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15 Tragehilfen im Test

Sitzt, wackelt und hat Luft

ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013 | Kategorie: Kinder und Familie | 11.01.2013

15 Tragehilfen im Test

Werden Babys nah am Körper getragen, sind sie meist entspannt und zufrieden. Mit praktischen Tragehilfen kommen Eltern und Kind gut durch den Alltag. Doch nicht alle Modelle sind aus medizinischer Sicht ideal für die Kleinen: Die Babys sitzen darin einfach nicht in der richtigen Position. Zudem stecken in manchen Tragehilfen auch problematische Schadstoffe.

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Zwei Drittel der Weltbevölkerung transportieren ihren Nachwuchs vor dem Bauch, huckepack oder auf der Seite. Recht haben diese Eltern, sagen Experten und sind sich einig, dass der intensive, regelmäßige Körperkontakt beim Tragen die Entwicklung eines Kindes und die Eltern-Kind-Beziehung positiv beeinflusst. Viele Eltern berichten zudem, dass ihre Babys dadurch ruhiger und ausgeglichener sind.

Aber auch medizinische Gründe können für eine Tragehilfe sprechen: Die angehockte Haltung, die Kinder im Tragetuch oder einer guten Trage einnehmen, wird in der Fachliteratur sogar zur Behandlung von Hüftgelenksanomalien empfohlen.

Tragen ist längst nicht mehr nur Frauensache. Auch Mann trägt heute Baby, allerdings seltener im Tuch, sondern häufiger in der vermeintlich praktischeren Komforttrage. Gemeint sind Tragesitze oder -säcke, die wie kleine Rucksäcke vorgeformt sind oder Ringslings, bei denen die Stoffbahnen durch zwei Metallringe festgezogen werden, und die ihre Stärken vor allem beim Tragen auf der Hüfte haben.

Wir wollten wissen, in welchen Modellen die Kleinen am besten aufgehoben sind. Dazu haben wir 15 Produkte - sechs Tücher und neun Komforttragen - auf problematische Inhaltsstoffe untersuchen lassen. Außerdem ließen wir sie von Experten und Eltern mit Babys überprüfen.

Das Testergebnis

Das Tragetuch ist und bleibt, vor allem für jüngere Babys, die erste Wahl. Während im Praxistest unsere kleinen Testpersonen in allen Tüchern spontan richtig saßen, erfüllten zwei Komforttragen nicht einmal die grundlegendsten physiologischen Anforderungen. In den meisten anderen musste die Körperhaltung zumindest korrigiert werden.

So rutschten beispielsweise aus dem Freehand Mei Tai und der Manduca Baby- und Kindertrage teilweise die Arme der Babys seitlich heraus. Erst als diese von den Eltern vor dem Körper zentriert wurden, konnten die Kleinen ihre Haltung wieder gut kontrollieren. Auch in Sachen Beinstellung musste öfters nachgebessert werden. Beim Beco Butterfly 2 waren die Eltern nicht in der Lage, ihre Sprösslinge in einen "tiefen Sesselsitz" zu bringen, was dazu führte, dass diese unnatürlich aufrecht sitzen mussten. Durch eine intensive fachliche Begleitung gelang es dann zwar, ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Für unsere Experten steht dennoch fest: "Erst für ältere Kinder ab etwa drei bis vier Monaten können die meisten Komforttragen eine zunehmend gleichwertige Alternative zum Tragetuch sein." Von den getesteten Tragesitzen war alleine der Ergo Baby Carrier mit dem dazupassenden Neugeboreneneinsatz einwandfrei geeignet.

Absolut inakzeptabel ist dagegen der Baby Björn Comfort Carrier: "Das Baby hängt in dem Gestell, dadurch kommt es zu einer starken Überstreckung der Wirbelsäule, die sich sogar negativ auf die motorische Entwicklung auswirken kann", kritisierten unsere Tester. Selbst etwas überrascht waren sie vom schlechten Abschneiden des Glückskäfer Babytragesacks. Das Traditionsprodukt erfüllte nicht die heutigen A


Tragehilfen: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Storchenwiege Ring Sling Eric Bio
  • Storchenwiege

Lana New Born Kokos Tragetuch
  • Lana Tragetücher

Beco Butterfly 2, Modell Lauren
  • Beco Baby Carrier

Didymos Babytragetuch, Wellen Holunder 6
  • Didymos

Glückskäfer Babytragesack, Stoff blau gemustert
  • Käfer & Partner

Baby Björn Comfort Carrier Organic Grey
  • BabyBjörn

Dolcino Ringsling Kuba
  • Dolcino

Freehand Mei Tai 3 in 1 Baby Carrier, Marie Retro
  • Together Be

Lotties Tragetuch Natur
  • Lotties

Manduca Baby- und Kindertrage schwarz
  • Wickelkinder

Amazonas Carry Sling Lollipop Babytragetuch
  • Amazonas

Ergo Baby Carrier Organic  Cranberry + Baby-Einsatz Natural
  • ERGObaby

Hop-Tye Design Chicago
  • Hoppediz

Merry Carry Baby Tragetuch Achat Blau
  • Bebina

Moby Wrap Classic, Chocolate
  • Moby Wrap

15 Tragehilfen im Test
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013 Seite 158
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013 Seite 159
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013 Seite 160
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013 Seite 161
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013 Seite 162
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013 Seite 163

6 Seiten
Seite 158 - 163 im ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013
vom 11.01.2013
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Tragehilfen gehören für viele junge Eltern zur Standardausstattung: Wer sein Baby in Sack oder Tuch am Körper trägt, braucht, anders als beim Kinderwagen, weder unebenes Gelände noch Stufen zu scheuen. Und auch dem Kind tut das Getragenwerden gut. Der Trend geht zur praktischen Komforttrage, die sich mit wenigen Schnallen schließen und bei neueren Modellen von Geburt an nutzen lässt. Trotzdem haben viele Eltern heute beides: ein Tuch für die erste Zeit und für später einen vorgeformten Tragesack oder -sitz. Ergänzend zum Tuch werden Ringslings angeboten, in die man ein Kind unkompliziert hineinsetzen und wieder herausnehmen kann. Eine beliebte Zwischenform aus Tuch und Komforttrage ist der Mei Tai, der seinen Ursprung in den asiatischen Ländern hat: An die Stoffbahn sind Schulterträger und Hüftbänder angenäht, die je nach Modell entweder gebunden und geknotet oder mit einer Schnalle geschlossen werden. Ob Tuch, Ringsling, Sack oder Mei Tai - wir haben alle Varianten im Test mit dabei. Erfreulicherweise sind Modelle aus Bio-Baumwolle bei Eltern sehr beliebt. Die Produkte wurden entweder bestellt oder im Fachgeschäft eingekauft.

Die Inhaltsstoffe

Eine Tragehilfe, mit der Eltern und ihre Sprösslinge auf Tuchfühlung gehen, muss frei von Schadstoffen sein. Deshalb ließen wir prüfen, ob die eingesetzten Farben sensibilisierende und verbotene Stoffe enthalten. Auch Verunreinigungen mit halogenorganischen Verbindungen können aus dem Färbeprozess stammen. Formaldehyd, das Textilien bügelfrei machen soll, hatten wir unter anderem schon in Kinder-T-Shirts gefunden, die ebenfalls aus Baumwolle sind. Jetzt wollten wir natürlich wissen, ob sie auch in Tragehilfen ein Problem darstellen. Hinzu kommen - je nach Materialbeschaffenheit - weitere Prüfungen: In Kunststoffteilen können polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) oder zinnorganische Verbindungen stecken, bei Metallschnallen mit Hautkontakt ließen wir prüfen, ob sich Nickel löst. Außerdem wurden alle Tragehilfen auf giftige Schwermetalle untersucht.

Der Praxistest

Drei Expertinnen testeten die Tragehilfen mit unterschiedlich alten Babys und unterschiedlich großen Eltern. Die Bad Friedrichshaller Physiotherapeutin Birgit Kienzle Müller schaute beispielsweise, ob der Kopf der Kinder ausreichend gestützt war, da die Muskulatur der Halswirbelsäule in den ersten Lebensmonaten noch nicht ausreichend für die Kopfkontrolle entwickelt ist. Ulrike Höwer (leitet "Die Trageschule" in Dresden) prüfte, ob sich ein Tuch straff binden, eine Komforttrage leicht einstellen und sich ein Ringsling breit auf der Schulter der Mutter oder des Vaters auffächern ließ. Sabine Hartz, Kinästhetikspezialistin aus Hamburg, achtete darauf, inwieweit die Kleinen ihre Körperteile - also Kopf, Brustkorb, Becken, Arme und Beine - am Körper der Mutter in eine gute Beziehung zueinander bringen konnten. Gelingt dies nicht, steigt der Spannungszustand im Körper und das Kind fühlt sich nicht mehr wohl. Wichtigstes Kriterium: eine optimale Anhockspreizstellung. Das heißt, das Kind muss die Oberschenkel bis zum rechten Winkel - besser sogar stärker - anziehen (Knie etwa auf Nabelhöhe) und die Beine abspreizen können, dabei ist der Rücken leicht gerundet. Diese Haltung entspricht den anatomischen Gegebenheiten des Säuglings. Hängen die Beine herab oder wird durch die Konstruktion einer Tragehilfe der Rücken gerade gedrückt, fällt er in ein unphysiologisches Hohlkreuz.

Darüber hinaus ließen wir Tücher und Ringslings von Textilexperten unter die Lupe nehmen - billige Leinwandbindungen leiern oft schneller aus, schlecht vernähte Kanten könnten zum Beispiel einschneiden. Da eine Tragehilfe von Kindern auch in den Mund genommen wird, sollten außerdem die Farben speichel- und schweißecht sein.

Die Bewertung

Eine Tragehilfe muss nicht nur frei von Schadstoffen sein, sondern sich auch aus physiotherapeutischer Sicht für den Gebrauch eignen und die frühkindlichen Bewegungen unterstützen sowie fördern können. Deshalb kann das Gesamturteil nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis.

Aktuelle Ausgabe
Spezial Naturkosmetik
Spezial Naturkosmetik
Zugehörige Ausgabe:
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013

Erschienen am 11.01.2013

ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013
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