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33 Spielzeug-Lizenzartikel im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013
vom 11.01.2013

Spielzeug, Lizenzartikel

Lizenz zum Spielen

Vom Plüschtier bis zur Bettwäsche - quer durch alle Verkaufsregale pirschen sich Spider-Man, Lillifee und Co. an die jungen Konsumenten heran. Wir haben 33 Lizenzartikel für Kinder unter die Lupe genommen und sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden.

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11.01.2013 | Morgens um halb sieben in Deutschland: Mami steht in der Küche und befüllt die "Luke-Skywalker"-Brotdose mit "Wookiee-Cookies", während im Kinderzimmer der Sohnemann im "Darth-Vader"-Kostüm umherstolziert, im Hintergrund prangt ein riesiges 3-D-Wandtattoo mit dem Weltraumroboter "R2D2" -Star Wars. Die nunmehr 35 Jahre andauernde Erfolgsgeschichte vom Kampf Gut gegen Böse in einer weit entfernten Galaxie, ist wegweisend in Sachen Mehrfachvermarktung. Mittlerweile sind Film-, Buch- und Serienhelden wie "Spider-Man", "Lillifee" oder "Spongebob" in der Kinderproduktewelt allgegenwärtig und in jeder Form zu haben.

ÖKO-TEST wollte wissen, wie es um die Qualität der Lizenzartikel für Kinder bestellt ist und hat 33 Produkte - unter anderem Plüschtiere, Puppen, Bettwäsche und Taschen - unter die Lupe genommen.

Das Testergebnis

Die gute Nachricht: Es gibt zwölf "sehr gute" oder "gute" Artikel, die wir empfehlen können. Doch die Freude hält sich in Grenzen: Fast die Hälfte der getesteten Spielzeuge landet im roten Bereich. Große Anbieter wie Simba und Mattel machen keine gute Figur.

Im Plastikmaterial der Kunststofffiguren sorgen zahlreiche chemische Helfer für Elastizität und Flammschutz. Von diesen Schadstoffen wird kein Kind sofort krank, aber sie können zu einer langfristigen Belastung beitragen. "Nicht für Kinder unter drei Jahren" schreibt Anbieter Simba auf seine Wabbelfigur Spongebob Stretch Me! Unserer Meinung nach spricht das Produkt aber gerade Kinder dieses Alters an. Daher prüften wir es nach den strengeren Anforderungen für Kleinkinder. Resultat: Arme und Beine lassen sich leicht abreißen. Das Material kann mit Süßigkeiten verwechselt und verschluckt werden. und ist auch noch mit krebsverdächtigen PAK belastet.

Der Puppenbuggy ist "gut", die Puppen nicht. Die Stoffpuppen schneiden aber immer noch besser ab als die Modelle aus Weichkunststoff. Die Sandmännchen Weichkörper-Puppe enthält verschluckbare Kleinteile.

Drei Fahrzeuge, dreimal die Bestnote "sehr gut". Das liegt auch am Material: schadstofffreies Hartplastik. Das sind Kunststoffe, in die man seinen Fingernagel überhaupt nicht eindrücken kann.

Die Plüschfiguren Kikaninchen, Caillou und Die Sendung mit dem Elefanten enthalten Chemikalien, die unter Krebsverdacht stehen.

Aus dem Polyester des Disney Princess Cindarella-Kissen löst sich giftiges Antimon, in der Hello Kitty Wende-Bettwäsche aus Baumwolle steckt hautreizendes Formaldehyd.

Hauptproblem bei den geprüften Taschen sind die Aufdrucke, die zum Teil hochgradig mit Schadstoffen belastet sind.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Bei unserem Einkauf haben wir uns auf Lizenzfiguren konzentriert, die bei Kindern gerade besonders "in" sind - und uns auf sieben Produktgruppen festgelegt: Puppen, Plüschfiguren, Fahrzeuge und Kunststofffiguren sowie Bettwäsche, Taschen und Kissen.

Die Inhaltsstoffe
20 von 33 Testprodukten sind Spielzeuge. Sie wurden in vier Laboren auf mehr als 150 Substanzen untersucht. Jedes Spielzeug checkten die beauftragten Labore unter anderem auf weichmachende Phthalate, stabilisierende oder farbgebende Schwermetalle und sogenannte PAK, die inzwischen allgegenwärtig sind. Das gleiche Prüfprogramm durchliefen Taschen, die ebenfalls aus Kunststoffen beziehungsweise -fasern bestehen und PVC enthalten und/oder Plastisolaufdrucke haben. Krebserregende Farbstoffe sind in gefärbten Textilien ein Problem. In Bettwäsche ließen wir nach Formaldehyd fahnden, das beispielsweise Baumwolle pflegeleichter machen soll. Außerdem wurde in Bettwäsche wie auch in Kissen nach Rückständen von Nonylphenolethoxylaten gesucht - Chemikalien, die vor allem in der Textilveredelung eingesetzt werden und das Gewässer belasten.

Die Praxisprüfung
Man sieht es ihnen meist nicht an, aber Spielzeuge bergen für Kinder häufig auch ein Verletzungsrisiko, zum Beispiel die hübsche Stoffpuppe mit den langen Bändchen, die coole Actionfigur mit abreißbaren Kleinteilen oder die kleine Lok mit verschluckbaren Magneten. Um solchen Spielzeugschrott auszusieben, haben wir uns beim Praxistest an der Spielzeugnorm EN 71 orientiert: Die Spielzeuge wurden zum Beispiel in eine Apparatur gespannt und lang gezogen, sie wurden aus 85 Zentimetern Höhe auf eine Stahlplatte fallen gelassen und von oben mit Gewichten malträtiert. Diese Tortur mussten sie aushalten, ohne zu zerplatzen, zu zerreißen und ohne dass sich verschluckbare Kleinteile bilden. Außerdem musste Spielzeug für Kleinkinder speichel- und schweißecht sein, Plüschiges und Langhaariges durfte sich nicht leicht entzünden lassen.

Die Bewertung
Taschen, Bettwäsche und Kissen konnten nur dann "sehr gut" abschneiden, wenn sie frei von bedenklichen oder umstrittenen Inhaltsstoffen waren. Bei Spielzeug mussten die Inhaltsstoffe genauso unbedenklich sein wie die praktische Verwendung.

So haben wir getestet

Strenge Spielzeugprüfungen im Labor: Puppenhaar durfte nicht leicht in Flammen aufgehen.

So haben wir getestet

Figuren mussten reißfest sein, damit sich beim Spielen keine verschluckbaren Kleinteile lösen können.

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