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12 Raufaser-Tapeten im Test

Jahrbuch für 2016
vom 09.10.2015

Tapeten, Raufaser

Ziemlich weiße Weste

Sie erscheint schlicht und ist für jeden Farbton offen: In zwei von drei Haushalten kleben Raufasertapeten an den Wänden. Recht so: Sowohl im Praxistest als auch in der chemischen Analyse zeigten die getesteten Produkte nur kleinere Mängel.

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09.10.2015 | Wir haben zehn Raufasertapeten und zwei Vliesraufasertapeten eingekauft und auf Schadstoffe untersuchen lassen. In einem Praxistest ließen wir die Handhabung beim Tapezieren prüfen.

Das Testergebnis

Elf der zwölf Raufasertapeten im Test schnitten mit dem Gesamturteil "gut" ab, sie zeigten kaum Schwächen - sowohl im Test Inhaltsstoffe als auch während der Praxisprüfung. Dort erreichten fünf Produkte die Bestnote. Nur ein Produkt stürzte tief ab.

Alle zwölf Raufasern enthalten halogenorganische Verbindungen. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von mehreren Tausend Stoffen, die Brom, Jod oder Chlor enthalten. Viele gelten als allergieauslösend. Einige erzeugen Krebs. Bei Tapeten mit einem Altpapieranteil von 80 oder 100 Prozent spricht einiges dafür, dass die halogenorganischen Verbindungen aus Altpapier stammen können, das noch mit Chlor gebleicht worden ist.

Wer nur alle paar Jahre zu Tapezierwischer und Kleister greift, freut sich über eine Verarbeitungsanleitung, die keine Fragen offenlässt. Solch eine ausführliche Anleitung liegt nur fünf der zwölf Produkte bei. Gelungen sind aus Sicht unseres Tapetenexperten die Anleitungen zu den vier Erfurt-Eigenprodukten sowie die Informationen, die der Tapete Qualitäts Raufaser, grobe Körnung vom Anbieter Hornbach beiliegen. Abgewertet haben wir dagegen die Verarbeitungsanleitungen von sieben Produkten. Hier hätten Piktogramme die Arbeitsschritte anschaulicher gemacht. Außerdem fehlte uns bei den sechs erstgenannten Tapeten eine ausführlichere Beschreibung der Schritte, die notwendig sind, um den Untergrund vorzubereiten. Solch eine Beschreibung enthält zwar die Anleitung der Tapete Atlantis Rauhfaser Nr. 5, grob weiss, allerdings fehlen hier hilfreiche Piktogramme.

Beim Tapezieren zeigten sich elf Produkte reißfest. Lediglich die Rauhfaser, mittel weiß riss bei der Verarbeitung teilweise ein.

Alle Hersteller der Raufasertapeten im Test legen sich bei der empfohlenen Weichzeit nicht auf eine exakte Angabe fest, sondern nennen einen Zeitraum, währenddessen die Tapete im Kleister einweichen soll. Die beiden Vliesraufasertapeten müssen nicht einweichen. Sie werden trocken auf das vorgekleisterte Wandstück tapeziert.

Im Praxistest stellte sich heraus, dass bei allen Raufasern die kürzere Weichzeit zu empfehlen ist. Denn dann ließ sich die Raufaser leichter an die Wand bringen. Gerade das Tapezieren per Moosgummirolle gestaltete sich nach längerer Weichzeit mit neun der zwölf Testtapeten immer schwieriger. Ein gleichmäßiges Andrücken war dann fast nicht mehr möglich, da sich Falten bildeten. Nur die Produkte Erfurt Vlies-Rauhfaser Classico und Elegance sowie die Raufaser von Obi ließen sich auch mit Gummirolle problemlos an die Wand bringen. Mit dem Tapezierwischer gelang das Tapezieren dagegen bei elf der zwölf Produkte gut. Deshalb haben wir auch nicht abgewertet. Anders als beim Produkt Rauhfaser, mittel weiß: Hier verhielt sich die Tapete beim Einsatz des Tapezierwischers teilweise inst

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben zwölf Raufasertapeten - mit dabei auch zwei Vliesraufasertapeten mit Textilanteilen - in den bekannten Baumärkten sowie in Möbel- und Einrichtungshäusern gekauft. Ausgewählt haben wir Eigenmarken der Baumärkte und Möbelhäuser sowie Produkte des europäischen Marktführers für Raufaser, Erfurt & Sohn aus Wuppertal. Es spiegelt das Marktangebot wider, dass wir mehrere Produkte von Erfurt & Sohn für den Test auswählten. Eingekauft haben wir die Rollenmaße 25 mal 0,53 Meter sowie 15 mal 0,53 Meter.

Der Praxistest
Wie sich die einzelnen Tapeten verarbeiten lassen, prüfte ein Berufsschulfachlehrer und Malermeister mit seinem Team. Sie studierten die Verarbeitungsanleitung der Produkte sowie deren Handhabung beim Tapezieren.

Verarbeitungsanleitung: Welche Kleisterart wird empfohlen? Sind die Weichzeiten angegeben? Was verrät die Anleitung über die
entscheidende Vorbereitung des Untergrundes? Helfen Piktogramme und narrensichere Erläuterungen auch "Gelegenheitshandwerkern" zum Ziel? Antworten auf diese Fragen suchte der Praxisprüfer in den Verarbeitungsanleitungen der Tapeten.

Handhabung beim Tapezieren: Der Tapezier-Super-GAU? Wenn die Tapete reißt. Und Blasen zwischen Untergrund und Wandbekleidung will auch niemand. Bahn um Bahn klebten die Praxisprüfer die Tapeten auf den schulmäßig vorbereiteten Untergrund. Dabei prüften sie, ob etwas reißt, sich Blasen bilden. Die Handwerker arbeiteten sowohl mit dem Tapezierwischer als auch mit der Gummirolle, trennten Überstände mit Schere und Tapetenabreißer.

Die Inhaltsstoffe
Wir ließen die Tapeten auf giftige flüchtige organische Verbindungen untersuchen, die oft in Wandmaterialien enthalten sind, ausdünsten und in die Raumluft gelangen. Zum Prüfprogramm gehörte auch der Nachweis halogenorganischer Verbindungen. Das ist eine Gruppe von Verbindungen, zu der auch krebserregende und allergieauslösende Stoffe gehören.

Die Weiteren Mängel
Ein Entsorgungshinweis in der Verarbeitungsanleitung sollte aus Gründen des Umweltschutzes und des Verbraucherservices Standard sein. Wo dieser Hinweis fehlt, werten wir ab.

Die Bewertung
Tapeten müssen schadstofffrei sein, da wir uns ständig in ihrer Nähe aufhalten und sie die Qualität der Raumluft etwa durch flüchtige organische Verbindungen belasten können. Genau so wichtig wie ein sauberes Produkt ist aber auch eines, dessen Verarbeitungsanleitung keine Fragen offen und das sich gut verarbeiten lässt. Deshalb kann das Gesamturteil nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis beim Praxistest beziehungsweise dem Test Inhaltsstoffe.

So haben wir getestet

Harter Kern: Raufasertapeten trennt man besser mit dem Tapetenabreißer.

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