Trinklernbecher im Test: Viele Marken überzeugen

ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013 | Autor: Jürgen Steinert | Kategorie: Kinder und Familie | 11.01.2013

Viele Trinklernbecher im Test sind empfehlenswert.
Foto: Alliance Images/Shutterstock

Trinken wie die Großen – das ist für Babys und Kleinkinder gar nicht so leicht. Trinklernbecher machen die Sache einfacher. Sie sind praktisch, robust und in der Mehrzahl auch rundum in Ordnung.

Aktualisiert am 11.01.2013 | Um den Sprösslingen den Übergang von der Brust oder vom Fläschchen zum Trinkgefäß der Großen zu erleichtern, werden Trinklerntassen und -becher angeboten. Voraussetzung ist, dass das Kind den Becher allein halten kann. Griffe links und rechts vereinfachen das Festhalten.

Der Mannheimer Kinderarzt und ÖKO-TEST-Berater Dr. Falko Panzer hält Trinklernbecher lediglich für eine nette Spielerei: "Wenn man das Kind von vornherein an einen normalen Becher gewöhnt, funktioniert das Trinkenlernen hervorragend", sagt er.

Nichtsdestotrotz erfreuen sich Trinklernbecher und -tassen bei Eltern großer Beliebtheit, sind sie doch praktisch, unzerbrechlich und mehr oder weniger auslaufsicher. ÖKO-TEST hat zwölf Produkte eingekauft und im Labor auf Schadstoffe sowie Geruchs- und Geschmackseigenschaften untersuchen lassen.

Trinklernbecher im Test: Das Fazit

Fast alles gut: Beim Kauf einer Trinklernbecher kann man nicht viel verkehrt machen: Zehn der zwölf getesteten Produkte schneiden mit "sehr gut" oder "gut" ab. Nur eine Tasse aus Melamin fällt mit "mangelhaft" durch.

Wie steht es um Schadstoffe?

Viele Untersuchungen, erfreulich wenig Befunde: Spuren von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) waren in allen Bechern nachweisbar. Lediglich in einer Trinklerntasse waren die Mengen etwas erhöht (eine Verbindung größer als 100 µg/kg).

Ansonsten entpuppten sich aber alle Becher im Materialscreening als unauffällig: Weder Weichmacher (sowohl verbotene Phthalate als auch alternative Weichmacher) noch phenolische Verbindungen wie Bisphenol A (BPA) waren in den Produkten nachweisbar. Das Gleiche gilt für Schwermetalle wie Blei, Cadmium, Chrom oder Quecksilber.

Ein Trinklernbecher im Test bildet Risse

Im Migrationstest auf der Strecke geblieben: Man kann dem erwähnten Melaminbecher, dem Testverlierer, zugutehalten, dass sich in der chemischen Untersuchung nur sehr wenig Melamin und Formaldehyd aus dem Material lösten – nicht gar nichts, aber doch deutlich weniger als die spezifischen Migrationsgrenzwerte zulassen.

Zudem ist die Tasse mit einem Hinweis versehen, dass sie nicht für die Mikrowelle geeignet ist. Denn gerade beim Erhitzen können Küchenutensilien aus Melaminharz die gesundheitlich bedenklichen Grundstoffe freisetzen.

Was aber auf eine lausige Verarbeitung oder Herstellung der Tasse schließen lässt, ist die Tatsache, dass alle in der Gesamtmigration untersuchten Becher nach dem ersten Testdurchgang Risse zeigten. Dabei wurden lediglich entweder heißes destilliertes Wasser oder heiße verdünnte Essigsäure in die Becher gefüllt und für 24 Stunden stehen gelassen. Der eigentliche Migrationstest konnte deshalb gar nicht zu Ende geführt werden.

Wie riechen die Trinklernbecher?

Geruch und Geschmack okay: Ungereinigt verströmten alle Becher ein Aroma, das in seiner Stärke von "gerade wahrnehmbar" bis "deutlich" variierte und von den Prüfern mit "nach Kunststoff", "muffig" oder auch "süßlich" beschrieben wurde.

Nach einer haushaltsüblichen Reinigung mit lauwarmem Wasser und Spülmittel blieb davon aber höchstens noch eine schwache Note übrig. Auch Mineralwasser ohne Kohlensäure war selbst nach 24 Stunden in den gereinigten Bechern geschmacklich unauffällig.

Diesen Test haben wir zuletzt im Jahrbuch Kleinkinder für 2012 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kleinkinder für 2013 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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Testverfahren

Der Einkauf: An beiden Seiten mit Griffen ausgestattete Trinklernbecher sollen den Übergang vom Nuckelfläschchen und das eigenständige Trinken aus einem Glas oder einer Tasse erleichtern. Die meisten der eingekauften Becher waren mit der Altersangabe ab sechs Monate versehen. Die Preise reichten von knapp 2,50 Euro bis zu fast neun Euro.

Die Inhaltsstoffe: Die Mehrzahl der Becher besteht laut Anbieterangaben aus Polypropylen, die Mundstücke häufig aus Silikon. Ein Labor überprüfte, ob nicht doch irgendwo PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe verarbeitet wurden. Weitere Analysen galten bedenklichen und gesundheitsschädlichen Weichmachern, Phenolen wie Bisphenol A und Verunreinigungen durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, von denen einige krebserzeugend sind, sowie einer speziellen Migrationsuntersuchung auf Melamin und Formaldehyd für den Melaminbecher.

Die Sensorik: Frisch ausgepackt, verströmen Kunststoffprodukte oft eine unangenehme Chemienote. Das muss nicht an gesundheitsgefährdenden Stoffen liegen, kann sich aber geschmacklich nachteilig auf den Inhalt des Trinklernbechers auswirken. Um das zu testen, rochen sechs Experten in Anlehnung an die DIN-Norm 10955 (2004) erst an den ungereinigten, dann an den gespülten Bechern und verkosteten gemäß der Norm stilles Mineralwasser, das in den gereinigten Bechern 24 Stunden lang stehen gelassen wurde.

Die Bewertung: Im Idealfall ist ein Trinklernbecher frei von Schadstoffen, riecht nicht und wirkt sich auch nicht geschmacklich auf seinen Inhalt aus. Daher setzt sich das Gesamturteil aus den Testergebnissen Inhaltstoffe und Sensorik zusammen und kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Zeigt ein Becher schon bei einer einfachen Migrationsprüfung Risse, dann kann er nicht besser als "mangelhaft" sein.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: ein nicht bestimmbarer Übergang von Stoffen (Migration) aus dem Becher. Zur Abwertung um zwei Noten führt: a) mehr als 100 μg/kg einer oder mehrerer PAK-Einzelverbindungen. Zur Abwertung um eine Note führen: PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe im Produkt.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und dem Testergebnis Sensorik. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis.

Testmethoden

Testmethoden: PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe: Röntgenfluoreszenzanalyse. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK): Kunststoffteile in der Mischprobe gemäß repräsentativem Anteil des Bechers; getestet auf 25 PAK nach EU/EPA/JECFA, GC-MSD. Trinkbecher aus Melamin: Migration nach Befüllen des Bechers mit 100 ml Prüfsimulanz (3 % Essigsäure) und Bedecken mit dem Deckel für 24 Stunden bei Raumtemperatur. Gesamtmigration: ASU B 80.30-1, -4 und -17: Lagerung der Becher mit den Prüflebensmitteln destilliertes Wasser (Simulanz A) bzw. 3%ige Essigsäure (Simulanz B) für 24 Stunden bei 70 °C, anschließend Entnahme des Prüflebensmittels und eindampfen bis zur Trockne, gravimetrische Bestimmung des nicht flüchtigen Rückstands. Die Migrationsprüfung wird dreimal an derselben Probe durchgeführt.

Einkauf der Testprodukte: Juni – Juli 2011.

Diesen Test haben wir zuletzt im Jahrbuch Kleinkinder für 2012 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kleinkinder für 2013 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013
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