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ÖKO-TEST September 2015
vom

Montagekleber

Klebtomanie

Montagekleber gelten bei vielen Heimwerkern als Allrounder. Ob Sockelleisten, Schränkchen oder Spiegel - es wird fleißig geklebt. In unserem Test waren drei Marken ohne Fehl und Tadel. Vier Produkte sind allerdings "ungenügend". Sorge bereiten vor allem die Konservierungsmittel.

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28.08.2015 | Hält bombenfest, ich bin begeistert", bejubeln einige Heimwerker ihre Kleberfolge auf einschlägigen Internetplattformen. Andere beschweren sich über den "Mist", der nicht hält, was der Hersteller verspricht. Höchstwahrscheinlich haben Letztere den Montagekleber falsch angewandt. Denn richtig gut kleben kann man nur, wenn man die Zusammenhänge und Wirkweisen versteht.

"Klebtechnik ist die Verbindungstechnik des 21. Jahrhunderts", davon ist Professor Andreas Groß vom Fraunhofer Institut für Fertigungstechnik und angewandte Materialforschung (IFAM) überzeugt - nach dem Nieten im 19. und dem Schweißen im 20. Jahrhundert. Damit bezieht er sich jedoch auf den professionellen Bereich. "Denn Kleben ist im Vergleich zu anderen Verbindungstechniken sehr komplex", ergänzt der Fachmann. Und die meisten Heimwerker wissen nicht, was beim Kleben passiert und wie die Untergründe vorbereitet und die Teile gefügt werden müssen. Sie erwarten einen Alleskleber: Den aber gibt es definitiv nicht.

Wo früher noch gedübelt und geschraubt wurde, greifen Handwerker und Do-it-yourselfer heute gern zum Montageklebstoff in der Kartusche: Sockelleisten, ein Wandbord oder gar kleine Regale oder Schränkchen, Spiegel, Wandverkleidungen, Blenden und Dekorationselemente werden gern mal so einfach an Wand oder Decke gepappt. Doch wie schon gesagt, ganz so einfach ist das Kleben nicht, weil je nach Untergrund, Material und Randbedingungen manche Kleber besser und andere weniger oder gar nicht geeignet sind. Und weil es vor allem auf die richtige Vorbereitung und Handhabung ankommt. Und weil eine Klebfläche möglicherweise so extrem beansprucht wird, zum Beispiel durch Scherkräfte, dass es ohne technisches Know-how schwierig - wenn nicht gar unmöglich - ist, einen Gegenstand fest und dauerhaft zu kleben.

Deshalb empfiehlt Andreas Groß auch, im Haushalt nur dort zu kleben, wo keine oder keine allzu großen Kräfte übertragen werden. Sonst ist das Risiko zu groß, dass es zu einem irgendwie gearteten Absturz kommt. Ein weiterer Nachteil: Die Klebeverbindung ist unlösbar. Sollte die Fuge doch versagen, so bleiben zudem Rückstände oder gar Beschädigungen an Wand, Decke oder Boden.

ÖKO-TEST hat in Baumärkten 14 Montagekleber eingekauft, von denen die Hersteller versprechen, dass sie für viele Materialien und Untergründe geeignet seien. Im Test sind sowohl dispersionsbasierte Kleber als auch sogenannte Hybrid-Polymere auf Basis von Silizium. Wir wollten wissen, ob sie wirklich lösemittelfrei sind, keine problematischen Stoffe ausgasen und ob sie den Heimwerker oder die Wohnung durch weitere bedenkliche Inhaltsstoffe belasten.

Das Testergebnis

Sehr durchwachsen. Mit den Inhaltsstoffen sind wir meist nicht einverstanden. Zwei Produkte erreichen unterm Strich ein "ungenügend", drei weitere sind kaum besser. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Vier Marken schneiden mit "sehr gut" ab.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
... erfolgte in Baumärkten. Unsere Einkäufer wählten Montagekleber für eine möglichst breite Anwendung aus, also solche, die viele Materialien auf unterschiedlichen Untergründen zum Halten bringen. Fast alle sind als lösemittelfrei ausgelobt. Die Preise für eine Kartusche der Klebstoffe schwanken zwischen 5 und 13 Euro.

Die Inhaltsstoffe
Beim Verarbeiten können Lösemittel ausgasen und eingeatmet werden. Die meisten Klebstoffe sind wasserbasiert und müssen deshalb meist mit Konservierungsmitteln haltbar gemacht werden. Deshalb ließen wir die Produkte auf flüchtige organische Verbindungen (VOC) und problematische Konservierungsmittel wie Formaldehyd/-abspalter und Isothiazolinone untersuchen. Auch bedenkliche Phthalat-Weichmacher, die den Klebstoff elastisch und flexibel halten sollen, sowie zinnorganische Verbindungen, die möglicherweise als Katalysator oder Stabilisator eingesetzt werden, standen auf dem Prüfprogramm.

Die Weiteren Mängel
Wir prüften die Deklarationen, denn die Hersteller von Bauprodukten sollten den Heimwerker umfassend über das Produkt und seine Inhaltsstoffe - vor allem über die Konservierungsmittel - informieren und für Allergiker eine Hotline anbieten, sofern sensibilisierende Isothiazolinone eingesetzt werden.

Die Bewertung
Phthalate und zinnorganische Verbindungen, die in begründetem Verdacht stehen, wie ein Hormon zu wirken, werten wir besonders streng ab, aber auch Formaldehyd/-abspalter führen dazu, dass ein Produkt bestenfalls im Mittelfeld landet. Weitere bedenkliche Inhaltsstoffe und deutliche Weitere Mängel bringen zusätzliche Minuspunkte.

So haben wir getestet

Eine optimale Klebung entsteht durch das Zusammenwirken zweier Kräfte:
Adhäsion (roter Pfeil) ist die Anziehungskraft der Moleküle verschiedener Stoffe
Kohäsion (blauer Pfeil) ist die innere Festigkeit, also die Kraft, mit der sich die Moleküle gegenseitig anziehen.