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Früchtetee im Test: Bedenkliche Pestizide in einigen Tees entdeckt

Magazin März 2022: Wie die Kosmetikindustrie unsere Falten wegzaubern will | Autor: Vanessa Christa/Annette Dohrmann/Lena Wenzel | Kategorie: Essen und Trinken | 27.02.2022

Früchtetee im Test: Wie schneiden die Produkte ab?
Foto: ÖKO-TEST

Früchtetees sind etwas für die ganze Familie: Sie sind sowohl zucker- als auch koffeinfrei. Doch welche eignen sich am besten zum Aufbrühen? 13 Tees im Test sind "sehr gut", die anderen bemängeln wir wegen enthaltener Pestizide. 

  • Wir haben 20 nicht-aromatisierte Früchtetees eingekauft und überprüft. Die meisten stecken in einem Teebeutel, in zwei Fällen handelt es sich um lose Ware.
  • 13 getestete Produkte schneiden mit Bestnote ab. In allen anderen Früchtetees stecken Rückstände von Pestiziden.
  • Besonders ärgerlich: Wir sind auf zwei Spritzmittel gestoßen, deren Anwendung in der EU nicht mehr erlaubt ist. 

Viele lieben Früchtetee als gesunden, kalorienfreien Durstlöscher und als aromatische Alternative zu Mineralwasser. Er ist ein familienkompatibler Allrounder, der heiß, kalt und pur schmeckt, oder als Basis für Eistee, alkoholfreie Cocktails oder Kinderpunsch.

Andere verbinden damit Erinnerungen an einen blassroten Aufguss, den sie in der Kita oder auf Klassenfahrt bis zum Überdruss vorgesetzt bekamen.

Früchtetee-Test: Teekanne, Meßmer & Co. im Vergleich

Unsere Testergebnisse können vielleicht all jene, die deswegen einen großen Bogen um Früchtee machen, davon überzeugen, dem vielseitigen Getränk eine zweite Chance zu geben: 13 Früchtetees im Test schneiden mit "sehr gut" ab.   

Uns überzeugen aber nicht alle getesteten Produkte. Grund dafür: diverse Notenabzüge, die ausschließlich auf das Konto von Pestizidrückständen gehen. Die hat das von uns beauftragte Labor in mehreren Früchtetees analysiert, darunter auch zwei Substanzen, die in der EU nicht mehr zugelassen sind.  

Früchtetee im Test: Wir haben 20 nicht-aromatisierte Produkte überprüft.
Früchtetee im Test: Wir haben 20 nicht-aromatisierte Produkte überprüft. (Foto: successo images/Shutterstock)

Hagebuttenschalen und Hibiskusblüten als Hauptzutat

Übrigens: Streng genommen ist Früchtetee gar kein Tee, da er nicht aus der Teepflanze Camellia sinensis aufgebrüht wird, sondern ein "teeähnliches Erzeugnis" ist. Laut Definition ist er ein aromatisches Getränk aus getrockneten Pflanzenteilen wie Blättern, Früchten, Fruchtteilen oder Blüten, aufgegossen mit sprudelnd kochendem Wasser.

Basis für die meisten Früchtetees, auch die in unserem Test, ist eine Kombination aus Hagebuttenschalen und Hibiskusblüten. Abgerundet wird das rote Duo häufig mit Apfelstücken, Schalen von Zitrusfrüchten oder dunklen Beeren wie Holunder-, Heidel- oder schwarzen Johannisbeeren.

Früchtetee: Aromatisiert oder nicht? 

Die Zutaten für das fruchtig-säuerliche Potpourri kommen aus aller Welt in unsere Tassen: von Ägypten über Bulgarien, Burkina Faso und Chile bis Georgien, Lesotho und Sudan. Dennoch sind gängige Grundmischungen für Früchtetees häufig aromatisiert. 

Das liegt laut Deutschem Tee & Kräutertee Verband zum einen daran, dass einige Früchte durch ihren hohen Wassergehalt beim Trocknen an Aroma verlieren – der "volle Geschmack" würde dank der eingesetzten Aromen wieder erreicht.

Früchtetees im Test: Jetzt Ergebnisse als ePaper kaufen

Aromen meist günstiger als frische Rohstoffe

Außerdem gleichen die Geschmackshelferlein Schwankungen bei der Verfügbarkeit und Qualität von Rohstoffen aus. Und da sich Verbraucherinnen und Verbraucher "eine möglichst große Geschmacksvielfalt" wünschten, werde die durch Aromatisierung "noch einmal umfangreich erweitert".

Was der Interessenverband für die Teewirtschaft nicht erwähnt: Mit Aromen lassen sich Kosten einsparen, denn sie sind meistens günstiger als frische Rohstoffe. Wir haben uns aber in diesem Test für nicht-aromatisierte Früchtetees entschieden, bei denen die Anbieter auf den Eigengeschmack der Zutaten vertrauen.

Hagebuttenschalen, Hibiskusblüten und häufig noch Apfelstücke sind Grundlage für die meisten Früchtetees.
Hagebuttenschalen, Hibiskusblüten und häufig noch Apfelstücke sind Grundlage für die meisten Früchtetees. (Foto: YamabikaY/Shutterstock)

Kritik an Rückständen von bedenklichen Pestiziden

Natürlich ist der Geschmack entscheidend. Wichtig ist aber auch, was außerdem in unseren Tassen landet. Und da sehen wir vor allem bei den zwei Testverlierern tiefrot. Mitverantwortlich für ihr "ungenügendes" Abschneiden sind zwei Spritzmittel, deren Anwendung in der EU nicht mehr zugelassen ist: das krebsverdächtige Carbaryl sowie Chlorpyrifos, das im Verdacht steht, das Erbgut und die neurologische Entwicklung negativ zu beeinflussen.

Dass sie über Importe in Lebensmitteln vorkommen, die wir hier kaufen, zeigt, wie problematisch Doppelstandards bei der Zulassung sind. Beide Insektizide bewerten wir zudem als besonders bedenklich, da sie sehr giftig sind für nützliche Insekten wie Bienen.  

Glyphosat in Früchtetees im Test nachgewiesen

Neben Chlorpyrifos und Carbaryl hat das Labor weitere Pestizidrückstände in den Früchtetees gefunden. Unter anderen das besonders umstrittene krebsverdächtige Spritzmittel Glyphosat, das wir auch in geringen Konzentrationen abwerten.

Zur Erklärung: Weltweit ist Glyphosat das meistgenutzte Herbizid. Die Internationale Agentur für Krebsforschung stuft es als "wahrscheinlich krebserregend" ein. Die Europäische Chemikalienagentur ECHA dagegen sieht keinen Krebsverdacht. Fest steht: Die Anwendung von Glyphosat ist schädlich für die Artenvielfalt im Erntegebiet.

In vier Früchtetees werten wir aus unserer Sicht erhöhte Gehalte der bienenschädlichen Substanz Cypermethrin ab.

7 Tipps für guten Früchtetee

Das gilt es beim Aufbrühen von Früchtee zu beachten: 

  1. Pro Tasse einen gehäuften Teelöffel bzw. einen Teebeutel aufbrühen; für eine Kanne entsprechend mehr.
  2. Wie lange der Tee ziehen sollte, steht auf der Packung. Minimum für Früchtetee sind fünf Minuten; für vollen Geschmack besser zehn Minuten oder länger.
  3. Für Eistee die doppelte Menge Tee überbrühen und nach dem Ziehen über Eiswürfel gießen. Das schnelle Abkühlen bewahrt das Aroma besonders gut.
  4. Bei weichem, kalkarmem Wasser entfaltet sich das Aroma am besten. Den Härtegrad Ihres Leitungswassers erfahren Sie übers kommunale Wasserwerk.
  5. Früchte- ebenso wie Kräutertee nur mit frischem, sprudelnd kochendem Wasser aufbrühen, um mögliche Keime abzutöten, die bei Naturprodukten trotz sorgfältiger Ernte und Verarbeitung vorkommen können.
  6. Je mehr Platz die Bestandteile der Tees beim Aufgießen haben, desto besser entwickeln sie ihr Aroma. Idealerweise losen Tee in einer Kanne aufgießen und über ein Sieb in eine Tasse oder eine andere Kanne umfüllen.
  7. Früchtetees wie auch andere Teesorten am besten luftdicht an einem trockenen, dunklen Ort aufbewahren und nicht neben stark riechenden Gewürzen oder Kräutern lagern.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Im Test sind 20 nicht-aromatisierte Früchtetees. Die meisten stecken in einem Teebeutel, in zwei Fällen handelt es sich um lose Ware. Hauptzutaten der Mischungen sind Hagebuttenschalen und Hibiskusblüten; etliche Produkte enthalten darüber hinaus Bestandteile von Äpfeln, einige auch Schalen von Orangen oder anderen Zitrusfrüchten, dunkle Beeren oder weitere getrocknete Pflanzenteile. Die Tees haben wir in Super- und Drogeriemärkten, Discountern, Bio-Läden und im Fachgeschäft eingekauft. 15 Produkte tragen ein Bio-Siegel, bei fünf Tees stammen die Rohstoffe aus konventionellem Anbau. Für 100 Gramm zahlten wir zwischen 86 Cent und 9,88 Euro.

Die von uns beauftragten Labore haben die Früchtetees auf Rückstände von Pestiziden, das krebserregende Schimmelpilzgift Ochratoxin A und die Schwermetalle Blei und Cadmium untersucht. Mischungen, die Kräuterbestandteile wie Pfefferminze, Honigbusch, Brombeer- oder Orangenblätter enthalten, haben wir außerdem auf Pyrrolizidinalkaloide (PA) analysieren lassen. Diese giftigen Pflanzenstoffe kommen natürlicherweise in Beikräutern vor, die versehentlich mitgeerntet werden. Für den Menschen sind Alkaloide gesundheitsgefährdend.

Um Früchtetees sicher zuzubereiten und mögliche Keime abzutöten, ist es wichtig, sie mit sprudelnd kochendem Wasser aufzubrühen. Wir haben daher überprüft, ob dieser Hinweis auf allen Testprodukten deklariert ist. Außerdem haben wir die Verpackungen auf umweltschädliche Verbindungen wie PVC untersuchen lassen.

Bewertungslegende 

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um fünf Noten: der Nachweis von Chlorpyrifos in einem gemessenen Gehalt, der die in der Verordnung (EU) 2020/1085 für Lebensmittel festgelegte "allgemeine Höchstmenge" von 0,01 mg/kg überschreitet (in der Tabelle "Chlorpyrifos sehr stark erhöht"). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) 3 bis 6 nachgewiesene Pestizide; b) ein gemessener Pestizidgehalt, der mehr als 10 bzw. mehr als 20 Prozent der gesetzlichen Rückstandhöchstmengen ausschöpft, wenn diese bei 0,1 mg/kg oder höher bzw. bei 0,05 bis 0,1 mg/kg liegen (in der Tabelle: "erhöht"); c) ein bis zwei als besonders bedenklich eingestufte Pestizide in gemessenen Gehalten von jeweils mehr als 0,01 mg/kg (hier: Glyphosat, Chlorpyrifos, Carbaryl und Cypermethrin). Als besonders bedenklich werden Pestizide eingestuft, wenn sie PAN-gelistet sind (in Gruppe 2 oder als bienentoxisch), nach EU-Datenbank oder ECHA kanzerogen oder reproduktionstoxisch sind oder aus Gründen der Toxizität in der EU nicht mehr zugelassen sind; d) ein nicht in der EU zugelassenes Pestizid in gemessenen Gehalten von jeweils mehr als 0,01 mg/kg (hier: Chlorpyrifos, Carbaryl), wenn nicht bereits wegen einer Höchstmengenüberschreitung um fünf Noten abgewertet wurde.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) Plastikfolie um einem Pappkarton. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das "unterhalb der Bestimmungsgrenze" der jeweiligen Testmethode.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.   

Testmethoden

Blei, Cadmium: Aufschluss nach DIN EN 13805:2014, Messung mit ICP-MS nach DIN EN 15763:2010
Pyrrolizidinalkaloide: LC-MS/MS (nach der Methode "Bestimmung von Pyrrolizidinalkaloiden mittels SPE-LC-MS/MS" des BfR). Die Analyse beinhaltet die Bestimmung von insgesamt 28 PA: Echimidin, Echimidin-N-oxid, Erucifolin, Erucifolin-N-oxid, Europin, Europin-N-oxid, Heliotrin, Heliotrin-N-oxid, Intermedin, Intermedin-N-oxid, Jacobin, Jacobin-N-oxid, Lasiocarpin, Lasiocarpin-N-oxid, Lycopsamin, Lycopsamin-N-oxid, Monocrotalin, Monocrotalin-N-oxid, Retrorsin, Retrorsin-N-oxid, Senecionin, Senecionin-N-oxid, Seneciphyllin, Seneciphyllin-N-oxid, Senecivernin, Senecivernin-N-oxid, Senkirkin, Trichodesmin. Zusätzlich wurden folgende 14 PA miterfasst: Indicin, Indicin-N-oxid, Echinatin, Echinatin-N-oxid, Rinderin, Rinderin-N-oxid, Integerrimin, Integerrimin-N-oxid, Heliosupine, Heliosupine-N-oxid, Spartioidine, Spartioidine-N-oxid, Usaramine, Usaramine-N-oxid.
Ochratoxin A: DIN EN 14132:2009 (modifiziert), HPLC mit Fluoreszenzdetektion
Pestizid-Screening: GC-MS/MS und LC-MS/MS.
Glyphosat, Aminomethylphosphonsäure (AMPA), Glufosinat: LC-MS/MS.
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: November 2021 

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