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21 Vitamin-C + Zink-Präparate im Test

Spezial Vitamine
vom 13.02.2015

Vitamin-C + Zink-Präparate

Dagegen sind wir immun

Wer Pillen mit Zink und Vitamin C schluckt, kann eine Erkältung weder verhindern noch heilen. Studien, die zwischenzeitlich Hoffnungen darauf weckten, hielten einer genauen Prüfung nicht stand. Sinnvoller und günstiger ist es, den Versprechen der Hersteller gegenüber immun zu werden.

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13.02.2015 | Eine Pille, die wirksam Erkältungen heilt - das dürfte der Traum so manchen Herstellers von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln sein. Das Präparat würde pünktlich mit Beginn der nasskalten Jahreszeit reißenden Absatz finden - und zwar alle Jahre wieder. Denn in der Hoffnung, das lästige Kratzen im Hals, die Hustenattacken und die Schniefnase schnellstmöglich loszuwerden, sind erkrankte Mitmenschen bereit, viel Geld für Erkältungsmittel in Apotheken oder Drogerien zu lassen. Obwohl seit Jahren klar ist: "Vitamin-C- und Zinktabletten verhindern oder heilen Erkältung nicht." Das schrieb die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) schon 2008 und erklärte: "Die Wirksamkeit der Supplementation von Vitamin C und Zink zur Prävention und Behandlung von Erkältungen in der Allgemeinbevölkerung ist wissenschaftlich nicht bewiesen."

Das galt zumindest bis zum Februar 2011, dann sah jedoch plötzlich alles ganz anders aus. "Zink hilft bei Erkältungen", titelte Spiegel Online, "Zink reduziert Erkältungsdauer", hieß es bei Focus Online, "Zink hilft gegen Erkältungen - kürzere und weniger Beschwerden bei grippalen Infekten", verkündete die Süddeutsche Zeitung.

Für den Aufruhr sorgte nicht etwa eine neue klinische Studie. Stattdessen hatten sich Meenu Singh und Rashmi Das vom medizinischen Ausbildungs- und Forschungsinstitut in Chandigarh, Indien, die Arbeit gemacht, Datenbanken nach Zink und Erkältungen zu durchforsten. Sie suchten nach Studien, in denen Zinkpräparate entweder therapeutisch zu Beginn einer Grippe oder dauerhaft vorbeugend eingenommen wurden. Sie fanden 15 kontrollierte Studien mit insgesamt 1.360 Teilnehmern, in denen Zink mit einem Scheinmedikament verglichen wurde und kommen tatsächlich auf den ersten Blick zu Schlussfolgerungen, die die Einnahme von Zink zu rechtfertigen scheinen: Wird das Spurenelement innerhalb der ersten 24 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome eingenommen, dauert die Erkältung bei ansonsten gesunden Menschen weniger lang und verläuft weniger schwer. Kinder, die für mindestens fünf Monate täglich 10 bis 15 Milligramm (mg) Zink geschluckt hatten, litten seltener an Erkältungen und ihnen wurden weniger Antibiotika verschrieben.

Der Teufel steckt jedoch im Detail. Zum einen sind die beobachteten Effekte bescheiden: Die Dauer der Erkältung verkürzte sich im Mittel gerade einmal um einen Tag. Zudem war man bei der Dosierung nicht zimperlich: Die Erwachsenen nahmen täglich 30 bis 160 mg Zink ein. Zum Vergleich: Hierzulande zur Behandlung eines Zinkmangels erhältliche Arzneimittel enthalten gerade einmal bis zu 25 mg Zink in einer Tagesdosis. Da wundert es nicht, wenn in den ausgewerteten Studien immer wieder Nebenwirkungen beschrieben werden. Insbesondere zinkhaltige Lutschtabletten sorgten häufig nicht nur für schlechten Geschmack auf der Zunge, sondern auch für Übelkeit.

Singh und Das machen noch auf zwei weitere Probleme aufmerksam: Für eine allgemeine Empfehlung zur Anwendung von Zink bei Erkältungen reichen die Daten nicht aus. Zudem fehlen Untersuchungen an chronisch Kranken, Immungeschwächten und Asthmapatienten - Menschen also, denen eine Erkältung prinzipiell gefährlich werden kann. Das Wundermittel gegen Erkältungen bleibt also nach wie vor ein Traum - für Betroffene ebenso wie für die Pharmafirmen.

ÖKO-TEST hat 21 Nahrungsergänzungsmittel mit Zink und Vitamin C eingekauft und unter die Lupe genommen.

Das Testergebnis

Die Bilanz ist lausig: Der Großteil der Präparate fällt durch: 16 Mittel schneiden mit "ungenügend", zwei mit "mangelhaft" ab. Gerade mal drei Produkte erreichen ein "ausreichend". Grund: Für einen Nutzen solcher Präparate gibt es keinerlei Belege.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Die Präparate haben wir in Drogerien, beim Discounter, im Reformhaus und in der Apotheke eingekauft. Nahrungsergänzungsmittel, auf denen außer Vitamin C und Zink noch weitere Inhaltsstoffe auf der Verpackung angegeben sind, wurden nicht berücksichtigt.

Die Inhaltsstoffe
Wie viel Zink und Vitamin C die Produkte liefern, wurde anhand der Nährwertangaben und der Verzehrempfehlungen auf den Produkten ermittelt. Wird Acerola als natürliche Vitamin-C-Quelle ausgelobt, haben wir über die Zutatenliste geprüft, ob Zubereitungen aus Acerola tatsächlich ein Hauptbestandteil und damit die Hauptquelle für Vitamin C im Produkt sind.

Die Deklaration
Pillen, die einfach nur die Nahrung ergänzen sollen, werden von Anbieterseite aus mit Auslobungen versehen, die den Verbraucher von ihrer Notwendigkeit überzeugen sollen. Wir haben geprüft, was davon durch Studien belegt und was der Fantasie des Marketings entsprungen ist.

Die Bewertung
Dass keines der getesteten Nahrungsergänzungsmittel mit einem "gut" oder gar "sehr gut" abschneidet, liegt vor allem an dem fehlenden Nutzen für den gesunden Verbraucher. Alles, was in diesen Tabletten und Kapseln steckt, liefert auch eine abwechslungsreiche Ernährung. Ganz schnell im roten Bereich landen die Produkte dann, wenn die Hersteller zu viel versprechen und die Gehalte an Zink und Vitamin C erhöht sind.

So haben wir getestet

Kauf mich, Du brauchst mich - oder nicht? Sind Werbesprüche auf der Verpackung überhaupt durch Studien belegt?