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10 Kinderwagen im Test

Ganz sicher nicht

ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013 | Kategorie: Kinder und Familie | 11.01.2013

10 Kinderwagen im Test

Kinderwagen können ein kleines Vermögen kosten. Doch in unserem Test zeigten alle Marken Schwächen. Das Modell von Hauck steckte so voller Schadstoffe, dass es nicht einmal hätte verkauft werden dürfen; am "Sicherheitsband" des Bugaboo kann sich ein Kind erdrosseln. Immerhin gibt es auch eine "gute" und zwei "befriedigende" Alternativen.

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Die ersten Kinderwagen hierzulande hat man gezogen und nicht geschoben: Babys wurden in beräderten Weidenkörbchen herumkutschiert. Heute sind die Wünsche der Eltern sehr unterschiedlich. Großstädter bevorzugen leichte, wendige Modelle mit schwenkbaren Vorderrädern, die sich leicht durchs Gedränge in der U-Bahn navigieren lassen.

Auf dem Lande sind gut gefederte Modelle mit größeren Reifen beliebt.

Wir haben zehn Kombikinderwagen für den Transport vom Säugling bis zum Kleinkind eingekauft. Im Alltag sollen die Wagen praktisch sein und gleichzeitig einiges aushalten, wenn Mama und Papa mitsamt Nachwuchs über Stock und Stein düsen. Ob sie diesen Herausforderungen gewachsen sind, ließ ÖKO-TEST in einer umfangreichen Praxisprüfung feststellen. Außerdem wurden Polster, Griffe, Verdecke und weitere Teile im Labor auf Schadstoffe untersucht.

Das Testergebnis

Leider müssen wir den Anbietern gehörig an den Karren fahren; die Kinderkutschen stecken voller übler Substanzen. Außerdem erwiesen sich einige als klobig, klapprig oder wenig kindgerecht. Drei von zehn Wagen fallen mit "ungenügend" durch.

Einer davon ist der Hauck Boston Air, Trio Navy. Das Modell enthält im Stoff deutlich mehr verbotenes p-Aminoazobenzol als gesetzlich toleriert und ist damit nicht verkehrsfähig. P-Aminoazobenzol gehört zur Gruppe der aromatischen Amine, von denen sich einige im Tierversuch als krebserregend erwiesen haben. Damit nicht genug: Auch die Etiketten des Hauck-Modells sind mit Schadstoffen gespickt, darunter Weichmachern, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und phosphororganischen Verbindungen.

Auch in den anderen Babywagen stecken jede Menge Schadstoffe, teilweise im Hauptmaterial, teilweise in den Etiketten - und manchmal in beidem. Besonders problematisch ist die Stoffgruppe der PAK, von denen einige krebserregend sind und über die Haut aufgenommen werden können. Besonders hohe Gehalte fand das Labor in den Griffen der Kinderwagen von Baby-Welt (Mon Booster +) und Hauck. Auch in den Griffen der Modelle von Hartan, Teutonia, ABC-Design, Gesslein und Quinny stecken PAK.

Unter Krebsverdacht steht ebenfalls der Farbstoffbestandteil Anilin. Er wurde im Quinny Buzz 4 + Dreami Kinderwagenwanne, Electric Blue, im Chicco Trio Living Completo, Fb. Luxor-Orange und im Gesslein Future 1, Fb. 177222 nachgewiesen. Anbieter Gesslein erklärte sich immerhin bereit, die entsprechenden Stoffbezüge zurückzunehmen und auszutauschen.

Anders der knallrote Bugaboo Bee + Babykokon. Hier ist die Liste der gefundenen Schadstoffe nicht ganz so lang, dafür hagelt es Abzüge in puncto kindgerechter Gestaltung. Wichtigster Grund: Der "Sicherheitsriemen" am Schieber, den Eltern ums Handgelenk tragen sollen, ist überflüssig und zudem gefährlich, da Kinder in der Schlaufe hängen bleiben können. Das sah der TÜV Süd anders und gab dem Bee + ein GS-Zeichen. "Zu Unrecht", meinen unsere Tester und auch die Experten ...


Kinderwagen: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Mon Booster +, Softtasche Varus SL, Farbe 614 (Black Snake)
  • Baby Welt

Gesslein Future 1, Fb. 177222
  • Gesslein

Hartan Topline X, Softtasche, Farbe 279
  • Hartan

ABC Design Turbo 6 S, Design Ranger, Kombi-Kinderwagen
  • ABC Design

Chicco Trio Living Completo, Fb. Luxor-Orange
  • Artsana

Emmaljunga Mondial Duo Combi 3-in-1, Navy
  • Emmaljunga

Bugaboo Bee + Babykokon, Rot
  • Bugaboo

Hauck Boston Air, Trio Navy
  • Hauck

Teutonia Mistral S Dessin 4210, Tasche 4205, Rad 60
  • Teutonia

Quinny Buzz 4 + Dreami Kinderwagenwanne, Electric Blue
  • Quinny

10 Kinderwagen im Test
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013 Seite 152
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013 Seite 153
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013 Seite 154
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013 Seite 155
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013 Seite 156
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013 Seite 157

6 Seiten
Seite 152 - 157 im ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013
vom 11.01.2013

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Ein klassischer Kinderwagen mit fester Liegefläche ist meist schön geräumig. Allerdings sind die Modelle auch sehr sperrig und Eltern oft genervt, wenn der Nachwuchs nach nur wenigen Monaten aus seinem fahrbaren Untersatz hinaus wächst. Die praktische Lösung sind Kombimodelle, die ab Geburt mit Liegewanne, Aufsatz oder Tragetasche und später - wenn der Kleine aufrecht sitzen kann - als Sportwagen genutzt werden. Weil sie zudem am häufigsten nachgefragt werden, haben wir bei unserem Einkauf nur die "Alleskönner" berücksichtigt. Was die Ausstattung betrifft, sind die Wünsche der Eltern sehr unterschiedlich. Großstädter bevorzugen leichte, wendige Modelle mit schwenkbaren Vorderrädern, die sich leicht durchs Gedränge in der U-Bahn navigieren lassen. Auf dem Lande sind eher gut gefederte Modelle mit größeren Reifen beliebt. Ob Cityflitzer, Landrover oder Allrounder - wir haben für jeden Geschmack etwas im Test dabei.

Die Praxisprüfung

Der Kinderwagen gehört mit zu den teuersten Anschaffungen, die junge Eltern machen. Klar, dass sie für ihr Geld auch gute Qualität wollen. Wir ließen die Kinderwagen von den Spezialisten für "muskelbetriebene Fahrzeuge", von velotech.de aus Schweinfurt, nach dem neuesten Stand der Sicherheitstechnik untersuchen. Dabei orientierten wir uns an der Kinderwagen-Norm EN 1888. Demnach dürfen sich keine scharfen Kanten, Quetschstellen, lange Schnüre oder Bänder im Greifraum des Kindes befinden, mechanische Teile und Bremsen müssen gut befestigt und sicher sein, außerdem dürfen die Wagen auf einer schiefen Ebene nicht kippen und müssen auch mal einen kräftigen Stoß gegen eine Bordsteinkante aushalten. Teilweise gingen unsere Anforderungen aber auch über die Vorgaben der Norm hinaus, etwa beim Härtetest auf dem Rollenprüfstand oder hinsichtlich der Prüfung des Gurtsystems, bei der wir zusätzlich die Festigkeit jedes Gurtes einzeln kontrollieren ließen.

Die Inhaltsstoffe

In Kinderwagen hatten wir bereits in vergangenen ÖKO-TESTs wahre Schadstoffcoktails gefunden. Entsprechend umfangreich war auch diesmal unser Prüfprogramm: Die Polsterbezüge ließen wir auf Bausteine von Azo-Farben untersuchen, die als krebserregend gelten, auf allergisierende Dispersionsfarbstoffe, optische Aufheller und halogenorganische Verbindungen, die ebenfalls Farbbestandteile sein können. Um Textilien schmutzabweisend, wind- und wetterfest zu machen, setzen einige Hersteller Imprägnierungen auf Basis perfluorierter Verbindungen oder deren Vorläufer ein. In den Griffen stecken oft polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Phthalate, Weichmacher und Flammschutzmittel können unter anderem in den Sichtfenstern enthalten sein.

Die Bewertung

Kinderwagen sollten in erster Linie kindgerecht gestaltet, gut verarbeitet und einfach zu handhaben sein, nur dann erfüllen sie ihren Zweck und sind sicher im Gebrauch. Deshalb geht das Ergebnis der Praxisprüfung mit 60 Prozent ins Gesamturteil ein. Ein Modell, dessen Vorderrad schon zur Hälfte der Prüfstrecke abfiel, sollten Eltern besser nicht kaufen, zu lange Bänder sind für Kinder ebenfalls ein hohes Risiko. Solche Karren können wir in der Praxisbewertung und im Gesamturteil nicht besser als mit "ungenügend" bewerten. Ein Kinderwagen muss aber auch frei von Schadstoffen sein. Produkte, die diesbezüglich nicht verkehrsfähig sind, können ebenfalls nur "ungenügend" sein.

ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013
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