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Rooibostees im Test: Die meisten sind mit giftigen Pflanzenstoffen belastet

Jahrbuch für 2017 | Autor: Birgit Hinsch | Kategorie: Essen und Trinken | 20.10.2016

Nur drei Rooibostees im Test sind empfehlenswert.
Foto: GreenArt/Shutterstock

Rooibostee ist lecker und gesund? Nicht unbedingt. Denn der Tee kann erheblich mit giftigen Pflanzenstoffen belastet sein, wie unser Test zeigt. Entwarnung können wir nur für drei Bio-Produkte geben.

Aktualisiert am 20.10.2016 | Bei der Ernte besteht Verwechslungsgefahr, denn die Rooibospflanze sieht dem Greiskraut sehr ähnlich, einer weit verbreiteten Pflanze, die Pyrrolizidinalkaloide (PA) enthält. Viele Pflanzen bilden diese Stoffe zum Schutz vor Fraßfeinden.

Die Krux: Bestimmte PA gelten als leberschädigend und krebserregend. Wir wollten wissen, ob man Rooibostee eigentlich noch trinken kann, und haben 21 Produkte ins Labor geschickt.

Rooibostee im Test: Das Fazit

  • Gut zwei Drittel der Produkte schießen deutlich über den Zielwert des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) hinaus. Fünf Tees schöpfen diesen sogar um weit mehr als 1.000 Prozent aus. Einziger Lichtblick sind drei Bio-Tees, die lediglich Spuren von PA aufweisen. Wir können Sie rundum empfehlen.
  • In drei Roiboostees sind die Gehalte so hoch, dass sie sogar über dem gesundheitsbasierten Richtwert liegen. Wir sind dabei von drei Tassen Tee täglich und einem 60 Kilogramm schweren Erwachsenen ausgegangen. Berechnet für ein Kleinkind mit einem Körpergewicht von 15 Kilogramm und einem Tagesverzehr von einer Tasse, sind zwei weitere Marken als nicht sicher einzustufen.
  • Insgesamt sieben Produkte halten den Eingriffswert nicht ein. Das sind 36 Prozent des Testfeldes und damit viel mehr als die fünf Prozent, die nach dem Minimierungskonzept höchstens über dem Wert liegen sollten. Es wird aber auch deutlich, dass der Eingriffswert für den in Bezug auf Krebsrisiken festgelegten Zielwert wirkungslos bleibt, denn etliche hoch belastete Produkte rutschen durch. Die Konsequenz kann nur heißen, die Minimierung schleunigst voranzutreiben.

So reagierten die Hersteller der getesteten Rooibostees

Mehrere Anbieter teilten mit, dass sie bereits Maßnahmen ergriffen hätten, etwa Schulungen, die Inspektion der Anbauflächen unmittelbar vor der Ernte, die mechanische Entfernung von Fremdpflanzen sowie umfangreiche Laboranalysen. Dadurch habe man die Gehalte bereits reduzieren können, man arbeite aber an einer weiteren Minimierung.

Andere wiesen darauf hin, dass Rooibos einem dreijährigen Anbauzyklus unterliege, weshalb sich der Erfolg eingeleiteter Maßnahmen erst später zeige. Zwei Anbieter legten Gutachten für Roh- und Halbfertigwaren aus der Ernte 2016 vor, die nur noch geringe Belastungen ausweisen. Laut Wirtschaftsvereinigung Kräuter- und Früchtetee (WKF) sollte die neue Ernte im Laufe des zweiten Halbjahres 2016 in den Verkauf einfließen.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin August 2016 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2017 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Der Einkauf: Rooibostee wird zwar nicht so häufig getrunken wie andere Kräutertees, gehört aber dennoch in vielen Super- und Verbrauchermärkten, Bio-Läden, Teegeschäften, Reformhäusern und Discountern zum Standardsortiment. Unsere Einkäufer fanden insgesamt 21 Produkte. Keine Eigenmarken bekamen sie bei Aldi Nord, Rewe, Penny und Kaufland. Auf dem Einkaufszettel stand Rooibostee natur oder - falls dieser nicht erhältlich war - Rooibostee Vanille.

Der Inhaltsstoff: Dass Tee im Allgemeinen mit Pyrrolizidinalkaloiden (PA) verunreinigt sein kann, ist seit 2013 bekannt. Rooibostee ist erst kürzlich in den Fokus gerückt, nachdem immer wieder hohe Belastungen festgestellt worden waren. Wir ließen die Produkte in einem spezialisierten und erfahrenen Labor nach aktueller Methode auf 28 PA-Verbindungen untersuchen.

Die Bewertung: Die gemessenen Gehalte variieren stark - von wenigen Mikrogamm pro Kilogramm Tee bis knapp zwei Milligramm. Wir orientieren uns an dem strengen Zielwert des Bundesinstituts für Risikobewertung. Der Eingriffswert, der kürzlich im Rahmen eines Minimierungskonzepts festgelegt wurde, greift hingegen zu kurz. Er kann bestenfalls Spitzenbelastungen abfangen. Daraus folgt: Um gesundheitliche Risiken durch PA vorsorglich zu reduzieren, muss der Wert so schnell wie möglich weiter sinken. Weil nur ein Parameter getestet wurde, haben wir kein Gesamturteil vergeben.

Bewertungslegende

Für den Richt- und Zielwert haben wir Tagesportionen von drei Tassen sowie ein Körpergewicht von 60 Kilogramm zugrunde gelegt. Zur Abwertung um vier Noten führt: ein Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden (in der Tabelle "stark erhöht"), der zu einer Überschreitung des vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfohlenen Zielwertes von 0,42 μg pro Tag für eine 60-kg-Person führt.

Zur Abwertung um zwei Noten führt: ein Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden (in der Tabelle "erhöht"), der zu einer Ausschöpfung von mehr als 50 bis 100 Prozent des Zielwertes von 0,42 μg pro Tag für eine 60-kg-Person führt. Zugrunde gelegt wurden drei Tassen Tee, zubereitet mit einem Teebeutel pro Tasse oder – bei losem Tee – mit den auf den Verpackungen angegebenen Teemengen pro Tasse. Löffelangaben wurden ausgewogen: Alnatura Bio Rooibos Tee (1 TL: 1,5 g); King’s Crown Rooibostee (1 gehäufter TL: 2,7 g); Sonnentor Rooibos natur (1 TL: 1,7 g); Windsor-Castle Rooibos Original (2 gehäufte TL: 4,7 g). Fehlten jegliche Angaben, wurden 2 g Tee pro Tasse berechnet. Für den Richt- und Zielwert haben wir Tagesportionen von jeweils drei Tassen zugrunde gelegt.

Testmethoden

LC-MS/MS, nach der Methode "Bestimmung von Pyrrolizidinalkaloiden in Pflanzenmaterial mittels SPE-LC-MS/MS" des BfR. Bestimmt wurden folgende Substanzen: Echimidin, Echimidin-N-oxid, Erucifolin, Erucifolin-N-oxid, Europin, Europin-N-oxid, Heliotrin, Heliotrin-N-oxid, Intermedin, Intermedin-N-oxid, Jacobin, Jacobin-N-oxid, Lasiocarpin, Lasiocarpin-N-oxid, Lycopsamin, Lycopsamin-N-oxid, Monocrotalin, Monocrotalin-N-oxid, Retrorsin, Retrorsin-N-oxid, Summe Senecionin und Senecivernin, Senicionin-N-oxid, Seneciver­nin-N-oxid, Seneciphyllin, Seniciphyllin-N-oxid, Senkirkin, Trichodesmin.

Einkauf der Testprodukte: April 2016.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin August 2016 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2017 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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