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16 Faszienrollen im Test

ÖKO-TEST Januar 2016
vom 28.12.2015

16 Faszienrollen im Test

Faszinierend?

Verspannungen lösen, Schmerzen lindern, die Leistung der Muskeln erhöhen: Die Hersteller von Faszienrollen versprechen viel. Doch den Nutzen der Schaumstoffwalzen belegen allenfalls gute Erfahrungen - die Datenlage ist bescheiden.

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28.12.2015 | Um Faszien ist ein wahrer Hype entfacht. Das Bindegewebe ist Gesprächsthema, seit Wissenschaftler postulieren, dass Faszien mehr sind als passive Muskelhüllen. Jedes Fitnessstudio, das etwas auf sich hält, bietet spezielle Kurse für geplagte Bürogeister an. Es gibt Faszien-Yoga, Faszien-Pilates und Faszien-Tanz. Für Ärzte ist das Gewebe plötzlich Schmerzquelle, Physiotherapeuten bieten gezielte Massagen an.

"Faszien sind ein Netzwerk, das den Körper zusammenhält und strukturiert", sagt Dr. Robert Schleip, Direktor der bundesweit einzigen Faszienforschungsgruppe an der Universität Ulm. Die klassische Anatomie verstehe unter Faszien lediglich flächiges, derbes Fasergewebe, das einzelne Muskeln und Muskelgruppen netzartig umhülle. Neuere Forschung zähle nun auch Sehnen, Bänder, Gelenkkapseln sowie alle lockeren Bindegewebsformen dazu.

Schleip ist, wenn man so will, Auslöser des Hypes. Der Humanbiologe veranstaltete im Jahr 2007 mit Kollegen den ersten Faszienforschungskongress an der Harvard Medical School in Boston. Wissenschaftler zeigten erstmals Bindegewebsveränderungen anhand von hochauflösenden Ultraschallbildern. Bis dahin führten Faszien ein Schattendasein, so der 61-Jährige, da es keine messbaren Erkenntnisse gegeben habe. Die Fitnessbranche sei dann schnell auf den Zug aufgesprungen.

Ihr Verkaufsschlager sind Faszienrollen aus Schaumstoff in allen erdenklichen Farben, Härtegraden und Oberflächentexturen, meist so lang wie ein Unterarm. Mit den Walzen gleitet man langsam und unter Druck des Körpergewichts über Rücken, Schenkel, Waden oder auch den Allerwertesten. Selbst die Fußballnationalmannschaft trainiert mit den Rollen: "Der jahrelange Einsatz im Leistungssport zeigt, dass es etwas bringt. Mit den Massagerollen lässt sich das Bindegewebe regenerieren und erhalten", ist Klaus Eder, leitender Physiotherapeut der Nationalelf, überzeugt. Die Spieler massieren ihm zufolge bereits seit der Ära Jürgen Klinsmann Beine und Waden ergänzend vor und nach dem Training. "Prinzipiell lassen sich Faszien wie etwa die Oberschenkelfaszie und die kleinen Faszien in Armen und Beinen durch Selbstmassage gut erreichen", meint auch Dr. Ingo Tusk, Chefarzt der Sportorthopädie der Frankfurter Rotkreuz-Kliniken und Arzt der Fußballnationalspielerinnen. Verklebte und versteifte Faszien beobachte er häufig bei chirurgischen Eingriffen. Die Massage mit Faszienrollen könnte folglich helfen, die Dehnbarkeit solch verhärteten Gewebes wieder zu erhöhen. Allerdings massiere man mit den Rollen nicht allein die Faszien, sondern auch immer Haut- und Muskelgewebe mit. Wo genau die positiven Effekte ausgelöst werden, lasse sich also nicht exakt feststellen.

"Faszienmassage ist vergleichbar mit Yoga", ist Forscher Schleip überzeugt. Beides erhöhe Studien zufolge schon kurzfristig die Beweglichkeit, auf lange Sicht könnten sich anhaltende Effekte zeigen. "Für chronische Stubenhocker sind Faszienrollen daher eine kluge Option, um etwas gegen Versteifungen und Verspannung


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So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben Massagerollen von 16 Anbietern gekauft. Darunter Modelle großer Sportmarken, No-Name-Produkte sowie Lizenzkopien des Marktführers Blackroll. Die teuerste Faszienrolle kostete 69,90 Euro, für die preiswerteste zahlten unsere Einkäufer 16,19 Euro. Wichtig war uns, die gesamte Bandbreite der verfügbaren Formen und Belastbarkeitsgrade zu berücksichtigen. Der Test deckt daher sowohl verschieden weiche Rollen als auch unterschiedlich texturierte Massageoberflächen ab.

Die Inhaltsstoffe
Alle getesteten Faszienroller sind aus diversen Kunststoffarten gefertigt, überwiegend Schaumstoff. Um herauszufinden, was drinsteckt, durchliefen die Rollen zum einen ein umfangreiches Schadstoffscreening. Zum anderen fahndeten die von uns beauftragten Labore gezielt nach giftigen Schwermetallen, umstrittenen halogenorganischen Verbindungen, PVC/PVDC/chlorierten Verbindungen sowie krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen. Natürlich prüften die Labore verdächtige Rollen auch auf Formamid: ein Stoff, der möglicherweise das Erbgut schädigt. Er kann sich beim Aufschäumen aus Treibmitteln bilden.

Die Funktionalität
Die Massage des Faszienbindegewebes mit Schaumstoffrollen soll wahre Wunder bewirken: mehr Beweglichkeit, weniger Schmerzen, schnellere Regeneration, mehr Elastizität und Leistung der Muskeln. Unklar ist allerdings, wie haltbar die angepriesenen Effekte sind. Bewirkt das Kneten des Fasziengewebes überhaupt etwas? Lassen sich "Verklebungen der Faszien lösen", "Beweglichkeit verbessern" oder "Haltungsschäden entgegenwirken"? Erzielen moderate Sport- und Dehnungsübungen oder auch eine klassische Massage vergleichbare Effekte? Wir baten die Hersteller um die Zusendung produktspezifischer Studien, mit denen sie die Wirksamkeit ihrer Massagerollen für die beworbenen Anwendungsgebiete belegen. Zusätzlich haben wir auch selbst in Fachdatenbanken nach solchen Studien gesucht und befragten Experten, ob sie die Werbeaussagen für wissenschaftlich belegt halten.

Die Bewertung
Im Vordergrund stand für uns die Frage, ob es für die Faszienrolle überhaupt einen wissenschaftlich gut belegbaren Nutzen gibt. Positive Praxiserfahrungen von Sportlern und Therapeuten sind nach unseren strengen Kriterien zu wenig. Die Trainingsgeräte sollten aber natürlich auch frei von Schadstoffen sein. Daher geht das Testergebnis Funktionalität zu 70 Prozent in das Gesamturteil ein, das der Inhaltsstoffe zu 30 Prozent. Auch eine Rolle ohne Schadstoffbelastung kann das Fehlen belastbarer Wirksamkeitsbelege nicht ausbügeln.

So haben wir getestet

Giftiges Quecksilber fand das von uns beauftragte Labor im Produktlabel einer Faszienmassagerolle.