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20 Obst- und Gemüsedünger im Test

ÖKO-TEST Mai 2013
vom 26.04.2013

Obst- und Gemüsedünger

Der Feind in meinem Beet

Bedarfsgerechtes Düngen ist eine Kunst für sich. Umso bitterer, dass viele Hersteller es bei den Nährstoffangaben nicht so genau nehmen. Hinzu kommt, dass etliche Produkte Schwermetalle, Pflanzenschutzmittel oder sogar Dioxine enthalten.

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26.04.2013 | Wer heute auf die Suche nach einem Dünger für Garten und Gemüsebeet geht, sieht sich inmitten eines riesigen Angebots an Produkten, die damit werben, "bio" zu sein, "rein pflanzlich", "100 % natürlich".

Unter "bio" oder "natürlich" verstehen die meisten Hersteller zunächst einmal eins: organische Bestandteile tierischen oder pflanzlichen Ursprungs. Etwa Hornmehl, Geflügeldung oder Traubenkernschrot. Nur einige wenige Dünger tragen den Hinweis, dass sie nach EG-Öko-Verordnung für den ökologischen Landbau zugelassen sind. Allzu viel darf man sich davon aber nicht versprechen. Es steht in erster Linie für Düngemittel, in denen auf leicht lösliche chemische Nährstoffe verzichtet wird. Geflügel- und Stallmist darf nicht aus industrieller Tierhaltung stammen. Doch was Schadstoffe angeht, ist die deutsche Düngemittelverordnung strenger. In EG-Öko-Düngemittel darf auch vieles hineingemischt werden, was wiederum bei Anbauverbänden wie Demeter, Natur- oder Bioland tabu ist: Knochenmehle etwa oder Guano, der berühmte Seevogelmist.

Für Landwirte, die nach Demeter- , Naturland- oder Bioland-Richtlinien anbauen, ist der Zukauf von Handelsdüngern streng reglementiert. Im Öko-Landbau geht es vor allem darum, mit geschlossenen Stoffkreisläufen zu arbeiten, nur so viel wie unbedingt nötig zu düngen. Auch die EU macht Betrieben, die ein EU-Bio-Siegel verwenden möchten, genaue Vorgaben, wie häufig gedüngt werden darf. Zu Hause beim Hobbygärtner gilt das natürlich nicht. Und das ist die Krux: In Massen ausgeworfen ist kein Dünger öko.

Viele Hobbygärtner wären erstaunt, wenn sie analysieren ließen, was ihr Boden denn wirklich braucht. Häufig ist das nämlich gar nicht viel bis gar nichts. Denn die meisten Gärten sind bereits ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Eine Untersuchung in Nordrhein-Westfalen zeigte, dass vier Fünftel der Gemüsebeete mit Phosphor überversorgt waren, drei Viertel wiesen zu viel Kalium, ein Viertel zu viel Magnesium auf. Ein ganz ähnliches Bild ergab sich in Bayern: Bei 86 Prozent der untersuchten Böden lag der Phosphatgehalt so hoch, dass die Besitzer sich auf Jahrzehnte das Düngen mit Phosphatdünger sparen könnten.

Trotz grünem Look und "Bio" im Namen basieren viele Dünger nicht nur auf pflanzlichen und tierischen Bestandteilen, sondern enthalten auch mineralische Anteile. Erkennbar ist das an der Deklaration als organisch-mineralischer Dünger. Ein wichtiger Grundstoff mineralischer Dünger sind Phosphatsalze, die in Lagerstätten abgebaut werden. Der Haken an der Sache: Phosphate binden sich gerne an Schwermetalle, zum Beispiel an Uran und Cadmium. Und das landet dann im Dünger. "Das Vorkommen von Cadmium in Böden und in Lebensmitteln ist eine lange bekannte Problematik", erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung, denn natürlich landen schwermetallhaltige Dünger nicht nur auf dem Grün hinterm Einfamilienhaus, sondern auch auf den Nutzböden der Landwirtschaft und damit im Lebensmittelkreislauf. Deshalb ist der Cadmiumgehalt von Düng

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Dünger gibt es für alle möglichen Kulturen: von Azaleen bis Zitruspflanzen. Wir haben zu Universalgartendüngern gegriffen, die für Gemüse, Zierpflanzen und Gehölze empfohlen werden. Eingekauft wurden vor allem organisch-mineralische Dünger, aber auch vier rein organische und fünf mineralische Dünger.

Die Inhaltsstoffe
Über die mineralischen Anteile, vor allem das Rohphosphat, können hohe Uran-und Cadmiumgehalte in die Dünger gelangen. Aus unseren früheren Tests wissen wir aber, dass auch organische Dünger stark belastet sein können. Wir haben deshalb alle Produkte auf ihre Schwermetallgehalte untersuchen lassen. Über Guano oder Hühnerdung können Salmonellen in den Dünger gelangen, über pflanzliche und tierische Bestandteile Pflanzenschutzmittel. Seit Ende 2012 sieht der Gesetzgeber Dioxin-Grenzwerte für Düngemittel vor - auch darauf haben wir testen lassen.

Die Deklaration
Bedarfgerechtes Düngen ist nur möglich, wenn man sich auf die Deklarationen der Dünger verlassen kann. Wir haben zum einen geprüft, wie weit Deklaration und tatsächliche Gehalte auseinanderliegen. Zum anderen haben wir uns angesehen, ob einzelne Nährstoffe oder Schwermetalle hätten deklariert werden müssen.

Die Bewertung
Bei der Bewertung der Schwermetalle orientieren wir uns nicht nur an gesetzlichen Grenzwerten. Wir haben berechnen lassen, wie hoch die Menge der Schwermetalle ist, die im Boden zurückbleibt, wenn man Ernten, Bodenabtrag oder Auswaschung abrechnet. Nach diesem "Eintrag gleich Austrag"-Konzept werten wir die Anreicherungen von Schwermetallen in all den Fällen ab, in denen mehr als die dreifache Menge, die dem Boden pro Jahr entzogen werden kann, im Boden zurückbleibt.

So haben wir getestet

Stimmen die Angaben auf der Verpackung? Wir haben's überprüft. Fazit: Bei den meisten Produkten wird über- oder untertrieben.