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5 Produkte von Unilever im Test

Ratgeber Kosmetik 13:2013 mit CD
vom 08.11.2013

Unilever

Eine ordentliche Portion Eigennutz

Tu Gutes, rede darüber und mach ein Geschäft daraus. So könnte man die Praxis des niederländisch-britischen Großkonzerns Unilever zusammenfassen. "Doing well by doing good" ist Geschäftstradition, soll heißen: Dem Unternehmen geht es gut, weil es eigentlich uneigennützige Aktionen mit einer ordentlichen Portion Eigennutz zu verbinden weiß.

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08.11.2013 | Beispiele hierfür gibt es viele. So ist der Absatz der Zahncreme Signal seit 2008 um 22 Prozent gewachsen - Unilever hatte in einer Kampagne dazu aufgerufen, jeden Morgen und jeden Abend die Zähne zu putzen. Die Unilever-Marke Dove ist für ihre Werbung mit "normal" aussehenden Frauen statt mit Magermodels bekannt und klärt in Schulen junge Mädchen über geschönte Werbebilder und eine gesunde Selbstwahrnehmung auf. Eine Umfrage zeigte: Wer um dieses Engagement Unilevers weiß, würde die Marke Dove viel eher weiterempfehlen als Konsumenten, die das sogenannte Dove-Self-Esteem-Projekt nicht kennen.

Seine Seife Lifebuoy ist für Unilever Aufhänger einer Aktion, die das Händewaschen in Entwicklungs- und Schwellenländern fördern soll. Dadurch lassen sich ansteckende Krankheiten eindämmen. Eine gute Sache, die der Unilever-Seife außerdem ein Wachstum im zweistelligen Bereich innerhalb der vergangenen drei Jahre bescherte. Der Verkauf des Reinigers Domestos stieg 2012 um neun Prozent an. Auch mit diesem Produkt ist eine Kampagne verbunden. Unilever baut zusammen mit lokalen Unternehmen Toiletten in armen Ländern mit niedrigem Hygienestandard. Dirt is good - "Schmutz ist gut", lautet eine weitere Initiative des Konsumgüterriesen. Dahinter steht der Appell, dass Kinder sich beim Spielen im Freien ruhig dreckig machen sollen. Der Schmutz lässt sich mit Omo - aus dem Hause Unilever - ja wieder rauswaschen.

Eiscreme, Seife und Waschmittel

Unilever ist einer der führenden Anbieter von Nahrungsmitteln, Haushalts- und Körperpflegeprodukten. Unter den Top-50-Unternehmen für Güter des täglichen Bedarfs rangierte Unilever 2012 auf Platz drei laut der Liste der internationalen Unternehmensberatung OC&C. Der Jahresumsatz lag 2012 bei 51,3 Milliarden Euro - ein Plus von 10,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In den vergangenen vier Jahren ist Unilever um 30 Prozent gewachsen. Das wichtigste Geschäftsfeld ist die Körperpflege.

Dem Unternehmen gehören international bekannte Marken wie Axe, Rexona, Magnum, Ben & Jerry's, Knorr, Slim Fast, Rama und Lipton. 14 Unilever-Marken erzielen jede für sich Milliarden-Verkaufserlöse. Diese starken Marken waren 2012 für mehr als 50 Prozent des Unternehmenswachstums verantwortlich.

Doch natürlich wissen die Unilever-Manager, dass man mit Wachstum allein heute nicht mehr punkten kann. Deshalb hat der Konzern ein neues Geschäftsmodell aufgestellt, den Unilever Sustainable Living Plan. Das Konzept dahinter: nachhaltiges Wachstum, Kostensenkung, die Öffnung neuer Märkte, die Erfüllung von Kundenwünschen.

Ökologischen Fußabdruck halbieren

Der Sustainable Living Plan macht konkrete Vorgaben, bis wann welche Ziele zu erreichen sind. Bis 2020 will der Konsumgüterkonzern seinen ökologischen Fußabdruck halbieren - sowohl was die Herstellung der Produkte angeht als auch ihren Gebrauch durch den Konsumenten. Der ökologische Fußabdruck bezeichnet die Fläche, die erforderlich ist, um einen bestimmten Lebensstil zu ermöglichen. Wer viele Rohstoffe beansprucht, viel Müll und viele Treibhausgase erzeugt, hat einen entsprechend großen ökologischen Fußabdruck.

Konkret bedeutet dies, Unilever will weiter wachsen, aber zugleich sein Abfallaufkommen, seinen Wasserbedarf und seinen Treibhausgasausstoß um die Hälfte senken und den Anteil erneuerbarer Energien verdoppeln. Eine halbe Million Kleinbauern und 75.000 Kleinlieferanten sollen ebenfalls bis zum Termin 2020 durch Unilever ein faires Einkommen erzielen. Das größte Problem bei der Verwirklichung seiner Nachhaltigkeitsziele sieht das Unternehmen aber nicht im eigenen Haus, sondern beim Verbraucher. Analysen haben gezeigt, dass der Gebrauch der Produkte die größte Treibhausgasbelastung darstellt. Denn beim Haare- und Wäschewaschen, beim Duschen und Zähneputzen ist viel heißes Wasser im Spiel. 68 Prozent der Treibhausgase in Verbindung mit einem Unilever-Produkt werden bei der Benutzung durch den Kunden erzeugt; Rohstoffgewinnung, Herstellung und Transport haben also nur einen geringeren Anteil.

Kritik von Robin Wood

Wie man die Konsumenten dazu bringen kann, weniger warmes Wasser zu benutzen, stellt Unilever zurzeit vor Probleme. Schließlich wird man nicht alle Verbraucher zum Umstieg auf Trockenshampoos bewegen können.

Um seinen Bemühungen um nachhaltiges Wirtschaften Nachdruck zu verleihen, kooperiert Unilever mit der Rainforest Alliance - einer Organisation, die die Kräfte des Marktes nutzen will, um die biologische Vielfalt zu schützen. Etliche Produkte aus dem Hause Unilever tragen daher das Frosch-Label der Initiative. 2012 erhielt Unilever den deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Deutschlands nachhaltigste Zukunftsstrategie. Der deutsche Sitz des Unternehmens ist Hamburg. Von dort aus werden neben Deutschland auch die Schweiz und Österreich betreut.

Unilever bekommt aber nicht nur Lob, sondern immer wieder gibt es auch harsche Kritik. Besonders peinlich: Im Dezember 2011 demonstrierten indonesische Ureinwohner vor der Deutschlandzentrale von Unilever gegen ihre Vertreibung durch Palmöllieferanten. Unilever hatte Geschäfte mit einer Firma gemacht, die bei der Sicherung von Anbauflächen nicht zimperlich vorging: Häuser wurden niedergewalzt, Bewohner gefangen genommen. Für Palmölplantagen muss nicht nur der Regenwald weichen, die Monokulturen erfordern auch einen hohen Pestizideinsatz, der Boden und Wasser schadet. Der Verein Rettet den Regenwald verlieh Unilever daher vor zwei Jahren die Negativauszeichnung Baum-ab-Preis für "Beihilfe zur Umweltzerstörung und Missachtung der Menschenrechte in Indonesien".

Niederländische Umweltgruppen starteten außerdem Ende 2012 eine Kampagne gegen Unilever wegen der Verwendung von kleinen Plastikpartikeln in Zahn- und Peelingcremes. Der Grund: Die Kunststoffteilchen gelangen über die Kanalisation ins Wasser und schließlich ins Meer.

Ein besseres Leben für alle

Dabei hat sich Unilever doch vorgenommen, das Leben angenehmer und die Menschen attraktiver zu machen: "Unilever-Produkte berühren das Leben von mehr als zwei Milliarden Menschen jeden Tag - indem sie Ihnen ein gutes Gefühl geben, glänzendes Haar und ein hervorragendes Lächeln zaubern, indem sie ihre Häuser frisch und sauber halten oder indem sie eine große Tasse Tee, eine sättigende Mahlzeit oder einen gesunden Imbiss genießen", beschreibt der Konzern seine Vision. Immerhin gibt der Konzern 173.000 Menschen Arbeit, davon etwa 6.000 in Deutschland. Unilever-Produkte kann man in 190 Ländern kaufen. In Entwicklungs- und Schwellenländern, wo es nur wenige oder kleine Läden gibt, lässt Unilever seine Ware von Kleinlieferanten zu den Kunden bringen.

Auf die Marktgegebenheiten stellt sich Unilever fix ein: Der Geldknappheit in Südeuropa begegnet der Konzern mit kleinen Verpackungsgrößen, die wenig kosten. Das Konzept stammt eigentlich aus den Entwicklungsländern. Dort verkauft Unilever zum Beispiel Einzelportionen Shampoo für wenige Cent und verdient doch gut daran. Wer arm ist, kauft eben keinen Jahresvorrat Duschzeug und Waschmittel, sondern nur so viel, wie er gerade braucht. Deshalb gibt es das Waschmittel Surf in Spanien in Packungen, die für fünf Waschgänge reichen. In Griechenland lancierte Unilever in der Wirtschaftskrise innerhalb von sechs Monaten die günstige Lebensmittelmarke Elais.

In den angestammten Märkten Europa und USA, wo man die Kunden mit Öko- und Premiummarken zu locken suchte, wachsen die Umsätze kaum noch. Und bei Unilever geht man nicht davon aus, dass sich das so schnell wieder ändert.

Mit Shampoo Erfolg in Brasilien

Umso mehr wendet sich das Unternehmen den vielversprechenden Absatzmärkten in Asien, Lateinamerika und Osteuropa zu. Dort macht der Konzern jetzt schon mehr als die Hälfte seines Umsatzes und die Wachstumsrate lag 2012 bei elf Prozent. Bis 2020 rechnet Unilever mit einem wachsenden Wohlstand von 1,8 Milliarden Menschen vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern. Das wäre günstig für die Wachstumsstrategie des niederländisch-britischen Konzerns. Sein Ziel sind 80 Milliarden Euro Umsatz.

Infos unter www.unilever.de

Problem Palmöl

Unilever gehört zu den größten Palmöleinkäufern der Welt und will nach eigenen Angaben bereits jetzt seinen wichtigsten Naturrohstoff zu 100 Prozent aus nachhaltigen Quellen beziehen. Das muss allerdings mehr als bezweifelt werden, denn an den derzeitigen Nachhaltigkeitskriterien gibt es viel Kritik.

Palmöl hat keinen guten Ruf, für die Ölpalmenplantagen wird Urwald abgeholzt und Dörfer werden zerstört. Besonders kritisch: Den Plantagen fallen auch Torfwälder zum Opfer, dabei werden große Mengen CO2 freigesetzt, die vorher im Torfboden gebunden waren.

Um dem üblen Treiben Einhalt zu gebieten, fand sich vor knapp zehn Jahren die Initiative Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) zusammen. Ihr Ziel: "Nachhaltige Anbaumethoden für Palmöl fördern und die Umweltschädigung begrenzen." Namhafte Konsumgüter- und Kosmetikhersteller beteiligen sich an diesem Rundtisch für nachhaltiges Palmöl; ihm gehören verschiedene Interessenvertreter wie Umweltschutzorganisationen, Unternehmen und Banken an. Die Mehrheit der zurzeit 800 Mitglieder stellen die Produzenten.

Der RSPO-Rundtisch bietet vier Handelsmodelle:

Identity Preserved (UTZ certified): Die Rückverfolgung von Öl bis zur konkreten Plantage ist möglich.

Segregation (Trennung): In jeder Stufe entlang der Lieferkette bleibt zertifiziertes von nichtzertifiziertem Palmöl getrennt. Das Endprodukt enthält nur zertifiziertes Palmöl, das aber aus unterschiedlichen Quellen stammen kann.

Mass Balance (Materialbilanz): Ein bestimmtes Mischungsverhältnis aus zertifiziertem und nichtzertifiziertem Palmöl entlang der Lieferkette soll gewährleistet sein.

Book and Claim (Greenpalm): Unternehmen, die Palmöl als Rohstoff brauchen, kaufen Zertifikate für zertifiziertes Palmöl beim Erzeuger. Die entsprechende Menge zertifiziertes Palmöl wird produziert. Es muss aber nicht in den Produkten des Unternehmens verwendet werden, das die Zertifikate erworben hat. Sprich: Der Palmölverwender und Zertifikatskäufer sorgt zwar dafür, dass Palmöl nachhaltig produziert wird, kann aber weiterhin Palmöl aus inakzeptablen Quellen verarbeiten.

Umweltorganisationen wie Greenpeace, Rettet den Regenwald und Robin Hood werfen dem Roundtable "Greenwashing" vor. Die Arbeit des RSPO werde von den Konzernen gesteuert, lautet ein Vorwurf. Außerdem seien die Kriterien schwach und die Zertifizierungsfristen zu großzügig. Darüber hinaus könnten riesige Ölpalmenplantagen als Monokulturen niemals nachhaltig sein.

Der RSPO hat auf die Kritik reagiert und vor einigen Monaten seine Kriterien überarbeitet. Doch sehr viel gebracht hat das nach Meinung des RSPO-Mitglieds World Wildlife Fund (WWF) nicht. So gibt es immer noch kein klares Verbot von Palmölplantagen auf Torfböden, die Verwendung hochgiftiger Pestizide ist nicht untersagt, sondern soll reduziert und eliminiert werden - bis wann, bleibt offen. Für Treibhausgase wurde kein Reduktionsziel festgelegt.

Wer Produkte sucht, in denen kein Palmöl steckt, wird im Internet unter www.umweltblick.de fündig. Dort werden Marken und Produkte genannt, die den Herstellern zufolge ohne Palmöl produziert wurden.



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