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29 Online-Lieferdienste für Lebensmittel im Test

Jahrbuch für 2017
vom 20.10.2016

Online-Lieferdienste für Lebensmittel

Nicht so der Bringer

Den Lebensmitteleinkauf bequem vom Sofa aus erledigen und wunschgemäß nach Feierabend in Empfang nehmen? Noch ist dies mehr Vision als Realität. Dennoch können wir drei von sechs getesteten Lieferdiensten die Note "gut" bescheinigen.

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20.10.2016 | Was in anderen Ländern wie den USA, England oder China längst zum Alltag gehört, steckt bei uns noch in den Kinderschuhen: der Onlinekauf von Lebensmitteln, Wein und Feinkost, sprich von allem, was irgendwann auf dem Esstisch landen soll.

Deshalb haben wir uns vorgenommen, einigen der wichtigsten Lieferdienste, die deutschlandweit und mit gekühlten Produkten unterwegs sind, auf den Zahn zu fühlen. Ob sie ihren Job zufriedenstellend erledigen, überprüften wir anhand von Testeinkäufen. Weil wir auch einen Eindruck von der Qualität der Produkte haben wollten, schickten wir die eingekauften Lebensmittel wie gewohnt ins Labor. Aspekte der Tierhaltung oder Fütterung blieben dieses Mal aber außen vor. Die Produkte haben daher kein Gesamturteil erhalten, sondern nur ein Ergebnis für die Produktqualität.

Das Testergebnis Lieferdienste

Insgesamt schneiden drei Lieferdienste mit "gut", zwei mit "befriedigend" und einer mit "ausreichend" ab.

Wer im Netz einkauft, sollte vorab die gleichen Produktinformationen erhalten wie im Laden. Die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) gilt deshalb seit Ende 2014 auch für den Onlinehandel. Im Rahmen unseres Testeinkaufs stellten wir jedoch einige Lücken fest.

Bestellt, aber nicht angekommen. Das traf auf die Äpfel von Lebensmittel.de zu: Nur eine von drei bestellten Packungen kam an. Laut Anbieter könne das vorkommen, man informiere aber in der Versandbestätigung über die tatsächliche Liefermenge. Die Bestätigung erhielten wir auch, allerdings erst vier Tage nach der Bestellung.

Verzögerungen gab es auch bei der Amorebio.de-Lieferung. Aus den in Aussicht gestellten zwei Tagen Lieferzeit ab Bestellung wurden sieben. Als Begründung wurden ebenfalls Lagerengpässe bestellter Artikel angeführt. Auch hier hätte die Information besser sein können. Weiterer Kritikpunkt: Sowohl das Fleisch als auch der Joghurt kamen um drei Grad zu warm an. Beide Produkte waren zwar sensorisch und mikrobiologisch noch in Ordnung, dennoch ist unklar, wie lange die Temperaturen schon erhöht waren. So liegt der schwarze Peter beim Verbraucher, der sich wundern könnte, warum die Qualität bis Ende MHD nicht gehalten hat.

Kartons, Polstermaterial, Styroporboxen, Kühlelemente, Trockeneis - wenn Lebensmittel per Paketdienst auf den Weg gebracht werden, geht das nicht ohne Verpackungen. Doch zumindest Rücksendemöglichkeiten sollten vorhanden sein. Insbesondere Kühlboxen und Kühlakkus sollten zurückgenommen und wiederverwertet werden. Diese Materialien lassen nicht nur Mülltonnen überquellen, sondern treiben den Energie- und Ressourcenverbrauch weiter in die Höhe. Positive Beispiele sind MyTime.de und Amorebio.de. Sie geben eine Mehrfachnutzung der Kühlmaterialien an. AllyouneedFresh.de nimmt die Mehrweg-Transportboxen gleich wieder mit, sodass die Rücksendung entfällt - allerdings nur in Ballungsgebieten.

Es gab haarsträubende rechtliche Mängel. Teils wurde das Widerrufsformular nicht - wie gesetzlich gefordert - unmittelbar zugängli

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So haben wir getestet

Die Auswahl der Lieferdienste
Wir wählten insgesamt sechs Services aus. Die Kriterien dabei: eine deutschlandweite Lieferung und gekühlte Produkte im Sortiment. Die Auslieferung sollte zudem per Kurierdienst erfolgen. Bei der Produktauswahl konzentrierten wir uns auf empfindliche Waren: Kopfsalat, Erdbeeren, frisches Schweinefleisch und Tiefkühlfisch - Letztere insbesondere in Hinblick auf die Einhaltung der Kühlkette. Naturjoghurt wählten wir aus, weil wir prüfen wollten, ob die zerbrechlichen Becher auch heil ankommen. Waren Produkte nicht erhältlich, wurden ähnliche bestellt. Bio-Erdbeeren etwa gab es zum Zeitpunkt unserer Bestellung Ende April noch nicht.

Der Testeinkauf
Wir ließen die Produkte privat bestellen und ausliefern. Sämtliche Bestellungen, Versand- und Lieferbestätigungen sowie Rechnungen wurden gesammelt, die Produktinformationen im Shop ausgedruckt. Dokumentiert wurden weiterhin Zustellzeiten, das Verpackungsmaterial, das beim Empfänger verblieb sowie Möglichkeiten für die Rücknahme. Die Temperatur und der optische Frischeeindruck wurden direkt nach Ankunft der Ware professionell festgehalten.

Die Laboruntersuchungen
Die bestellten Produkte wurden analog unserer sonstigen Tests untersucht. Bei Salat, Tomaten und Früchten standen Untersuchungen auf Pestizide im Vordergrund, Fleisch und Fisch wurden unter anderem auf Antibiotikarückstände geprüft, während beim Joghurt der Fettgehalt ein Thema war. Gekühlte Produkte wurden außerdem mikrobiologischen und sensorischen Prüfungen unterzogen.

Die Rechtliche Prüfung
Allgemeine Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärungen sind für Laien oft schwer durchschaubar, allerdings extrem wichtig, wenn etwas schiefgeht. Wir ließen daher durch einen Rechtsanwalt klären, ob AGB, Datenschutz und der Bestellvorgang den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.

Die Bewertung der Lieferdienste
Wer online Lebensmittel bestellt, sollte vorab über alle wichtigen Informationen verfügen, die die Kaufentscheidung beeinflussen. Wesentlich ist weiterhin, ob die Waren pünktlich, vollständig und frisch geliefert werden und ob es Möglichkeiten gibt, Verpackungen zurückzuschicken. Diese Aspekte gingen zu je 40 Prozent in das Gesamturteil ein. Die Ergebnisse der juristischen Prüfung machten 20 Prozent aus.

So haben wir getestet

Temperatur im Lot? Das ließen wir nach Anlieferung mit einem Infrarotthermometer prüfen.

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