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ÖKO-TEST April 2015
vom

Gesichtscremes, UV-Schutz

Hormon(ster)

Tagescremes mit UV-Schutz passen zum Trend, Kosmetika zu vermeintlichen Alleskönnern zu machen. Die meisten Testprodukte konnten allerdings nicht überzeugen. Ein Grund: UV-Filter, die im Verdacht stehen, wie ein Hormon zu wirken.

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27.03.2015 | Ein Glücksmoment nach dem langen Winter: endlich wieder Sonne auf der Haut! So schön die Strahlen sind, der Schutz vor der UV-Strahlung durch Sonnencreme und die richtige Kleidung ist wichtig. Bei einer Tagescreme mit UV-Filter haben Kunden die Wahl zwischen einem niedrigen, mittleren oder hohen Schutz. Die Anbieter werben meist in irgendeiner Form damit, dass die Produkte durch den UV-Schutz auch "lichtbedingter" Hautalterung vorbeugen. Also eine einfache Lösung? Na ja. Zum einen ist die Frage, ob Verbraucher morgens genug Creme verwenden, damit eine Schutzwirkung wirklich erreicht wird. Man benötigt nach Expertenmeinung zwei Milligramm pro Quadratzentimeter Haut. Zudem sollte ein Sonnenschutz der Jahreszeit und Tagesplanung angepasst sein. Im Sommer brauche ich bei einem Spaziergang einen anderen Schutz als an einem Wintertag, an dem ich mich meist in Räumen aufhalte.

Die nächste Frage: Wie viel Schutz bietet speziell eine Tagescreme mit einem geringen Faktor? "Lichtschutzfaktor sechs bringt überhaupt nichts, das ist rausgeworfenes Geld", urteilt Professor Eckhard Wilhelm Breitbart von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention. Außerdem: Mit den Cremes für jeden Tag schmiert man sich möglicherweise auch unerwünschte Inhaltsstoffe tagtäglich ins Gesicht. Die UV-Tagescremes auf dem Markt enthalten meist chemische Filter. Doch bei einigen dieser Stoffe gibt es Hinweise, dass sie wie ein Hormon wirken. Zudem haben die Forscher um die Umwelttoxikologin Margret Schlumpf aus Zürich eindrücklich gezeigt, dass die Filtersubstanzen in den Körper gelangen können: Die Wissenschaftler haben sie in Muttermilch nachgewiesen. Margret Schlumpf warnt: "Wir wissen noch viel zu wenig darüber, wie die Kombinationen der verschiedenen UV-Filter auf den Menschen wirken. Wir sollten uns zum Beispiel auch anschauen, was mit den Filtern und besonders auch mit den UV-Filtermischungen bei hohen Temperaturen passiert."

Das alles spricht für die Zwei-Flaschen-Lösung: eine Tagescreme und eine Sonnenmilch. "Damit liegen die Verbraucher besser, sowohl mit der Pflege der Haut als auch mit dem Sonnenschutz", bekräftigt Professor Breitbart. Bei herkömmlichen Sonnenschutzmitteln haben Verbraucher auch eine deutlich größere Auswahl an Produkten mit mineralischen Filtern - die Alternativen zum chemischen UV-Schutz, auf die vor allem die Naturkosmetikhersteller setzen. Einfache Gesichtscremes mit UV-Schutz hat die Naturkosmetik übrigens nicht im Angebot. Der Grund: Die mineralischen Filter erzeugen ein anderes Hautgefühl.

Auf manchen UV-Tagescremes wird zusätzlich mit Aussagen wie "Lifting-Komplex" oder "Intensiver Straffungs-Effekt" geworben. Was an Werbeaussagen auf Kosmetika draufstehen darf, dafür hat die EU allgemeine Regeln festgelegt. Die Aussagen sollen "belegbar" sein durch hinreichende und überprüfbare Nachweise. Für die Überprüfung sind die Kontrollbehörden zuständig. Wie effizient die Regeln sind, darüber soll die Europäische Kommission bis 2016 berichten.

Um zu schauen, welche UV-Filter in den Cremes stecken, hat ÖKO-TEST 20 Produkte testen lassen. Außerdem wollten wir uns, wie immer, selbst ein Bild von den Wirkversprechen machen: Hersteller, die Auslobungen verwenden, wie man sie auch auf Antifaltencremes findet, haben wir um Studien zur beworbenen Creme gebeten.

Das Testergebnis

Mehr schlecht als recht. Mehr als die Hälfte der Gesichtscremes ist "ausreichend" oder schlechter. Vier kassieren ein "ungenügend" kassieren. Der Grund: bedenkliche oder umstrittene Inhaltsstoffe.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Unsere Einkäufer haben 20 Gesichtscremes mit UV-Schutz in Drogeriemärkten, Discountern, Parfümerien und Apotheken gekauft. Dabei sollte es eine möglichst einfache Tagescreme sein, also keine BB- oder CC-Creme. Alle Produkte im Test bewerben auf der Packung einen Lichtschutzfaktor zwischen 6 und 25. 50 Milliliter kosten zwischen 2,45 und 52,95 Euro.

Die Inhaltsstoffe
Wir ließen die Cremes in verschiedenen Laboren untersuchen: Setzen die Hersteller auf kritische Konservierungsmittel, die beispielsweise Allergien auslösen können oder im Verdacht stehen, wie ein Hormon zu wirken? Welche UV-Filter kommen zum Einsatz? Außerdem: Steckt im Produkt Aluminium - und wenn ja, wie viel?

Die Weiteren Mängel
Bei Cremes, die Begriffe wie Antiaging auf der Packung stehen haben, oder mit anderen Wirkversprechen auf sich aufmerksam machen, die Verbraucher von Antifaltencremes und Co. Kennen, haben wir bei den Herstellern nach Studien gefragt. Und auch die Verpackung schauten wir uns an: Ein zusätzlicher Umkarton, der kein Glas schützt, belastet unnötig die Umwelt.

Die Bewertung
Die Cremes sollen vor allem das Gesicht pflegen - und nicht für eine tägliche Dosis unerwünschter Inhaltsstoffe sorgen. Für Schadstoffe gibt es deshalb Punktabzug. UV-Filter, von denen wir aus Tierversuchen wissen, dass sie hormonaktiv wirken können, bewerten wir noch strenger als UV-Filter, bei denen es bisher "nur" Hinweise aus Zellversuchen gab. Schickten uns Hersteller keine angefragten Studien oder belegten diese aus unserer Sicht nicht den Vorteil gegenüber einer herkömmlichen Pflegecreme, haben wir dies als Weitere Mängel abgewertet.

So haben wir getestet

Unnötige Umkartons: Oft vergrößern die Pappschachteln nur den Müllberg. Nur selten schützen sie Glasgefäße.