Startseite
23 Markentextilien im Test

ÖKO-TEST Dezember 2014
vom 28.11.2014

Markenkleidung

Kleider machen Beute

Markenkleidungsstücke, die viele Jugendliche und Junggebliebene "cool" finden, schneiden in unserem Test durchschnittlich mit "gut" ab. Aber ausgerechnet das teuerste Produkt ist so schlecht, dass man es lieber nicht anzieht.

514 | 15
Zu diesem Thema ist ein neuer Artikel vorhanden.

28.11.2014 | Kleider machen Leute. Davon profitieren die Markenhersteller, die deswegen auch Milliarden für Werbung ausgeben. Jugendliche, auf Identitätssuche programmiert, wünschen sich oft besondere und besonders teure Klamotten ganz bestimmter Marken.

Die meisten der heute "coolen" Labels stehen für eine besondere Einstellung zum Leben. Mit einem T-Shirt kann man eine gesellschaftliche Position beziehen, ob auf der Brust ein Reptil, ein Yin-Yang-Kreis oder ein ausgestreckter Mittelfinger ist. Manche Marken spiegeln die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, oder den Wunsch zu ihr zu gehören, so exakt, dass man sie schnell zuordnen kann. Surfer etwa tragen andere Marken als Skater. Eingefleischte Clubgänger und Nachtschwärmer ziehen sich andere Klamotten an als Jugendliche, die gern entspannt in Cafés oder auf dem Rasen sitzen und ruhige Musik hören. Dagegen sind die Übergänge zwischen "männlichen" und "weiblichen" Kleidungsstücken oft fließend.

Einige Jugendliche wollen wohl auch zeigen, dass sie von zu Hause aus Geld haben, oder zumindest viel Taschengeld bekommen. Andere setzen eher auf Rebellion oder Diskretion und möchten, dass man die Markenkleidung erst auf den zweiten Blick erkennt. Was "cool" ist und was nicht, entscheidet letztendlich jede Gruppe für sich.

Dabei scheint es den meisten jungen Verbrauchern nicht wirklich wichtig zu sein, ob hinter den Marken auch sozial und nachhaltig produzierte Produkte stehen. Die Generation Z - 15 bis 20 Jahre alt - hat, laut einer weltweiten Umfrage des Marktforschungsunternehmens Nielsen vom Juni 2014, nur ein geringes Interesse an dem Thema Sozialverantwortung der Unternehmen - CSR, nach dem englischen Corporate Social Responsibility. Nur knapp zehn Prozent der jüngeren Verbraucher in 60 Ländern interessieren sich nach dieser Umfrage dafür, was die Hersteller über die gesetzlichen Anforderungen hinaus machen. Wie werden die Sachen hergestellt? Werden die Textilarbeiter in den Fabriken fair behandelt und bezahlt oder ausgenutzt und vermeidbaren Gefahren ausgesetzt? Sind die Angestellten der Handelsketten und Geschäfte zufrieden oder werden sie diskriminiert?

Bei den meisten Anbietern von Kleidung für Jugendliche muss man lange nach konkreten Informationen zu CSR-Maßnahmen suchen. Fangen wir bei den ganz großen an: Abercrombie & Fitch zum Beispiel geriet in den vergangenen Jahren wegen Rassendiskriminierung in den eigenen Geschäften, schlechter Arbeitsbedingungen in Asien, Benachteiligung von Behinderten und abfälligen Kommentare gegen "nicht coole" Verbraucher in die Schlagzeilen. Zu Abercrombie gehört die Marke Hollister, die auf der deutschen Webseite nichts zur Sozialverantwortung in der Produktionskette sagt. Auch eine Anfrage von ÖKO-TEST an den Hersteller zu diesem Thema blieb unbeantwortet. Dafür gibt es bei Hollister viele Informationen über Markenschutz und Karriere. In den "häufig gestellten Fragen" findet sich sogar eine Antwort auf die Fragestellung: "Möchtest du in einem Shop arbeiten oder ein Hollis

ÖKO-TEST Dezember 2014

Gedruckt lesen?

ÖKO-TEST Dezember 2014 ab 4.50 € kaufen

Zum Shop

ÖKO-TEST Dezember 2014

Online lesen?

ÖKO-TEST Dezember 2014 für 3.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben Kleidungsstücke gekauft, die gegenwärtig vor allem von einem jugendlichen Publikum gesucht werden. Einige der Marken sind von großen und etablierten Anbietern, andere sind eher "Kult-Marken", die bei bestimmten Gruppen wie Surfern oder Skatern angesagt sind. Insgesamt kamen 23 Bekleidungsartikel aus Warenhäusern, Fachgeschäften und dem Versandhandel in die Labore. Die Preisspanne reicht von 10 bis 200 Euro.

Die Inhaltsstoffe
Alle Kleidungsstücke wurden auf krebserregende und allergisierende Farbbausteine untersucht. Die Ausrüstungschemikalie Formaldehyd stand bei Baumwolle auf dem Prüfprogramm, Antimon im Polyesteranteil, Nickel und PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in Einzelteilen sind ebenfalls Teil des Testprogramms gewesen. Zu diesem gehörten desweiteren die Prüfungen auf optische Aufheller, halogenorganische Verbindungen und Nonylphenolethoxylate.

Die Materialprüfungen
Wir wollten wissen, ob die Kleidungsstücke nach dem Waschen ihre ursprünglichen Maße behalten, einlaufen oder ausleiern. Deswegen wurde ein Test auf Maßänderung bei allen waschbaren Artikeln beauftragt. Auch wichtig waren uns Materialprüfungen zur Farbechtheit: Erstens, wie reibecht sind die Farben im trockenen und im nassen Zustand? Zweitens, ist eine Farbänderung des Kleidungsstücks nach dem Waschen nachweisbar oder färbt es sogar auf andere Textilien ab?

Die Bewertung
Die Materialprüfungen zählten 50 Prozent für das Gesamturteil. Da aber eine gute Figur und ein "cooler Look" nicht mit bedenklichen und umstrittenen Inhaltsstoffen vereinbar sind, konnte das Gesamturteil nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe.

So haben wir getestet

Waschtest: Färbt die Kleidung beim Waschen gemäß Pflegeanleitung ab?