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Alternative Bodenbeläge im Test: Wie schneiden die Fertigböden ab?

Jahrbuch für 2016 | Kategorie: Bauen und Wohnen | 09.10.2015

ÖKO-TEST hat 11 alternative Bodenbeläge getestet. Welche sind empfehlenswert?
Foto: Dmitry Kalinovsky/Shutterstock

Mehrschichtige Bodenbeläge mit Klicksystem ermöglichen es, recht einfach einen Raum Stück für Stück auszulegen. Sowohl in der Praxisprüfung als auch in der chemischen Analyse lieferten die getesteten Produkte überwiegend positive Ergebnisse.

Aktualisiert am 09.10.2015 | Holz sieht schön aus, da sind sich die Verbraucher einig, aber für viele soll es dann doch kein echtes Holz sein. Sie halten Kunststoffoberflächen für unkomplizierter, pflegeleichter. Nach Laminat, das als Oberfläche ein lackiertes Dekorpapier hat, gibt es heute zunehmend andere Kunststoffoberflächen auf einer Trägerschicht, auch hier oft ein Holzimitat.

Doch es werden noch andere Oberflächen eingesetzt. So wird auch Linoleum für Heimwerker interessant - ein Material, das schon Mitte des 19. Jahrhunderts von einem Chemiker entwickelt wurde. Leinöl, Naturharze sowie Mehl aus Kalksandstein, Holz oder Kork sind die wesentlichen Bestandteile des heute hergestellten Linoleums. Linoleum hat viele positive Eigenschaften, es ist warm, dämpfend, rutschhemmend, strapazierfähig, pflegeleicht, antibakteriell, antistatisch. Lediglich alkalische Mittel sind tabu, sie verfärben oder zerstören das Material. Linoleumböden halten bis zu 40 Jahre und auch länger.

Alternative Bodenbeläge im Test: Mehrzahl ist empfehlenswert

ÖKO-TEST hat elf Fertigböden mit verschiedenen Oberflächen eingekauft. Wir wollten wissen, ob sie Schadstoffe enthalten oder ausgasen und wie sie sich im Gebrauch verhalten. Das Ergebnis: Die meisten Bodenbeläge schneiden mit "sehr gut" oder "gut" ab. Drei Hersteller werden allerdings auch schlechter bewertet.

Die meisten Bodenbeläge im Test sind empfehlenswert.
Die meisten Bodenbeläge im Test sind empfehlenswert. (Foto: Dmitry Melnikov/Shutterstock)

Kritische Inhaltsstoffe in getesteten Bodenbelägen

Um ausdünstende Verbindungen - VOC und Formaldehyd - braucht sich der Heimwerker nicht zu sorgen. Teilweise waren keine raumluftbelastenden Stoffe nachweisbar, ansonsten nur in geringen Mengen. Selbst beim Am meisten gaste der Avatara Multisense Schiffsboden aus, der Wert lag gerade noch unter unserer strengen Abwertungsgrenze.

Giftige zinnorganische Verbindungen wurden zumindest in Spuren in allen Belägen nachgewiesen. In zwei Produkten halten wir die Mengen an hormonell wirksamem Dibutylzinn jedoch für zu hoch. Ebenfalls in drei Produkten stecken umstrittene halogenorganische Verbindungen.

Die elektrostatische Aufladung ist überwiegend gering und akzeptabel. Nur auf zwei Kunststoffoberflächen können bei Reibung leicht erhöhte Oberflächenspannungen auftreten. Elastische Bodenbeläge ohne Trägerplatte schneiden hier deutlich schlechter ab.

Ein Bodenbelag in Holzoptik sieht edel aus und ist pflegeleicht.
Ein Bodenbelag in Holzoptik sieht edel aus und ist pflegeleicht. (Foto: New Africa/Shutterstock)

Bodenbeläge in der Praxisprüfung: Einige Hersteller mit Mängeln

In den Praxisuntersuchungen erfüllten alle Produkte in Bezug auf die getesteten Eigenschaften die entsprechenden Normen. Geprüft wurde, wie belastbar der Boden ist, ob sich Spuren auf ihm abzeichnen, wenn längere Zeit ein schweres Möbelstück darauf steht. In fast allen Fällen war der Eindruck sehr gering. Lediglich ein Fertigparkett liegt mit 0,2 Millimetern genau im Grenzbereich dessen, was die Norm noch zulässt.

Wenn Feuchtigkeit einwirkt, können die Fertigböden aufquellen. Die meisten Produkte würden jedoch noch die Anforderungen an einen stark belastbaren Bodenbelag im gewerblichen Bereich erfüllen. Nur zwei Produkte sind etwas feuchteempfindlicher, erfüllen jedoch die Anforderungen für den Wohnbereich. Ein weiterer Hersteller mit Beanspruchungsklasse 32 allerdings mehr versprochen. Für das oben genannte Fertigparkett konnten wir weder auf dem Etikett noch im Internet eine Angabe zur Beanspruchungsklasse finden - nicht gerade verbraucherfreundlich, zumal die Angabe erforderlich ist, wenn der Hersteller Bezug auf die Norm nimmt.

Diesen Test haben wir bereits im ÖKO-TEST Ratgeber Bauen & Wohnen 2015 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2016 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Der Einkauf: Aktuell werden die neuen, mehrschichtig modularen Bodenbeläge als Alternativen zu Laminat und PVC beworben, auch unsere Verbraucherberatung wird immer wieder dazu befragt. Wir haben insgesamt elf solcher Klickbeläge eingekauft, sieben mit Linoleum-, drei mit Kunststoffund einer mit einer Kunstharz gebundenen Holzfaseroberfläche. Bis auf zwei Ausnahmen sind sie elastisch. Die Fertigböden sind mit circa 24 bis über 50 Euro pro Quadratmeter nicht ganz billig.

Die Inhaltsstoffe: Bei Bodenbelägen, mit denen ein ganzer Raum ausgelegt ist, interessiert besonders, inwieweit sie problematische Verbindungen – vor allem auch krebsverdächtiges Formaldehyd – ausgasen. Durch den mehrschichtigen Aufbau und die verschiedenen Materialien, die in einem Fertigboden verarbeitet sind, gibt es zudem etliche mögliche Quellen für andere bedenkliche oder umstrittene Inhaltsstoffe. Wir ließen die Produkte deshalb auf zahlreiche mögliche Stoffe untersuchen.

Die elektrostatische Oberflächenspannung: Bodenbeläge können sich durch Reibung elektrostatisch aufladen. Im Labor wurden alltagstypische Belastungen bei üblichen Raumbedingungen nachgeahmt und gemessen, wie viel Spannung sich dabei über dem Boden aufbauen kann.

Die Praxisprüfung: Wie belastbar und wie feuchteempfindlich sind die Bodenbeläge? Denn bei Fertigböden kann Wasser, zum Beispiel durch feuchtes Wischen, in die Fugen eindringen. Wir ließen prüfen, inwieweit die Böden bei Feuchtigkeit aufquillen und welche Spuren schwere Möbel auf den Oberflächen hinterlassen.

Die Weiteren Mängel: Wir schauten uns auch an, wie die Hersteller ihre Produkte ausloben. Stimmt die angegebene Beanspruchungsklasse mit der von der Dickenquellung abgeleiteten Eignung überein? Wird überhaupt eine Angabe zur maximalen Beanspruchung gemacht? Das ist für die Kaufentscheidung wichtig.

Die Bewertung: Jeweils einen Minuspunkt gibt es für umstrittene Inhaltsstoffe, für eine leicht erhöhte Oberflächenspannung und für moderate Mängel bei der Praxisprüfung. Strenger werten wir besonders bedenkliche Stoffe, wie das hormonell wirksame Dibutylzinn, ab. Da wir sowohl die Inhaltsstoffe wie auch die Praxisprüfung besonders wichtig finden, kann das Gesamturteil nicht besser sein als das schlechteste dieser Einzelergebnisse.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testurteil Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: mehr als 100 bis 1.000 µg/kg Dibutylzinn. Zur Abwertung um eine Note führen: halogenorganische Verbindungen.

Bewertung Testergebnis elektromagnetische Oberflächenspannung: Unter dem Testurteil elektromagnetische Oberflächenspannung führt zur Abwertung um eine Note: eine leicht erhöhte Oberflächenspannung von mehr als 1.000 bis unter 3.000 Volt. Unter dem Testurteil Praxisprüfung führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) eine mäßige Belastbarkeit (hier: ein Resteindruck von 0,2 mm); b) eine mäßige Feuchtigkeitsbeständigkeit = eine Dickenquellung von mehr als 18 bis 20 Prozent.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) angegebene Beanspruchungsklasse nicht erreicht; b) keine Angabe der Beanspruchungsklasse, obwohl das Produkt nach EN 14085 deklariert ist.

Das Gesamturteil beruht auf den Testergebnissen Inhaltsstoffe, elektrostatische Oberflächenspannung und Praxisprüfung. Es kann aber nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe beziehungsweise das Testergebnis Praxisprüfung. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Testergebnis Praxisprüfung um eine Note.  

Testmethoden

Inhaltsstoffe: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen im Produkt, Schwermetalle: Röntgenfluoreszenzanalyse. Silber, Kupfer (bei antibakterieller Ausrüstung): Totalaufschluss in der Mikrowelle; Elementbestimmung mittels ICP-MS. Halogenorganische Verbindungen: Elution mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur; Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Weichmacher/Flammschutzmittel: GC/MS nach Extraktion und Derivatisierung. Flüchtige organische Verbindungen (VOC): Emissionsprüfzelle nach 24 Stunden; GC-MS nach Thermodesorption. Formaldehydemission: Emissionsprüfzelle nach 24 Stunden; HPLC-DAD nach Desorption. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK): GC-MSD, 25 PAK nach EU/EPA/JECFA. Zinnorganische Verbindungen: NaDDTC, EtOH, Hexan, NaBEt4, GC-AED.


Elektrostatische Oberflächenspannung: Messung nach alltagstypischer Reibung bei 20-21 °C und 43-50 % relativer Luftfeuchte ohne leitenden Unterboden; ca. 1.000 cm² Bodenbelag, Proben waren vorab mehrere Tage den Klimabedingungen ausgesetzt, Luftionisation im Messraum 600-800 Ionen pro Kubikzentimeter; Untergrund: ein schwimmend über Polystyrol verlegter Holzfußboden oder direkt Polystyrol; Oberflächen wurden 5-10 Sekunden vor der Messung mit alltagstypischen Reibungen provoziert (Schuhe mit verschiedenen Sohlen, Handfläche, verschiedene Textilien); die Messungen der Oberflächenspannungen wurden mindestens fünf Mal wiederholt, die Widerstandsmessungen mindestens drei Mal; die Oberflächenwiderstandsmessungen wurden im Abstand der Messelektroden von 10 cm durchgeführt; verwendete Messgeräte: Elektrofeldmeter EFM 022, EFM 110 bzw. EFM 251, Tera-Ohm-Meter TOM 374 mit verschiedenen Messelektroden, Insulation-Tester Beha Typ Giga Ohm 93406, Feuchte- und Temperaturmessgerät Testo 615, Luftionenmessgerät Ionometer IM 5005.
Praxisprüfung: Resteindruck (Belastbarkeit): nach DIN EN ISO 24343-1:2012-4 (Elastische und Laminat-Bodenbeläge - Bestimmung des Eindrucks und des Resteindrucks - Teil 1: Resteindruck (ISO 24343-1:2007). Dickenquellung (Feuchtebeständigkeit): in Anlehnung an DIN EN ISO 24336:2005-03 (Laminatböden - Bestimmung der Dickenquellung nach Wasserlagerung); abweichend von den Vorgaben der Prüfnorm wurde die Dickenquellung am Gesamtaufbau ermittelt, nachgiebige Schichten auf der Unterseite des Fußbodens wurden nicht entfernt; sehr gut = max. 15 % Dickenquellung, in Ordnung = mehr als 15 bis 18 % Dickenquellung, mäßig = mehr als 18 bis 20 % Dickenquellung.

Einkauf der Testprodukte: Mai 2014

Diesen Test haben wir bereits im ÖKO-TEST Ratgeber Bauen & Wohnen 2015 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2016 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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