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ÖKO-TEST April 2015
vom

Ostereierfarben

Ei love you

Die gute Nachricht zu Ostern: Eierfarben sind unbedenklich. Mit allen getesteten Produkten können Kinder bedenkenlos kleine Kunstwerke basteln. Einzig im Praxistest hakte es bei einigen: Sie kleckern, verschmieren oder kochen über.

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27.03.2015 | Kein Osterfrühstück ohne kunterbunte Eier: Im Durchschnitt isst jeder Deutsche an diesen Tagen zwei bis drei Eier mehr als sonst. Drei Varianten gibt's: selbst gefärbt mit selbst gemachten Farben, selbst gefärbt mit gekauften Farben - oder einfach selbst gekauft.

Es gibt sie das ganze Jahr über - zur WM auch in Schwarz-Rot-Gold. Die gekochten Eier sind knallig bunt und glänzen. Wer hier allerdings gefährliche Chemie erwartet, dürfte in den meisten Fällen falsch liegen. Zugelassen sind ausschließlich Lebensmittelfarben. Die Eier werden nach dem Färben mit Schutzlacken luftdicht abgeschlossen und sind etwa vier Wochen haltbar. Sagen die Hersteller. Untersuchungen von Landesuntersuchungsämtern stellen diese lange Haltbarkeit allerdings in Frage. Bei einem Test des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit etwa waren einzelne oder mehrere Eier jeder vierten untersuchten Packung am Ende des angegebenen Mindesthaltbarkeitsdatums verdorben.

Ein weiterer Grund, der gegen industriell gefärbte Eier spricht: Vor dem Gesetz gleicht ein Ei nicht dem anderen. Rohe Eier unterliegen der Kennzeichnungspflicht - die Betonung liegt hier allerdings auf "roh". Gefärbte und gekochte Eier sind von dieser Regelung ausgenommen. Das heißt: Die Hersteller müssen nicht angeben, wie oder wo die Hühner gehalten werden. Der bei anderen Eiern verpflichtende Stempel, an dem man das anhand der ersten Ziffern 0 (Öko), 1 (Freiland), 2 (Bodenhaltung) oder 3 (Kleingruppenhaltung) auf einen Blick erkennen kann, fällt bei Ostereiern weg. Die Begründung: Ostereier sind ein verarbeitetes Produkt. Wenn die Eier in einer geschlossenen Verpackung angeboten sind, müssen sie zumindest noch Angaben über den Hersteller, das Gewicht und den Hinweis "mit Farbstoff" tragen. Für lose Eier gilt nicht einmal das.

Genügend Gründe also für gekaufte Ostereierfarben zum Selberfärben. Auch diese Farben müssen gesetzlich für Lebensmittel zugelassen sein, weil durch die feinen Poren der Eier oder durch kleine Risse Farbe dringen kann. Einige der verwendeten (Azo-)Farbstoffe stehen in der Kritik, weil sie bei Kindern möglicherweise die Aktivität und Aufmerksamkeit beeinträchtigen oder Pseudoallergien auslösen können. Allerdings gilt das nur für den Verzehr größerer Mengen - wenn ein wenig Farbe durch die Eierschale dringt und mitgegessen wird, ist das unbedenklich. Die Azo-Farbstoffe Tartrazin (E 102), Gelborange S (E 110), Azorubin (E 122), Cochenillerot (E 124) und Allurarot (E 129) sowie der künstliche Farbstoff Chinolingelb (E 104) stecken unter anderem in Weingummis, Bonbons und Kaugummis - und da sind sie deutlich bedenklicher als auf Eierschalen. Deswegen müssen Lebensmittel mit diesen Farbstoffen einen Warnhinweis tragen. Davon ausgenommen sind: richtig, die Eierfarben. Die umstrittenen Azo-Farbstoffe müssen allerdings nicht sein - die schöneren, weil natürlicheren Farbergebnisse lassen sich mit rein pflanzlichen Naturfarben erzielen. Das ist zwar nichts für Perfektionisten, weil manche Farben sich ungleichmäßig verteilen. Aber dadurch wirken die Eier besonders individuell - und eben nicht industriell gefärbt. Um diesen Effekt zu erzielen, eignen sich auch selbst gemachte Farben aus Lebensmitteln.

Wer ganz sicher gehen will, dass auf dem Ei nichts Unnatürliches landet, der kann zu einfachen Lebensmitteln wie Rote Beete, Rotkohl, Zwiebeln oder Spinat greifen. Da diese Farben weniger intensiv wirken, sollten nur weiße Eier damit gefärbt werden. Frische Früchte und Blätter werden gehackt, Wurzeln und getrocknetes Obst mehrere Stunden lang eingeweicht, bevor sie in einem Topf mit Wasser zum Kochen gebracht werden. Und dann gilt die Faustformel: je heißer der Farbsud und je länger die Eier darin liegen, desto intensiver das Farbergebnis. Rote Farben erreicht man zum Beispiel mit Rotkohl oder Roter Beete, Grün mit Petersilie oder Spinat. Gelb bis Gold werden Eier mit Zwiebelschalen, rein gelb zum Beispiel mit Safran. Nur Blau ist wirklich schwierig zu erreichen - am ehesten klappt's mit Heidel- oder Holunderbeeren.

Damit Sie genau wissen, was in den gekauften Farben steckt, haben wir elf Produkte ins Labor geschickt und zusätzlich einem umfangreichen Praxistest unterzogen.

Das Testergebnis

Alles im grünen Bereich: Die verwendeten Farbstoffe sind alle als Lebensmittelfarben zugelassen und damit, zumindest auf Eierschalen, unbedenklich. Auch sonst haben wir, bis auf eine halogenorganische Verbindung (Erythrosin), keine bedenklichen oder umstrittenen Inhaltsstoffe gefunden. Schwächen offenbarten sich im Praxistest.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Ostereierfarben zum Selberfärben sind in unserem Einkaufskorb gelandet. Dabei wollten wir ein möglichst breites Spektrum an Produkten untersuchen - die klassischen Kalt- und Kochfarben, aber auch ausgefallenere wie Marmorierfarben, "Zauberstifte", Glanzmaler und Färbetücher. Mit dabei: Farben auf künstlicher und auf natürlicher Basis.

Die Inhaltsstoffe
Zunächst einmal standen natürlich die Farbstoffe im Fokus der Untersuchungen. Sind sie als Lebensmittelfarben zugelassen? Dann haben wir die Produkte auf Schwermetalle und andere Elemente untersuchen lassen. Außerdem auf der Prüfliste der von uns beauftragten Labore: halogenorganische Verbindungen. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von mehreren Tausend Stoffen, von denen einige Allergien, andere Krebs auslösen können.

Der Praxistest
Mit Maria-Regina und Michael Altmeyer haben zwei ausgewiesene Fachleute, die bereits seit 20 Jahren im Geschäft sind und schon mehrere Bücher zum Thema Ostereierfärben veröffentlicht haben, die von uns ausgewählten Farben ganz genau unter die Lupe genommen. Strikt nach Anleitung haben sie jeweils fünf Eier gefärbt und nach festgelegten Kriterien wie Farbergebnis, Deckkraft und Handhabung beurteilt.

Die Bewertung
Zu Abzügen führten in erster Linie Praxismängel: Wenn etwa eine Farbe besonders kleckert oder schmiert, bemängeln wir das. Auch wenn Pinsel kaum Farbe aufnehmen, Farben überkochen oder Stifte sich eindrücken lassen, kann das nicht mehr "sehr gut" sein. Azo-Farbstoffe würden wir kritischer sehen, wenn sie in Lebensmitteln steckten.

So haben wir getestet

Chlorophyll kocht leicht über: Wenn davor nicht gewarnt wird, bemängeln wir das.