebsverdächtig und kann sich vom Farbstoff CI 17200 abspalten. Das ist nicht der erste Befund dieser Art in Produkten der Firma Lush: Schon vor mehr als zehn Jahren wiesen die von uns beauftragten Labore in einer Badekugel von Lush Anilin nach. Außerdem enthält das Shampoo bedenkliche Parabene, PEG/PEG-Derivate und den Duftstoff Isoeugenol, der vergleichsweise häufig Allergien auslösen kann.

Auf keinem der untersuchten Produkte war ein Inhaltsstoff deklariert, der eindeutig tierischen Ursprungs ist. In vielen Kosmetika stecken aber Glycerin und/oder Fettsäuren wie Öl-, Palmitin- oder Stearinsäure. Bei den jeweiligen Anbietern fragten wir nach. Die meisten haben uns geantwortet und Nachweise geschickt: Entweder lassen Sie sich die vegane Herkunft vom Lieferanten bestätigen oder sie verweisen auf die Zertifizierung als Naturkosmetik, die Registrierung bei der Vegan Society in London oder auf eigene Besuche bei Lieferanten. Nicht geantwortet auf die Frage nach der Herkunft dieser Inhaltsstoffe haben Alnatura, Inika und Korres.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
In Drogerien, Supermärkten aber auch bei Onlineversendern nimmt das Angebot an veganen Kosmetika zu. Unsere Einkäufer haben 29 Produkte eingekauft: Duschgele, Shampoos, Lotionen sowie dekorative Kosmetika. Gut die Hälfte ist als Naturkosmetik zertifiziert. Alle Produkte sind als vegan ausgelobt: entweder durch die Beschreibung des Anbieters auf der Verpackung oder durch ein Label, darunter die Veganblume, aber auch vom Anbieter selbst designte. Für dekorative Kosmetik findet sich die Beschreibung "vegan" teilweise nur im Internet.

Die Inhaltsstoffe
Wir wollten zum einen wissen, ob wirklich nur pflanzliche Stoffe im Produkt landen sowie ob in den Kosmetika Schadstoffe stecken. Für Letzteres haben wir umfangreiche Analysen in Auftrag gegeben - unter anderem auf Duftstoffe und kritische Konservierungsmittel. Ob Inhaltsstoffe pflanzlichen oder tierischen Ursprungs sind, kann man analytisch nicht testen, hier haben wir die Deklarationen auswerten lassen.

Die Weiteren Mängel
Die Flasche ist aus Kunststoff - trotzdem verwendet der Hersteller einen zusätzlichen Umkarton? Belastet eine chlorierte Verbindung in der Verpackung die Umwelt? Und gibt der Hersteller - trotz Nachfrage - keine Auskunft, welche Farbstoffe er genau in Lippenstift, Nagellack oder Make-up einsetzt? Das alles verbuchen wir unter Weitere Mängel.

Die Bewertung
Für uns sind nur Kosmetika sehr gut, die keinen Mangel aufweisen. Schadstoffe und Weitere Mängel werten wir ab. Stoffe, die krebsverdächtig sind, im Anhang der Kosmetikrichtlinie als verbotene Substanzen zu finden sind oder auf der Kandidatenliste der ECHA für besonders besorgniserregende Stoffe stehen, bekommen dabei einen kräftigen Punktabzug.

So haben wir getestet

Die Veganblume der Vegan Society ist das bekannteste Vegan-Siegel.

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Bestellnr.: J1610
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