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29 Online-Lieferdienste für Lebensmittel im Test

ÖKO-TEST August 2016
vom 28.07.2016

Online-Lieferdienste für Lebensmittel

Nicht so der Bringer

Den Lebensmitteleinkauf bequem vom Sofa aus erledigen und wunschgemäß nach Feierabend in Empfang nehmen? Noch ist dies mehr Vision als Realität. Dennoch können wir zwei von sechs getesteten Lieferdiensten die Note "gut" bescheinigen.

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28.07.2016 | Was in anderen Ländern wie den USA, England oder China längst zum Alltag gehört, steckt bei uns noch in den Kinderschuhen: der Onlinekauf von Lebensmitteln, Wein und Feinkost, sprich von allem, was irgendwann auf dem Esstisch landen soll. Zahlen des Instituts für Handelsforschung (IFH) verdeutlichen die Skepsis der deutschen Verbraucher. Demnach betrug der Anteil für Essbares aus dem Netz im Jahr 2015 gerade einmal 0,8 Prozent, während der Onlineanteil über alle Branchen hinweg bei 9,9 Prozent lag.

Doch der Markt ist in Bewegung, seit Amazon den Start seiner Sparte Fresh für Herbst dieses Jahres angekündigt hat. Dann sollen Konsumenten über den Onlineriesen erstmals auch frische Lebensmittel beziehen können. Was für die Kunden ein kleiner Luxus ist, nämlich zur CD im Warenkorb einfach Milch und Salat hinzuzufügen, sieht die Branche mit Sorge. "Egal ob MyTime oder Allyouneed, Edeka, Aldi oder Lidl, sie alle beobachten den Markt zurzeit sehr genau", sagt Dr. Eva Stüber, Leiterin der Abteilung Research & Consulting am IFH.

Aber ist der Verbraucher wirklich schon reif für diese neue Vertriebsform? Der stationäre Handel ist in Deutschland flächendeckend ausgebaut. Selbst ländliche Regionen sind gut versorgt. "Unsere Befragungen haben ergeben, dass vor allem Leute, die beruflich viel unterwegs sind, das Angebot nutzen. Auch junge Familien mit einem größeren Bedarf an Lebensmitteln oder Menschen, die nur eingeschränkt zum Einkaufen kommen, bestellen häufiger online", fasst Stüber die Ergebnisse zusammen.

Auf der anderen Seite gebe es jede Menge Vorbehalte, die einem Zuwachs an Bestellaktivitäten derzeit noch entgegenstehen. Typische Fragen sind zum Beispiel: "Kommt die Ware frisch an?", "Bekomme ich die bestellten Artikel auch pünktlich oder muss ich letztlich doch noch einkaufen gehen?". Außerdem: "Was mache ich mit den Verpackungen?"

Ein Knackpunkt für zufriedene Onlinebesteller ist die Lieferung. "Vor allem auf passgenaue Zeitfenster legen die Kunden wert", sagt Handelsexpertin Stüber. "Wer erst abends zu Hause ist, sollte die Ware auch abends in Empfang nehmen können." Alles andere, etwa das Abholen des Pakets in einer Packstation, ist nicht wirklich bequem. Es sei denn, die Abholmöglichkeiten liegen in der Nähe des Arbeitsplatzes oder auf dem Nachhauseweg. Andernfalls könne man genauso gut in den nächsten Laden springen, so Stüber.

Fest steht, dass Anbieter von Online-Lieferdiensten für Lebensmittel vor großen Herausforderungen stehen. Soll ein komplettes Sortiment angeboten werden, sind Lieferungen in drei Temperaturzonen - ungekühlt, gekühlt, tiefgekühlt - zu bewerkstelligen. Viele Produkte sind darüber hinaus druckempfindlich, Eier etwa oder Obst. Die Lieferungen müssen zudem so geplant werden, dass sie zum gewählten Wunschtermin eintreffen. Hinzu kommt eine anspruchsvolle Kommunikation. Es gilt, Kunden umgehend über Verzögerungen oder Lieferengpässe zu informieren oder - wenn Kunden verhindert sind - alternative Abgabeplätze zu organisie

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Die Auswahl der Lieferdienste
Wir wählten insgesamt sechs Services aus. Die Kriterien dabei: eine deutschlandweite Lieferung und gekühlte Produkte im Sortiment. Die Auslieferung sollte zudem per Kurierdienst erfolgen. Bei der Produktauswahl konzentrierten wir uns auf empfindliche Waren: Kopfsalat, Erdbeeren, frisches Schweinefleisch und Tiefkühlfisch - Letztere insbesondere in Hinblick auf die Einhaltung der Kühlkette. Naturjoghurt wählten wir aus, weil wir prüfen wollten, ob die zerbrechlichen Becher auch heil ankommen. Waren Produkte nicht erhältlich, wurden ähnliche bestellt. Bio-Erdbeeren etwa gab es zum Zeitpunkt unserer Bestellung Ende April noch nicht.

Der Testeinkauf
Wir ließen die Produkte privat bestellen und ausliefern. Sämtliche Bestellungen, Versand- und Lieferbestätigungen sowie Rechnungen wurden gesammelt, die Produktinformationen im Shop ausgedruckt. Dokumentiert wurden weiterhin Zustellzeiten, das Verpackungsmaterial, das beim Empfänger verblieb sowie Möglichkeiten für die Rücknahme. Die Temperatur und der optische Frischeeindruck wurden direkt nach Ankunft der Ware professionell festgehalten.

Die Laboruntersuchungen
Die bestellten Produkte wurden analog unserer sonstigen Tests untersucht. Bei Salat, Tomaten und Früchten standen Untersuchungen auf Pestizide im Vordergrund, Fleisch und Fisch wurden unter anderem auf Antibiotikarückstände geprüft, während beim Joghurt der Fettgehalt ein Thema war. Gekühlte Produkte wurden außerdem mikrobiologischen und sensorischen Prüfungen unterzogen.

Die Rechtliche Prüfung
Allgemeine Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärungen sind für Laien oft schwer durchschaubar, allerdings extrem wichtig, wenn etwas schiefgeht. Wir ließen daher durch einen Rechtsanwalt klären, ob AGB, Datenschutz und der Bestellvorgang den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.

Die Bewertung der Lieferdienste
Wer online Lebensmittel bestellt, sollte vorab über alle wichtigen Informationen verfügen, die die Kaufentscheidung beeinflussen. Wesentlich ist weiterhin, ob die Waren pünktlich, vollständig und frisch geliefert werden und ob es Möglichkeiten gibt, Verpackungen zurückzuschicken. Diese Aspekte gingen zu je 40 Prozent in das Gesamturteil ein. Die Ergebnisse der juristischen Prüfung machten 20 Prozent aus.

So haben wir getestet

Temperatur im Lot? Das ließen wir nach Anlieferung mit einem Infrarotthermometer prüfen.